# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 06_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 haben, daß jene und andere alte Kernbücher nie vergessen, noch durch neuere in selbstgemachter Andacht verfaßte oder nicht aus gründlicher Erfahrung geflossene Schriften verdrängt werden. Anders verhält es sich mit der Lehre. Diese bedarf immer neuer Vertheidigung gegen immer neue Angriffe auf sie, gegen immer neue Verfälschungen und gegen die wenigstens in einem neuen Gewande immer wieder auftauchenden alten Ketzereien. Wir werden daher auch ferner bei der Herausgabe unseres „Lutheraner" den Zweck im Auge behalten, hauptsächlich die Erkenntniß der rechten Lehre zu befördern und unsern Lesern in dieser verführungsvollen Zeit zu einem Wegweiser zu dienen, der ihnen zur Seite gehe, sie vor dem Unglauben und falschen Glauben warnend, welchen die zahlreichen falschen Propheten unserer Tage mündlich und schriftlich predigen. Alle die lieblosen Urtheile, denen wir darum schon verfallen sind und etwa noch verfallen dürften, werden uns unser Ziel nicht verrücken. Wir erkennen nicht nur durch Gottes Gnade lebendig, welch ein theures Kleinod die reine unverfälschte Lehre ist und daß sie allein der rechte Grund auch zu einer wahren ungeheuchelten Gottseligkeit sei; wir sind es uns auch bewußt, daß wir keineswegs aus Zank- oder Ehrsucht, noch mit Gehässigkeit im Herzen, sondern aus reiner von Gott in uns gewirkter Liebe zu seiner Wahrheit und zu dem Heile unserer irrenden Brüder schreiben; wir haben auch endlich den Trost, daß wir nicht allein stehen, sondern in unserem Kampfe alle heiligen Propheten und Apostel und Christum, den allerheiligsten Sohn Gottes selbst, zu unseren Vorgängern und Mustern haben, indem dieselben bei der größten Liebe nichts desto weniger den heiligsten Ernst gegen Irrlehrer und gegen jegliches, auch das geringste Abgehen von den geoffenbarten Wahrheiten gezeigt und mit Predigen und Schreiben bis in den Tod dagegen gekämpft haben. Ihnen wollen wir daher auch ferner freudig folgen, an die ungünstigen Urtheile der Welt und derer, die ihr angehören, über unser Streben uns nichts kehren und nur darnach trachten, einst als ein treuer Haushalter erfunden zu werden. Wir wiederholen es jedoch, daß wir es nie aus der Acht lassen werden, daß es uns vor allen gebühren will, in ungeheuchelter Demuth und Bescheidenheit aufzutreten, da wir selbst vormals Irrwege gegangen sind, aber je mehr wir selbst erfahren haben, von welchem verderblichen Einfluß selbst ein mit eigenerwählter Demuth und Selbstverleugnung verbundener Irrthum auf unser ganzes Leben für Zeit und Ewigkeit sein könne, desto mehr halten gerade wir uns verpflichtet, dagegen zu zeugen, wo er sich auch findet und wo wir nur hoffen können, durch unser geringes Zeugniß etwas Gutes zu wirken. Wird Gott ferner Segen geben, daß durch den „Lutheraner" in dieser Zeit des Indifferentismus in dem und jenem Leser die Ueberzeugung von der Wichtigkeit der Reinheit der Lehre geweckt oder der eine und andere in derselben gestärkt wird, so werden wir uns für unsere geringe Mühe mehr als reichlich belohnt achten. Die Sacramentsschwärmer heben den Artikel von der Rechtfertigung auf und führen auf die Werke. Also schreibt Luther: „Sehet, was thun unsere neuen Rotten und Schwärmer anders, denn daß sie die Leute auf die Werke führen? Die Wiedertäufer, was thun sie, was lehren sie? Sie sagen, die Taufe sei nichts; nehmen aus der Taufe rein hinweg die Gnade, daß keine Gnade und Barmherzigkeit Gottes, keine Vergebung der Sünden drinnen sei, sondern ein Zeichen, daß du fromm seist; und du mußt zuvor fromm sein, ehe du getauft wirst, oder die Taufe sei ein Zeichen, daß du dieselbige Frömmigkeit habest. Sie sondern die Gnade ab von der Taufe und lassen mir allda ein bloß äußerlich Zeichen; da ist kein Fünklein der Gnade, sondern sie ist gar herausgeschnitten. Wenn also die Gnade Christi aus der Taufe hinweg ist, so bleibet ein pur Werk. Also im Sacrament des Abendmahls des HErrn nehmen die Schwärmer heraus die Verheißung, die uns angeboten wird, sagen, es ist Brod und Wein, wenn du es issest und trinkest. Da ist die Gnade, so uns darin angeboten wird, auch hinweg geschnitten und verleugnet. Denn so lehren sie: Du thust ein gut Werk daran, wenn