# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S170 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) begangen, indem an dem Abende deſſelben Tages die Jünglinge in eine hieſige lutheriſche Kirche, die vorher beſtimmt und mit Laubgewinden ge⸗ ſchmückt worden iſt, paarweiſe ziehen. In der Kirche wird mit der verſammelten Gemeinde ein Lied angeſtimmt und von dem Paſtor der Kirche eine zweckmäßige Rede gehalten. Dieſer Tag iſt dann ein rechter Feſttag für Jung und Alt; und gern ſteuert jedermann an dieſem Abend ſein Scherflein zum Beſten des Vereins. So ſind die Jünglinge fröhlich in ihrem Werke. Und durch die Erfahrung von der Heilſamkeit und dem Segen eines ſolchen Vereins immer⸗ mehr überzeugt, entſtand in ihnen der Wunſch, daß doch auch an andern Orten dergleichen Ver⸗ eine ſich bilden möchten. Sie kamen daher bei den letzten Sitzungen der ev. luth. Synode von Miſſouri, O. u. a. S. mit der Bitte ein, die Synode möchte in allen ihren Gemeinden eine Anregung zu ſolchen Vereinen geben. Eine ſol⸗ che Anregung zu geben iſt denn auch der Zweck dieſer gegenwärtigen Zeilen. Möchten dieſelben eine gute Aufnahme finden und mit Segen be⸗ gleitet werden! Es iſt jetzt die Zeit der Vereine. Es entſte⸗ hen Vereine über Vereine. Aber können Chri⸗ ſten über alle die entſtandenen Vereine ſich er⸗ freuen? Können und dürfen ſie ſich an einem jeden der entſtandenen Vereine betheiligen? Gewiß nicht. Chriſten können ſich nie über Vereine freuen, noch vielweniger ſich denſelben anſchließen, die enweder ganz offen die Vertil⸗ gung der wahren Religion ſich zum Ziel geſetzt haben, oder doch dieſelbe allmählig untergraben, die alſo wider Gottes Ehre und das Heil der Menſchen ſind. An dergleichen Vereinen fehlt es leider in unſern Tagen nicht! Mögen ſie immerhin Aufklärung und Menſchenglück vor⸗ geben. Ach, es iſt nur ein ſchönes Aushänge⸗ ſchild, um die Unerfahrenen zu betrügen! Sol⸗ che Vereine ſind ein Gegenſtand der Betrübniß und des Abſcheu's bei allen wahren Chriſten. Vor ſolchen Vereinen müſſen alle mit dem größ⸗ ten Ernſte gewarnt werden. Aber, wo das Ab⸗ ſehen auf Ausbreitung des Reiches Gottes ge⸗ richtet iſt; wo man ſich verbindet, etwas zur Förderung und Aufrechthaltung der reinen ſelig⸗ machenden Lehre zu ihun; wo man ſich zuſam⸗ menſchließt, um ſich gegenſeitig vor den Verfüh⸗ rungen und den Verſuchungen in dieſer Welt zu warnen und zum Eifer in der Gottſeligkeit zu ermuntern — und zumal, wo dieß unter fungen Leuten geſchieht; da lacht einem jeden Chriſten das Herz; da lobt und preißt man Gott, der ſolches hat zu Stande kommen laſſen; da wird ein jeder chriſtlicher Vater und eine jede chriſtliche Mutter im Hinblick auf ihre Söhne mit Freuden den Verein begrüßen; da kann man alle Jünglinge mit gutem, ſröhlichem Ge⸗ wiſſen vor Gott ermahnen, ſich doch auch einem ſolchen Berein, wo er beſteht, anzuſchließen oder einen dergbeichen zu bilden. Es iſt ein Gott wohlgefälliges Unternehmen. Wir ſollen ja für die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden herzliche Sorge