# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S116 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) danken zum Entſchluß, der HErr allein, der lieb⸗ reiche getreue Gott, geſellte die rechten Mithelfer hinzu; der HErr allein ſtärkte den Glauben ſei⸗ ner Knechte, alle Hinderniſſe zu überwinden nnd das Widerſtreben des Teufels, der Welt und ihres eigenen Fleiſches zu beſiegen; der HErr endlich machte je länger je mehr ebene Bahn und brachte das Werk zu Stand und Weſen. Darum gebührt dem HErrn allein Ehre, Dank, eeis und Lob um alle ſeine Güte und Wohlthat, die er an den Menſchenkindern thut; — darum haben auch wir, bei der Vollendung die ſes Werkes ſeinen Namen zu preiſen, da Er der eigentliche Anfänger und Vollender desſelben iſt. Es ſteht uns aber dieſes Loben und Preiſen des dreieinigen Gottes um ſo mehr an, da dieſes Haus ſeinem heil. Namen ſonderlich geweihet und geheiliget iſt; denn in dieſer Stäͤtte ſollen ja gelehrt werden, aus ihr ſollen hervorgehen Knechte des lebendigen Gottes, die ſeinen heil. Namen verkundigen, die Gottes Wort lauter und rein lehren, Geſetz und Evangelium richtig theilen, mit jenem die harten Herzen zerbrechen, mit dieſem im Wort und Sakrament die zerbro⸗ chenen Herzen verbinden ſollen; — Mitarbeiter und Mithelfer des heil. Geiſtes, Engel des HErrn Zebaoth, Hirten des Erz-Hirten, welches durch Gottes Wort allein die Bollwerke des Sa⸗ tans zerſtören, deſſen Gefängniſſe zerbrechen, den Tod tödten, die Hölle verſchließen, aus Ver⸗ fluchten Geſegnete, aus Knechten des Geſetzes Kinder der Gnade, aus Verlornen und Todten Wiedergefundene und Lebendige, aus Verworfe⸗ nen und Verbannten Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenoſſen, aus Verdammten zur ewigen Höllenpein Gottes Erben und Miterben Chriſti, Koͤnige und Prieſter und Beſitzer der machen ſollen und ewigen Himmelsfreuden können. So groß, herrlich und erhaben aber dieſer Be⸗ ruf iſt, Botſchafter an Chriſti Statt zu ſein und das Amt zu treiben, das die Verſöhnung predigt, ſo wichtig ſind auch die Erforderniſſe zu dieſem Dienſt und Anit und ſo wichtig iſt die Vorberei⸗ tung um dazu tüchtig zu werden. Laſſet uns, ſo weit es die Zeit leidet, auf beide Stücke einen Blick werfen. I. Welches ſind die nothwendigen Erforderniſſe zu einem rechtſchaffenen Diener der heiligen Kirche? — 1. Daß er halte an dem Vorbilde der heilſa⸗ men Lehre und bleibe in dem, was ihm vertrauet iſt, wie die rechtgläubige Kirche, dermalen luth. genannt, auf Grund des göttlichen Wortes von Anbeginn glaubt, bekennt und lehrt. Und damit hängt dann auf das Engſte zuſammen, daß er nichts zu ſchaffen habe mit der ſchriftwidrigen Glaubens⸗und Kirchen⸗Mengerei und falſchen Unioniſterei unſerer Tage, in welcher leider faſt alle luth. Synoden dieſes Landes, ihrer kirchlichen⸗ Handlungsweiſe nach, gefangen liegen; viel⸗ mehr iſt es die Pflicht aller treuen luth. Kirchen⸗ diener ob dem Glauben zu kämpfen, der einmal für allemal den Heiligen vorgegeben iſt und keine andere Einigung zu begehren und einzugehen, als die da iſt und bleibet in einerlei Glauben, Bekenntniß und Lehre in allen Artikeln der uns von Gott in ſeinem Wort überlieferten Wahrheit zur Seligkeit. 