# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S164 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſolche Tröpfe nun gar ihre vermeintliche Weis⸗ heit vor Andern auskramen wollen?! Daß es aber ein toller Einfall iſt, zu behaupten, die Schriften des N. Teſtaments ſeien nicht von den Männern verfaßt, denen ſie zugeſchrieben wor⸗ den, und daß nur ein Tropf der Gl. Glauben ſchenken kann, iſt leicht zu ermeſſen. Denn Herr S. wird zugeben, daß diejenigen, die ihm dies bewieſen, oder vielmehr weis gemacht haben, nämlich Strauß, Bauer ꝛc., welche Individuen, ſo viel bekannt, noch leben, nicht dabei geweſen ſind, als die Bücher des N. Teſtaments geſch rie⸗ ben wurden, daß ſie alſo, wenn ſie ſich an dem Zeugniß der Kirche d. i. daran, daß alle chriſt⸗ lichen Gemeinen auf Erden ſo glauben und leh⸗ ren, nicht begnügen laſſen, ſondern dieſen Glau⸗ ben und dieſe Lehre prüfen wollen, ſich an das halten müſſen, was die alten Kirchengeſchichts⸗ ſchreiber und die Schriftſteller, die der apoſtoli⸗ ſchen Zeit zunächſt lebten, darüber ſagen. Das älteſte Hauptwerk nun über Kirchenge⸗ ſchichte, das auch allgemein als Hauptquelle für die Kirchengeſchichte der erſten Zeiten der chriſt— lichen Kirche angeſehen wird, iſt die bis zum Jahre 324 n. Ch. G. reichende Kirchengeſchichte des Biſchofs Euſebius von Cäſarea, der in der erſten Hälfte des vierten Jahrhunderts lebte. Derſelbe berichtet denn, wie über andere Ge⸗ genſtände, ſo auch darüber, welche Bücher bel den Chriſten ſeiner Zeit und vor ſeiner Zeit für ächt angeſehen wurden, d. i. für wirklich von den Apoſteln und apoſtol. Männern geſchrieben, deren Namen ſie tragen. Er läßt ſich darüber beſonders im dritten Buch im 24. Capitel ſeines Werkes aus, wo es heißt, daß die vier Evange⸗ lien, die Apoſtelgeſchichte, die Briefe Pauli, der erſte Johannis und der erſte Petri Homologu⸗ mena, d. i. von Allen für ächt anerkannte, aber der Brief Jacobi, Judä, der zweite Petri, der zweite und dritte Johannis und die Apokalypſe Antilegomena ſeien, d. t. ſolche, deren Achtheit damaliger Zeit noch von Einigen bezweifelt wurde (welche Zweifel aber nach Euſebius Zeit bekanntlich durch gründliche Nachforſchung der Synoden von Loadicea und namentlich der von Hippo Regius 393 und ſpäterer gehoben wur⸗ den), während andere Schriften z. B. das Evan⸗ gelium des Petrus (ein nicht mehr vorhandenes Apokryphon), das Evangelium des Thomas ꝛc. unter dem Namen der Apoſtel von Häretikern ans Licht gebracht ſeien. Euſebius beruft ſich für ſeinen Bericht auf kirchliche überlieferung. Wir können deßhalb noch weiter zu rückgehen, und in noch früͤherer Zeit nach Beſtätigung der kirchli⸗ chen Überlieferung forſchen. Thun wir dies, ſo treffen wir zunächſt auf Origines von Alexandria um das Jahr 225 n. Chr. Ge, einen durch Ge⸗ lehrſamkeit, Scharfſinn und unermüdlichen Fleiß berühmten Kirchenlehrer, der zwar keine Kirchen⸗ geſchichte, aber Commentare und Homilien über verſchiedene Bücher der hell. Schrift geſchrieben hat, und in dieſen Werken weſentlich das ſelbe wie Euſebius berichtet, und zwar wiederum auf