tragen. Wir ſollen, wenn wir nicht ſtlbſt bingehen können, das Wort Gottes — 7⁰— zu verkündigen, uns burch Gebet und Handrei⸗ chung an dieſem nothwendigen hriſtenwerke betheiligen. Je mehe die gottloſe und ungläu⸗ bige Welt ſich in unſern Tagen verbindet, das Wort Gottes und die Verkündigung deſſelben von der Erde zu verdrängen und allen Glauben auszurotten, deſto mehr ſollen ſich Chriſten, Jung und Alt, verbinden, daß Gottes Wort erhalten werde und immermehr in den Schwang komme. von Gott geordnete, Predigtamt wüthet und nichts lieber ſähe, als daß Niemand ſich mehr zu dieſem Amte hergäbe und die Predigerſemi⸗ nare leer ſtänden, deſto mehr ſollen wir gegen die Anſchläge des Teufels auftreten und mit allem Fleiß daran ſein, daß ſich recht Viele dem Predigamt widmen und die rechtgläubigen Pre⸗ digerſeminare immermehr in Aufnahme kommen und beſucht werden. Gewiß, Gott fordert von uns jetzt einen doppelten Eifer. Beſon⸗ ders in unſrer lutheriſchen Kirche, welche durch Gottes Gnade das reine lautere Bekenntniß der Wahrheit hat und bewahrt, thut es ſehr noth, daß Prediger erzogen werden. Und gerade hier ſind es ſo wenige, die ſich auf das heilige Pre⸗ digtamt vorbereiten wollen, und die es noch Sollte wollen, ſind meiſt arm und unbemittelt. nun, wenn ſich hier und da ein junger Menſch findet, der Luſt und Gaben hat zu dem wichtigen und ſchweren und in der Welt verachteten und meiſt übel belohnten Beruf eines Predigers, nur darum, weil er keine Mittel hat, die Koſten ei⸗ ner mehrjährigen Vorbereitungszeit beſtreiten zu können, zurückgewieſen oder aufgehalten wer— den? Das wäre ja fürwahr unverantwortlich! Die Synode im Ganzen ſorgt dafür, daß Semi⸗ narlehrer unterhalten werden und alſo ein jeder, der Theologie ſtudirt, freien Unterricht hat. Es liegt nun an den 50 bis 60 Dollars, die die jährliche Unterhaltung eines armen Studirenden koſtet. Werden dieſe herbeigeſchafft, ſo iſt wie⸗ der Ausſicht auf eimen Prediger des Wortes Gottes da. Wie leicht aber können ſelbſt von Unbemittelten ſolche Unterhaltungskoſten aufge⸗ bracht werden, wenn ſich mehrere zuſammen⸗ ſchließen. Es iſt erfreulich, wenn ſich ſolche Kreiſe zur Unterſtützung eines armen Studiren⸗ den aus allen Ständen und Altern bilden. Aber beſonders iſt es recht erfreulich, wenn dieß junge Leute thun. Laßt mich Euch, geliebte Jünglinge, noch Ei⸗ niges vorſtellen, was Euch beſonders zu dieſem Werke bewegen ſollte. Der junge Mann, der ſich dem Predigtamte widmen will, ſteht in Eurem Alter. Es iſt Einer von Euch. So ſolltet Ihr ihn ſchon darum unterſiützen. Der Familienvater hat ein beſonderes Intereſſe für den Familienvater, das Weib für das Weib, der Knabe und Jüngling für den Knaben und Jüngling. Doch noch mehr. Es tritt der junge Mann gleichſam für Euch ein in den ſchweren, Verleugnung fordernden Beruf. Während Ihr ſchon in der Vorbereitung auf Euren Beruf, wie es namentlich hier zu Lande ſteht, meiſt gut belohnt werdet und bei Fleiß und Treue die Aus⸗ ſicht auf ein ſorgenfreies Leben haht: ſo können Je mehr die Welt