# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 08 17_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) stum so wie von der Vernunft und ihrem Dünkel handelt und unter andern sagt: „Wucherei, Sauferei, Ehebruch, Mord, Todschlag u. s. w. die kann man merken und verstehet auch die Welt, daß sie Sünde sein; aber des Teufels Braut, die Vernunft, die schöne Metze, fähret herein und will klug sein und was sie saget, meinet sie, es sei der heil. Geist: wer will da helfen? weder Jurist, Medicus, noch König oder Kaiser. Denn es ist die höchste Hure, die der Teufel hat, die andern groben Sünden siehet man; aber die Vernunft kann Niemand richten; die fähret daher, richtet Schwärmerei an mit der Taufe, Abendmahl; meinet, alles, was ihr einfällt und der Teufel in's Herz gibt, soll der heil. Geist sein. Darum spricht Paulus: „So wahr ich ein Apostel bin und Gott mir hat den Geist gegeben, also vermahne ich.“ Auch hat Luther in dieser Predigt die Zerrüttungen vorausverkündigt, welche die luth. Kirche bald nach Luther's Tod hat erfahren müssen; denn er spricht: „Ich sehe vor Augen, wenn uns Gott nicht wird geben treue Prediger und Kirchendiener, so wird der Teufel durch die Rottengeister unsere Kirchen zerreißen und wird nicht ablassen noch aufhören, bis er's hat geendet. Das hat er kurzum im Sinne, wo er's nicht kann durch den Pabst und Kaiser, so wird er's durch die, so noch mit uns in der Lehre einträchtig sein, ausrichten. Derohalben ist hoch von Nöthen, daß man von Herzen bete, daß Gott uns reine Lehrer geben wolle. Jetzt sein wir sicher und sehen nicht, wie greulich uns der Fürst dieser Welt durch den Pabst, Kaiser und unsere Gelehrten allhier nachtrachtet, und sagen: Was schadet's, daß man das nachläßt? Nein, nicht ein Haar breit sollen wir nachlassen. Wollen sie es mit uns halten, gut: wollen sie nicht, so lassen sie es. Ich habe von ihnen die Lehre nicht empfangen, sondern durch göttliche Gnade von Gott. Ich bin wohl gewitziget. Drum bittet Gott mit Ernst, daß er euch das Wort lasse, denn es wird greulich zugehen.“ Am Ende dieser Predigt bemerkt der Herausgeber derselben mit Bezug auf die Wittenberger Universität: „Dr. Martinus Luther heiliger Gedächtniß hat oft vor vielen andern Glaubwürdigen und auch vor Dr. Augustin Schurf gesagt diese Worte: Nach meinem Tode wird keiner von diesen Theologen beständig bleiben. Und dies ist leider auch erfüllt worden.“ Wie nun Luther schon im Herbste des vorigen Jahres auf Ersuchen der Grafen von Mansfeld nach Eisleben gereist war, um zwischen ihnen und ihren Unterthanen, denen sie die Bergwerke entziehen wollten, einen Vergleich zu Stande zu bringen, was aber nicht gelungen war, so reiste er zu Anfange des Jahres 1546 in gleicher Absicht dahin. Er selbst sagte, er sei darum von Wittenberg auf der Herren Grafen von Mansfeld Ersuchen ausgezogen, daß er von täglicher Arbeit und Anlauf Ruhe habe, zu Eisleben nur beten, predigen und seine Landesherrn zu Einigkeit und Friede vermahnen wollte. So reiste er den nächsten Sonnabend nach seiner letzten Predigt den 23. Jan. mit seinen drei Söhnen von Wittenberg ab und kam am folgenden Sonntage in Halle an, wo er bei seinem treuen Freunde Dr. Jonas einkehrte und schon Tags darauf als am Tage Pauli Bekehrung über Ap. Geschichte 9, 1—19. von dem Berufe St. Pauli zum Apostelamt predigte. Insonderheit pries er die Schriften dieses Apostels als das rechte Heiligthum, gegen welches alle erdichtete