# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S133 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) erden Glauben in dir wirke, ſonſt bleibeſt du ́wohlewiglichohne Glau⸗ willſt oder kannſt.“ ——.——— — (Eingeſandt.) Etwas über das echte, gründliche Luther— thum des ehemals Weyl'ſchen nun Anſtädt'ſchen Kirchenboten. In der letzten Rummer des vorigen Jahrgangs benaunter Zeitſchrift hat der bisherige Heraus— geber H. Weyl einen rührenden Abſchied genom⸗ nen, da er nun von dem Schauplatz ſeiner neun⸗ ührigen editoriellen Laufbahn abtrete. Daß er in ſeine wehmuthvollen Abſchiedsthränen etwas Galle über die bekenntnißtreuen Lutheraner, die er mit andern Altlutheraner zu nennen pflegt, hineingemenget hat, darf uns an dieſem Manne nicht ſonderlich befremden. Haben ihm doch be⸗ ſaͤgte Altlutheraner, durch ſeine freventliche Ent⸗ ſellung und Verleugnung der Wahrheit heraus— gefordert, zuweilen mit dem Lichte der Wahr⸗ beit etwas ſcharf unter die Augen geleuchtet und damit ſein weites, nur der vo llen Wahr⸗ heit verſchloſſenes Herz gekränkt. Was Wun⸗ der alſo, daß er zum Abſchied noch einmal vor den Vorſtellungen und dem Geiſte dieſer unge⸗ ſchlachten Leute warnen muß und ſie in ſeiner gewohnten Weiſe noch einmal als diejenigen ab⸗ conterfeit, die die Fackel der Zwietracht in die Kirche geworfen hätten und in einem bittern Geiſte fortführen, alles zu zerbrechen und zu zer⸗ ſchlagen, was nicht in ihren bigottiſchen Kram paſſe. Haben ſie doch, wie er klagt, die Litur⸗ gie und das neue Geſangbuch der Generaliſten, ſo wie die Männer, denen ſelbige zur Bearbei— ung anvertraut waren, höniſch angegriffen, Ge⸗ neinden zerriſſen, der Brüder Herz gekränkt und wo ſie hinkamen, Zeichen der Zerſtörung und Uneinipkeit zurückgelaſſen. Muß er ſie doch den und ihnen prophezeihen, daß ſie am Ende noch umiſch werden würden. Muß er doch deßhalb als ein treuer Wächter auf den Mauern des Gentralſynodiſchen Zions Lärm ſchlagen und den Leuten zurufen: ſeid auf eurer Hut! Laßt tuch nicht irre leiten durch Chorröcke, Kerzen, Cruciſixe, Kreuzungen, Privatbeichten ꝛe. blei⸗ het aber feſt in der einfachen Lehre des Evange⸗ llums (7 2) und dem einfachen Gottesdienſt der lutheriſchen Kirche C2). — ö Nun wir achten es freilich nicht der Mühe ö Herth, dieſe, ohne allen Beweis in die Welt hin⸗ ngeſtreuten Behauptungen und Schmähungen ce authun. Weil aber am Tage iſt, daß ſich Hoeyl damit abermals ſchwer verſündigt hat, otchten wir ihm doch zum Abſchied noch den Lieldienſt thun, und ihm, ſo es moͤglich wäre, duränige Bemerkungen und Fragen zur Er⸗ 2. kenntrſeiner Sünde verhelfen. Er giebt uns ſchuldyß wir die Fackel der Zwietracht in die Kirche zorfen hätten, und ſagt dies offenbar in Bezinuf den Symbolſtreit, deſſen er kurz ben, du dichteſt und thuſtewas du⸗ auch wiſſen, daß ſie es gerade ſind, dadurch ſich, Vuſeyiten der engliſchen Hochkirche vergleichen, widerlegen. Das hieße ihnen auch zu viel zuvor Erwähnung gethan hat. Nun weiß doch H. Weyl, daß wir die lutheriſchen Symbole nicht