# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 30_S143 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Renſchen die allein ſeligmachende Kirche ſei, Ind die altlutheriſchen Prediger behaupten daſ— ſlbe; — erſtere behaupten, das Wort eines MRannes gelte in Glaubensſachen gleich Gottes Port, und letztere thun auch ſo; — erſtere gauben, daß Menſchen Sünden vergeben, Him⸗ mel und. Hölle ſchließen können, letztere glauben ſes auch; — erſtere lehren, die Ohrenbeichte ſi nothwendig, die letzteren auch; — erſtere hren, die Sacramente machen ſelig, voraus⸗ geſtzt, man bleibe in der Kirche, letztere lehren auch ſo; — erſtere meinen, das Kreuzmachen ntbalte eine Wunderkraft und Lichterbrennen ſei ein weſentlicher Theil des Gottesdienſtes, In letztere meinen es auch u. ſ. w“. Er üſgt von den Predigern unſerer Gemeinſchaft, „daß ſie hier die Ohrenbeichte einführen und be⸗ hupten, an des ewigen Richters Statt ſelig ſprichen oder verdammen zu können... „ſie kehaupten in Predigten und Schriften, Luthers Weu ſei ſo untrüglich und unfehlbar, als das unwandelbare Wort des ewigen Gottes, aber in In That und Anwendung ſtellen ſie Luthers Vorte ſogar über Goltes Wort; ferner ſchämen ſi ſch nicht, zu lehren: ihre Verfaſſung, die ſie di allein ächte Lutheriſche nennen, ſei „die allein ſlig machende Kirche“. Im ,Lntheraner“ iſt bereits oft auf das Klarte nachgewieſen, daß wir von der Kirche, m heiligen Sakramenten, der Abſolution, den Ctremonien u. ſ. w. weder papiſtiſch, noch me⸗ horifiſch lehren, ſondern daß wir darüber die nine, aus Gottes Wort ſich von ſelbſt ergebende Jehr haben. Jeder wahrheitsliebende Leſer vind mit uns erkennen, daß obige Beſchuldi⸗ zungen und Verläſterungen ſämmtlich rein aus der Luft gegriffen ſind. Demnach erklaͤren wir rhemit Herrn Ahrens für einen infamen Lügner aund Verläumder, und nehmen dieſe Erklärung ducht eher zurück, als bis er ſeine niederträch⸗ lzen Lügen erkennt und uns abbittet. Ir aber, theure ev. lutheriſche Glaubens⸗ x genoſſen, hütet Ench vor den methodiſtiſchen Schwärmern undIrrlehrern. An ihren Früchten ſoll ihr ſie erkennen, gebietet uns unſer lieber krn JEſus, Matth, 7, 16., und ihre Früchte fid offenbar, nämlich Lüge, Verläumdung und Hfläſſerung. Mit dem Worte Gottes können ſe unſere Lehre nicht widerlegen, das wiſſen ſie, denn unſere Lehre iſt auf Gottes Wort gegrün⸗ de, darum beſtreiten ſie uns jetzt mit den Waf⸗ ſn der Lüge; denn Lüge iſt der eigentliche Geiſt 1des Methodismus. Hermann ZFick. die Macht des freimüthigen Zeugniſſes. ö Aus dem „Pilger aus Sachſen.“ . Einem frommen Landmanne in Baden be⸗ kghete folgende Geſchichte, die er ſelbſt in einem Karlsruhe erſcheinenden chriſtlichen Volksblatte rügetbeilt hat, die zwar einestheils zeugt von der großen Verblendung des Volks und von der Gouentfremdung, wie ſie jetzt überall zu finden *V iſt, aber anderntheils auch von der Kraft des Wortes Gottes, und wie Gott es ſegnet, wenn man ſich nicht ſcheut, ſein Wort frei vor der Welt zu bekennen. Dieſer wackere Landmann erzählt folgendermaßen: Gegen das Ende des Jahres 1848 reiſte ich von meinem Orte nach Pforzheim. Da ich meine Neiſe wegen Gepäck nicht zu Fuß machen konnte, ſo entſchloß ich mich, mit einem Omnibuswagen zu fahren. Beim Einſteigen in denſelben ver⸗ nahm ich ſogleich von den Paſſagieren politiſche Geſpräche, beſonders davon, daß es an der Zeit wäre, alle Fürſten und Könige vom Throne zu zu jagen. Dieſe Redner waren Städter und ſie bedauerten, daß das Landvolk noch nicht genng aufgeklärt ſei. Dieſes Geſpräch währte etwa eine Stunde; zuletzt ſprach einer von dieſen Herren. „Es wird doch endlich Einer kommen, der helfez;“ ein anderer ſprach: „es müßten viele kommen, Einer könne nicht helfen.“ Da ſprach ich: „Ja wohl, meine Herren, Einer kann helfen, wenn ſich das Volk zu ihm wendet.“ Auf dieſes äußerte einer der Herren: „Sie meinen gewiß den über uns.“ Ich ſagte: „Ja wohl, dieſen meine ich.“ Da ſprach er, ohne mich weiter reden zu laſſen: „Wenn der uns helfen könnte, hätte er ſchon lange geholfen; ich ſage, ſprach er: Wer ſich auf den verläßt, der iſt verlaſſen, unſer Herrgott iſt ein alter Mann und iſt.geiſtesſchwach, der kann nichts mehr thun, ſeine Kraft iſt längſt veraltet.“ Eine würtembergiſche Dame ſaß auch in dem Wagen; dirſelbe ſagte: „Wiſſen Sie, was man in Stutt⸗ gart ſagt? Unſer Hergott ſei eben auch ein Herr, deswegen helfe er auch den Herren und den Bau⸗ ern helfe er nicht.