# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 05 13_S146 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtel ſelbſt ſchreibt: „Iſt Chriſtus nicht auferſtan— den, ſo iſt unſere Predigt vergeblich, ſo iſt auch euer Glaube vergeblich. Wir würden aber auch erfunden falſche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten, er hätte Chriſtum aufer⸗ wecket, den er nicht auferwecket hätte ... Iſt Chriſtus nicht auferſtanden, ſo iſt euer Glaube eitel, ſo ſeid ihr noch in euren Sünden; ſo ſind auch die, ſo in Chriſto entſchlafen ſind, verloren. Hoffen wir allein in dieſem Leben auf Chriſtum, ſo ſind wir die elendeſten unter allen Menſchen“. Wohl giebt es nun in unſeren Tagen Un⸗ glückliche, welche, weil ſie ſelbſt ohne Frieden und Troſt des Herzens ſind und weil ſie ſelbſt an aller Wahrheit und Gewißheit verzweifelt haben, zu dem Troſt und Frieden ſcheel ſehen, welchen die Chriſten aus der Auferſtehung Jeſu Chriſti haben, und die daher dieſe Thatſache ent— weder geradezu leugnen, oder doch die Gewißheit derſelben wenigſtens wankend und zweifelhaft zu machen ſuchen. Aber wobl uns Chriſten; der Einwürfe, welche die Feinde des Chriſtenthums erſt jetzt nach beinahe 2000 Jahren gegen die Gewißheit der Thatſachen erheben, worauf das Chriſtenthum gegründet iſt, können wir lachen. Gott hat dafür geſorgt, daß die Auferſtehung JEſu Chriſti mehr und gewaltigere Beweiſe für ſich hat, als irgend eine Thatſache, welche die Geſchichte uns berichtet. — Jeder verſtän⸗ dige Menſch erke:nnt den Grundſatz an: „Wenn es erwieſen iſt, daß ein Geſchichtſchreiber 1. was er berichtet, gewiß wiſſen konnte. und daß er 2. ſo redlich war, daß er auch nur die Wahrheit ſchreiben wollte; wenn ferner 3. nicht nur gleichzeitige Freunde, ſondern ſelbſt Feinde, welche Zeitgenoſſen des Ge— ſchichtſchreibers waren oder doch bald nach dem— ſelben auftraten, die daher den Geſchichtſchreiber zu ihrer Zeit leicht hätten widerlegen können, nicht gewagt haben, den Geſchichtſchreiber zu jener Zeit der Lüge und des Betrugs zu beſchul⸗ digen; und wenn endlich gar 4. dargethan werden kann, daß ein Ge— ſchichtſchreiber in einer ſolchen Lage war, daß er die Wahrheit ſchreiben mußte: dann iſt die er⸗ zählte Thatſache unzweifelhaft wahr. Wer die— ſen Grundſatz leugnet, der hebt die Gewißheit jeder Geſchichte und Überhaupt alle menſchliche Gewißheit auf und verdient nicht mehr unter die Geſellſchaft vernünftiger Menſchen gerechnet zu werden. Prüfen wir nun aber nach dieſem, von Ge⸗ lehrten und Ungelehrten anerkannten, Grundſatz die Geſchichte von der Auferſtehung IEſu Chriſti, ſo wird es alsbald offenbar, daß nur Unvernunft oder gottesfeindlicher Muthwille die Gewißheit dieſer Thatſache leugnen oder auch nur beharr— lich in Zweifel ziehen kann. Haben die Apoſtel und Evangeliſten erſtlich gewiß wiſſen kön nen, daß Chriſtus gufer⸗ ſtanden ſei? — Hierüber kann kein Zweifel ſein. Denn Chriſtus iſt ihnen am dritten Tage nach ſeinem Tode am Kreuze, wieder lebendig erſchie⸗ nen; nicht wie ein Geſpenſt, das, wie in Wolken gehüllt, jetzt erſcheint und, ehe ſich der Zeuge Mühe dahin bringen konnte, zu glauben, daß er ja, muß man auch annehmen, daß die Apoſtel ́ — 116 — von ſeiner Beſtürzung erholen und die Wirklich⸗ keit der gehabten Erſcheinung prüfen kann, plötz⸗ lich wieder verſchwindet; ſondern in einem