# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 05 13_S159 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) de. Da ſprach der Wirth zu mir: widerlegt, daß er ja nicht weiß, was in der Miniſterial⸗ WaG er endlich von der Aufnabme des Hermn Gockelen „ohne gewiſfenhafte Unterſuchung“ bemerkt, iſt ſchon dadurch Sitzung. bei der er gar nicht gegenwärtig war, geſchah. Möglich iſt es we— nigſtens, daß das Miniſterium, ungeachtet ſeiner Abweſenheit, di Geſchüfte in Bezug auf Paſtor Gockelen zu eigener Befriedigung ver richtete. Was die Schimpfnamen betrifft, mit denen Paſtor Gockelen und ſeine Gemeinden ſo reichlich ausgeſtattet werden, ſo wird jeder chriſtlich denkende, nüchterne Lutheraner ſolches gehörig zu beurtheilen wiſſen. Dieſe Vorfälle ſollten nun Dr. Sihler lehren, mit mehr Vorſicht und Umſicht und Einſicht zu handeln. Er bedenke, daß man nicht Andem allerlei Beliebiges andichten kann, ohne Wahrheit, Gerech⸗ tigkeit und Liebe zu verletzen. Vor allem aber ſollte es ihm nun llar werden, daß er ſelbſt nicht unfehlbar iſt, und ſein Rath nicht von Allen ſo hoch geſchätzt wird, als von ihm ſelbſt. Wenn ihm et⸗ was daran liegt, die Kirche erbauen zu helfen, ſo wird er nur durch beſcheidenen Eifer, liebevollen Ernſt und nüchterne Belehrung, nicht durch Schimpf und Zwang dies edle Ziel erreichen. „Das thut zicht in Amerika“, mit dem Stock kirchliche Angelegenheiten lu ordnen, oder Gemeinden unter Soldatendisciplin bringen zu wollen. So viel über die „Denkwürdigkeit“. W. F. Lehmann. —159— nur „Schmach ſauf die Sache des Herrn“ gebracht habe, oder ob nicht dieſe Vertheidigung der Synode durch Herrn Lehmann vielmehr zur um ſo größeren Selbſtoerklagung gerathen ſei? Denn indeß er nirgend mein nuf Thatſachen gegründetes Urtheil durch Widerlegung der erſteren aufgehoben at, noch aufyeben kann, hat er fortwährend meinen Herzensgrund und meine Zeſinnung gerichtet, und Gott vielfach in ſein Amt und Werk gegriffen. Denn ſolches iſt die Art der durch Thatſachen geſchlagenen und durch Gruͤnde überführten Gewiſſen, wenn die wunden Flecke ſchmerzen und doch Herz und Wille ſich unbußfertig dawider ſetzen, die Geſinnung deſſen zu verdächtigen und zu verunglimpfen, der ihnen dieſen widerwärtigen Liebesdienſt erzeigte, wenn er es auch noch ſo ehrlich und aufrichtig gemeint hat. Denn ich be⸗ zeuge vor dem allwiſſenden und allgegenwärtigen Gotte, daß weder früher noch jetzt mein Zeugniß wider das Verhalten der Ohio ⸗-Synode oder einzel⸗ ner ihrer Glieder aus böswilliger Härte und Herrſchſucht der Geſinnung ge⸗ floſſen iſt, die mir Herr Lehmann ſo vielfach unterſchiebt, ſondern aus redli⸗ chem Eifer um die Ehre Gottes und die Erbauung ſeiner Kirche. Und wäre mir und meinen Mitzeugen nur einige Willigkeit von Seiten der Synode bei unſerem erſten Geſuche entgegengekommen, ſo ſtände vielleicht Alles anders. — Schließlich erkläre ich nun dem Herrn Lehmann, daß ich auf keine weiter etwa erfolgenden Geſinnungserichtereien, Deklamationen und Raiſonnemenis irgend etwas erwiedern werde; will oder kann er die noch feſtſtehenden That⸗ ſachen und Gründe angreifen, ſo will ich ihm antworten. Uebrigens habe ich ihm in meinem Herzen ſein vielfaches kaltes und ſtolzes Richten meiner Geſin⸗ nung gern vergeben wenn ich gleich ſein Umgehen oder Eniſtellen der That⸗ ſachen, der Wahrheit gemäß, wiederum ſtrafen mußte. Gott ſchenke ihm, der ein ſeit Jahren von ſchwachen Synodal-Vätern und Freunden verzogenes Schooß⸗ kind iſt, je länger je mehr Gnaͤde zu tieferer Selbſterkenntniß, und verwandle ſein bisheriges Schulchriſtenthum in ein gründliches Erfahrungs-Chriſtenthum. — Der Synode ſollen auf Begehren die oben erwähnten geſchichtlichen That— ſachen als Belege ihrer in mannichſacher Hinſicht ſo leichtfertigen Praxis alle⸗ wege zu Dienſten hehen, und im Lutheraner veröffentlicht werren. Tr. W. Sihler. ———⏑—— — Luther auf ſeiner Reiſe von der Wartburg nach Wittenberg. (Aus einer alien Cühronik von F. Keßler.) Wohn