# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S163 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 1 als ein von Gott durch Wort und Sakrament gewirktes Werk, ſondern als ein Werk, das der Menſch durch ſeine eigne Kraft ohne die Gnade Gottes vollbringt, betrachten. Denn in der lüge iſt keine Ruhe, kein Stillſtand möglich, ſondern ſie muß von einem Irrthum zum andern fertſchreiten; ihr Wort frißt um ſich, wie der Krebs, 2 Tim. 2, 17., bis endlich der ganze Meihodismus zu einer bloß äußerlichen, phari— ſäiſchen, gleißneriſchen Heuchelei wird, was er zum Theil ſchon jetzt iſt. Merkwürdig iſt, mit welcher Vorliebe ſie ſchon jetzt die Lüge von der vͤlligen Liebe und gänzlichen Heiligung, als fünnte ſchon hienieden der Menſch zu völliger Sündloſigkeit ſeines Weſens gelangen, hegen und pflegen: eine Lüge, womit Niemand an⸗ ders, als der gänzliche und völlige Teufel ſie üffet und närret, aus gerechtem Gerichte Gottes dafür, daß ſie die Liebe zur völligen Wahrheit nicht haben angenommen, 2 Theſſ. 2, 10. Und doch heißt es ſo ſonnenklar: So wir ſagen, wir haben keine Sünde, ſo verführen wir uns ſelbſt, und die Wahrheit iſt nicht in uns. 1 Joh. 1, 8, womit die ganze gleißneriſche Lüge des TEufels von der gänzlichen methodiſtiſchen Hei⸗ ligung gänzlich und völlig widerlegt iſt. Während wir aber den Methodismus als ketzeriſche, ſchwärmeriſche Irrlehre verwerfen, unterſcheiden wir immer die Kinder Gottes, die Lutheraner, welche in dem methodiſtiſchen Babel gefangen ſind, von den eigentlichen Methodiſten. Iene, welche nur Chriſti Stimme hören nud ſich von der Schwärmerei des Methodismus im Herzen unbefleckt erhalten, lieben wir als unſere Brüder in Chriſto; dieſe aber, welche das lü⸗ genhafte Princip des Methodismus conſequent und verſtockt durchführen und mit ihrem Lügen⸗— gitez auch Andere anzuſtecken ſuchen, bekämpfen wir mit dem Worte Gottes. Denn dieſe ſind die größten Widerſacher der wahren Chriſten, welche ſich in der Methodiſten-Secte befinden. Für den „Lutheraner.“ Geehrter Herr Herausgeber! Obwohl ich Ihnen einerſeits kaum zuzumu⸗ then wage, in Ihr geſchätztes Blatt Artikel auf— zunehmen, die ſich mit ſolchen Dingen befaſſen, wie in einem gewiſſen Blatt, „Freie Blätter“ betitelt, von einem Herrn Schmidt herausgege⸗ ben, ſich finden, indem in letzterem Feindſchaft wider das Wort Gottes im Bunde mit Unver⸗ ſand und frecher Willkühr ihr Weſen hat; ſo haben es ja doch auch ſchon vor Alters die Vä— te, deshalb Apologeten genannt, nicht für zu gering gehalten, zum Frommen inſonderheit der Ungelehrten und Schwachen, die ſchriftlichen Beſtreiter des Chriſtenthums, wie armſelig deren Angriffe auch immer waren, zu Schanden zu machen; weshalb Sie vielleicht auch meinen ge⸗ nngen folgenden Worten eine Stelle in Ihrem Glatte vergönnen werden. N der zweiten Nummer jener Blätter macht Herr Schmidt auf Grund eines apokryphiſchen —163— Evangelium's, genannt Thomä, das er in der vorigen Nummer mitgetheilt hat, Bemerkungen