# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 05 13_S147 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) von einem gewiſſen heidniſchen Philoſophen, Apollonius von Tyana, lügenhaft vorgibt, die⸗ Iſtr habe eben ſo große, wenn nicht noch größere, Wunder, als Chriſtus, gethan, und auch dieſer ſti endlich verſchwunden und habe ſich gleichfalls lthendig in den Himmel geſchwungen *). So enig wie die Genannten, ſo wenig wagt es der letzte unter den heidniſchen Beſtreitern des Chriſtentbums in dem erſten Zeitalter deſſelben, Hieroeles, Chriſti Wunder zu leugnen, ſon⸗ dern derſelbe ſchreibt ſie nur, um den Chriſten die darin liegende Waffe zu nehmen, lächerlicher Weiſe dem Beiſtande heidniſcher Götter zu *½)! „Und fragen wir nun endlich: Wie verhielten ſich ie Feinde, in deren Intereſſe es vor Allem lie⸗ gen mußte, die Zeugen von Chriſti Auferſtehung der Lüge zu zeihen, die Glieder des Ho⸗ Phenrathes zu Jeruſalem, welche Chri⸗ ſum als einen Gottesläſterer und Rebellen zum Tode verurtheilt hatten? Warum ordneten ſie, als die Apoſtel die Wiederkehr Chriſti in's Leben veründigten, nicht ſogleich eine gerichtliche Un— Fitiſuchung der Sache an, überführten die Apoſtel des Betrugs und ſchlugen auch ſie an's Kreuz? Echet da das böſe Gewiſſen der Elenden: ſie ver⸗ Uhieten den Apoſteln nur, hinfort einem Menſchen on dieſem Namen zu ſagen, und entlaſſen ſie, id geben ſo wider Willen der Wahrheit Zeug⸗ ß. — Endlich waren aber auch, wie ſchon aus dem Geſagten hervorgeht, die heil. Apoſtel und Cvangeliſten in einer ſolchen Lage, daß ſie, ſelbſt enn ſie die Wahrheit nicht hätten ſagen wol— len, ſie doch hätten ſagen müſſen. Sie ha⸗ n die Auferſtehung Chriſti nicht erſt in fremden „kändern verkündigt, wo man ſie nicht widerlegen hnn; ſie haben ſie öffentlich in Paläſtina in der Hauptſtadt, da, wo wenige Tage vorher der Schauplatz des von ihnen Erzählten geweſen war, und vor den Gewalthabern des Landes, die ſie dadurch für die Mörder ihres eigenen Meſſias Ferlänten, mündlich und ſchriftlich gepredigt und ſchdabei auf das Zeugniß vieler Hunderte beru⸗ fen, die dasſelbe geſehen und gehört hätten. Doch, m. Th., obgleich hiernach die Auferſte— hung Chriſti als eine geſchichtliche Thatſache nahr menſchliches Zeugniß für ſich hat, als ir— ) Achtete Philoſtratus für nöthig zur Widerle⸗ kumg des Chriſtenthums auch ſemen Helden lebendig gen bimmel fahren zu laſſen, ſo hat dieſer Feind damit, ohne es Un wellen, ein mächtiges Zeugniß dafür abgelegt, daß ſich Wü und Himmelfahet freilich nicht wegdisputiren laſt. ) Dieſer Hierocles ſchreitt unter Anderem: „Wir halten dafür, daß derjenige, welcher ſolche Thaten verrichtet, itin Gott, ſondern ein Menſch geweſen, der von den Göttern uiett worden; dieſe Leute (die Chriſten) rufen ihn (JE-⸗ ½n) jür einen Gott aus, weil er einige geringe Wunder⸗ umte gethan“. An einem anderen QOrte ſchreibt derſelbe: S verehren Eſum, weil er einige Blinde ſehend und ei⸗ andere dergleichen Wunder gethan“. — Nhnlich redet unſer Julian, der Abtrünnige, der Chriſti Wun⸗ Ir gern geläugnet hätte, wenn es zu ſeiner Zeit nur mög⸗ arweſen wäre. Dieſer bitterſte Feind Chriſti ſchreſbt von EKhrito: „Er that die ganze Zeit, da er auf Erden war, keine Puer würdige