2. Daß er nicht blos eine geſunde und gründ⸗ iche Erkenntniß dieſer Heilslehre, ſondern, ob Gott will, auch die innere Erfahrung davon habe, die tödtende Kraft des Geſetzes und die belebende Macht des Evangeliums auch innerlich ſchon in gewiſſem Maße geſchmeckt habe. Es iſt gewiß hoch von Nöthen, daß auch ſchon der angehende Kirchendiener in dem hochtheuren und hochwichtigen Artikel von der Rechtfertigung beginne zu leben und zu weben; denn ſonſt iſt er blos eine Lehr⸗Maſchine, ein orthodores Uhr⸗ werk, ein leb⸗ und liebloſes tönendes Erz und eine klingende Schelle. Er gleicht einem hölzer⸗ nen Wegweiſer, der wohl Andern die richtige Straße zeigt, aber ſie ſelber nicht geht; und in⸗ deß er den Kirchenglauben ſtets im Munde fuͤhrt, iſt doch ſein Herz fern davon. Deßhalb gehöͤrt denu weiter dazu, daß der Die⸗ ner der Kirche ferne von ſolchem Hochmuth, viel⸗ mehr in aufrichtiger Demuth, Einfalt und Lau⸗ terkeit ſtehe und das Geheimniß des Glaubens in reinem Gewiſſen trage. 3. Daß er tüchtig ſei, auch Andere zu lehren und den, ob Gott will, bereits innerlich erfahr⸗ nen Glauben der Kirche auch Andern mit Bewei⸗ ſung des Geiſtes und der Kraft, und doch ſo ein⸗ fältig, klar und faßlich zu predigen, und ermah⸗ nend an Herz zu legen, daß es nicht an ſeiner Predigt liegt, wenn nicht Sünder in ſich ſchlagen und göttlich Traurige getröſtet werden, wenn nicht, ob Goti will, alle ſeine Schaafe recht glauben, chriſtlich leben und ſelig ſterben. 4. Daß er Acht habe auf ſich ſelbſt und auf die Heerde, die der Biſchof und Erzhirte ihrer Seelen ihm zum Weiden befohlen hat; da gilt alſo vor⸗ nämlich, daß er alles Ernſtes und Fleißes mit Gottes Wort umgehe, demſelben andächtig nach⸗ denke, es mit Seufzen zum h. Geiſt im Herzen bewege, und vornämlich dadurch immermehr wachſe in der Gnade und Erkenntniß des HErrn Jeſu Chriſti; es liegt ihm ob, daß er zunächſt ſonderlich für ſich wache und bete, daß der Satan und ſein eigenes Fleiſch ihn nicht ſo oder ſo überliſte oder einſchläfere; darnach aber iſt es nicht minder ſeine Pflicht für ſeine Heerde ſorg⸗ fätlig zu wachen und zu beten, die einzelnen Schäflein, je nach ihrer beſondern geiſtlichen Nothdurft zu pflegen, zu warten, zu ſtrafen, zu drohen, zu warnen, zu ermahnen und zu trö⸗ ſten ꝛc. Nicht minder iſt es bei dieſem Acht haben ſeine heil. Pflicht, falſche Lehre zu ſtrafen und den Wölfen den Schaafspelz abzuziehen, möge es ſeinen eigenen Kirchkindern gefallen oder nicht; denn Gott hat es ihm befohlen in ſeinem Worte, zu halten ob dem Worte, das gewiß iſt, auf daß er mächtig ſei, zu ermahnen durch die heilſame Lehre und zu ſtrafen die Widerſprecher. 5. Daß er bei möglichſt treuer Pflege ſeiner Schaafe doch nicht in dieſem Leben Menſchentage und gutes Gemach begehre und erwarte, viel⸗ mehr allezeit bereit ſei, um des HErrn und ſei⸗ ner reinen Lehre willen allerlei Trübſal zu er— dulden und dem HErrn Chriſto ſein liebes Kreuz nachzutragen, alſo daß er nicht blos ſein Beken⸗ ner ſondern auch ſein Nachfolger ſei; ein Löwe in des HErrn, ein Lamm in ſeiner eigeuen Sache; denn nur wenn er mit ihm dulde, ſo werde er auch mit ihm herrſchen, nur wenn er mit ihm ſterbe, ſo werde er auch mit ihm leben. 