# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 06_S1 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 6. September 1845. No. 1. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Vorwort des Herausgebers zum zweiten Jahrgang des „Lutheraner“. Als wir vor einem Jahre die Herausgabe des gegenwärtigen Blattes übernahmen, so thaten wir dies keineswegs im Bewußtsein unserer Tüchtigkeit zu einem solchen Unternehmen. Vielmehr wie bei dem Ausbruche einer Feuersbrunst in Ermangelung Stärkerer auch der Schwächste sich berufen fühlt, zuzulaufen und zu helfen, so viel er kann, so hat auch uns nur der Nothstand, in welchem wir auch hier unsere theure evangelisch-lutherische Kirche erblickten, so kühn gemacht, mit unserem geringen Zeugnisse für dieselbe öffentlich herauszutreten. Wir bauten hierbei auf den gnädigen Beistand dessen, der auf das Niedrige sieht, und hielten uns nicht nur der kräftigen, uns zugesagten Mithülfe einiger Glaubensgenossen fest versichert, sondern gaben uns auch der stillen Hoffnung hin, wenn wir eine Zeitlang den Kampf für die wichtigste heiligste Sache, nämlich für die lautere göttliche Wahrheit mit ungeübter Hand geführt haben würden, so würde eben dadurch gewiß bald ein Begabterer und Geübterer an seinen Beruf erinnert werden, sich an unserer Statt an die Spitze stellen und zeigen, daß das, was von uns so schwächlich vertheidigt werde, doch die unbesiegbare Wahrheit sei und bleibe. Was die beiden ersten Gründe unserer Zuversicht bei dem Beginne unseres Werkleins betrifft, so sind wir in unserer Hoffnung nicht betrogen worden. Gott hat uns gnädig beigestanden, daß wir mit unserem schwachen Zeugnisse nicht gar zu Schanden geworden sind. Dafür sei sein heiliger Name gelobet und gebenedeiet immer und ewiglich. Auch unsere theuern Mitarbeiter haben ihr Versprechen erfüllt, so daß das Blatt sein regelmäßiges Erscheinen zunächst ihren Beiträgen verdankt. Auch dieses können wir hierbei nicht unerwähnt lassen, sondern müssen es zur Ehre Gottes rühmen, daß die Glieder der hiesigen ev.-luth. Gemeinde mit Freuden Opfer gebracht haben, damit das Blatt, als ein Bekenntniß ihres gemeinsamen Glaubens, trotz des erst sehr kleinen Leserkreises fortbestehen konnte. So gern wir aber nun unsern „Lutheraner“ den Händen eines anderen geschickteren Redacteurs übergeben hätten, und so gewiß wir uns in diesem Falle eine größere Verbreitung und einen reicheren Segen des Blattes würden versprochen haben, so sind jedoch unsere Bemühungen für diesen Zweck vergeblich gewesen, im Gegentheile haben theure Freunde uns ermuntert, das Blatt auch fernerhin unter unserm Namen erscheinen zu lassen. So wollen wir uns denn auch nicht weigern, so lange es dem HErrn gefällt und so viel er uns Gnade gibt, dem Werklein noch weiter vorzustehen. Ihm, zu dessen Ehre es allein unternommen ist, sei es ferner befohlen. Ehe wir dieses Vorwort beschließen, erachten wir für nöthig, uns über die Tendenz und den Charakter des „Lutheraner“, nehmlich über den eigentlichen Zweck und die Grundsätze, die uns in Redigirung desselben leiten, auszusprechen. Es stoßen sich nehmlich nicht wenige, wie verlautet, daran, daß der „Lutheraner“ weniger rein erbauliche Aufsätze, und hauptsächlich Polemisches (Streitsachen) enthält. Manche haben deswegen nicht angestanden, uns öffentlich der Zanksucht zu beschuldigen und uns geradezu als einem Feinde des thätigen Christenthums zu begegnen. Wir erklären daher ein für allemal Folgendes. Obwohl wir uns über Herausgeber christlicher Zeitschriften kein Urtheil erlauben, die mit denselben hauptsächlich den Zweck der Erbauung verfolgen, und obwohl wir uns von Herzen über alles das Gute freuen, was dadurch bewirkt wird, so sind wir doch für unsere Person der Ueberzeugung, daß wir die Christen nicht gewöhnen sollten, die Zeit, die