# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S171 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) naner“ quittiren laſſen. Wo man nur erſt Luſt und Liebe zur Sache hat, da werden auch alle Welch eine Freude würde es bereiten, wenn hier und da ein ſolcher Verein aufkäme! Welche Nacheiferung würde es erwecken! Welcher See⸗ genn würde geſtiftet werden nach außen und in⸗ nen! Die Jünglinge innerhalb der lutheriſchen Gemeinde zu Fort Wayne, Ja., und der luthe⸗ tiſchen Gemeinde in Bremen bei St. Louis ſind und baben gleiche Vereine gebildet. junge Menſch tritt erſt in einen ſolchen Verein, peil ihn die Gemeinſchaft der Jünglinge und der leibliche Zweck anlockt; und er wird der Kir⸗ che grwonnen und lernt bei chriſtlichen Jüng⸗ Iingen das rechte Weſen eines lebendigen Chri⸗ ſen kennen. Wie ſelig iſt ein ſolcher Jüngling ſerdm durch den Anſchluß an den Verein! Auf, Ihr chriſtlichen Jünglinge, macht einen Anfang! Zögert nicht! Wartet nicht, bis Eu⸗ ur viel geworden ſind! Vereinigt Euch, daß CFurer viel werden! Wollt Ihr Euch etwa Rurch das Grſchrei der Ungläubigen abſchrecken hauſen? Die freilich werden Euch taveln, wenn Ir einen Cent für die Kirche ausgebt. Sie nuͤdeln Euch aber auch, wenn Ihr betet, wenn verden Euch auffordern an ihre widerchriſtlichen Vereine Euch anzuſchließen. Gerade ihnen, den Ungläubigen, entgegen müßt Ihr ein frei⸗ müthiges Bekenntniß ablegen für die Wahrheit, für das Neich Gottes, für den hochgelobten Kö⸗ * rig und Herrn in dieſem Reiche, für den HErrn Hſum Chriſtum ſelbſt. Bekennet ihn auch auf ſen böſen, Chriſtum verleugnenden, Zeiten; und der Herr Jeſus wird Euch einſt auch beken⸗ mn vor ſeinem himmliſchen Vater und allen ſeinen heiligen Engeln an jenem großen Tage, eu welchem alle Ungläubigen und Gottloſen zu Schanden und alle Gläubige und Frommen zu Ehren kommen und ernten werden ohne Aufhö⸗ rren. Amen. Eingeſandt. ö Die Bibel in Spanien, nter Reiſen, Abentener und Gefan⸗ zenſchaft eines Engländers bei ſtinem Verſuche, die heil. Schrift auf der Halbinſel zu verbreiten. Von George Borrow. 1843. In dem Buche, welches dieſen Titel trägt, zeſchreibt der Verfaſſer, George Borrow, ſeinen Aufenthalt in Spanien während d. J. 1835 — 1810, und ſeine Bemühungen, die Bibel daſelbſt Iverbreiten. Auf Verwendung des engliſchen 6eſandten in Madrid, Herrn Villiers, erhielt u von der ſpaniſchen Regierung die Erlaubniß wirrden überſetzte er das Evangelium St. Lucä emmer Studirenden Aberſchicken und im Luthe⸗ 3 ſolche Bedenklichkeiten überwunden werden. bireits dem Beiſpiele der St. Louiſer gefolgt Mancher Hr glaubt und ſelig zu werden trachtet. Sie rieſe Weiſe thatſächlich vor den Menſchen in un⸗ kaufte täglich eine Menge N. Teſtamente. Neue Teſtam. in ſpaniſcher Sprache drucken laſſen, worauf er in Madrid eine Auflage Rſelben von 5000 Exemplaren veranſtaltete. —.