That, es ſei denn, daß man dieſes für große Wunder auſehen wollte, daß er Lahme und Blinde geheilt md in dem Flecken Bethſaida und Bethanien einige, die von biſte Geiſern beſeſſen waren, davon befreit habe“. * — 147— gend ein Ereigniß, welches uns ſonſt in Schriften. erzählt wird, ſo kommit doch hierzu noch ein ande— res ungleich wichtigeres, ein göttliches Zeu g— niß. Wo nehmlich Chriſtus, der Gekreuzigte und Auferſtandene gepredigt wird, da dringt dieſe Predigt mit göttlicher Gewalt in die Herzen der Zuhörer; ſelbſt der entſchiedene Chriſtusfeind fühlt ſich da von einer wunderbaren Kraft erfaßt, die ihn zum Glauben daran nöthigen will und der er ſich nur mit Gewalt erwehren kann; und die die Zuhörer, welche nicht muthwillig widerſire⸗ ben, bekommen bei dieſer Predigt in ihren Geiſt das Zeugniß des heiligen Geiſtes, das ſie von Chriſti Tod und Auferſtehung ſo gewiß macht, daß ſie eher ſich das Herz aus dem Leibe, als ihre Gewißheit von dieſer Thatſache aus ihrem Geiſte reißen laſſen können. Daher denn Millionen, die doch den Auferſtandenen nicht mit ihrem leiblichen Auge geſehen, dafür, daß er auferſtanden iſt, mit Freuden ihr Blut vergoſſen haben. Sehet da, das iſt ein unwiderlegliches Zeugniß, daß Chriſtus nicht mehr todt iſt, daß er erſtanden iſt, daß er lebet, daß er bei ſeinem Worte iſt, daß er mit ſeinem Wort und ſeinen Sakramen⸗ ten den heil. Geiſt ſendet, daß er ſeine Kirche ſelbſt ſammelt, regiert, ausbreitet, ſchützt und erhält. Was würdet ihr zu dem ſagen, der bei unwölk⸗ tem Himmel leugnen wollte, daß die Sonne auf⸗ gegangen ſei? Was würdet ihr zu dem ſagen, der da leugnen wollte, daß es einen Mann gege⸗ ben habe, der ſo kühn geweſen ſei, das Weltmeer zuerſt vurchzuſchiffen und der Amerika entdeckt habe? Würdet ihr zu dem erſten nicht ſagen: Thor, ſiehſt du nicht, daß es Tag geworden iſt? und vu willſt leugnen, daß die Sonne aufge⸗ gangen iſt, weil du ihre Scheibe nicht ſiehſt? und zu dem anderen: Thor, wohnſt du nicht ſelbſt in dieſem neuen Welttheile? und du willſt leugnen, daß dieſes Abendland einſt entdeckt worden iſt? So können wir nun zu allen, welche Chriſti Auf⸗ erſtehung leugnen, ſagen: Du Thor, du ſiehſt, wie Chriſtus ſeit achtzehnhundert Jahren ſich in Millionen Herzen lebenvig und kräftig erweiſt und wie die Strahlen ſeiner Gnadenſonne allent⸗ halben leuchten, und du bewunderſt den uner⸗ ermeßlichen Dom ſeiner Kirche, den er erbaut und durch alle Stürme der Zeit allmächtig erhalten hat: und du kannſt zweifeln, daß er lebe? zwei⸗ feln, daß dieſe, einſt zwar blutroth untergegan⸗ gene, Sonne wieder aufgegangen ſei? zweifeln, daß der lebe, der den großen Tempel der nach ihm genannten und von ganzen Völkern bewohn⸗ ten Kirche, der vor dir ſteht, erbaut hat? O, m. Br., ſehet, wie getroſt können wir heut denen, welche ſo unglücklich ſind, die Wahrheit der Auferſtehung ihres Heilandes nicht zu erken— nen, und ſo frevelhaft, ſie ungeprüft zu leugnen, entgegentreten! Wie ohnmächtig erſcheint all' ihr Streiten gegen Chriſtum und ſeine Wahr⸗ heit! — wie der ohnmächtige Wellenſchlag des unruhigen Sees gegen einen himmelhohen dia— mantenen Felſen. Laßt uns daher jetzt unſeren Glauben noch ferner an der Betrachtung ſtärken, welch' einen feſten