# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 08 03_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) chen Kirche, insofern sie aber die Wahrheit verkehrt, ist sie eine Secte und nicht eine Anstalt zum Seligwerden, sondern eine Stiftung des Teufels zur Verführung und zu ewigem Verderben der Erlösten. Sagen wir also z. B., daß die römische Kirche nicht Christi Kirche, sondern eine Secte sei, so betrachten wir sie als päbstliche Hierarchie, nach den Mißbräuchen, Irrthümern und abgöttischen Gottesdiensten, durch welche sie in der christlichen Kirche eine Spaltung gemacht hat; damit leugnen wir aber nicht, daß auch unter der römisch-katholischen Secte die Kirche, nehmlich Kinder Gottes, verborgen liegen, welche geistliche Priester sind und um welcher willen daher auch in der römischen Kirche die Schlüssel des Himmelreichs verwaltet werden, gültig berufen und ordinirt, gültig getauft, gültig das heilige Abendmahl administrirt, gültig absolvirt und excommunicirt, kurz alle Rechte und Machtvollkommenheiten der Kirche gültig ausgeübt werden können.*) *) Mit Erstaunen haben wir daher in der „christlichen Zeitschrift“ die Nachricht gelesen, daß die General Assembly (Old School) der Presbyterianer-Kirche unlängst im Cincinnati mit überwiegender Mehrheit die, gelindest gesagt, überaus voreilige, aber in der That höchst sectirische Entscheidung gegeben habe: „daß die Taufhandlung durch römisch-katholische Priester nicht gültig sei.“ Diesen Irrthum hat Luther schon vor 300 Jahren gegen die Wiedertäufer bekämpfen müssen. Derselbe schreibt hierüber u. a. also: Th. XVII. 2697 ff.: „Ich sage, daß unter dem Pabst die rechte Christenheit ist, ja der rechte Ausbund der Christenheit, und viel frommer großer Heiligen. — Ist nun der Pabst (wie ich nicht anders gläube,) der recht Endechrist ist, so soll er nicht sitzen oder regieren in des Teufels Stall, sondern in Gottes Tempel. — Und weil er daselbst sitzen und regieren soll, so muß er Christen unter sich haben. — Wir schwärmen nicht also, wie die Rottengeister, daß wir alles verwerfen, was der Pabst unter sich hat. — Darum ist solcher Wiedertäufer und Schwärmer Rede nichts, wenn sie sagen: was der Pabst hat, ist unrecht; oder weil im Pabstthum diß und das geschieht so wollen wirs anders haben — Sie thun aber wie ein Bruder dem andern thät im Thüringer Walde; die gingen mit einander durch den Wald, und ein Bär kommt sie an, der wirft einen unter sich: da will der andere seinem Bruder helfen, sticht nach dem Bären, fehlet aber sein, und ersticht den Bruder unter dem Bären jämmerlich. Eben so thun die Schwärmer auch. Sie sollten der armen Christenheit helfen, die der Endechrist unter sich hat und martert, und stellen sich greulich wider den Pabst, fehlen aber sein, und morden die Christenheit unter dem Pabst viel jämmerlicher. Denn wo sie die Taufe und Sacrament recht ließen, möchten die Christen mit der Seelen noch entrinnen unter dem Pabst, und selig werden, wie bisher geschehen ist. Aber nun ihnen die Sacramente genommen werden, müssen sie wohl verloren werden, weil auch Christus selbst dadurch weggenommen wird. Lieber, es ist nicht also auf den Pabst zu platzen, weil Christi Heilige unter ihm liegen. Es gehört ein fürsichtiger bescheidener Geist dazu, der unter ihm lasse bleiben, was Gottes Tempel ist, und wehre seinem Zusatz, damit er den Tempel Gottes zerstöre.