— — auch u in vie Naniſche Zigeunerſprache und! in u die Euskarra oder Biskapiſche Sprache, welche auf beiden Seiten der Pyrenäen geſprochen wird. Um das Wort Gottes in Spanirn zu verbrei⸗ ten, veranſtaltete er Nirderlagen des N. Teſtam. bei den Buchhändlern von Madrid und den Hauptſtädten der Provinzen. Dann ritt er durch das ganze Land, meiſtens auf einem feurigen Andaluſiſchen Hengſte, und vertheilte das Wort Gottes nicht bloß in Dörfern und Städten, ſon⸗ dern auch unter den Bewohnern der Ebenen, Hügel und Gebirge. hannes Chryſoſtom und Manuel. Dabei gerleth er öfters in Lebensgefahr. Al⸗ lein, ſagt er, verdient derſenige den Namen ei⸗ nes Jüngers Chriſti, der in der Sache deſſen, welchen er ſeinen Meiſter nennt, vor irgend ei⸗ ner Gefahr zurückbebt? „Wer ſein Leben ver⸗ lieret um meinetwillen, der wird es finden“, ſind Worte, welche der Herr ſelbſt geſprochen hat. Dieſe Worte waren mein Troſt.“ Mehr als ein Mal war er in Gefahr, von Banditen erſchoſſen zu werden und den Carliſten in die Hände zu fallen; von den Einwohnern zu Fi⸗ nisterra wurde er für Don Carlos gehalten und ſollte auf Befehl des Alkalden erſchoſſen werden, als er nur mit genauer Noth durch die Dazwi⸗ ſchenkunft eines alten ſpaniſchen S Seemannes ge⸗de rettet wurde. Doch ſeine heftigſten Gegner fand Borrow in der römiſchen Prieſterſchaft. Borrow eröffnete in einer der belebteſten Straßen von Madrid ei⸗ nen Buchladen zum Berkauf von N. Teſtamen⸗ ten und ließ varan mit großen gelben Buchſta⸗ ben die Worte malen: Despacho de la Socie- dad Biblica*). Dann ließ er 3000 Bekannt⸗ machungen auf gelbem, blauem und karmeſin⸗ rothem Papier drucken und dieſelben in allen Straßen anheften, worin er den Verkauf von N. Teſtamenten anzeigte, und außerdem ließ er es in alle Zeitungen einrücken. So wurde ſein Buchladen in ganz Madrid bekannt und er ver⸗ Dieß erregte den Zorn der Römiſch-katholiſchen Geiſtlichkeit. „Er treibt Zauberei,“ ſagte der ein Biſchoff. „Er wird noch ganz Spanien mit der Zigeunerſprache bekehren,“ ſagte der an⸗ dere. Dann hieß es im Chor: Que infamia! Que picardia! 4) Endlich ward Barrow auf ih⸗ ren Betrieb in das Hofgefängniß, Carcel de la Corte zu Madrid geworfen. Doch dieß machte den Prieſtern wieder neue Sorge. „Jetzt, ſag⸗ ten ſie, lernt der Schurke im Gefängniße die Sprache der Diebe, und ſobald er herauskommt, wird er das Evangelium in die Sprache der Diebe überſetzen; und das iſt noch ſchlimmer, als das Zigeuner⸗ Evangelium; denn der Zi⸗ geuner ſind nur wenige: aber der Diebe! wehe uns! wir werden noch alle lutheraniſirt wer⸗ den!