# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 08 03_S100 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 100 dend fragen, warum nennt ihr aber die Kirche, zu welcher allein ihr gerechnet sein wollt, lutherisch? Beweist ihr mit diesem menschlichen Namen nicht deutlich, daß ihr euch als eine besondere Secte abschließt? — Wir antworten: Wir haben uns diesen Namen nicht selbst gegeben. Als Luther vor 300 Jahren aufstand und die Lehre der alten apostolischen christlichen Kirche wieder an den Tag brachte, da waren es die Feinde, welche alle diejenigen, die diese reine Lehre annahmen und bekannten, Lutheraner nannten, um sie damit zu beschimpfen. Dieser Name ist nun nach und nach so gäng und gäbe geworden, daß sich die rechtgläubigen Christen denselben endlich seit 300 Jahren haben gefallen lassen müssen, wie die im vierten Jahrhundert lebenden den Namen Athanasianer. Der Name, lutherisch, bezeichnet daher nicht den Gegenstand unsers Glaubens, wie der Name „christlich" (da wir nicht an Luthern glauben, wie wir an Christum glauben), er ist allein ein Unterscheidungsname, durch welchen wir uns nur von allen Falschgläubigen unterscheiden und zu der rechtgläubigen allgemeinen Kirche bekennen wollen, deren Lehre durch Luthern gepredigt und in den sogenannten evangelisch-luth. Symbolen niedergelegt und vor aller Welt bekannt worden ist. Wenn wir also behaupten, daß die lutherische Kirche die Eine heilige christliche Kirche sei, so wollen wir damit sagen, daß die Lehre und der Glaube, welcher von den wahren Lutheranern im Herzen getragen und mit dem Munde bekannt wird, keine andere Lehre und kein anderer Glaube sei, als die Lehre und der Glaube der allgemeinen christlichen Kirche, und daß keine andere Lehre Christi Lehre sei und daß kein anderer Glaube den Menschen selig mache. Mögen nun bei solchen Erklärungen die Herrn Evangelischen und Methodisten, wie der Hohepriester zu Jerusalem, ihre Kleider zerreißen ob der Gotteslästerung, die sie darin zu finden meinen, so thut das nicht das Mindeste zur Sache; sie offenbaren dadurch nur, daß sie freilich nicht mit gutem Gewissen sagen können, daß sie die allein rechte Lehre und den allein rechten Glauben haben. Beweist es, ihr Herren, daß die Lehre, welche die wahren Lutheraner in ihren öffentlichen Bekenntnissen bekannt haben, dem Worte Gottes widerstreite und nicht die Stimme Christi und seiner Kirche sei, so habt ihr gewonnen. Wenn Ihr aber auch zu unsern Erklärungen tausend Ausrufungs- und Fragezeichen setzet, so hilft euch das nichts, denn es beweist nichts, sowie der Name „Evangelisch" nicht beweist, daß eure Lehre von süßen und sauren Gefühlen das Evangelium und die rechte Lehre von der Rechtfertigung sei. Hätten wir übrigens, wie uns Hr. Nollau beimißt, irgendwo behauptet, die ganze lutherische Kirche, zu der wir uns allein bekennen, sei die seit 300 Jahren dagestandene Partei, welche sich lutherisch genannt, besondere Ceremonien gehabt und dabei die Augsb. Confession oder alle luth. Symbole zu ihrer Firma genommen und für ihr Kirchengesetz erklärt hat, so möchten wohl unsere Gegner uns mit Recht Sectirer schelten, und sagen, daß wir um einen menschlichen Namen streiten. Aber wir streiten nicht um einen Namen, wie uns unaufhörlich bis zum Ekel vorgeworfen wird, sondern um eine große, unaussprechlich wichtige Sache, die freilich auch, wie alle Dinge in der Welt, einen Namen hat. Wir streiten nicht für eine eigenthümlich constituirte Partei, die sich lutherisch nennt. Unser Ziel ist nicht, es dahin zu bringen, daß alle Christen eine sogenannte lutherische