“ — Dies ist die rechte Betrachtung der römischen Kirche. Hr. Nollau kehrt es um, den hierarchischen Organismus (das Päbstliche) hält er für die Gestalt der Kirche und die Zertrümmerung desselben hält er für den Untergang der Kirche! Dies alles gilt daher natürlich auch von den reformirten, evangelischen, methodistischen und andern religiösen Gemeinschaften. Wenn wir dieselben Secten nennen, und es ihnen absprechen, daß sie wahre Kirchen und Anstalten zur Seligkeit seien, so sagen wir dies von ihnen, insofern sie eben sich durch ihre falsche Lehre von der wahren Kirche abgesondert und besonders constituirt haben. Wir behaupten, die reformirte ꝛc. Kirche als reformirte ꝛc. Kirche ist nicht ein Theil der wahren Kirche Christi, denn als solche ist sie nicht eine Säule der Wahrheit, sondern ein Pfeiler und eine Grundveste seelengefährlicher Irrthümer. Dabei leugnen wir aber keineswegs, daß auch unter dieser, wie unter allen andern irrgläubigen Gemeinschaften die rechte Kirche verborgen liege. Hr. N. irrt sich daher gewaltig, wenn er meint, daß das ein Widerspruch sei, zu behaupten, daß die Secten keine Anstalten zur Seligkeit seien, und doch zuzugestehen, daß in denselben noch vieles Gutes sei, wodurch viele Seelen noch selig werden. Hr. N. merke sich, daß ein großer Unterschied sei, wenn man die Secte als solche, nach ihrer wesentlichen Beschaffenheit, und wenn man sie nach ihren (im philosophischen Sinne) zufälligen Eigenschaften betrachtet. Als Secte ist keine derselben eine Anstalt zur Seligkeit oder eine wahre Kirche, obgleich dieselbe darunter verborgen liegen kann. Wenn daher Hr. Nollau S. 24 im süßen Bewußtsein, uns überwiesen zu haben, schreibt: „Wir hoffen, unsere Gegner werden zu ihrem eignen Besten einen solchen traurigen Irrthum noch demüthig erkennen und — beschämt werden,“ so müssen wir Hrn. N. erklären, daß er zu früh gejubelt habe; unsere Behauptung steht noch fest, aber an Hrn. N. ist nun die Reihe, seinen Irrthum einzusehen und zu bekennen, obgleich wir ihm gern die uns angewünschte Beschämung erlassen sehen. Daß die irrgläubigen Gemeinschaften von den Rechtgläubigen von jeher nach Gottes Wort nicht anders betrachtet worden sind, als wir thun, nehmlich auf zweifache Weise, als Secten und als Gemeinschaften, unter welchen die Kirche verborgen liegt, dafür wollen wir nun einige wichtige Zeugnisse folgen lassen. Wenn Luther die römische Kirche verwirft, so lehrt er, man müsse einen Unterschied machen, und spricht: „Du mußt aber durch das Wort, Römische Kirche, beileibe nicht verstehen die rechte römische Kirche, sonderlich die vor dem Pabstthum gewest ist, welche das Pabstthum nicht hat wollen annehmen noch leiden, wie wir gehört haben in dem Gregorio, auch Christus ohne Zweifel noch etliche Loth und Töchter in der Römischen Sodoma hat, welchen das greuliche Wesen des Pabstthums übel gefällt, sondern päbstisch, spitzbübisch und teuflisch mußt du es verstehen, daß der Pabst der heil. Römischen Kirchen Namen braucht aufs schändlichste und lästerlichste, und meint damit seine Bubenschule, Huren- und Hermaphroditenkirche, des Teufels Grundsuppe.“ (XVII, 1318.) An andern Stellen thut daher Luther folgende Bekenntnisse über die Papisten: „Ich bekenne, daß die Kirche, darin ihr sitzt, von der alten Kirche herkommt, sowohl als wir, und eben dieselbige Taufe hat, auch die Sacramente, Schlüssel und Texte der Biblien und Evangelien; will euch noch höher loben, und bekennen, daß wir aus der Kirchen unter euch (nicht von euch) alles empfangen haben. — Wir wissen euch für keine Türken noch Juden zu halten, die außer der Kirchen sind, sondern wir sagen, ihr bleibt nicht dabei, und werdet die verlaufene, abtrünnige, hurische Kirche (wie es die Propheten pflegen zu nennen), die nicht bleibt in der Kirchen, daraus sie geboren und erzogen ist.“ (XVII, 1673.) — „Wohlan, der Pabst spricht, er sei die christliche Kirche; da sagen wir Nein zu, ob ihr wohl etliche sind unter dem Pabstthum, die in die christliche Kirche gehören, gleichwie auch unter den Türken, in Frankreich und England viel sind, die zu der christlichen Kirche gehören; sie sind getauft, halten das Evangelium, gebrauchen der Sacramente recht, und sind rechte Christen, daß sie aber uns jetzt verdammen und sagen, unsere Lehre sei nicht recht, und sich dagegen weißbrennen und mit ihren Gesetzen ꝛc. sich rechtfertigen und sagen, wer dieselbigen halte, der sei ein rechter Christ und sei die rechte christliche Kirche, da sprechen wir Nein zu. Das lassen wir wohl, und lassens geschehen, daß sie sind in der christlichen Kirche, aber sie sind nicht die rechten Glieder der Kirche.