# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) götzlichkeit, welche die Welt geben kann. „Die Sonne iſt nimmer ſtill, ſie gehet auf und unter, und läuft (eilet, als ein Laͤufer, der im Laufen keucht und geſchwinde Odem holet) an ihren Ort, daß ſie wieder daſelbſt aufgehe; (Pred. 1, 5.) und dieſe ihre tägliche und immerwährende Ar⸗ beit wird ihr nicht ſauer, ſondern ſie „freuet ſich wie ein Held zu laufen den Weg“ (Pſalm 19, 6). Ein Kunſt⸗ und Springbrunnen iſt Tag und Nacht in voller Arbeit, und theilet ſein Waſſer willig und fröhlich mit, allen Durſtigen, und wenn er reden könnte, würde er ſagen: Meine Arbeit iſt mir keine Laſt, ſondern eine Luſt. Das Herz eines Menſchen iſt in ſtetiger Arbeit, es be⸗ wegt ſich immer, und ſolche Unruhe iſt ſeine Ruhe und Leben; wer ihm die Bewegung benähme, der würde ihm das Leben nehmen. So iſt es mit einem wiedergebornen Menſchen, und einem getreuen Diener Chriſti und ſeiner Gemeine; die Arbeit ſeines heiligen Amtes, der ſtetige Fleiß und Eifer, das heilige Verlangen und Trachten, die Ehre GOttrs, und der Kirche Erbauung zu befördern, iſt ihm nicht beſchwerlich, ſondern lieblich. 87. Wie angenehm iſt einem Bergmann ſeine Arbeit, wenn er eine reiche Fundgrube und ge⸗ ſegneten Schacht antrifft, der erwünſchte Aus⸗ beute giebt. Wie willig läßt ſich ein Taucher in das Meer hinab, wenn er viele Perlen im Grunde findet? Und wie ſollten nicht die Diener der Kirche in ihrer geiſtlichen und heiligen Arbeit freudig ſein, da es ſo reiche Ausbente, ſolch Gold, ſolch Silber, ſolche Perlen giebt, die aller Welt Schätze vorzuziehen, und im Himmel hochgeachtet ſind. Die Bienlein ſind ſehr emſig und geſchäftig, wenn die Bäume blühen, und die Blumen in den Fel⸗ dern und Wäldern in voller Kraft ſtehen; was macht es? ſie finden Honig, welches ihre eigene Luſt iſt. Und die Diener der Kirche ſind immer eifrig und fleißig in ihrer Arbeit, und ermüden nicht, weil ſie immer eine Süßigkeit in dem Worte Gottes finden, welche „Honig und Honigſeim“ (Pſalm 19, 11.) übertrifft, damit ſie ſich und andere erquicken können. Man findet auch öf⸗ ters, daß ſie bei ihrer ſeligen und heiligen Unruhe und ſtetigen Arbeit älter werden, als die Welt⸗ kinder bei ihrer wollüſtigen Ruhe. Die fließen⸗ den Waſſer bleiben rein und lieblich, die ſtehen⸗ den aber werden faul. § 8. Und wenn gleich der Leib der arbeitſamen Lehrer etwas Schaden litte, und der äußerliche Menſch an Kräften etwas zubüßte, ſo iſt nichts daran gelegen. EinſLicht, in dem es andern die⸗ net, muß ſich ſelbſt verzehren; und was wollte man lieber wunſchen, als im Dienſt GOttes und des Nächſten ſeine Leibes⸗ und Lebenskräfte zu⸗ ſetzen? Wenn eine ſchöne Roſe, welche eine hohe Hand abgebrochen hat, Verſtand hätte, würde ſie es für eine große Ehre und Glückſelig⸗ keit achten, in ſolcher Hand zu verwelken; und wie ſollte es nicht ein Diener Chriſti für eine Gnade GOTTEs achten, daß er ſeine Gaben und Kräfte zur Ebre ſeines HErrn anwenden, und ſich in ſeinem Dieuſt verzehren mag? „Laß das Glas“ (das Gefäß unſers Leibes) zerbro⸗ chen werden, wenn nur der Geruch des „unge⸗ faͤlſchten und köſtlichen Nardenwaſſers“ (die Kraſt des Geiſtes) das ganze Haus erfüllet, und das Haupt JEſu damit begoſſen wird (Marc. 14, 3.) 