6. Endlich, daß er in allerlei Frucht des Gei⸗ ſtes und in allen chriſtlichen Tugenden ein Vor⸗ bild ſeiner Heerde ſei, alſo daß er lebe, was er Hauſes je länger je mehr werde. lehre und die reine Lehre Gottes, unſers Hei⸗ landes, mit einem gottſeligen Wandel ziere. II. Welches iſt die rechte Vorbereitung, um ein tüchtiger Diener der h. K. zu werden? 1. Daß unſere jungen Brüder in rechtſchaͤffe⸗ ner Gottesfurcht wandeln, und ihnen möglichſt allezeit die Größe und Erhabenheit, die Frucht- barkeit und Süßigkeit ihres künftigen Amtes vor Augen ſchwebe. Es gehört alſo hierher ein gro⸗ ßer Ernſt des Gemüthes, der des hohen Ziels ſolcher Vorbereitung fleißig gedenke, und einen herzlichen Abſchen davor habe, daß ſie je ein bloßes Muß und äußerliches Geſchäftsweſen ſei. Fehlt jener Ernſt des Gemüths, ſo iſt ſehr zu befurch⸗ ten, daß die ſpätern Prediger des brünſtigen Gei⸗ ſtes, des heil. Eifers, der ſuchenden Liebe Ehriſti baar und ledig ſind, und zu orthodoren Tagelöh⸗ nern und Miethlingen werden, die für ſo und ſo viel, ſo und ſo oft predigen ꝛc. 2. Daß ſie mit Treue und Sorgfalt Gottes Wort täglich zur Nahrung und Stärkung ihrer Seelen gebrauchen, auf daß ſie nicht blos fuͤr ih⸗ ren Unterricht die nöthige Erkenntniß des Ver⸗ ſtandes darans gewinnen, ſondern mit ihrem ganzen inwendigen Menſchen je länger je mehr im Worte leben und dies in ihnen. 3. Daß ſie mit ſolchem Gebrauche der heil. Schrift auch eruſtes und beharrliches Beten, und mit ſolchem Beten wiederum helles und ſcharfes Wachen, ſonderlich wider die früher beliebten und gewohnten Sünden verbinden. Hier gilt es' nun, mit rechter Willigkeit der Zucht des heil. Geiſtes und auch dem Strafen und Ermahnen der Brüder ſich hinzugeben, um allmählig die fru⸗ hern Schooßſuͤnden in die entgegeugeſetzten Tu⸗ genden umzuwandeln, Zorn in Sanftmuth, Leicht⸗ ſinn in Ernſt, Ehrgeiz in Demuth, Trägheit in Eifer, Schwermuth in Heiterkeit u. ſ. w. 4. Daß ſie mit Gewiſſenhaftigkeit und Treue die dargebotenen Unterrichtsmittel benützen, um nicht blos allerlei Einzel⸗Kenntniſſe ſich zu erwer⸗ ben, ſondern, ob Gott will, zugleich die eine zuſammenhangende Erkenniniß der göttl. Wahr⸗ heit je länger je mehr zu gewinnen und zu einer lebendigen Anſchauung derſelben hindurch zudrin⸗ gen. Hierin ſteht es Jünglingen wohl an, ihre Zeit ſorgfältig anszukaufen, alſo daß auch die beß⸗ er Begabten ſie nicht leichtſinnig vergenden, ſon⸗ dern ſie zum Selbſtſtudium wichtiger Schriften, beſonders Luthers-Werke aufwenden. 5. Daß ſie dahin trachten, daß ein fröhli— cher Ernſt der herrſchende Grundton ihres Weſens und ſonderlich auch ihres geſelligen Ver⸗ haltens untereinander und auch außerhalb des Denn auf der einen Seite ſteht es ihnen übel an, wenn ſie eine erzwungene geiſtliche Geberdung zur Schau tragen und nach Art der Pietiſten und Methodiſten ein krankhafte Sucht haben, allerlei erbauliche Re⸗ densarten vom Zaun zu brechen und auch dur ihren Privat-Umgang alle Leute gewaltſam zu be kehren; auf der andern Seite aber iſt es kein ge— ringer Übelſtand, wenn der Fröhlichkeit der tie fere Hintergrund des Ernſtes fehlt, alſo daß ein; fade Luſtigkeit, ein Ubermuth des Fleiſches, ein weltförmige Geberdung, und allerlei loſe und un⸗ geiſtliche Rede daraus wird. 6. Daß ſie gegen ihre Lehrer ehrerbietig u vertraulich zugleich, untereinander aber offe brüderlich, herzlich, verſöhnlich ſeien, damit kei ſchiefer und falſcher Geiſt, kein offenbares o