erſettigen“. (Schluß.) wüßlich; doch thut nit desgleichen, ob ru ihn dafür haltiſt und bekennſt“. recht, konnt es aber nit glauben und ging wie⸗ Antwortet er: „er iſis ge⸗Uund uns etwas beſonders geben. Sprach der Wirth: Lieben Gſellen, ſetzend euch nun zu dem Herrn an den Tiſch, ich will euch zimblich hal⸗ ten“. Da es Martinus hört, ſprach er: „kom⸗ Ich ließ dem Wirth Viertes Kapitel. Was ber Lutber weiters mit uns ſprach und wir ihn gleichwol nit erkenneten. Demnach der Tag gar hinunter und ſehr dun⸗ kel war, kam der Wirth für den Tiſch; wie er verſtanden unſer hoch Verlangen und Begird nach dem Martin Luther, ſprach er: „liebe Ge⸗ ſellen, euch wärs gelungen, wo ihr vor zwey Ta⸗ gen hie wärend geweſen; dann hie iſt er an dem Tiſch geſeſſen“ꝰ Und zeigt mit dem Finger an den Ort. Das verdroß uns ſehr und zürneten, daß wir uns verſümbt hetten, ließen den Zorn an dem wüſten und unfertigen Weg aus, der uns verhindert hat am Gon und ſprachend: „es freut uns doch, daß wir in dem Haus, an dem Tiſch, da er geſeſſen, ſind“L. Des möcht der Wirth wol lachen und ging damit zur Thür hin⸗ aus. Nach einer kleinen Weil berüfft mich der Wirth zur Stubenthür hinaus. Zu ihm kom⸗ mend erſchrack ich und bedacht mich, was ich verunſchickt oder wes ich unſchuldig verdacht wer⸗ „Dieweil ich ruch in Treuen erkenne, daß ihr den Luther zu bören und zu ſehen begehrt: tuch ſizt“. Die Wort nam ich geſpötsweis an und ſprach: „ja, Herr Wirth, ihr wollet mich gern fatzen *) und mein Begird mit des Luthers vexiren, necken, der iſts, der bei der in die Stuben, ſezt mich zu dem Tiſch, her es auch meinem Geſellen gern geſagt, was mir der Wirth eröffnet hat. Ich wandt mich darumb gegen der Thür und gegen ihm; runet heimlich: „Der Wirth hat mir geſagt, der ſey der Luther“. Er wollt es auch, wie ich, nit bald glauben und ſprach: „Er hat vielleicht geſagt, es ſed der Hut⸗ ten und haſt ihn nit recht verſtanden“. Dieweil mich nun die reuteriſch Kleidung mehr an den Hutten, dann an den Luther, alsan einen Mo⸗ nachen ), vermahnt, ließ ich mich alſo bereden, der Wirth heute geſprochen: es iſt der Hunten; dann der Anfang beider Namen ſchier zuſam⸗ menklingen. Derhalben was ich redet, geſchah, als wann ich mit Hern Ulrich ab Hutten redet. Indem allem kamen zween der Kaufleuthen, die auch allda übernachten wollten und nachdem ſie ſich entlediget und entſporret, leget einer nebent ſich ein ungebunden Büchlein. Fraget Martin, was es für ein Buch wäre? Sprach er: „Es iſt Docrtor Luthers Auslegung etlicher Evange— lien und Epiſtlen, erſt neugedruckt und ausgan⸗ gen; hand ihr ſie nie geſehn?“ Sprach Mar⸗ tin: „Sie ſollen mir auch bald werden“L. Da ſprach der Wirth: „Nun fügend euch zu Tiſch, wir wollen eſſen“. Wir aber ſprachen und ba⸗ then den Wirth, er wolle ſich mit uns leiden ) Mönch⸗ met herzu. ich will die Zehrung mit dem Wirth wol abtragen“. Unter dem Eſſen that Martinus vil gottſelige freundtliche Reden, das die Kaufleuthe und wir an ihm verſtundend, und mehr ſeiner Worten, dann aller Speiſen wahrnahmen, unter welchen er ſich mit einem Seufzer erklagt: wie namlich jezzumahlen die Fürſten und Herren auf dem Reichstag zu RNürnberg, wegen Gottes Wort, dieſer ſchwebenden Hendel und Beſchwehrungen halben teutſcher Nation verſammlet weren; aber nichts mehr auszurichten geneigt, dann gute Zeit mit köſtlichen Turnieren, Schlitten, Un⸗ zuchten, Hoffart und Hurerey verzehren, ſo doch bevor Gottesfurchi und ernſtlich Bitt zu Gont darzu diente: „Aber das ſind unſere Chriſtliche Fürſten“. Weiter ſagt er: Er ſey der Hoffnung, daß die evangeliſche Wahrheit mehr bel unſern Kindern. und Nachkommen Frucht bringen werre, die nit von dem päpſtlichen Irthumd vergift, ſondern jetzunder auf lautere Wahrhelt und Gottes Wort gepflanzet würden, dann an den Eltern, in wel⸗ chen die Irthumb eingewurzlet, daß ſie nit leicht mögen ausgereutei werden. Darnach rerten die Kaufleuth auch ihre gute Meinung und ſprach der Elter: „ich bin ein einfeltiger ſchlechter Lay; verſtahn mich auf die