89. Wir beklagen billig, daß uns in voriger Zeit, ehe wir GOtt recht erkannt, und zum Dienſt —118— ſeiner Kirche berufen, ſo viel Stunden verdorben, und ſo viel Kräfte vergeblich verzehrt ſind; wir müſſen aber, „was noch hinterſtellig iſt im Fleiſch, nicht den Menſchen und unſern eignen Lüſten, ſondern dem Willen GOttes leben (1 Petr. 4, 2). Wir wiſſen, was wir für einen gnädigen und lie⸗ ben HErrn haben, der auch einen „kalten Waſ⸗ ſertrunk“, den Seinigen gereicht, nicht wird un⸗ belohnt laſſen (Matth. 10, 42). Auch das allergeringſte Sprüchlein, ſchreibt ein frommer Lehrer, einer hungrigen Seele mitgetheilt, ſoll nicht unbelohnt bleiben; ich geſchweige, wenn einer mehr Gutes beim Evangelio gethan hat. Und abermal: Ein Chriſt (ein Pre⸗ diger) ſoll ſich gleich grämen, wo etwa ein Tag vorüber gegangen iſt, in welchem er keine Seele erfrenet (und ihr zum Troſt oder Erbauung gedienet hat), wer aber einem Chriſten dienet, der dienet einer hohen Perſon, ja dem Herrn Chriſto ſelbſt. § 10. Wohlan denn, ihr Lehrer und Diener der Kirche GOttes, ſeid eifrig, fleißig und unru⸗ hig in eurer heiligen und ſeligen Arbeit. Wendet eure Gaben, Kräfte, Zeit, Geſundheit, Leben willigſt und fröhlich an zur Ausbreitung der Ehre GOttes und zur Erbauung ſeiner theuer erwor— benen Gemeine! Ihr wiſſet wohl, daß ihr nicht euer ſelbſt, ſondern mit allem, was ihr ſeid und habt, der Kirche GOttes zugeeignet und gehei⸗ ligt ſeid. Ihr wiſſet, was der Geiſt GOttes ſa⸗ get: „Wer da weiß Gutes zu thun, und thut es nicht, dem iſt es Sunde“ (Jac. 4, 17.). So wird auch keine verſtaͤndige und erleuchtete Seele leug⸗ nen, daß noch vielzu thun wäre und ein gottlieben⸗ des Herz allenthalben Arbeit vollauf finde. So ſchweiget denn nicht, ihr heiligen Wächter, (Jeſ. 52, 8. 62,67) „bis Jeruſalem gefertigt (befeſtiget) und geſetzt werde zum Lobe auf Erden.“ Leuchtet, ihr brennenden und ſcheinenden Lichter, obgleich ihr euch ſelbſt im Leuchten verzehret! Vergeſſet, ihr eifrigen Läufer, was dahinten iſt, was ihr bisher gethan habt, und ſtrecket euch zu dem, das da vornen (und noch zu thun) iſt (Phil. 3, 13.). Arbeitet, ihr emſigen Bienen, und ſammelt das edle Honig (des Troſtes und der Kraft), und er⸗ quicket damit eure eigene und andre hungrige und abgemattete Seelen. „Gehorchet mir, ihr heili⸗ gen Kinder, und wachſet wie die Roſen an den Bächlein gepflanzet, und gebt ſüßen Geruch von euch, wie Weihrauch; blüͤhet wie die Lilien, und riechet wohl“ (Sirach 40, 17. 18.). „Laſſet uns Gutes thun, als wir noch Zeit haben, und nicht müde werden, denn zu ſeiner Zeit werden wir auch erndten ohne Anfhören“ (Gal. 6, 9. 10.).“ § 11. Mein Gott, man ſagte mir, als nach deinem heiligen Rath und Willen meine ſchwere Krankheit miich überfiel, daß ich ſie mit vieler und ſtetiger Arbeit unter andern verurſacht hätte. Ich weiß es nicht, und kann es nicht ſagen, zu⸗ mal ich mich nie durch ſolche heilige Unruhe und Mühe entkräftet befunden; ja mir iſt nie beſſer geweſen, als wenn ich am fleißigſten in deinem Worte geforſchet, die Goldkörner, ſo dieſer Pa⸗ radiesſtrom mit ſich führet, geſammelt, auch ſelbſt dadurch mich bereichert, und andern lieben See⸗ len davon mitgetheilet habe. Sollte es denn ja ſo ſein, daß der ſündliche und ſchwache Leib eini⸗ gen Abgang der Kräfte dabei erlitten hätte, ſo ſchaͤtze ich mich glückſelig, daß es in deinem und dadurch ein vollſtändiger Bericht einigermaßen erſetzt. 