# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S127 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) . der Engel ſprach: „Siehe da, hier wohnen Selige! Sie haben ihre Kleider gewaſchen und helle gemacht im Blute des Lammes, und tragen Friedenspalmen in ihren Häuden! in ihrer Mitte „ thront der Friedefürſt. Siehe, welch' ein Menſch! Es iſt der HErr, IEſus Chriſtus, das Lamm, das erwürget iſt! Den beten ſie an, und ſingen: „Heil ſei unſerm Gott und dem Lamme!“ Ewig⸗ lich danken ſie ihm, daß er ſie erkauft und ſie ſtliger gemacht hat, als wir Engel ſind. Siehe bier, wie die armen Sünder, ſelig wie die Kin⸗ der, Ihmn in's Anilitz ſehen — das iſt ihre Selig⸗ keit. Willſt du bei ihnen wohnen?“ Der Menſch hatte ſich abgewandt und ſein Geſicht verhüllt. Endlich ſchrie er laut: „Bringe mich hinweg von bier, den Anblick kann ich nicht aushalten! Nein, Er hat mir noch immer keine Geſtalt und Schöne! Ich ſehe, es iſt wahr, was ich nicht glauben wollte: aber es iſt entſetzlich, daß es vahr iſt, — denn ich liebe Ihn nicht!“ So ſprach der Menſch und zähneknirſchend ſah er im Nn von den Bewohnern der Hölle ſich umgeben, und — ſtimmte ein in das Heulen, das der An⸗ blik Deſſenn ihnen auspreßt, den ſie geſtochen hatten (Offenbarung 1, 7.). (Beſſer, Bibelſiunden.) — ——— — — Sacharja 12, 10. Aber über das Haus Davids, und über die Bürger 43½ zu Jeruſalem will ich ausgießen den Geiſt der Gnade und des Gebetes; denn ſie werden mich an ſehen, welchen jene zerſtochen haben, und werden ihn klagen, wic man flaget um ein einziges Kind, und werden ſich um ihn betrüben, wit man ſich betrübet um ein trſies Kind. —* Es hat der HErr geſprochen, Es ſolle dies geſchehn: Mich, welchen ſie zerſtochen, Mich werden ſie anſehn; Sie werden um mich klagen, »Wie um ein einz'ges Kind; Und um mich Leide tragen, Wie um ein erſtes Kind. Wohl iſt es bittrer Kummer, Den eine Mutter hegt, Wenn ſich zum letzten Schlummer Ihr einz'ger Liebling legt; Wenn ſeine Kräfte weichen, Die Auglein fallen zu, Die Wangen ihm erbleichen, Es geht zur ew'gen Ruh. Doch bittrer ſind die Schmerzen Der Kirche, Chriſti Braut, Wenn mit zerriſſ'nem Herzen Sie den Geliebten ſchaut: Wie er am Kreuzesſtamme Dort ſchmachtend, blutend ringt, Aus heißer Liebesflamme Ins Todesleiden ſinkt. Den Gottes Krone zieret, Zerſticht ein Dornenkranz; Den, der die Welt regieret, Zerſticht des Kriegers Lanz; An Händen und an Füßen Zerſticht ihn harter Stahl: O unerhörtes Büßen! — O⸗Marter ohne Zahl! — 127 Die Sonne mag nicht ſcheinen Zu ihres Schöpfers Pein, Als wollt' ſie druber weinen Verlieret ſie den Schein. Ein tiefes Weh durchſchauert Das ganze, weite Land, In Finſterniſſen trauert Es wie im Leidgewand. Und als nun Gott verſcheidet Und ſtirbt mit lautem Schrei: Der Cherub ſteht entkleidet: Der Vorhang reißt entzwei: Die Erde ſelbſt erhebet Laut klagend ihre Stimm, Erſchricket und erbebet Im tiefen Schmerzensgrimm. Sieh! auch die Felſen jammern, Zerreißen und zergehn: Es öffnen ſich die Kammern, Der Heil'gen, die erſtehn. Der Heiden Schaar erzittert, Ob Chriſti mächt'gen Tod; Der Hauptmann ſteht erſchüttert, Und preiſet ihn als Gott. Was bebeſt du, o Erde? Was zageſt du Natur Mit trauernder Geberde In Angſt und Schrecken nur? Ach ſeht, die Schöpfung hüllet