guten Grund wir an der Auf⸗ ſiehung unſeres HEren zu einem freudigen Be⸗ kenntniß unſers Glaubens haben. Tert: das Evangelium des Oſtertages. Von den näheren Umſtänden der Auferſtehung des HErrn, die uns hier erzählt werden, abſe⸗ hend, laßt uns heute auf dieſe Thatſache ſelbſt allein unſer Auge richten; das Thema unſerer Feſtbetrachtung ſei nehmlich: Die Auferſtehung IEſu Chriſti, der Chriſten guter Grund zu einem freu⸗ digen Bekenntniß ihres Glaubens; und zwar 1. zu dem Bekenntniß, daß IEſus Gottes Sohn ſei, und 2. zu dem Bekenntniß, daß ſie bei Gott in Gnaden ſeien. 4. Chriſtus ſelbſt hat, m. L., von ſich geſagt, daß er der Sohn Gottes, und zwar der einge⸗ borne Sohn Gottes ſei und daß er nicht, wie andere Menſchen von der Erde ſtamme, ſondern vom Himmel herabgekommen ſei. Chriſtus hat ausdrücklich geſagt; „Ehe denn Abraham ward, bin ich. Ich und der Vater ſind eins. Wer mich ſiehet, der ſiehet den Vater. Ich bin im Vater und der Vater iſt in mir. Was der Vater thut, das thut gleich auch der Sohn. Wie der Vater die Todten auferwecket, und macht ſie lebendig, alſo auch der Sohn macht lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet niemand, ſondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, auf daß ſie alle den Sohn ehren, wie ſie den Vater ehren.“ Auf dieſes Bekenntniß iſt IEſus auch geſtorben. Denn als der Hoheprieſter in dem letzten Verhör zu ihm ſprach: „Ich beſchwöre dich bei dem le⸗ bendigen Gott, daß du uns ſageſt: Biſt du Chriſtus, der Sohn Gottes, des Hochgelobten?“ Da antwortete IEſus ohne Einſchränkung: „Du ſagſt es. Ich bin es. Doch ſage ich auch: Von nun an wird es geſchehen, daß ihr ſehen werdet des Menſchen Sohn ſitzen zur Rechten der Kraft, und kommen in den Wolken des Him⸗ mels.“ Was nun Chriſtus hier von ſich bekannt hat, das bekennen auch alle ſeine Chriſten von ihm *). Die Chriſten bekennen nehmlich, daß der IEſus, welcher von Maria vor 1851 Jahren zu Bethle— hem im jüdiſchen Lande geboren und 33 Jahre darauf als ein Miſſethäter auf Golgatha bei ) Man lieſt jetzt nicht ſelten in den Schriſten der Feinde der ichriſtlichen Religion die Behauptung, urſprünglich ſei Chriſtus von ven Ehriſten nur für einen großen Propheten gehalten und erſt im vierten Jahrhundert von der Kirchen⸗ verſammlung zu Nicäa zu Gott gemacht und hier erſt vie Lehre von der heiligen Dreieinigkeit feſtgeſtellt worden. Dies wird nicht nur durch die heilige Schrift und durch die Schrif⸗ ten der erſten chriſtlichen Schrifſteller, ſondern ſelbſt durch das Zeugniß von Heiden aus dem erſten Jahrhundert wi⸗ derlegt. Unter andern haben wir noch einen Brief von Pli⸗ nius, dem jüngeren, der an Kaiſer Trajan gerichtet iſt und worin es z. B. von den Chriſten, welche Plinius vor Gericht geſordert und befragt habe, heiht: „Sie geſtanden, daß dieſes das Hauptwerk entweder ihres Verbrechens oder ihres Irrthums geweſen, daß ſie nach Gewohnheit an einem be⸗ ſtimmten Tage vor: Sonnen aufgang zuſammengekommen ſeien und auf Chriſtua, als ihren Gott, Loblieder ge⸗ ſungen haben.“ (Epp. X, 97.) Etwas ſpäter ſchreibt der Spötter Lucian von den Chriſten: „Die griechiſchen Göt⸗ ter verleugnen ſie, aber dieſen ihren gekreuzigten Sophiſten beten ſie an und leben nach ſeinen Geſetzen.