1 deiner Kirche Dienſt geſchehen iſt. Bin ich doch ſchuldig mein Blut zu ſtürzen, mich verbrennen und mein Leben zu laſſen, wenn du es zu deiner Glorie dienlich befindeſt. Mein eigener Wunſch, mein herzliches Verlangen, meine eifrigſte Be⸗ gierde iſt: Laß mich dich lieben, dich loben, dir dienen, in Zeit und Ewigkeit. ——— — — ——. (Correspondenz.) Miſſion. Saginaw Co., Hampton P. O., Mich. Sibiwaing, den 3. Februar 1851. Hochwürdiger Herr Präſes! — In der Miſſion geht bisher, Gott ſei Dank, Alles gut. Unſere kleine Gemeinde macht mir zum Theil immer mehr Freude, da ich ſehe, daß das Wort Gottes nicht vergeblich in ihr verkündigt wird.*) Ein alter Mann beſonders, der mit einem Fuße ſchon im Grabe ſteht, verſchlingt jedes Wort, das er von unſerm HERR Chriſto hört; er kam zum Beſuch zu uns vor einigen Tagen, weil er meinte, es ſei nicht recht, daß er uns keinen Beſuch mache, nud blieb bei uns über Nacht. Nach Ge⸗ wohnheit des Gottesdienſtes, den ich Morgens und Abends mit unſern Kindern halte, wobei ein Capitel aus dem Neuen Teſtament, zuweilen auch nur Abſchnitte eines Capitels, geleſen, ein Lied geſungen, Luthers Morgen und Abend Ge⸗ bet, der Glaube und V. U. gebetet wird, traf es ſich nun, daß gerade das 8. Capitel an die Röm. geleſen wurde. Er ſchien ganz Ohr zu ſein; die Worte „Iſt Gott für uns, wer mag wider uns ſein? welcher auch ſeines eigenen Sohnes nicht hat verſchonet ꝛc.; Wer wird verdammen 2, Chriſtus iſt geſtorben und auferwecket, und ſitzet nun zur Rechten Gottes und vertritt uns“ mach⸗ ten einen tiefen Eindruck auf ihn. Nach einer halben Stunde etwa frug er mich, ob er eine Frage an mich thun dürfe? Als ich ihm ant⸗ wortete, es würde mich recht freuen, wenn er über irgend etwas Belehrung wünſche, ſagte er: „Haben Sie kein Bild von unſerem HERRN Chriſto?“ Ich fragte: Wozu das? Da ſagte er: „Sehen Sie, ich bin ein ſehr alter Mann, ich kann das Wort Gottes nicht leſen, mein Ge⸗ dächtniß iſt ſehr ſchwach; ich glaube, was mir das Wort Gottes ſagt; ich glaube, daß mein HERrR Jeſus für mich geſtorben iſt, und ich liebe ihn deshalb mit meinem Herzen, aber ich kann nicht leſen, bin auch zu alt, es zu lernen, ſonſt hätte ich ſchon angefangen es zu erlernen und hätte Sie dann um Gottes Buch (die heilige Schrift) gebeten. Weil ich nun nicht leſen kann, ſo möchte ich gerne ein Bild von meinem HERRN Chriſto haben, das mir ſagen würde, wie mein HERgR für mich gekreuziget und geſtorben wäre, daß auch ich armer Indianer nicht verdammt, ſondern ſelig würde, obgleich ich ein ſo großer Sünder geweſen bin.“ hielt er inne, und ich fragte ihn: „Würden Se denn das Bild von Jeſu Chriſto für ihren HERRN und Gott halten — —— 1 *) Da mir die nöthige Zeit mangelt, den Leſern des Lu⸗ x theraners umſtändlicheren Bericht von dieſer Miſſionsſtation zu ertheilen, und da mir der hier erzählte Vorfall ſelbſt ſehr erbaulich wurde; ſo dachte ich, ich wollte denſelben in dieſem Briefe an Sie darſtellen, und wenn Sie ihn denn geeignet 4 fänden, ihn den Leſern des „Lutheraners“ mitzutheilen, ſo könnte Solches nach ihrem Erachten geſchehen, und würde