erſt gemacht und erfunden haben. So ſollte er als durch ihr öffentlich Bekenntniß, die lutheri— ſche Kirche von den Römiſchen, Reformirten, Methodiſten und andern Secten unterſcheidet, und daß ein jeder, der nicht ein Römiſcher, Re— formirter, Methodiſt ꝛc., ſondern eben ein Lu— theraner ſein will, ſich zu ihnen bekennen müſſe. Ja wenn H. Weyl ſelber ein aufrichtiger Luthe⸗ raner wäre, ſo wüßte er auch, wie freudig und getroſt man das thun kann, ſintemal unſere Symbole und zwar nur ſie allein in al len Thei⸗ len der Schrift gemäß lehren und nichts als den wahren einigenChriſtenglauben bekennen. Dann würde er freilich auch den Schmerz verſtehen, den uns die Untreue derer verurſacht, die den theuren Glauben der Väter verlcugnen und auf fremden Höhen opfern und unter allen Hainen ſich verhuren. Aber das iſt es eben, was H. Weyl nicht verſtehen noch erkennen will und wo⸗ gegen er ſich ſo hartnäckig ſträubt. Darum ſo können wir ihn freilich nicht bei ſeinem lutheri— ſchen Wiſſen und Gewiſſen anfaſſen, ſondern' müſſen auf die gemeine Ehrlichkeit hin die Frage an ihn ſtellen: wer denn den Streit anfange, od derjenige, der die Wahrheit behauptet und feſt— hält, den Irrthum aber ſtraft, oder derjenige, der die Wahrheit verleugnet, ihr widerſpricht und den Irrthum vertheidigt — ob der, welcher das lautere Bekenntniß wahrt, oder der, der es an⸗ ſicht. H. Weyl müßte ſogar dem von den Ge— neraliſten ſo viel berühmten geſunden Menſchen⸗ verſtande und allem Rechtsgefühl Hohn ſprechen, wenn er das erſtere behaupten wollte. Nun wen⸗ de er dies doch einmal auf den vorliegenden Fall an, ſo wird er doch kaum keck und vermeſ⸗ ſen genug ſein, zu behaupten, daß wir wider und ſie für das lutheriſche Bekenntniß ſind, deſ⸗ ſen Lauterkeit bisher ſelbſt von den offnen Fein— den unangetaſtet geblieben. doch erſt nothwendiger Weiſe bewieſen werden, daß das gute alte lutheriſche Bekenntniß, wel⸗ ches wir wahren, eben nicht das lautere ſondern ein falſches Bekenntniß ſei und daß ſie erſt neuer⸗ lich das rechte und echte herfürgebracht hätten, ehe uns zur Laſt gelegt werden könnte, daß wir mit unſerm Feſthalten am alten die Fackel der Zwietracht ſchwängen und wider die Wahrheit ſtritten. Aber freilich, wir haben es mit einem Gelehrten zu thun, der uns aus der Kirchenge— ſchichte daher demonſtrirt, daß die Concordien⸗ formel ſchon im Entſtehen eitel Verwüſtung, Entfremdung der Gemüther und ſtarres eiskal⸗ tes Formenweſen hervorgebracht habe, und daß ſich durch ihre Aufſtellung die ſtreitenden Par⸗— theien um kein Haar breit näher gekommen ſeien. Doch wie? da redet ja der gelehrte Herr offen⸗ bar von ſtreitenden Partheien, die ſchon vorhan⸗ den waren, und nicht erſt durch die Concordien⸗ formel als durch eine Zwietrachtsfackel hervor— gerufen zu werden brauchte. Und weiß freilich männiglich, daß es dazumal ſchon Neformirte gab, die mit ihrer klugen Vernunft in die Schrift geplatzt ſind, und deßhalb viele wichtige Arti⸗ ö Dennoch müßte lel des heiligen chriſtlichen Glaubens nicht ha⸗ ben faſſen