—Jetzt war es mit mir auf's Höchſte gekommen; ich ſtand auf und ſprach mit ſtarker Stimme: „Es iſt jetzt in der letzten Zeit!“ Ohne mich weiter reden zu laſſen, ſprach einer: „Ob ich auch eine letzte Zeit glaube; das ſei unſere letzte Zeit, wenn wir ſterben.“ Ich ſprach: „Laſſen Sie mir das Wort, ich ſage, es ſei in der letzten Zeit, und zwar darum, weil die heilige Schrift ſagt; „in der letzten Zeit werden Spöt⸗ ter aufſtehen!“ Sie, mein Herr, ſagte ich, ſind einer derſelben, Sie ſind ein Spötter und ein Gottesläſterer und dieſe Dame auch; Sie ſagen: Gott ſci veraltet und geiſtesſchwach; dieſe Dame ſagte: er ſei ein Herr und deswegen helfe er den Herren; Sie beide haben die Majeſtät Gottes angegriffen und darüber geſpottet, es wird Ihnen einſt ſchwer werden, vor dem lebendigen Gott zu ſtehen und zu ſehen, daß Er der Richter der Le⸗ bendigen und der Todten iſt, wenn Sie ſehen müſſen, daß Er nicht geiſtesſchwach iſt, ſondern daß Er Augen hat, wie Feuerflammen und alle Gedanken unſres Herzens kennt!“ Ich ſprach hierauf noch mehreres über das Wort Gottes. Da verſtummten meine Reiſegefährten, der HErr hatte ſie ſeines Wortes Kraft empfinden laſſen. Während ich immer erwartet hatte, man werde mich zum Wagen hinauswerfen, ſchwiegen ſie rer gottloſen Reden ſchämten und in ihrem In⸗ nern Unruhe und Höllenqual empfanden. ten: alle ſtill und ich ſah es ihnen an, daß ſie ſich ih⸗ Herzändernde Kraft des Bivelwortes. Ein merkwürdiges Beiſpiel von der Kraft Bibelwortes iſt Franziscus Jun ius, geſtorben als Profeſſor der Theologie zu Leiden 1602. Als ſelbiger in Lion die Rechte ſtudirte, und hier Cicero's Bücher von der Ratur der Götter las und zugleich daraus Epicur's Ein⸗ würfe gegen die Möglichkeit einer göttlichen Vor⸗ ſehung kennen lernte, auch in dieſer Zeit mit ei⸗ nem gewiſſen lüderlichen Atheiſten bekannt und bald vertraut wurde, drang endlich das Gift des baarſien Atheismus auch in ſein Herz. Mit tiefer Betrübniß gewahrte Junius' Vater des Sohnes klägliche Veränderung. Alle Vor— ſtellungen, welche dieſer dem Tiefgeſunkenen machte, waren vergeblich; er ſchien dem Gerichte der Verſteckung verfallen und unrettbar verloren zu ſein. Der Vater unterließ nicht, dennoch Gott um die Rettung der verirrten Seele ſeines Sohnes anzurufen, und als derſelbe eines Ta⸗ ges abweſend war, legte er das Neue Teſtament, welches der Unglückliche ſchon längere Zeit nicht wieder in ſeine Hände genommen, heimlich ihm auf ſeinen Schreibtiſch. Was hierauf geſche⸗ hen, erzählt letzterer ſelbſt mit folgenden Wor— „Als ich wieder nach Hauſe kam, und un⸗ ſchlüßig war, was ich vornehmen oder mit was für einer Lektüre ich mich beſchäftigen ſollte, ſehe ich auf meinem Schreibtiſch das Neue Teſtament vor mir liegen. Ich ſchlage daſſelbe auf und ge⸗ rathe auf das erſte Capitel des Cvangeliums Johannis. Ich leſe, und bin kaum bis auf die Hälfte des Capitels gekommen, als ich un⸗ ter dem Leſen dergeſtalt gerührt und bewegt wer⸗ de, daß ich gar bald die an mein Herz dringende göttliche Kraft des Wortes empfinde, und erken⸗ ne, wie weit hier die majeſtätiſche Einfalt der Rede ſelbſt den höchſten Grad menſchlicher Be⸗ rediſamkeit überſteige. Mein ganzer Leib zit⸗ terte, mein Gemüth war tief erſchüttert, und den ganzen Tag war ich ſo eingenommen und betre⸗ ten, daß ich nicht wußte, wie mir geſchah. — Du erbarmteſt dich meiner, o mein Golt, und führteſt mich verlorenes Schaaf zu deiner Heerde wieder zurück! — Von dieſer Zeit an, da mich Gott durch ſeines Geiſtes Kraft ſo mächtig er⸗ griffen, fing ich an, alle anderen Dinge mit we⸗ niger Geſchmack und Fleiß zu leſen und zu trei⸗ ben, diejenigen hingegen, die mehr die Gottes⸗ furcht zu ihrem nächſten Zweck haben, mit an⸗ geſtrengterem Eifer und Fleiß zu erwägen und mich darin zu üben. Und wie freudig bewegt wur⸗ de nicht das Herz meines zärtlichen Vaters, als er dieſen meinen geänderten Trieb und meine neue Geſinnung merkte! Seine Freude über meine Wiederkehr zu der Furcht des HErrn war eben ſo groß, als ſeine Betrübniß über meinen Unglauben und meinebibweichung von dem rech⸗ ten Wege geweſen war“. (Vita Franciski Ju- nii ab ipso scripta. Lugd. Bat. 1595.) Kirchliche Nachricht. Nachdem der Heir Paſtor Reißner, früher in Perryville, von der Evangel.⸗Luther. Gemeinde in Staunton, Macoupin Co., Ill., von Herrn