Grund der kirchlichen Überlieferung. Wir kön⸗ nen alſo abermals hoͤher hinauf ſteigen, und uns wiederum nach Beſtätigung der kirchlichen — 164— lberlieferung umſehen. Thun wir dies, ſo begegnen uns die ausgezeichneten Kirchenlehrer Tertullian, Clemens von Alerandria und Ire⸗ neäus, die zwar ebenfalls keine Kirchengeſchich⸗ ten, aber belehrende und erbauliche Werke ver⸗ faßt haben, in welchen wir wiederum weſentlich dasſelbe finden, inſofern nämlich die vier Evangelien, die Apoſtelgeſchichte, 13 Paulini⸗ ſche Briefe, der erſte Petri, der erſte Johannis und die Offenbarung Johannis ihnen für ächt gelten, während ſie über den Verfaſſer des Hebräer⸗ Briefes (obwohl ſie ihn für kanoniſch anerken⸗ nen) nicht einig ſind, und inſofern ſie den zwei⸗ ten Petri nicht ausdrücklich erwähnen, den zwei⸗ ten Johannis Irenäus und Clemens ausdrück⸗ lich anerkennen, den dritten Johannis, desgl. den Brief Jakobi, die drei nicht ausdrücklich er⸗ wähnen, den Brief Judä Tertullian undClemens ausdrücklich anerkennen. Ferner begegnen uns noch weiter hinauf und noch näher den apoſto⸗ liſchen Zeiten Theophlus von Antiochien um 175, und Juſtinus Martyr (hingerichtet 165) zwei Apolegeten und Papias und am allerwei⸗ teſten zurück, und am allernächſten der apoſtoli⸗ ſchen Zeit die apoſtoliſchen Väter Polykarp, Biſchof von Smyrna, Schüler des Apoſtels Johannes und 169, nachdem er dem Herrn 86 Jahre treu gedient hatte, im höchſten Alter des Märtyrertodes auf demScheiterhaufen geſtorben; Ignatius, Biſchof von Antiochien im Jahre 116zu Rom als Märtyrer geſtorben undClemens Romanus, Begleiter des Petrus, aus deren ver⸗ ſchiedenen Schriften die Achtheit einzelner N. Te⸗ ſtamentlicher Schriften aufs klarſte hervorgeht. Davon hier einige Proben, nicht etwa, weil wir mit unſerem Wiſſen zu prunken wünſchten, wie Feinde der Bibel, denen dies zu Geſicht kommen könnte, vorgeben möchten, weil ihnen ſolche Thatſachen ein Dorn im Auge ſind, alſo nicht etwa um mit ſeinem Wiſſen zu prunken, denn Schreiber dieſes iſt ſich wohl bewußt, daß er deſſen viel zu wenig hat, als daß ſich damit prunken ließe, ſondern einfach um zu zeigen, auf welchem Grunde wir ſtehen, und daß wir nicht wie die Feinde der Bibel mit Flauſen um⸗ gehen, ſondern mit Thatſachen. Theophilus von A. ſagt in ſeiner Schrift an den Autolykus im zweiten Buch im 22. Capitel: „Daher beleh⸗ ren uns die heil. Schrift und alle vom Geiſte Gottes getriebene Männer, unter welchen Jo⸗ hannes ſagt: „Im Anfange war das Wort ꝛc.“ Hier wird das Buch kenntlich gemacht durch ein Citat (d. i. eine aus demſelben angeführte Stelle, Joh. 1, 1) und als Verfaſſer desſelben Johan⸗ nes genannt. Juſtinus M. in ſeinem „Zwiegeſpräch mit dem Juden Trypho“: „Unter uns hat ein Mann mit Namen Johannes, einer von den Apoſteln Chriſti in einer Offenbarung, die ihm geworden, geweiſſagt, daß die, welche an un⸗ ſern Chriſtum geglaubt haben, 1000 Jahre mit ihm herrſchen (in Jeruſalem zubringen) wer⸗ den.“ Hier wird wieder das Buch deutlich be⸗ zeichnet durch ſeinen Namen und eine Anführung aus demſelben (vergl. Offenb. 