Zeit— raum von vierzig Tagen zu den verſchiedenſten Zeiten, bald am hellen Tage, bald zu Abend, bald zur Nachtzeit; und an den verſchiedenſten Orten, bald in der Stadt, bald auſ dem Wege, bald am Meere, bald auf einem Berge; bald Einem, bald Zweien, bald den Eilfen insge— ſammt, bald mit ihnen zugleich noch 500 Brü⸗ dern. Und noch mehr: Chriſtus iſt nicht ſtumm vor ſie hingetreten und hierauf wie ein Nebelbild zerfloſſen, ſondern derAuferſtandene, den ſie durch langen vertrauten Umgang wohl kannten, hat mit ihnen ausführlich geredet, ſie erinnert deß, was er vormals zu ihnen geſprochen, die, wenige Tage darauf in Erfüllung gehende, Weiſſagung von der Ausgießung des heiligen Geiſtes über ſie gethan, Wunder vor ihnen verrichtet, mit ihnen gegeſſen und getrunken und ſeinen verklärten Leib mit ſeinen fünf Wunden von ihnen betaſten laſſen. Hier war keine Täuſchung möglich. Und, was noch von beſonderer Wichtigkeit iſt, die Apoſtel zeigten ſich hierbei nichtsweniger als leichtgläubig, ſondern vielmehr hoͤchſt ſchwer— gläubig; ſo daß ſie Chriſtus erſt nach vieler es wirklich ſei. Ja, wir ſehen, die Apoſtel ha— ben offenbar Chriſti Auferſtehung weniger ge⸗ hofft, als Chriſti Feinde ſie gefürchtet haben. — Eine zweite Frage iſt nun: Kann, und Evangeliſten die Wahrheit nicht nur hier— nach haben ſchreiben können, ſondern daß ſie ſie auch haben ſchreiben wollen? — Gibt es irgend eine Frage, die alle Welt ohne Zaudern mit Ja beantworten muß, ſo iſt es dieſe. Nicht. nur tragen alle dieſe Männer die unwiderſprech⸗ lichſten Kennzeichen der Einfalt, Redlichkeit, Ge⸗ wiſſenhaftigkeit und Gottesfurcht an ſich, ſondernf — ich frage hier getroſt auch die hartnäckigſten. Zweifler — ſagt, was hätte die lieben Jünger Chriſti auch bewegen können, lügenhaft vorzu⸗ geben, der Herr ſei auferſtanden und ihnen er— ſchienen und vor ihren Augen endlich gen Him- mel gefahren, wenn es nicht wirklich geſchehen waͤre? Jeder Betrüger ſucht ja mit ſeinem Be⸗ trug, nicht ſeinen Nachtheil, ſondern immer ſeinen Vortheil! Was war denn aber der Vortheil, den die heiligen Apoſtel und Evangeliſten von ih⸗ rer Verkündigung, daß Jeſus auferſtanden ſei, erwarten konnten und den ſie wirklich erlangt haben? Sie konnten nichts anderes erwarten, als: kein Menſch werde ihnen glauben und man werde ſie als Betrüger verachten, haſſen verfolgen, martern und tödten. Und das und nichts anderes haben auch die Jünger Chriſti von ihrer Oſterpredigt eingeerntet; ſie haben die— ſelbe unter Hunger, Durſt, Blöße, Hohn, Spott, Verachtung, Schande und Schlägen mit ihren Thränen und endlich mit ihrem Blute verſiegeln müſſen. Iſt es nun nicht Wahnſinn, zu glau⸗ ben, die Apoſtel und Evangeliſten hätten zwar die Wahrheit ſagen kön nen, aber klüglich nicht ſagen wollen, ſondern die Welt muthwillig betrogen, um dafür — alle nur erſinnlichen * Martern und Qualen und endlich den elendeſten To leiden zu können? — Was das dritte Kennzeichen der geſchichtlichen Wahrheit, das Zeugniß der Feinde, welche zur Zeit der Be⸗ richterſtatter oder doch nicht lange darnach lebten, betrifft, ſo fehlt der Geſchichte unſeres Oſterfeſtes auch dieſes Siegel keinesweges. Erſtlich ſind eine große Menge ſolcher Feinde durch die Pre— digt von Chriſti Auferſtehnng bekehrt und ſo die allerwichtigſten und unverwerflichſten Zeugen für dieſelbe geworden ); und was die hartnäckigen Feinde betrifft, ſo iſt es unter allen Gelehrten, welche die Geſchichte des Alterthums kennen, be— kannt, daß kein noch ſo feindſeliger Schriftſteller, der zur Zeit der Apoſtel oder bald darauf gelebt: hat, es auch nur verſucht hat, zu beweiſen, daß die heiligen Apoſtel und Evangeliſten, was ſie von Chriſto Wunderbares erzählen, ſelbſt erdich⸗ tet und erfunden hätten. Dieſe erſten in Schrif— ten wider das Chriſtenthum auftretenden Geg⸗— ner, denen es ſo leicht⸗geweſen wäre, zu beweiſen, daß die neuteſtamentlichen Erzähler Betrüger ge— weſen ſeien, wenn ſie es geweſen wären; ſie, die damit das ganze Chriſtenthum ſo leicht hätten wideplegen und wie mit Einem Schlage hätten zu Boden werfen können, ſie verſuchen es nicht. Der erſte, welcher ein eigenes Buch gegen das Chriſtenthum geſchrieben hat, mit Namen Cel-— ſus, gibt die Wunderwerke Chriſti zu und ſucht den in der Auferſtehung Chriſti liegen⸗ den Beweis nur dadurch zu entkräften, daß er ungereimt genug vorgibt, den Apoſteln ſei nur der Schatten Jeſu erſchienen )! Ein zweiter ſchriftſtelleriſcher Gegner desChriſtenthums, Phi— loſtratus, ſucht ſich damit zu helfen, daß er *) Wer kann ſo thöricht ſein, zu glauben, daß diejeniclen, welche erſt dit heftigſten Widerſacher Chriſti geweſen waren, ſobald die Jünger Chriſti Auferſtehung als geſchehen verkün⸗ digten, ungeprüft dieſe wunderbare Kunde angenom⸗ men und für die Wahrheit derſelben nun zum Theil ſelbſt ün Leben gelaſſen haben! In jener Zeit, wo dit Apoſtel, wenn ſie Beirüger geweſen wären, ſo leicht hätten entlarvt werden fönnen! Die jetzigen Feinde des Chriſtenthums ſuchen frei⸗ lich, um dieſen gewaltigen Zeugen, den damals bekehrten Feinden, den Mund zu ſtopfen, die Unwiſſeuden glauben zu machen, diejenigen, weiche zu derApoltel Zeit und bald dar⸗ auf das Chriſtenthum angenommen, ſeien nin ungebildete leichtgläubige Lente geweſen, die weder gewohnt, noch fähig geweſen ſeien, den Grund deſſen, was ſie annahmen, ſireng zu prüfen; allein es iſt Unwahrheit. Selbſt der oberfläch⸗ lichſte Kenner der Geſchichte weiß, daß von Anfang an auch eine große Menge jüdiſcher Schriftgelehrten, Phariſäer, Sadducäer und Oberſten des Volks und noch bei Lebzeiten der Apoſtelſchüler auch viele heidniſche Gelehrte, Philoſophen und Andere das Ehriſtenthum erſt nach der ſtrengſten Prüfung angenommen haben. Was die erſte⸗ ren betrifft, erinnere ich nur an Saulus, den nachmaligen Paulusz und rückſichtlich ver letzteren, an die zum Chriſten⸗ thum bekehrten vormaligen heidniſchen Gelehrten und Phi⸗ loſophen Quadratus, Ariſlides und Athenago⸗ ras, die Athenienſer; an Inſtinus Martyr, den Sa⸗ maritaner; an Tatianus und Theophilus, die Syrerz an Tert ullianus, den Carthagin enſer; an Pant ä⸗ nus und Clemens, die Alexandriner; der ſpäter bekehrten ausgezeichneten Philoſophen nicht zu gedenken. **) Dieſen Einwand, wie die anderen wichtigſten Ein⸗ würfe des Celſus hat uns der gelehrte Origenes in einer eigenen Schrift aufbehalten, welche er wider Celſus geſchrie ⸗ ben. Wir ſehen hieraus, wie armſelig die Gründe gewe ſen ſind, welche die Gelehrteſten in jener Zeit wider die ge⸗ ſchichtliche Grundlage des Chriſtenthums allein vorzubringen ſich getrauten, als man das Geſchehene noch nicht ſo frech ab⸗ leugnen konnte, ohne ſich vor aller Welt lächerlich zu machen.