# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S130 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ——— 2* Paulus, Phil. 2, v. 7. redet, in knechtlicher Ge⸗ ſtalt, geberdet wie ein anderer Menſch. Und dieſe Geſtalt oder Menſchheit, iſt nicht des Vaters oder heiligen Geiſtes Bild oder Offenbaruug, ob ſie wohl beide, des Vaters, Sohnes und hei⸗ ligen Geiſtes, gleiche einerlei Creatur iſt; ſon⸗ dern iſt unterſchiedlich, eine Geſtalt und Offen⸗ barung allein des Sohnes. Denn ſo hat es Gott, das iſt, dem Vater, Sohne und heiligen Geiſte, gefallen, daß der Sohn, durch dieſe Ge⸗ ſtalt oder Form der Menſchheit unter den Men⸗ ſchen offenbaret und erkannt würde als eine un⸗ terſchiedliche Perſon vom Vater und heiligem Geiſte, in einem ewigen einigen Weſen gottli⸗ cher Natur. Dem gleich ſoll man vom Vater reden, daß er uns offenbaret iſt in der Stimme. Dieſe Geſtalt oder Form iſt nicht des Sohnes oder heiligen Geiſtes Form oder Offenbarung, ſondern allein des Vaters, der in ſolcher unter⸗ ſchiedlichen Fomm hat uns wollen bekannt wer⸗ den als eine unterſchiedliche Perſon vom Sohne und heiligen Geiſt, in einem unzertrenneten gött⸗ lichen Weſen. Nimm dir auch aus der Grammatica ein grob Erempel. Wenn der Prieſter täufet, oder abſol⸗ viret, und ſpricht: Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und heiligen Geiſtes. Dieſe Worte alleſammt ſind Gottes Geſchöpf und Werk in unſerm Munde, (ſo wohl, als wir ſelbſt, und was wir haben,) und iſt keines unterſchiedlich des Vaters allein, oder des Sohnes allein, oder des heiligen Geiſtes allein; ſondern aller dreier Perſonen, des einigen Gottes einerlei Geſchöpf. Aber nach der Deutung oder Offenbarung mußt du nicht ſagen, daß dies Wort des „Vaters“ be⸗ deute alle drei Perſonen; ſondern unterſchiedlich, allein den Vater. Das Wort des „Sohnes“ unterſchiedlich allein den Sohn. Das Wort „des heiligen Geiſtes“ unterſchiedlich allein den hei⸗ ligen Geiſt, in einer einigen Gottheit, die uns durch'ſolche Worte oder Deutung offenbart wird, daß drei unterſchiedliche Perſonen ſind in der ei⸗ nigen Gottheit. Denn er nicht ſpricht: In de⸗ nen Namen, als vieler, oder als hätte eine jegli⸗ che Perſon einen ſonderlichen Namen und Weſen; ſondern im Namen, (ſpricht er,) als in einem Namen Eines Weſens, und doch drei unter⸗ ſchiedlichen Perſonen. Alſo ſieheſt du, daß die Creatur auf zweierlei Weiſe anzuſehen iſt, ut Res et Signum, daß ſie etwas vor ſich ſelbſt iſt, von Gott geſchaffen, und auch gebraucht wird, etwas anders zu zeigen oder zu lehren, das ſie ſelbſt nicht iſt. Der Rauch iſt eine Res, ein Ding vor ſich ſelbſt, und doch auch ein Zeich en eines andern Dinges, das, er nicht iſt, ſondern zeiget und ogffenbaret daſſelbe nämlich, das Feuer. Davon ſchreibet St. Au⸗ guſtinus viel: de doctrina christiana; aber hier iſt es, in dieſer hohen Sache, etwas mehr. Denn die Menſchheit Chriſti iſt nicht ein ſchlecht Zeichen oder ledige Geſtalt, gleichwie die Taube auch nicht eine ledige Geſtalt, und die Stimme nicht eine ledige Geſtalt oder Bild; ſondern die Menſchheit, darinnen Gottes Sohn unterſchied⸗ lich offenbaret wird, iſt voll, und mit Gott in Eine Perſon vereinigt, die ewig ſitzen wird zur Rechten Gottes in Reinemi Reiche, wie droben David verheißen iſt, 1 Ehron. 