du allein Christum bekennest; und wenn du das Brod und den Wein nur issest und trinkest im Abendmahl, so muß da keine Gnade sein. Also gehet es, wenn einer von dem ersten Gebot abfället (und auf ander Ding trauet, denn auf Gott, welcher ihm seine Gnade und Barmherzigkeit anbeut), der richtet bald einen Abgott und ein Werk an, darauf er trauet. Die Schwärmer heutiges Tages treiben zwar auch alle das erste Gebot; sagen: Wir verkündigen auch Gnade und Barmherzigkeit durch Christum und verwerfen nicht den Artikel des ersten Gebotes, und sagen, ich, Lutherus, lüge sie an. Aber sieh ihnen drauf, sie bekennen den gestorbenen Christum, der am Kreuz gehangen und uns selig gemacht, das ist wahr; aber sie leugnen das, dadurch wir ihn bekommen, das ist, das Mittel; den Weg, die Brücke und Steig, den brechen sie ein. — Es ist gleich und gehet mit ihnen, als wenn ich einem predigte: da habe ich einen Schatz, und gäbe ihm doch nicht die Schlüssel dazu; was hülfe ihm dieser Schatz? — Darum sagen die Schwärmer auch viel von Gott, von Vergebung der Sünden und der Gnade Gottes, auch daß Christus gestorben sei, aber wie ich Christum erlange, und wie die Gnade zu mir kommt, daß ich sie kriege, daß wir zusammen kommen, da sagen sie: Der Geist muß es alleine thun, führen mich auf den Affenschwanz, sagen, das äußerliche mündliche Wort, die Taufe und Sacrament sei kein nütze und predigen doch von der Gnade. Das heißt mir den Schatz verkündigen und fein davon sagen, aber den Schlüssel und die Brücke weggenommen, darauf ich zum Schatze kommen soll. Nun hat es Gott also geordnet, daß dieser Schatz durch die Taufe, das Sacrament des Abendmahls und äußerliche Worte uns gegeben und dargereicht wird. Denn das sind die Mittel und Instrumente, dadurch wir zu Gottes Gnade kommen. Das verleugnen sie. — Du mußt, sagen sie, den Geist haben: aber wie ich den Geist haben kann, das wollen sie mir nicht lassen. Nun, wie kann ich den Geist überkommen und glauben, wenn man mir nicht predigt das Wort Gottes und die Sacramente reichet? Ich muß das Mittel haben, denn „der Glaube kommt aus dem Gehör, das Gehör aber durch das mündliche Wort," Röm. 10, 17. Summa Summarum: Es kann keine Rotte aufkommen, sie muß wider das erste Gebot laufen, und an Christum JEsum sich stoßen, und werden in diesem Artikel alle Ketzer in einer Summa gesammelt. Gott hat nie ohne äußerliche Mittel den Gottesdienst in der Welt haben wollen. Im Alten Testament hat er den Juden eine Weise gegeben, dabei man ihn sollte finden. Aber wie unsere Schwärmer jetzt laufen und lassen von dieser Weise, welche uns Gott gegeben hat im Neuen Testament, also verließen die Juden auch dieselbige Weise und suchten andere Wege. Gott kann nicht unser Gott sein, er gebe uns denn etwas Aeußerliches, daran wir ihn finden, als, das mündliche Wort und die zwei Sacramente. Wenn ich Gott nicht ergreife durch äußerliche Ding, wie kann ich ihn denn antreffen? Darum sind alle Ketzer wider das erste Gebot gewesen und haben sich daran vergriffen in allerlei Menschenwerken, und schneiden aus die Verheißung und Gnade Gottes, so darin gesteckt ist." Luther über 5 Mos. 4, 28. Aus diesen wichtigen Worten Luthers ersieht der geliebte Leser, daß sich die jetzigen Secten fälschlich auf Luthern berufen. Sie predigen und schreiben oft, wenn Luther wieder käme, so würde er sie als seine rechten Nachfolger hoch rühmen, und die Lutheraner, die jetzt noch auf Wort und Sacrament ihr Vertrauen setzen, als ungerathene Söhne verwerfen. Dies behaupten sie aber entweder wider ihr eigenes Gewissen, oder weil sie Luthers Schriften nie gelesen haben. Würden sie dies thun, so würden sie bald gewahr werden, daß Luther nicht nur gegen den Pabst, sondern eben so eifrig gegen diejenigen gekämpft hat, welche sich des Geistes rühmen und den Buchstaben des Wortes Gottes und die heiligen Sacramente geringschätzen und das Vertrauen darauf als ein todtes Christenthum verlästern. Sieh dich darum vor, lieber lutherischer Christ, und traue nicht sogleich, wenn auch gewisse Prediger Luthern hoch erheben. Die Pharisäer haben den heiligen Propheten auch prachtvolle Gräber gebaut! (Eingesandt von Pastor O. Fürbringer.) Der Rationalismus und die Bibel. Es ist unlängst eine Schrift erschienen: „Ueber Religion und Christenthum, eine Auf-