# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 18_S107 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Eneit bereitet, weil niemals der größere Theil von der einmal angenommenen Confeſſion abge⸗ Inn wird.“ (Ep. 313.) Klar und deutlich Ugt hier Calbin ſeine und ſeiner Calviniſten Geſinnung gegen unſere theure Confeſſion an den Tag. —— ö——— Drei Kirchenfragen an evang. lutheriſche Chriſten auf die Kirchweih zu Rothbach, im Jahr 1849.*) . Reformations -Predigt eines Dorfpfarrers über Epheſer 5, 8. 9. 10 Ir habt gewiß ſchon Alle die Beobachtung Igmacht, daß wenn die Menſchen auf Etwas gwße Wichtigkeit oder hohen Werth legen, ſie hangelegentlich darnach erkundigen, wiederholt und dringend darnach fragen. Woher kommt es, uß ein aufgewecktes Kind ſeinen Vater oder ſeine Nutter oft in einer Stunde mit vielen Fragen be⸗ ſürnt, und nur um ſo eifriger wird im Fragen, je mehr man ihm zu Dienſt ſteht und antwortet? Weil ihm Alles, was es um ſich herum erblickt, och neu, noch unbekannt, und darum auffal⸗ ed und wichtig iſt. Woher kommt es, daß 1 JSbwachſene ſo eifrig nach den politiſchen Bege— Funheiten fragen? Weil ihnen dieſe Begeben— Peten oft unerhört und wichtig vorkommen; weil Revenken, daß das Wohl oder Weh Vieler von Tliſen Begebenheiten abhängt. Ies Euch aber, nach dem was ſo eben dar⸗ gehan worden, nicht auffallend, daß die Leute ovenig nach der Kirche und ihren Schickſalen undigen, ſo wenig nach der Kirche und ih— Eun Kämpfen fragen, da doch ſiſe die wichtigſte Eunßerordentlichſte Erſcheinung iſt auf dem gan⸗ n Ewboden! Inder That, was ſteht räthſelhafter da, als namentlich die wahreſte Erſcheinung der Kirche Gottes in neurer Zeit, die e v. luth. Kirche. 60 oſt bekämpft und immer wieder ſiegreich; oft nit Finſterniß und Schmach bedeckt, und von Nuuem wieder lichtvoll; unter Kreuz und Spott ind inmer wieder von Neuem zu Anſehen ge— lugend, zu Ehren kommend! Auf dieſe Kirche Hhan man auch ganz paſſend die Worte Pauli 1 Lorinth. 6) anwenden: „als die Sterbende, und ſiehe ſie lebt; als die Gezüchtigte, und doch licht ertödet; als die Traurige, aber allezeit föͤhlich; als die Arme, aber die doch Viele nich macht; als die Nichts hat, und doch Alles hat“ Inwendige und auswendige Feinde der vahren evangeliſchen Kirche haben ihr ſchon ns Todtenlied geſungen, und verjüngt ſteht ſie vider auf; es hat geheißen: es ſei aus mit ihr, nd gerade dann iſt ſie kräftig und mächtig wieder auf den Kampfplatz getreten. Wie nun! nach einer ſolchen herrlichen wun⸗ detſamen Kirche ſollte ſich nicht jeder von uns nher erkundigen, nach einer ſolchen ſollte nicht jdesihrer Kinder fragen? Und damit wir ihr ja nachfragen, dieſer Kir⸗ he, kommt ſie uns ſelbſt zu Hilfe, indem ſie das *) Roch ein Traktat aus Elſaß. —107— Reformationsfeſt uns feiern läßt. Jedem von uns ruft ſie zu: Ihr evangeliſch⸗lutheriſche Chriſten, ihr fragt in weltlichen Dingen nachAllem, was euch wichtig und werthvoll iſt, wollt ihr denn nicht auch nach eurer Kirch e fragen, wie es um ſie ſteht, um deretwillen dies Tempelgebäude aufgeführt worden? Wenn Etwas, ſo ſollte doch ſie Werth und Wichtigkeit genug für euch haben, daß ihr nach ihr fraget und euch nach ihr erkundiget. Und ſo wollen wir denn drei wichtige Kirchen⸗ fragen, nach Anleitung unſeres Tertes, als Glie⸗ der der evangeliſch lutheriſchen Kirche aufwerfen und zum Gegenſtand unſerer Betrachtung ma⸗ chen, nämlich: I. Was waren wir? II. Was ſind wir? III. Was ſollen wir? Mag auch die treue Beantwortung derſelben den Unglaubi⸗ gen eine Thorheit, den Unionsmännern aber ein Aergerniß ſein. „Ihr waret weiland „Finſterniß, — nun aber ſeid ihr „ein Licht in dem Herrn. Wandelt „wie die Kinder des Lichtes.“ Dir, o Herr, ſei ewig Preis und Ehr', daß wir zur Wahrheit kommen, Und daß du durch die reine Lehr' Die slindheit weggenommen. Behüt' uns doch Vor neuem Joch Der falſchen Menſchenlehre, Die wiederum Dir nimmit den Ruhm: Erbarm' Dich und erhöre! Drei wichtige Kirchenfragen haben wir zu beantworten: I. Was waren wir? 1. Gott giebt uns im Terte die Antwort: „Ihr waret weiland Finſterniß.