können und darum nicht haben glau⸗ ben mögen. Da hätte man nun zwar nach dem klugen Rath des H. Weyl ein Auge zudrücken und ſchweigen ſollen, auch wenn man durch Gottes Gnade aus Seinem gewiſſen wahrhafti⸗ gen Wort die Wahrheit erkannt hatte. Aber ſo hat eben die Kirche Chriſti, die ja ein Pfeiler und Grundveſte der Wahrheit iſt, nie gethan, ſo kann ſie nicht thun, ſondern jederzeit hat ſie ihre Stimme gegen jeglichen Irrthum wie eine Poſaune erhoben. H. Weyl leſe doch z. B. ein wenig die Geſchichte des Nicäniſchen Concils, und ſehe doch, wie ſchlecht dort die Parthei der Mittelmänner beſtanden, wie glorreich dagegen die reine volle Wahrheit im Kampf mit der arianiſchen Ketzerei das Feld behauptet hat. Freilich die ver— ſtockten Arianer ſind dadurch um kein Haar breit beſſer, ſondern nur deſto hitziger und ingrimmiger geworden. Aber gewiß nicht deßhalb, weil ihnen die göttliche Wahrheit, der ſie ſich nur einfältig unterwerfen durften, um mit einem Mal allem Streit ein Ende zu machen, nicht helle genug unter ie Augen geſtellt worden iſt, ſondern weil ſie eben derſelben freventlich widerſtrebt haben. So ift's auch in den Tagen der Concordienformel er⸗ gangen, und ſo ergeht es heute noch. Wer wäre nun frech genug, das der Kirche Gottes zur Laſt legen zu wollen nnd ſie zu beſchuldigen, daß ſie den arianiſchen Streit, daß ſie den Kampf mit den Reformirten im ſechszehnten Jahrhun— dert herbeigeführt und verurſacht habe? Ebenſo wenig aber trägt ſie, tragen ihre trenen Söhne die Schuld von dem Streite mit den falſchen Lutheranern im neunzehnten Jahrhundert, und noch heut zu Tage fehlt viel, daß ihr freudiges Bekenntniß jeglichem Irrthum und jeglicher Ketzerei gegenüber eine Brandfackel ſei, die nur alles verheere und verſtöre. Im Gegentheil es ſchmerzt uns in der That ſehr, daß auch heute wieder das alte Spiel ſich erneuert und die fal— ſchen Brüder, je mehr wir ſie mit dem Wort der Wahrheit ſtrafen, nur um ſo unſinniger werden und uns nur um ſo mehr verdächtigen, höhnen und läſtern. Aber ſollen wir deßhalb ſchweigen und die durch Gottes Gnade erkannte Wahrheit auch verleugnen? Nimmermehr! Das kann, das darf nicht ſein, das verbieten uns die Worte des HERRN. da Er ſpricht: Wer mich ver⸗ leugnet vor den Menſchen, den will ich auch ver leugnen vor meinem himmliſchen Vater. Und ſo wird es denn auch H. Weyl nichts helfen, daß er uns für unſer treues Feſthalten am Bekennt⸗ niß und unſer offnes Zeugen wider alle Lüge und Irrthum mit Schmach überhäuft und uns als Ruheſtörer, Vandalen und Puſeyiten brand⸗ markt. Das fällt alles allein auf ſein Haupt und die Rechte des Herrn behält doch den Sieg. Poſſierlich aber iſt's, daß ein Mann, der ſeinen Unglauben im Bezug auf das heilige Abendmahl ſchon mehrfach offen ausgeſprochen hat, der auch hier wieder ein halbes Bekenntniß thut, indem er ſich nur zu dem, was er für weſentlich hält, bekennet, daß ein ſolcher Mann zur feſten Treue in der einfachen Lehre des Evangeliums ermahnt und auffordert bei dem einfachen Gottesdienſt H