Sich in ihr Trauerkleid, Da ihren Schöpfer füllet Des Todes bittres Leid. Und du nur wollt'ſt alleine, O Menſchheit, fühllos ſein, Und härter als die Steine Bei deines Gottes Pein? Ach weinet, weinet, weinet, Ihr Menſchen überall! Erhebet und vereinet Der Trauerklage Schall. So ſchön und auserleſen, Ein ſußes Liebesbild, Das Leben aller Weſen, So freundlich, treu und mild: Die ew'ge Gnad' und Güte, Die ſelbſt vom Himmel ſtieg, Erſcheint in ihrer Blüthe Am Kreuz, gewinnt den Sieg. Da hab' ich ihn zerſtochen Mit meiner Sündenſchuld; Da iſt ſein Herz zerbrochen Für mich aus lauter Huld; Da hat der Herr bezwungen Tod, Teufel, Höllengluth, Und ſiegreich ſich errungen Die Menſchheit durch ſein Blut. Drum will ich Chriſtum klagen Den meine Sünd' betrübt; Ich will mit Thränen ſagen, Wie mich mein Heiland liebt. Mir liegt in ſeinen Schmerzen Mein ew'ger Lebensgrund, Drin werde ich von Herzen Erquicket und geſund. Ach kommt, ihr Lebensquelien! Nehmt Tod und Sünde hin; Ach kommt, ihr Liebeswellen! Und heiligt meinen Sinn. Schließ' mich in deine Wunden, Mein ſüßer IEſu, ein, Dein laß mich dir verbunden Auf ewig, ewig ſein. Hermann Zic. Warum haben die heiligen Apoſtel das Evangelium erſt eine Zeitlang mündlich gepredigt, und dann erſt ſchriftlich aufgezeichnet? — Auf dieſe Frage antwortet unſer Martin Chemnitz in ſeinem Meiſterwerke: „Die Prü⸗ fung des Tridentiniſchen Concils“ u. A. Fol⸗ gendes: „Ehe die Lehre des Evangeliums ſchriftlich aufgezeichnet würde, ſollte ſie erſt wider die Verläumdungen und Entgegnungen der Juden und Heiden mit Predigt, Zeichen und Wundern der Apoſtel durch den ganzen Erdkreis beſtätigt, und durch die Beiſtimmung der gläubigen Schaa⸗ ren bekräftigt werden; damit wir gewiß wären, daß das, was geſchrieben iſt, nicht zweifelhaft, ungewiß und ungegründet, ſondern, wie Lucas (nach dem Grundtext Luc. 1, 1.) redet, von Gott durch die Apoſtel vollfommen zuverläſſig beſtäͤtigt und von den erſten Gläubigen durch die ganze Welt als vollkommen glaubwurdig bewährt wor⸗ den ſei. So geht der heiligen Schrift dadurch, daß dieſelbe nicht ſogleich in den erſten Jahren der apoſtoliſchen Predigt ſchriftlich verfaßt wor⸗ den iſt, nicht nur nichts ab, ſondern ihre Würde und Anktorität bekommt daher nur einen größe⸗ ren Glanz.“ Dieſe kurze Antwort unſeres un⸗ vergleichlichen Chemnitz ſchlägt wie mit Einem Schlage alle die Scheingründe darnieder, welche die Papiſten gegen die Nothwendigkeit der Schrift und fur ihre mündlichen Überlieferungen daraus erbeuten zu können meinen, daß die erſte Kirche einige Jahre allein durch die mündliche Predigt der heiligen infallibelen Apoſtel beſtanden und ſicherhalten hat. Papiſtiſcher Aberglaube und Götzendienſt. So ſchreibt Gabriel Vasquez, ein Jeſuit (geſt. 1604): „Nichts hindert es, daß jemand, mit reinem Glauben und mit rechter Abſicht Liebe und Gemüth allein auf Chriſtum richtend, dit Lippen Judas' (des Verräthers) und and Dinge, von welchen Chriſtus ungerechter Weiſe berührt worden iſt, ehrfurchtsvoll küſſe, wie au der Lehre der 110. Disputation offenbar geſchloſ⸗ ſen wird; und daher iſt es auch klar, in wiefer der Eſel, auf welchem Chriſtus ſaß, recht ange. betet (adorari) werden könne.“ (Comentar. i 3. P. Thomae Tom. I. Disp. III. C. G. p. m. 878.