in Bezug auf die Bibel. Es heißt da „unſer Thomas-Evangelium wird in den Schriften der alten Kirchenväter ſo früh erwähnt, wie irgend eins der im N. Teſta⸗ ment enthaltenen, daß alſo mit Hülfe der Kir⸗ chenväter die Behauptung ſich nicht erweiſen läßt, daß das Thomas--Evangelium jünger d. i. ſpäter geſchrieben ſei, als die für „Gottes Wort“ ausgegebenen Evangelien“. Nun macht es zwar gar nichts aus, ob das Evangelium Thomä zu derſelben Zeit wie, oder ſpäter ge— ſchrieben iſt, als die 4 Evangelien; es bleibt darum doch ein apokryphiſches; denn das macht eine Schrift nicht zu einer apokryphiſchen, daß ſie ſpäter geſchrieben iſt, als eine andere, ſondern daß ſie nicht vom heiligen Geiſte eingegeben iſt.— Aber iſt's denn auch an dem, daß das Thomas⸗ Evangelium eben ſo früh in den Schriften der alten Kirchenväter erwähnt wird, wie irgend eins der im N. Teſtament enthaltenen? Der erſte Kirchenvater, der bekanntlich das Thomas⸗ Evangelium erwähnt (und zwar, ſo wie die ſpäteren Kirchenväter alle, als ein ketzeriſches) iſt Origines um das Jahr 225 n. Ch. G. — Dagegen wird des Evangelium's St. Matthäi und St. Marci gedacht von Papius, einem Schüler des Apoſtels Johannes, der um das Jahr 125, alſo etwa 100 Jahr vor Origines, lebte; des Evangelium's St. Johannis von Theophilus von Antiochien um das Jahr 17⁵, alſo ewwa 50 Jahr vor Origines; und aller 4 Evangelien von Irenäus von Lugdunum (Ly⸗ ons) und Clemens von Alexandrien um das Jahr 200, alſo etwa 25, Jahr vor Origines, und ebenfalls von Tertullian von Carkhago et⸗ wa noch 15 Jahr vor Origines. Per Leſen mag nun ſelber urthei⸗ len, was von Herrn Schmidt's Wor⸗ ten und ihm ſelber, als Verfaſſer derſelben, zu halten iſt.“) In einer anderen Stelle zeigt Herr S. noch deutlicher, weß ſeine Leſer ſich zu ihm zu verſe⸗ hen haben; ja er mahlt ſich da recht ab. Da er dies aber in einem Bilde thut, das dem Einen oder Andern vielleicht ein wenig zu fern liegt, ſo nehmen wir uns, zum Beßten der Leſerſchaft, die Freiheit, daſſelbe ein wenig näher zu rücken und zwar auf folgende Weiſe. Herr S. ſiehet einen verſtändigen, ſparſamen Hauswirth eine Bank⸗ note beſehen, und darauf in Stücke reißen und wegwerfen. „Ha“ denkt Herr S., „mit dem Mann iſt eine große Veränderung vorgegangen; ſein Verſtand und ſeine Sparſamkeit ſind von ihm gewichen!“ und wie gedacht, ſo nun auch geglaubt, und in alle Welt auspoſaunt: der ) Wir glauben Herrn Schmidt entſchuldigen zu müſſen. Man muß bedenken, worauf der geehrte Herr Ein ſen der keine Rückſicht nimmt, daß Herr Schmidt hier auf einem Feld arbeitet, das ihm ſremd iſt, und dahin ihn allein die Noth, wie ſo manchen Einwanderer, verſchleudert hat. Wie wir vernehmen, hat HerrSchmidt jüngſt eine Schul⸗ meiſterſtelle erhalten. Vielleicht dürfte daher der ſelbe bald der Nothwendigkeit enthoben ſein, durch ſo ungewohnte Ar⸗ beit, wie bisher, ſich ſein Stücklein Brod zu erwerben. D. Red. „7 * Hauswirth ſei nicht mehr der alte, er habe ja eine Banknote