sie auf tägliche Erbauung ihrer Seele wenden können, vorzugsweise auf Lesung eines (oft weitläuftigen) Zeitungsblattes zu verwenden. Wollen wir auch hier gar nichts sagen von der Unerbaulichkeit vieler vorkommenden erbaulich sein sollenden Einsendungen, so muß überhaupt die Menge so verschiedener meist kleiner, wenn auch wirklich erbaulicher Aufsätze, wenn sich solche in den religiösen Zeitblättern finden, nach unserer Ueberzeugung das Gemüth des Lesers nur zerstreuen und eine gewisse geistliche Naschhaftigkeit bei ihm erzeugen, unmöglich aber kann sie dazu dienen, einer Seele den ganzen Rath Gottes zu unserer Seligkeit im Zusammenhange, von Stufe zu Stufe zu geben, und sie so weiter und weiter zu führen. Sollte es nicht vielmehr der christlichen Zeitungsschreiber Pflicht sein, die Leser dahin zu leiten, daß sie vor allem fleißig und täglich die Bibel lesen und also aus der Urquelle selbst schöpfen? — Sodann besitzt die christliche Kirche einen so großen Vorrath von alten kernigen, gründlichen, vollständigen, geistreichen, aus hoher Erfahrung geschriebenen Erbauungsbüchern, daß man jetzt, wo man vergeblich nach solchen Vätern in Christo fragt, wie die Schreiber jener Schriften waren, wohl jedermann mit dem Prediger Salomo (12, 12.) zurufen möchte: „Hüte dich, mein Sohn, vor andern mehr; denn viel Büchermachens ist kein Ende.“ Wir unsern Theils halten dafür, was die Beförderung der Erbauung durch Bücher betrifft, so könnten wir nichts Besseres thun, als vor allem die vortrefflichen Werke eines Luther,*) Brentius, Hieronymus Weller, Martin Chemnitz, Johann Gerhard, J. Arndt, Heinrich Müller, Scriver u. a. wieder aufzulegen und dieselben allen Christen dringend zu empfehlen. Wir wenigstens meinen, daß es bei dem Vorhandensein dieser für elle Zeiten geschriebenen kostbaren Anleitungen zum wahren lebendigen Christenthum unserer Schriften zur Beförderung der allgemeinen Erbauung nicht bedarf, ja, daß wir mit aller Nacht dafür zu sorgen *) Leider sind gerade Luthers Schriften am wenigsten in den Händen des Volks, da deselben nach dem ersten Abdrucke meist nur insgesamm, höchst selten aber einzeln herausgekommen sind. Die ginzen Luther'schen Werke sind daher nur von Gelehrten gekauft worden und modern jetzt in der Regel in ihren Bibliotheken. Von Amerika wollen wir gar nicht reden. Da herrscht, nie vor Augen liegt, eine solche Unbekanntschaft selbst der Lutheraner mit Luthers Schriften, daß es nicht genug beklagt werden kann. Ist es doch hier zu Lande gar nichts Auffallendes mehr, wenn selbst ein „lutherischer“ Schreiber Luthern in seirer Unbekanntschaft mit dem, was derselbe geschrieben hat, bild zu einem Rationalisten, bald zu einem Sacramentsschwirmer, bald zu einem befangenen Halbpapisten macht. Werden daher Luthers Schriften nicht wieder in die Hände des Volks gebracht, so ist mit Grund zu fürchten, daß das arne Volk hier endlich alles auf Treu und Glauben als lutherisch annehmen muß, was man ihm dafür verkauft, wenn es aich etwas wäre, was Luther selbst als eine seelenverderbliche Irrlehre einst mit göttlichem Eifer bekämpft hat. Wir könen daher nicht umhin, auch bei dieser Gelegenheit den Leser auf die unten erneute Subscriptionsanzeige von einem Wederabdruck der Hauspostille Luthers aufmerksam zu machen ind besonders unsere geehrten Brüder im Amte, denen daran legt, lutherische Lehre zu verbreiten, daran zu erinnern, welhen großen Schatz sie in ihre Gemeinden bringen würden, wenn sie die Glieder derselben veranlassen, sich jenes kostbare Buch anzuschaffen. — Vor zwei Jahren sollte die Kirchen- und Hauspostille in Buffalo herauskommen, aber leider schaterte dieses schöne Unternehmen an der Theilnahmlosigkei der Lutheraner und ihrer Hirten. Gott gebe, daß der nete Versuch in New-York nicht wieder zu unserer Beschämung vergeblich sei.