# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 08 17_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) daß er keine Besserung zu hoffen wüßte. Auch gab er die treffliche Auslegung des 90. Psalms heraus, deren Originalausgabe von einer andern sehr veränderten wohl zu unterscheiden ist. Im Jahre 1542 weihete Luther Nicolaus von Amsdorf, den der Churfürst zum luth. Bischof von Naumburg und Zeitz erwählt hatte, zu seinem heil. Amte ein und vollzog dessen feierliche Einführung, wobei er von dem Exempel, einen wahren christlichen Bischof zu weihen, eine Predigt hielt, die er in einer kurz darauf erschienenen Schrift unter gleichem Titel weiter ausführte. In diesem Jahre schickten die böhmischen Brüder, wie dies ihr Bischof Comenius erzählt, zum vierten und letzten Male zwei Abgesandte an Luthern, um zu vernehmen, was hinsichtlich der Kirchenzucht von den Lutheranern zu hoffen sei. Nachdem sie zwei Wochen lang mit ihm und den übrigen Theologen freundliche Unterredungen gehalten hatten, so lud er sie noch zum Abschiede zu Gaste, reichte ihnen vor den anwesenden Professoren die Hand und sagte: „Seid ihr Apostel der Böhmen, ich und die Meinigen wollen Apostel der Deutschen sein. Treibt ihr das Werk Christi bei euch, wie sich euch dazu die Gelegenheiten ereignen werden, wir wollen es auch treiben, wie sich's bei uns wird thun lassen.“ Luther aber trieb allezeit das Werk des HErrn also, daß er die Kirche vor allem mit reiner Lehre versorgte, damit der rechte Glaube als der gute Baum gepflanzt und gepflegt werde, dabei auch aber fort und fort nicht nur zeigte, wie ein solcher guter Baum von selbst gute Früchte bringen werde in einem frommen Leben, sondern auch durch seine Schriften und Rathschläge, wie es die Umstände erforderten, zur Aufrichtung einer feinen äußerlichen Kirchenzucht nach allem Vermögen beitrug, wovon alle luther. Kirchenordnungen aus dem Zeitalter der Reformation hinlängliches Zeugniß geben. Zu Ende des Jahres 1542 wurde Luther durch ein langes Schreiben einiger Brüder aus Italien erfreut, welche durch seine Schriften zur Erkenntniß der Wahrheit gekommen waren. Es leuchtet aus demselben eine unaussprechliche Freude über den Schatz der reinen Lehre hervor, ein lebendiger Eifer für die Bewahrung derselben, eine entschiedene Verwerfung aller Irrthümer, namentlich auch im Sacramentstreit, eine große Standhaftigkeit unter allen Verfolgungen, eine tiefe Ehrerbietung gegen das auserwählte Rüstzeug Luther und aus eigner Erfahrung fließende Hochschätzung seiner Schriften. Zu einem Vorschmack dieses lobenswerthen Briefes, dessen ganze Mittheilung der Raum nicht verstattet, möge der Anfang desselben dienen, der also lautet: „Die Ströme des lebendigen Wassers, so von Eurem Leibe fließen, Hochwerthester Herr, müssen durch den himmlischen Regen je mehr und mehr anwachsen, damit Ihr die durstigen Auen des HErrn, sowohl daselbst täglich durch Predigten als hier durch Schriften desto besser und reichlicher wässern möget.“ Welche Freude mögen diese rechtschaffenen Leute bei dem Empfange der trefflichen Antwort Luthers empfunden haben, worin er sie auch namentlich vor den Sacramentirern väterlich warnt. Im Jahre 1543 war die luth. Kirche abermals mit mancherlei auch äußerlichen Gefahren umgeben. Luther aber bewies auch hierbei ein starkes Vertrauen zu seinem Gott und sagte auf das allergewisseste voraus, daß es bei seinem Leben nicht zu einem Kriege kommen werde. Als Caspar Schwenkfeld, der die alten Irrthümer der Sacramentirer auf eine neue Weise zu schmücken suchte und dadurch in Schlesien viele Leute verführte, einige seiner Tractate Luthern zuschickte, so antwortete derselbe mit so derben Worten, wie er's verdiente, und schrieb ihm rund heraus: „Er solle ihn mit seinen Büchlein, die der Teufel aus ihm speie, ungehudelt lassen.