vernichtet. Das fällt nämlich Herrn S. nicht ein, daß die Banknote eine un⸗ ächte war, und daß der Hauswirth ſie darum zerriß und wegwarf, nachdem er ſie heſehen und erkannt hatte. Was Verſtändige dabei denken, brauchen wir nicht zu ſagen. Als einen Mann von ſo wenig Mutterwitz und dabei ſo viel Ver⸗ trauen auf ſeine Klugheit mahlt ſich aber Herr S. ab, wenn er ſagt, „daß die Kirche das Tho— mas⸗Evangelium verwarf, hat ſeinen Grund darin, daß zur Zeit als das Evangelium in Um⸗ lauf kam, des Wunderbaren nicht genug erzählt werden konnte von dem „eingebornen Sohn Gottes“: Zur Zeit dagegen, als die Prieſter⸗ kaſte nun eine Reihe von Schriften auserkohr, um ſie als Eingebung Gottes hinzuſtellen —: zu dieſer Zeit hatte die Wunderſucht der Men⸗ ſchen ſich bereits gar merklich abgekühlt“ u. ſ. w. Denn einen Unterſchied zwiſchen apokryphiſchen und kanoniſchen Büchern kann Herr S. nicht faſſen, wie ja auch nicht ein jeder eine falſche von einer ächten Banknote zu unterſcheiden ver⸗ mag; darum gelten die apokryphiſchen und ka⸗ noniſchen Bücher ihm gleich; und ſtatt ſich zu beſcheiden, es möge wol an ihm liegen, wenn er es nicht einſehen kann, weshalb die Kirche die einen verwirft, während ſie die andern anerkennt, und nun lieber ſich unterrichten zu laſſen, oder zu ſchweigen, heckt er gleich einen Grund aus, und meint und verkündigt nun, in der Kirche ſei eine großeVeränderung vorgegangen, zu An⸗ fang habe ſie an Wundern Gefallen gehabt, ſpäter aber den Geſchmack daran verloren, eine Behauptung, die nicht nur rein aus der Luft gegriffen, ſondern mit der Kirchengeſchichte in offenbarem Widerſpruch ſteht, inden zu Anfang die chriſtliche Kirche allerdings der Wunder als eines Zeugniſſes, das Gott der Predigt von Chri⸗ ſia gab, ſich freute, nachher aber mit ander⸗ weitigem Verderben auch Wunderſucht hin und wieder in ſie eindrang. „Ja der Hauswirth hat eine Banknote beſehen und weggeworfen, darum iſt er nicht mehr der nämliche; ſein Ver⸗ ſtand und ſeine Sparſamkeit haben ihn verlaſſen!“ Eine augenfällige Probe von dem Grade ſei⸗ ner Fähigkeit über ernſtere Dinge zu ſchreiben, die einiges Urtheil und einige ſogenannte ge⸗ lehrte Kenntniſſe erfordern, giebt Herr S. noch am Ende ſeines Artikels, wo es heißt: „Es wa⸗ ren und ſollten dieſe apoſtoliſchen Namen, die auf die neuteſtamentlichen Schriften geſtellt wur⸗ den, — erwieſener Maßen — nichts wei⸗ ter ſein, als eine Art von Empfehlungsbriefen, die man dieſen Schriften mit in die Welt gab.“ Man ſollte nun zwar denken, Niemanden würde es einfallen, dergleichen zu glauben, ſo wenig wie, daß Luthers großer und kleiner Catechis⸗ mus nicht von Luther ſei; allein Herr S. ſagt „erwieſener Maßen“, er muß ſich's alſo haben erweiſen, oder vielmehr haben weis ma⸗ machen laſſen; und was können wir weiter thun, als uns beſcheiden, daß es immer Menſchen giebt, die tolle Einfälle haben, und dazu Tröpfe, die ſolche tolle Einfälle als Wahrheiten ſich auf⸗ binden laſſen. Aber was ſollen wir ſagen, wenn