18, 12. Die Taube iſt eine Geſtalt, vom heiligen Geiſt eine Zeitlang angenommen, ſich zu offenbaren; nicht mit ihm in eine Perſon vereinigt ewiglich, ſon⸗ dern wieder zu verlaſſen: wie die Engel Men⸗ ſchengeſtalt annehmen, darinnen erſcheinen, und wieder verlaſſen. Alſo iſt es auch gethan mit der Stimme des Vaters. Denn da iſt keine Ver⸗ heißung, daß ſo ſollte ewiglich bleiben, ſondern iſt eine zeitliche Offenbarung. ö Wenn wir nun im Kinderglauben ſprechen: Ich gläube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, iſt nicht die Meinung, daß allein die Perſon des Vaters ſollte allmächtig, Schöpfer und Vater ſein; ſon⸗ dern, der Sohn iſt eben ſowohl allmächtig, Schöp⸗ fer und Vater; der heilige Geiſt auch ſo wohl allmächtig, Schöpfer und Vater; und doch nicht drei Allmächtige, Schöpfer, Väter, ſondern ein Einiger, Allmächtiger, Schöpfer, Vater Himmels und der Erden, und unſer aller. Gleichwie der Vater unſer Heiland und Erlöſer, der Sohn unſer Heiland und Erlöſer, der heilige Geiſt unſer Heiland und Erlöſer, und doch nicht drei Heilande noch Erlöſer ſind, ſondern ein ei⸗ niger Heiland und Erlöſer iſt. Gleichwie der Vater unſer Gott, der Sohn unſer Gott, der heilige Geiſt unſer Gott, doch nicht drei Götter, ſondern ein kiniger Gott iſt: alſo heiliget der heilige Geiſt die Chriſtenheit, der Vater auch, der Sohn auch, und ſind doch nicht drei Hei⸗ liger oder Heiligmacher, ſondern ein einiger Heiligmacher ꝛc. Opera Trinitatis ad extra sunt indivisa. Es iſt aber alles geredt darum, daß wir un⸗ terſchiedlich drei Perſonen in der einigen Gottheit gläuben und erkennen, und ja nicht die Perſonen mengen, noch das Weſen trennen. Der Unter⸗ ſchied des Vaters (wie oben gehöret) iſt, daß er die Gottheit von Niemand hat, ſondern ſie von Ewigkeit durch die ewige Geburt dem Sohne ge⸗ geben hat. Darum iſt der Sohn Gott und Schöp⸗ fer, gleich dem Vater; aber das hat er alles vom Vater, nicht wiederum der Vater vom Sohne. Denn, daß der Vater Gott und Schöpfer iſt, das hat er nicht vom Sohne; ſondern, daß der Sohn Gott und Schöpfer iſt, das hat er vom Vater. Alſo hat der Vater oder Sohn vom hei⸗ ligen Geiſte nicht, daß er Gott und Schöpfer iſt; ſondern, daß der heilige Geiſt Gott und Schöpfer iſt, das hat er vom Vater und Sohn. Alſo ſtehet nun das Wort „Gott allmächtig, Schöpfer,“ bei dem Vater, und nicht bei dem Sohne und heiligen Geiſte, zu merken den Un⸗ terſchied des Vaters vom Sohne und heiligen Geiſte in der Gottheit. Wiederum, der Unter⸗ ſchied des Sohnes vom Vater und heiligen Geiſt, des heiligen Geiſtes vom Vater und Sohne, nämlich, daß der Vater iſt der Urſprung oder Quelle (ſo man es ſo nennen ſollte, wie die Vä⸗ ter thun,) der Gottheit, von welchem ſie der Sohn hat, und der heilige Geiſt vom Sohne nnd Va⸗ ter in Ewigkeit, und nicht wiederum. Ueber