“ Denselben Eifer gegen falsche Lehre bewies Luther zu derselben Zeit in einem ähnlichen Falle: denn als ihm ein Buchdrucker eine schweizerische Uebersetzung der Bibel zusendete, so schrieb er ihm: er solle sein Geschenk behalten, weil es eine Arbeit seiner Prediger sei, mit denen er keine Gemeinschaft haben könne, indem sie von ihrem Irrthum nicht ablassen wollten. Auch die Feinde der Christenheit außerhalb derselben widerlegte Luther in mehreren gewaltigen Schriften. Er gab eine früher erschienene Widerlegung des Corans oder des Religionsbuches der Türken in deutscher Sprache heraus und warnte in der Vorrede treulich vor solcher Teufelslehre. Im Jahre 1543 verfaßte er mehrere Schriften gegen die Juden, worin er viele schöne Terte der Bibel, welche die Juden mit ihren Lügen entstellt hatten, davon reinigte und ihre Gotteslästerungen und teuflische Bosheit gegen Christum und seine Christen darin offenbarte. Auch glaubte er damals nicht mehr, wie früher, an eine künftige allgemeine Bekehrung der Juden. Endlich ging in diesem Jahre auch die wichtige Schrift von den letzten Worten David's (2 Sam. 23, 1—7.) aus, worin er von den drei Personen der heil. Dreieinigkeit und von den beiden Naturen in der einigen ungetrennten Person des HErrn Christi mit großem Geist und höchstem Ernst ein starkes Zeugniß gibt, welches einen jeden Christen in seinem Glauben befestigen und vor allerlei Irrthum bewahren kann. Ohnerachtet Luther mit zunehmendem Alter immer mehr Beschwerden seiner sterblichen Hülle empfand, so nahm er doch noch fortwährend an dem ganzen Reformationswerke unermüdeten Antheil und wie seine Augen als eines treuen Wächters auf der Zinne Zions nach allen Seiten hin gerichtet waren, so drang ihn sein brennender Eifer für die Erhaltung der reinen Lehre noch zur Abfassung mehrerer wichtiger Schriften insonderheit gegen die Sacramentirer. Es hatte nämlich Schwenkfeld trotz der oben erwähnten derben Antwort Luther's mit unglaublicher Dreistigkeit vorgegeben, Luther wäre mit ihm einig. Dies veranlaßte ihn im Jahre 1544 zu der Schrift: „Kurz Bekenntniß von dem heil. Abendmahl wider die Schwärmer,“ wovon er selbst sagt: „Ich, da ich nun auf der Grube gehe, will dieses Zeugniß und diesen Ruhm mit vor meines lieben HErrn und Heilands JEsu Christi Richtstuhl bringen, daß ich die Schwärmer und Sacramentsfeinde, Carlstadt, Zwingel, Decolampad, Stenkfeld und ihre Jünger zu Zürich und wo sie sind, mit ganzem Ernst verdammet und vermieden habe, und gehet noch täglich unser aller Predigt wider ihre lästerliche und lügenhafte Ketzerei, welches sie wohl wissen.“ Im Jahre 1545 verfaßte Melanchthon zur Vorlage auf den Reichstag zu Worms das sogenannte Wittenberger Bedenken von der Reformation, welches auch Luther unterschrieb und bei dieser Gelegenheit bezeugte, es sei unmöglich bei Gottes Wort und gutem Gewissen bleiben und zugleich bei der Welt Gunst und den Ruhm des Glimpfs erhalten. Luther mußte noch kurz vor seinem Ende manche bittere Erfahrungen machen, indem besonders in Wittenberg durch gottloses Leben ein Aergerniß über das andere kam, das seine Seele quälte und ihn endlich so weit brachte, daß er im Jahre 1545 aus dieser Stadt hinweg eilte und sich zu seinen Freunden nach Merseburg und Zeitz begab. Allein ein sehr gnädiges Schreiben seines Churfürsten, an den sich die Universität mit dringenden Vorstellungen gewendet hatte, und worin er ihm versprach, allen Aergernissen auf das kräftigste zu steuern, bewog ihn wieder nach Wittenberg zurückzukehren. Dort beendigte er die sechste und letzte Ausgabe seiner deutschen Bibel, an deren Verbesserung er mit seinen gelehrten Freunden unausgesetzt und mit großem Fleiß gearbeitet und dabei viele schöne Bemerkungen gemacht hatte, welche unter dem Namen „Randglossen“ bekannt sind. Er beendigte auch eins seiner größten Meisterwerke, die weitläuftige Auslegung des ersten Buches Mosis, über welches er seit zehn Jahren, obwohl mit vielen Unterbrechungen, Vorlesungen gehalten hatte. Endlich ließ er die gewaltige und ernstliche Schrift: „Das Pabstthum vom Teufel gestiftet“ ausgehen und dies war sein letztes Buch. Zu Anfange des Jahres 1546 sollte auf Befehl des Kaisers abermals ein Religionsgespräch zwischen den streitenden Parteien in Regensburg gehalten werden, wozu Dr. Major von Wittenberg abgeschickt wurde. Als er nun zu Luthern ging, um vor ihm Abschied zu nehmen, so fand er beim Eingange zur Studirstube die Worte von Luther's Hand angeschrieben: „Unsere Professorn sollen vom Abendmahl des HErrn examinirt werden.“ In einer seiner letzten Predigten ermahnte Luther die Zuhörer fleißig zu beten und die Geister zu prüfen und wenn sie hören würden, daß er krank sei, sollten sie für ihn nicht ein längeres Leben, sondern nur ein gnädiges Stündlein erbitten. „Ich habe, sagte er, der Welt satt, und die Weltmeiner, sind also leicht zu scheiden, wie ein Gast die Herberge quittirt.“ — Besonders merkwürdig ist auch Luther's letzte Predigt, welche er zu Wittenberg am 17. Januar über Röm. 12, 3. ff. gehalten und worin er von den Früchten des Glaubens an Chri-