Heiligthümer des Pabstes und namentlich das vorgebliche Haupt St. Pauli, das man in der Peterskirche zu Rom zeigt für nichts zu achten sei. Nachdem er bei Halle mit Lebensgefahr in einem Kahne über die Saale gefahren und auf der Mansfeldischen Grenze von den Grafen und mehr als hundert Reitern empfangen worden war, kam er in deren Begleitung in Eisleben an, wurde aber unweit vor der Stadt so schwach, daß man für sein Leben fürchtete, doch wurde es wieder besser mit ihm und er blieb drei Wochen in Eisleben. Er nahm bis einen Tag vor seinem Ende an den Vergleichshandlungen persönlich Antheil. Allein sie zerschlugen sich abermals durch die Schuld der Juristen, so daß sich Luther vornahm, wenn er noch länger leben werde, ein besonderes Buch wider sie zu schreiben. Während seines Aufenthalts in Eisleben vollzog er noch an zwei Predigern die Ordination und empfing zweimal die Absolution und das heil. Abendmahl. Er hielt auch vier Predigten, wie er denn immer überaus fleißig gepredigt hat, so daß er selbst von sich bekennt, er habe oft an einem Tage vier Predigten gethan und das 25 Jahre getrieben. In diesen vier Predigten hat Luther trotz aller leiblichen Schwachheit noch einmal mit großem Ernst die kraftvollsten Zeugnisse von allen Hauptartikeln der christlichen Lehre und wider alle dagegen streitende Irrthümer der Papisten, Sacramentirer und anderer Schwärmer abgelegt. Am Schlusse seiner letzten Predigt, drei Tage vor seinem Ende, nahm er von seinen lieben Eislebern förmlich Abschied und sagte: „Nachdem ich nun eine Zeitlang allhier gewesen und euch geprediget habe und nun anheim muß und vielleicht nicht mehr predigen möchte, so will ich euch hiemit gesegnet und gebeten haben, daß ihr fleißig bei dem Worte bleibet, das euch eure Prediger und Pfarrherren von der Gnade Gottes treulich lehren; und euch gewöhnet zum Beten, daß euch Gott vor allen Weisen und Klüglingen behüten wolle, so die Lehre des Evangelii verachten; denn sie oft viel Schäden gethan und noch thun möchten.“ Er schloß dann seine letzte Predigt mit dem Wunsch: „Der liebe Gott gebe Gnade, daß wir sein theures Wort mit Danksagung annehmen, im Erkenntniß, Glauben seines Sohns, unseres HErrn JEsu Christi, zunehmen und wachsen und im Bekenntniß seines heil. Worts beständiglich bleiben bis an's Ende. Amen.“ — Er betete, wie er auch sonst immer gethan hatte, alle Abende in seiner Stube vor dem offnen Fenster mit großem Ernst eine gute Weile, worauf er sich fröhlich, wie einer, der von einer großen Last erledigt ist, wieder zu seinen Freunden wendete, noch eine halbe Stunde mit ihnen redete, und dann zu Bette ging. In diesen seinen letzten Tagen hat man noch über Tische viele wichtige Reden und tröstliche Sprüche aus seinem Munde gehört. Am 17. Febr. nahm seine Schwachheit merklich zu, so daß man ihm rieth, der Ruhe zu warten, was er auch that. Am letzten Abend beantwortete er unter andern die Frage, ob die Gläubigen auch in jenem Leben einander kennen würden, indem er auf Adam hinwies, der sogleich sein aus seiner Rippe erschaffenes Weib als sein eignes Fleisch erkannt habe, weil er voll des heil. Geistes und Erkenntniß Gottes gewesen sei. Dann ging er in seine Stube und betete seiner Gewohnheit nach, besonders auch für die Kirche seines Vaterlandes, klagte aber bald darauf, daß es ihm bange um die Brust werde. Er nahm die ihm gereichte Arznei und legte sich gegen acht Uhr auf sein Ruhebett, indem er sagte: „Wenn ich ein halbes Stündlein könnte schlummern, hoffe ich, es sollte besser werden.