ſolchen innerlichen der Perſonen Unterſcheid iſt nun der äußerliche Unterſcheid, da der Sohn und heiliger Geiſt innen offenbaret iſt. Der 80 in der Menſchheit; denn der Sohn iſt allein Menſch worden, vom heiligen Geiſt empfangen, von Maria der Jungfrauen geboren, für uns gelitten, geſtorben ꝛc., wie der Glaube welhi lehret. Doch, daß gleichwohl recht heißt: Gott iſt für uns geſtorben. Denn der Sohn iſt Gott, und iſt kein andrer Gott mehr, ſondern mehr Perſonen in derſelben Gottheit. Der heilizt Geiſt iſt allein unterſchiedlich offenbaret in den feurigen Zungen, Gaben, mancherlei Sprachen und Wunderzeichen ꝛc., obwohl die Menſchheit von allen dreien Perſonen gemacht, und die feu⸗ rigen Zungen, die Gaben des heiligen Geiſtes aller dreier Perſonen Geſchöpf und Werk ſind; wie nun genugſam auf diesmal geſagt iſt. Man hat hiervon köſtliche Bücher, St. Auguſtini, Hi⸗ larii, Cyrilli, und iſt ſolcher Artikel im Papſt⸗ thum und bei den Schultheologen rein geblie⸗ ben, daß wir mit ihnen varüber keinen Zanh haben. Hier bekümmern ſich etliche, ob ſie die Perſon des Vaters nennen, wenn ſie beten „Vater Un⸗ ſer“, oder das göttliche Weſen? Wunder iſt t nicht, daß einem Menſchen in dieſem über und über wunderlichen, unbegreiflichen Artikel wun⸗ derliche Gedanken einfallen, deren zuweilen ei ner mißlinget, oder ein Wort mißräth. Aber wo der Grund des Glaubens feſt bleibet, werden uns ſolche Splitter, Spänlein oder Strohhal⸗ men nicht ſchaden. Der Grund aber des Glau⸗ bens (wie oben gehöret) iſt, daß du gläubeſ, es ſind drei Perſonen in der einigen Gottheit, und eine jegliche Perſon iſt derſelbige einige vol— kommene Gott; daß alſo die Perſonen nicht ge⸗ menget, das Weſen nicht zertrennet werde, ſon⸗ dern Unterſcheid der Perſonen, und Ei— nigkeit des Weſens bleibe. Denn dai iſt es, daß ſich die Engel in Ewigkeit nicht ſah können (wie St, Petrus 1 Epiſt. 1, 12. ſagll ſehen und wundern, und darüber ewig ſelig ſind und wo ſie es zu Ende anſehen könnten, wüm ihre Seligkeit auch aus ſein und ein E haben; wie wir auch ſolches ſehen werden, un dadurch ewig ſelig ſein, wie der Herr ſprich Joh. 17, 3.: „Das iſt das ewige Leben, daß ſie dich, und den du geſandt haſt, IEſum Chrt ſtum, erkennen.“ Indeß muß der Glaube ſig am Worte halten, Vernunft kann hier nichth thun, denn ſprechen: es ſei unmöglich und wiz der ſich ſelbſt, daß drei Perſonen, eine jegli che vollkommener Gott, und doch nicht mah denn ein einiger Gott ſei, und allein der Soh Menſch ſei; wer aber den Vater und Soh hat, dem wird der heilige Geiſt wohl bekamt werden vom Vater und Sohne. So haſt du droben gehöret, daß der Vater il unſer aller Gott und Vater, der Sohn iſt unſa aller Gott und Vater, der heilige Geiſt iſt unſt aller Gott und Vater; und iſt doch nicht meh denn ein einiger Gott, unſer Vater. Denn da Weſen iſt unzertrennet; darum, welche Perſot du nenneſt, ſo haſt du den rechten einigen Ga in dreien Perſonen genennet, weil eine jeglic Perſon derſelbige, einige vollkömmliche Gott i und kannſt hierinnen nicht irren, noch fehl