Kirchenordnung und lutherische Ceremonien annehmen, zu einer lutherischen Synode zusammentreten, sich lutherisch nennen, und sich auf die luth. Symbole, gleichviel ob von Herzen oder nur trüglich, verpflichten lassen; nein, wir kämpfen nicht für ein äußeres Gebäude mit einem lutherischen Aushängeschild. Der Gegenstand unseres Kampfes ist nichts anderes, als der rechte Glaube, die reine Wahrheit, das unverfälschte Evangelium, der lautere Grund der Apostel und Propheten, da JEsus Christus der Eckstein ist, also das Kleinod, das der wahren Kirche aller Zeiten vertraut war, das sie uns durch alle Jahrhunderte hindurch oft mit Vergießung von Strömen ihres Blutes bewahrt hat, und das nun auch uns vertraut ist. Da, wo zwar eine lutherische Constitution rechtlich anerkannt, alles mit dem lutherischen Namen gestempelt und einer Gemeinschaft ganz die äußere Gestalt einer luth. Kirche gegeben ist, wo aber nicht die reine, lautere apostolische, allein seligmachende Lehre gepredigt und angenommen wird, da erkennen wir eben so wenig eine lutherische, also eine wahre Kirche an, wie da, wo alles auf Evangelischen, reformirten, methodistischen ꝛc. ꝛc. Fuß gestellt ist; wir achten falsche Lehrer, die den lutherischen Namen tragen, so wenig für unsere Glaubensbrüder, als den ärgsten Verlästerer des lutherischen Namens, während wir uns mit allen Kindern Gottes auf das innigste glaubensbrüderlich verbunden fühlen, in welcher Secte sie auch mögen gefangen gehalten werden. — Wiederholen wir nun noch einmal kürzlich das von uns hier Gesagte. Es gibt nur Eine Kirche, welche immer dieselbe Lehre und denselben Glauben hat. Diese eine Lehre war nun zwar im Pabstthum nicht untergegangen, aber sie war fast gänzlich unkennbar geworden, da von dem öffentlichen Predigtamte fast nirgends die reine Lehre des Evangeliums, sondern fast allenthalben nur Menschenlehre gepredigt wurde. Gott hat sich aber seiner Christenheit erbarmt und seinen Knecht Luther, nicht, wie Hr. Saxer sagt, zur Zertrümmerung, sondern zur Reformation seiner Kirche erweckt und ausgerüstet. Luther hat nehmlich wieder die alte Lehre der wahren christlichen Kirche aus Gottes Wort hervorgesucht und an den Tag gebracht. Er hat nicht eine neue Kirche, auch nicht eine besondere Partei in der christlichen Kirche gestiftet, sondern er ist selbst bei der alten apostolischen Kirche geblieben und hat laut gerufen, daß jedermann zu dieser Kirche zurückkehren und bei ihr bleiben solle. Wer jedoch von nun an die alte christliche Lehre des Wortes Gottes annahm, der wurde nun ein Lutherischer gescholten; so versteht man denn unter Lutherischer Lehre und Kirche nichts anderes, als die apostolische Lehre und Kirche. Es gibt nun zwar viele Parteien in der Christenheit, welche alle wahre christliche Kirchen sein wollen, aber weil sie dem Evangelio nicht gehorsam sind (Röm. 10, 16.) und sich alle durch falsche Lehre von der allgemeinen christlichen Kirche abgesondert haben, auch in dieser Trennung hartnäckig verharren, so sind das keine wahren Kirchen, sondern Secten oder falschgläubige Gemeinschaften. Denn in der wahren Kirche ist der Gehorsam des Glaubens aufgerichtet (Röm. 1, 5.), sie bleibt daher nie hartnäckig auf einem Irrthum, sondern hört auf die Stimme ihres Hirten. Die falschgläubigen wollen nun zwar den Lutheranern es nicht zugeben, daß dieselben allein die wahre katholische*) Lehre öffentlich bekennen und daher zu keiner Secte gehören, aber sie habens noch nie bewiesen, daß die Lutheraner in irgend einem Artikel in ihren symbolischen Schriften wider die heilige katholische christliche