“ VII, 2343. Aehnliche Bekenntnisse thut Luther von den anderen neueren Secten. Er spricht u. a.: „Müssen wir doch bekennen, daß die Schwärmer die Schrift und Gottes Wort haben in andern Artikeln und wer es von ihnen hört und gläubt, der wird selig, wiewohl sie unheilige Ketzer und Lästerer Christi sind.“ (XVII, 2675.) Anderwärts: „Derhalben so ist die Kirche allenthalben heilig, auch an den Orten, da gleich die Schwärmer und Rottengeister regieren, sofern sie nur das Wort und Sacrament nicht allerdings verleugnen und verwerfen. Denn die diese Dinge ganz und gar verleugnen, sind keine Kirche mehr. Wo aber Wort und Sacrament wesentlich bleiben, da bleibet auch eine heilige Kirche. Aber Juden, Türken, Schwärmer und Rottengeister oder Ketzer sind nicht die Kirche; denn dieselben verleugnen und vertilgen solche Dinge.“ VIII, 1591, 92. Aus diesem allen ersieht nun der christliche Leser, daß, wenn wir Lutheraner gewisse christliche Parteien als Secten verwerfen, so meinen wir damit nicht die Kirche, die auch unter diesen Secten verborgen liegt, sondern die falsche Lehre und derer hartnäckige und halsstarrige Vertheidiger, die daran Schuld sind, daß die Kirche getrennt ist und bleibt. Wir verdammen keineswegs ganze christliche Parteien, vielweniger die armen verführten Leute darinnen, die aus Einfalt irren und die Wahrheit nicht (wie ihre sie leitenden falschen Propheten) lästern, noch die Rechtgläubigen hassen, schmähen und verfolgen; wie denn dies in der Vorrede zu den symbolischen Büchern der evangelisch-luth. Kirche deutlich bezeugt ist. — Nachdem wir nun den Nachweis eingeschaltet haben, welche Stellung die irrgläubigen Gemeinschaften in der Christenheit einnehmen, so kommen wir nun zu unserer Schlußfrage: Was heißt das, die Lutherische Kirche ist die wahre katholische (allgemeine) Kirche JEsu Christi auf Erden und warum nehmen wir diese hohe Würde für dieselbe in Anspruch? Hierauf antworten wir, die lutherische Kirche ist nicht die sichtbare Gesammtheit der sich lutherisch Nennenden, sondern die große, unveränderliche Kirche, zu welcher sich die mit Recht Lutheraner sich Nennenden mit ihrer Lehre bekennen, zu welcher Millionen Seelen gehört haben, ehe Luthers Name in der Welt genannt wurde, die daher den Namen Lutheraner nicht trugen. Eine Specialgemeinde oder eine Nationalkirche, in welcher die lutherische Lehre gepredigt und angenommen wird, ist daher eine lutherische Kirche, aber nicht die lutherische Kirche, denn diese ist zerstreut durch die ganze Welt, wo nur immer derselbe Glaube sich findet. Wir geben daher von Herzen gern zu, daß die Gesammtheit aus aller Derer, welche sich bisher mit Recht lutherisch genannt haben, nur eine Particularkirche und nicht die katholische christliche Kirche, sondern nur ein Theil derselben sei,*) aber die Kirche, zu welcher sich diese alle allein bekennen, ist keine dem Untergang unterworfene Particularkirche, sondern die unveränderliche, ewige katholische christliche Kirche, ein „Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit.“ Die Lutheraner bekennen sich also zur lutherischen Kirche nicht wie die Evangelischen zur evangelischen, welche sich zu derselben, als zu der angeblich besten christlichen Partei, halten. Die Lutheraner bekennen sich mit ihrem Namen zu keiner Partei, sondern zu der einigen, alten allgemeinen Kirche und darum freilich auch zu allen den Gemeinden insonderheit, welche als ein Theil dieser allgemeinen Kirche sich durch ihr rechtgläubiges Bekenntniß offenbaren. *) Dies ist es allein, was der von Hrn. N. S. 7 seiner Schrift erwähnte „würdige, strengluth. Theologe“ mit den angeführten Worten zugegeben hat. Derselbe war weit entfernt, zu einer andern, als zu der allgemeinen christlichen Kirche gehören zu wollen. Warum, so wird man uns aber nun einwen-