“ Nachdem Borrow drei Wochen im Ge⸗ *) Expedition ver Bibelgeſellſchaft. + wotlche Schändlichkeit! welche Boshei! fängniſſe geſeſſen hatte, wurde er daraus durch Vermittelung des engliſchen Geſandten befreit. Auch ſonſt erfuhr Borrow mancherlei Anfein⸗ dungen von den Römiſchen Prieſtern. „Er iſt ein Ketzer; er vergiftet das Volk mii ſeinen lu⸗ ſheriſchen Büchern,“ ſagte der Prieſter von Villa Seka. In Leon gingen die Prieſter von Haus zu Haus und drohten Fluch und Bann einem Jeden, der das N. Teſtament, „das verfluchte Buch“ leſen würde. — Wie überhaupt die Röͤ⸗ miſche Geiſtlichkeit in Bezug auf die Bibel ver⸗ Seine Gehülfen in der Verbreitung des N. Teſt. waren die Spanier Juan und Vietoriano Lopez, und die Griechen Antonio Buchini, ſein Diener, Dionyſius, Jo⸗ fährt, vas zeigt folgende Geſchichte. „Vor un⸗ gefähr 20 Jahren, erzählte dem Borrow ein Prieſter zu Pedron, vertheilten die Engländer viele Bibeln unter die Spanier, welche zufällig in London anweſend waren. Einige davon fie⸗ len in die Hände mehrerer Schiffer von Padron, welche nach ihrer Rückkehr nach Galicien plötzlich große Freunde vom Disputiren wurden. Man konnte nie eine Behauptung Über religiöſe Din⸗ ge aufſtellen, ohne von ihnen Widerſpruch zu erfahren. „Es iſt falſch, pflegten ſie zu ſagen, St. Paulus ſagt in jenem Capitel in jenem Zerſe gerade das Gegentheil. „„Wie wißt Ihr denn, was St, Paulus oder die anderen Heili⸗ gen geſchrieben haben?“ fragten dann die Prie⸗ ſter. „Viel beſſer, als ihr denkt, antworteten ſie, wir brauchen hierüber nicht länger in Un— wiſſenheit zu bleiben,“ und dann zeigten ſie ihre Bücher, laſen Stellen daraus vor und machten azu ſolche Bemerkungen, daß Jedermann geär⸗ gert wurde. Dabei fragten ſie nichts nach dem Papſte und ſprachen ſelbſt von den Gebeinen Sct. Jakob's mit Unehrerbietigteit. Auf Be⸗ fehl des Biſchofs wurden jedoch ihre Bücher ge⸗ ſammelt und verbrannt, die Schiffer erhielten ihre Strafe und einen Verweis und ſeitdem ha⸗ be ich nichts mehr von ihnen gehoͤrt.“ Indeß durfte Barrow auch erfahren, daß es auch in der römiſch-katholiſchen Geiſtlichkeit ſolche gab, welche das Maalzeichen des Thieres, des römiſchen Antichriſtes nicht angenommen haben. Nicht bloß Prieſter, auch Biſchöfe kauf⸗ ten Bibeln und empfahlen ſie ihren Gemeinden Als Juan Lopez in Abades Bibeln vrrkaufte, drohten zwei Geiſtliche die ewige Verdammniß einem Jeden, der ſie kaufen würde; während der dritte Geiſtliche ſich auf das Aeußerſte be⸗ mühte, das Volk zu bewegen, ſich mit N. Teſta⸗ menten zu verſehen, indem er ſagte, daß ſeine Brüder falſche Leiter und Heuchler wären, wel⸗ che ſie über Chriſti Wort und Willen in Unwiſ⸗ ſenheit hielten und ſie ſo in den Abgrund des Verderbens führten. — Einer von den eifrig⸗ ſten Verbreitern der Bibel in Madrid war ein Geiſtlicher. Derſelbe ging nie aus, ohne ein N. Teſtament einzuſtecken, das er der erſten Per⸗ ſon anbot, welcher er begegnete und von der er glaubte, daß ſie es kaufen würde. Auch in die Häuſer mancher Vornehmen fan⸗ den die Bibeln ihren Weg. Der Marquis von N. hatte eine große Familie, allein jedes Glird derſelben erhielt eine Bibel und zwar merkwür⸗ diger Weiſe auf Empfehlung des Hauskaplans. Ein ältlicher, ſehr reicher Cdelmann ans Na⸗ varra kaufte fortwaͤhrend Bibeln auf ſeine eigene