Kirche lehren; sie könnens auch nicht beweisen. *) Der Leser stoße sich nicht an dem Wort, katholisch. Dieses Wort hat zweierlei Bedeutung, erstlich eine gute, und da heißt es so viel als „allgemein christlich;" sodann versteht man aber auch oft darunter diejenigen, welche dem Pabst anhangen, denn diese haben sich diesen schönen Titel gegeben. Der Leser merke sich daher, daß wir das Wort, katholisch, hier in seiner guten Bedeutung nehmen. Freue dich darum, lieber Leser, wenn du zu einer rein lutherischen Gemeinde gehörst, und die reine lutherische Lehre nicht nur mit dem Munde bekennest, sondern auch durch einen wahren Glauben in deinem Herzen trägst; denn dann gehörst du zu keiner Secte, weder äußerlich noch innerlich, sondern zu der alten Kirche, die ewig bleibet, zu welcher alle Propheten, Apostel, Märtyrer und alle rechtschaffene Christen noch jetzt gehören, und die da sichtbar wird, wo das Evangelium lauter und rein gepredigt und die heil. Sacramente nach Christi Einsetzung verwaltet werden, die aber zum großen Theile unter Ketzern und Secten verborgen liegt. Danke Gott, daß er dich auch vor der äußerlichen Gemeinschaft der Secten bewahrt hat, denn werden darin auch viele Seelen selig, in deren Herzen die falsche Lehre ihrer Secte nicht kräftig wird, so sind sie doch in großer Gefahr, noch verführt zu werden. Hüte dich auch vor dem Gedanken, da man aller Orten selig werden kann, so sei es ja gleichgültig, ob man sich zu einer Secte, oder zu dem Häuflein der Rechtgläubigen äußerlich halte; bedenke, diejenigen, welche unter den Secten selig werden, sind einfältige Seelen, welche aus Schwachheit der Erkenntniß ihre falschen Propheten nicht durchschauen und durch Christi wunderbare Gnade bewahrt und erhalten werden. Wollte daher jemand, der die Wahrheit erkannt hat, sich dennoch zu den Irrgläubigen bekennen, so würde er als ein abtrünniger Verleugner der Wahrheit nicht selig, sondern gewiß ewig verdammt werden. Endlich sieh dich vor, lieber luth. Christ, daß du nicht durch den Namen, lutherisch, betrogen werdest, denn wie sich viele Christen nennen, und sind es nicht, so nennen sich jetzt auch viele Lutheraner, das ist, Rechtgläubige, und sind doch falsche Propheten, die den lutherischen Namen nur darum tragen, um die armen Schäflein unter diesem Schafspelz zu ihrer falschen Lehre und Schwärmerei verführen zu können. Bedenke darum, daß du nur da eine lutherische Gemeinde findest, wo die alte reine Lehre der allgemeinen christlichen Kirche gepredigt und angenommen wird, wie du sie in Gottes klarem Worte und im Auszuge in deinem lutherischen Katechismus, in der ungeänderten Augsb. Confession und in den andern symbolischen Büchern der lutherischen Kirche findest. Wo du ein Häuflein antriffst, das diese Lehre bekennt, da halte dich hin, da genieße die süße Weide des reinen Evangeliums mit, da laß dich zu JEsu führen, und bei ihm im wahren Glauben erhalten, da streite und leide mit; so streitest und leidest du hier für Christi heilige Kirche, und somit für seines Reiches Ausbreitung, für seines Namens Ehre, für seines Wortes Wahrheit und für deiner Miterlösten Heil. In diesem Kampfe ermüde aber nicht, sondern sei getreu bis in den Tod, so wirst du auch einst die Krone des Lebens empfangen und durch einen seligen Tod übergehen aus der streitenden Gemeinde der Gläubigen in die triumphirende Kirche der vollendeten Gerechten. Dahin helfe uns der barmherzige Gott allen endlich in dieser letzten betrübten Zeit. Amen. Die weitere Beantwortung der N.'schen Schrift folgt, so Gott will, später. Gedruckt bei Weber und Olshausen.