“ Er schlief nun sanft bis um zehn Uhr, da erwachte er, stand auf und sagte, indem er über die Schwelle seiner Schlafkammer ging: „Walts Gott, ich gehe zu Bette, in deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du getreuer Gott.“ Als er sich in's Bett gelegt hatte, reichte er allen die Hand, nahm gute Nacht und sprach: „Dr. Jona und Mag. Coeli und ihr andern, betet vor unsern HErrn Gott und sein Evangelium, daß es ihm wohl gehe; denn das Concilium zu Trident und der leidige Pabst zürnet hart mit ihm.“ Als die Glocke Eins schlug, erwachte er und sprach: „Ach, HErre Gott, mir ist sehr wehe! Ach, lieber Herr Dr. Jona, ich achte, ich werde hier zu Eisleben bleiben, da ich geboren und getauft bin.“ Er ging nun wieder aus der Kammer in die Stube und sagte abermals: „In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, HErr, du getreuer Gott.“ Als er durch Reiben und Wärmen in Schweiß gerathen war und die Umstehenden, insonderheit die herbeigeeilten Grafen und andere Freunde davon Besserung hofften, so antwortete er: „Ja, es ist ein kalter Todesschweiß, ich werde meinen Geist aufgeben, denn die Krankheit mehret sich.“ Darauf betete er also: „O mein himmlischer Vater! ein Gott und Vater unsers HErrn JEsu Christi, du Gott alles Trostes, ich danke dir, daß du mir deinen lieben Sohn, JEsum Christum, offenbart hast, an den ich glaube, den ich gepredigt und bekennt habe, den ich geliebet und gelobet habe, welchen der leidige Pabst und alle Gottlosen schänden, verfolgen und lästern. Ich bitte dich, HErr JEsu Christe, laß dir mein Seelchen befohlen sein. O himmlischer Vater, ob ich schon diesen Leib verlassen und aus diesem Leben hinweggerissen werden muß, so weiß ich doch gewiß, daß ich bei dir ewig bleiben und aus deinen Händen mich Niemand reißen kann.“ Weiter sprach er auf lateinisch: „Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Joh. 3, 16. Und die Worte aus dem 68. Ps.: „Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet.“ Als ihm ein Arzt noch ein Stärkungsmittel reichte, nahm er's und sprach abermals: „Ich fahre dahin, meinen Geist werde ich aufgeben,“ worauf er dreimal lateinisch sehr eilend die Worte wiederholte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, du getreuer Gott.“ Dann fing er an stille zu liegen mit gefaltenen Händen und geschlossenen Augen. Man rief ihm, aber er antwortete nicht. Da redeten ihn Jonas und Cölius mit lauter Stimme also an: „Ehrwürdiger Vater, wollt ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr sie gepredigt, beständig sterben?“ Da sprach er, daß es alle deutlich hörten: „Ja,“ und dies war sein letztes Wort; denn damit wendete er sich auf die rechte Seite und fing an zu schlafen fast eine Viertelstunde. Schon fingen die Umstehenden an, auf's Neue einige Hoffnung zu fassen, da erbleichte sein Angesicht; seine Hände und Füße erkalteten, er that noch einen tiefen aber sanften Athemzug und damit gab er seinen Geist in die Hände seines treuen Gottes mit stiller und großer Geduld und entschlief so, nachdem seine letzte Krankheit nur gegen sieben Stunden gewährt hatte, ohne Unruhe, ohne Qual des Leibes oder Schmerzen des Todes sanft und friedlich in dem HErrn, am 18. Febr. 1546, als am Tage Concordiä Morgens zwischen zwei und drei Uhr, im 63. Jahre seiner Wallfahrt auf Erden. (Schluß siehe Beilage.) Gedruckt bei Weber und Olshausen.