wider das heilige, niejenigen, welche ſich auf das heilige Predigt⸗ amt vorbereiten, in der Vorbereitungszeit ſich nichts verdienen; ſie haben ja genug zu thun mit der Erlernung fremver Sprachen und aller zur Führung eines lutheriſchen Predigiamtes nöthigen Kenntniſſe und Wiſſenſchaften; und was erwartet ihn meiſt hier in Amerika als lu⸗ theriſchen Prediger, denn von ſolchem iſt doch nur die Rede? Wo ſie ihr Amt treu verwalten, iſt es Arbeit, Sorge, Seelennoth, Gefahr, Ar⸗ muth, Verachtung, Verfolgung und Verjagung. Ferner, Ihr als das heranwachſende Geſchlecht müßt dafür ſorgen, daß Ihr auch einſt wohl⸗ vorbereitete Prediger des Wortes Gottes habt. Hier zu Lande ſorgt die Obrigkeit nicht für die Herbeiſchaffung von Predigern. Wenn Ihr ſpä⸗ ter keine rechtſchaffenen und tüchtigen Prediger finden könnt, wem müßt Ihr die Schuld geben? Euch ſelbſt. Ihr könnt Euch ja nicht damit ent⸗ ſchuldigen: Ja wir hätten auch gerne dafür ge⸗ ſorgt, aber es fehlte uns an den Mitteln. Gott giebt Euch Mittel genug. Wenn alles Geld, das junge Leute verdienen, nur wohl angewen⸗ det würde! Hier iſt eine rechte Anwendung deſſelben. Dit kleine Steuer zur Unterſtützung eines Studirenden wird Euch einſt nicht gereuen, Der liebe Gott wird es Euch reichlich ſegnen. was Ihr aus Liebe zu Gottes Wort und zur Ausbreitung des Reiches Gottes ausgegeben habt. Ihr ſollt Eure lieben Eltern nicht darben laſſen und diejenigen, welche arme bedürftige Eltern haben, möchte ich nicht einmal auffor⸗ dern, einen Cent dieſen ihren armen Eltern zu entziehen; aber nicht alle jungen Leute ſind in einer ſolchen Lage, viele werden ihre Eltern nur erfreuen, wenn ſie thätige und eifrige Glieder eines ſolchen Vereins werden. O, ſo laßt Euch dieſe geringe Vorſtellung be⸗ wegen, theure lutheriſche Jünglinge, fo wie fie Eure Genoſſen in St. Louis bewegt hat. Tre⸗ tet im Namen des HErrn zuſammen. Habt Ihr unter Euch, in der Gemeinde, zu welcher Ihr gehört, gerade Keinen, den Iht unterſtützen könnt, ſchreibt an das Directorium des Concor⸗ dia⸗Collegiums zu St. Louis — Rer. Profes- sor C. F. W. Walther — oder an das Direr⸗ torium des Predigerſeminars zu Fort Wayne, Ja., — Rev. Dr. Sihler — und es wird Euch bald Jemand zugewieſen werden, für deſſen Un⸗ terſtützung Ihr Eure Liebesgaben verwenden könnt. Es ſind gegenwärtig mehrere Knaben. und Jünglinge da, die blos darum noch nicht in das Concordia⸗Collegium eintreten können, weil ihnen das Geld für ihren Unterhalt fehlt. Sind in einer Gemeinde nur wenige junge Leute überhaupt anzutreffen, oder nur wenige, welche ſich zu einem ſolchen Werke vereinigen mögen; ſo daß dieſe wen igen es nie dahin brin⸗ gen werden, ſich eines Studirenden ganz allein annehmen zu können: ſo ſollen ſie ſich dadurch nicht abſchrecken laſſen; ſie können ja entweder mit einem andern ebenfalls kleinen Jünglings⸗ verein ſich verbinden und mit dieſem zuſammen etwas thun, oder ſie köͤnnen ihre Beiträge, dieſel⸗ ben ſeien auch noch ſo gering, an das Directorium einer der bezeichneten Anſtalten zur Unterstützung