20, 4), und eals Verfaſſer der Apoſtel Johannes genannt. Pa⸗ — pias „Matthäus hat ein Evangelium geſchrie⸗ ben“ und „Marcus, welcher Petri Dollmetſcher geworden war, ſchrieb ſorgfältig alle Worte und Thaten des Herrn, deren er ſich erinnerte, auf.“ Polykarp in ſeinem Brief an die Philipper „Der Apoſtel Paulus, welcher vormals in euerer Mitte geweſen iſt, und das Wort der Wahrheit deut⸗ lich und gründlich gelehrt hat, welcher auch, nachdem er von euch gezogen, euch geſchrieben hat“ alſo den Philipper Brief. Ignatius in ſeinem Brief an die Epheſer: „Ihr ſeid Mitge⸗ weihete des heiligen Paulus, der ein Märtyrer geworden und ſelig zu preiſen iſt, welcher euch in ſeinem ganzen Brief in Chriſto ermahnt“, alſo im Epheſer Brief. Clemens Romanus in ſei⸗ nem erſten Brief an die Korinther: „Faſſet wie⸗ der zu Herzen den Brief des ſeligen Paulus, des Apoſtels, was er euch zuerſt, zu Anfang der Predigt des Evangelii, geſchrieben hat; gemäß der Wahrheit und in Beweiſung des Geiſtes ſchrieb er euch ſeinetwegen und wegen Kephas und Appollos, weil ihr damals auch an die Perſonen euch hängtet.“ Wieder eine offenbare Bezeichnung des erſten Briefes an die Korinther, der mit dem Tadel der Gemeine wegen ihrer Spaltung in Partheien aus Vorliebe Einiger für Paulus, Anderer für Petrus und noch An⸗ derer für Apollo beginnt, und zugleich eine aus⸗ drückliche Nennung Pauli als des Verfaſſers. Um uns bei unſerer Nachforſchung nun aufs völligſte zu befriedigen; ſo hören wir, nachdem wir innerhalb der Kirche uns umgehört ha⸗ ben, auch außerhalb derſelben uns um, überall, wo nur immer Hoffnung iſt, über die Bücher des N. Teſtaments etwas zu vernehmen. Zuerſt wenden wir uns zu den, von der Kir⸗ che wegen Irrlehre ausgeſchloſſenen, Partheien der älteſten Zeit. Ihnen lag kaum etwas näher, als in ihrem Kampf gegen die Kirche ſich zur Beſchönigung ihrer Irrlehre darauf zu berufen, daß die heiligen Schriften der Kirche nicht ächt wären, und alſo auch die mit denſelben überein⸗ ſtimmende kirchliche Lehre nicht die rechte wäre, wenn ſie nämlich dies auch nur mit einigem Grunde hätten thun können; aber im Gegen⸗ theil, ſie erkennen dieſelben im Allgemeinen als ächt an, und bemühen ſich nur, aus denſelben ihre Irrlehre zu rechtfertigen. Marcion nament⸗ lich, das Haupt einer ſolchen Parthei, um die Mitte des zweiten Jahrhunderts erkann te an als ächt, und gebrauchte zehn Briefe Pauli: den Brief an vie Römer, die beiden an die Korinther, den an die Galater, Epheſer, Philipper, Koloſ⸗ ſer, die beiden an die Theſſalonicher und den an Philemon. Beweiſet dies aber nicht, daß die Achtheit der N. Teſtamentlichen Schriften im Allgemeinen ſo offenbar war, daß es Niemanden beifallen konnte, dieſelbe zu leugnen? Dann wenden wir uns auch noch zu den Hei⸗ den, die das Chriſtenthum ſchriftlich beſtritten. Während ſie, ihren Schriften nach zu urtheilen, Alles aufſuchten, das mit einigem Schein gegen das Chriſtenthum angeführt werden konnte, und es einigen von ihnen keineswegs an Verſtand und Umſicht gebrach, findet ſich bei keinem die Behauptung, die heiligen Schriften wären un⸗