“ Von Natur [Epheſ. 21], und ohne Chriſtum iſt das ganze Adamsgeſchlecht Finſterniß: das Naturlicht kann das Leben uns nicht geben. „Jeſus und ſein heller Schein, Jeſus muß die Sonne ſein.“ Weil nun durch ein Jedes neue Geſchlecht die Finſterniß in die Berührung des Lichtes durch die Kirche gebracht wird, ſo beſteht ein fortwäh⸗ render Kampf des Lichtes mit der Finſterniß. Schon von Adam her waren wir Alle Finſterniß. 2. Wie ſah es aber aus in der Kirche, als Luther gegen die herrſchenden Mißbräuche und Menſchenſatzungen auftrat? war nicht faſt Alles Finſterniß? Wohl gab es noch hie und da Männer, die in Sprachkenntniß oder in weltli⸗ cher Weisheit bewandert waren: wo fand man aber ſolche Kirchenvorſteher, die Gottes Wort kannten, die Erkenntniß hatten von der lautern Lehre des Evangeliums! Viele damalige Geiſt⸗ liche wußten kaum, daß es eine Bibel gäbe, was ſollte man von den Laien erwarten Lei⸗ der hatte man nach und nach die Ohren von der Wahrheit weggewendet und ſich zu den Fabeln gekehrt! Was gab man dem Volke? Viel, erdichtete Wundergeſchichten, Heiligen⸗Legenden, mit leeren Ceremonien, die oft von ſittenloſen Prieſtern nicht einmal mit gehöriger Andacht ver⸗ richtet wurden. 3. Da man Chriſtum nicht mehr als einen leutſeligen Heiland kannte, den die Liebe zu uns armen Sündern vom Himmel herab auf Erden und bis an's ſchmählige Kreuz getrieben, wo er unſere Schuld gebüßt und für uns genug ge⸗ than, ſo verſiel man auf eigene, nicht in Gottes Wort gebotene Werke und Marter, um für ſeine Sünden genug zu thun und ſich den Himmel zu verdienen. 4. Wundert ihr euch dann noch, daß es da⸗ mals ſo viele erſchrockene, von fortwährender Angſt geſcheuchte Gewiſſen gab, die wohl ſpürten, daß ſie mit ihren Werken nicht für ihre Sünden genug thun und den Himmel verdienen konnten? Dieſe eilten deßwegen Schaarenweis zum Abla ß⸗ wagen, um durch ihr Geld ihre Seelen loszu⸗ kaufen! Die armen Leute! weil ſie Chriſtum nicht mehr kannten als ihr öſegel d, meinten, fie könnten ſich durch eigen es Geld von der Hölle loskaufen, und glaubten blindlings in ihrer Ge⸗ wiſſensangſt, was ihnen das geldgeizige Rom vorſagte. O meine Freunde! Seht ihr's, wohin es kommt, wenn Gottes Wort verkehrt, wenn das helle Licht des Evangeliums unter den Scheffel geſtellt wird? Seht ihr's, in welche troſtloſe Nacht die Völker verſinken, auf welche falſche Wege ſich die Leute verirren, wenn Gott eine Zeit lang den Leuchter wegſtößt von ſeiner Stätte! Seht ihr's, zu welchen thörichten Mit— teln die Menſchen ihre Zuflucht nehmen, wenn ihnen einmal Chriſtus nicht mehr gepredigt wird, als das alleinige Licht in der Finſterniß, als der alleinige Weg zum Vater, als der alleinige Ver⸗ ſöhner, Mittler und Fürſprecher zwiſchen Gott und den Menſchen. Kennen die Chriſten einmal Gottes Wort nicht mehr; iſt ihnen die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben allein, verdeckt, — was Alles kann man ihnen dann nicht neh⸗ men, zu welchen thörichten Lehren, Satzungen und Ceremonien ſie nicht verführen, zu welchen Gelderpreſſungen kann man nicht ihre Gewiſſens⸗ angſt mißbrauchen!? Was waren wir weiland? Der Apoſtel ant⸗ wortet: „Ihr waret weiland Finſterniß.“ II. Und was ſind wir nun? Wenn ihr nun meinet, man müßte die Fin⸗ ſterniß nur in der römiſchen Kirche, oder in den vergangenen Jahrhunderten ſuchen, ſo irrt ihr euch ſehr, meine andächtigen Zuhörer! Es gibt noch eine andere Finſterniß als die des Aberglaubeus — Es gibt auch eint Finſterniß des Unglaubens. Im vorigen Jahrhundert hatte ſich dieſe, auch in der proteſtantiſchen Kirche geltend gemacht. Der Aberglaube nud der Unglaube ſind ſchwarze Zwillingsbrüder, die von jeher darauf ausge— gangen, die Menſchen in der Finſterniß und in den Schatten des Todes zu halten. Nun, jene Finſterniß des Unglaubens hatte die proteſtanti⸗ und verdeckt ſie zum Theil noch. 1. Wie man in der röm. Kirche den Pap ſt über die Schrift ſetzte, ſo fing man in der proteſtantiſchenKirche an, die Vernunft über Gottes Wort hinaufzuſetzen, und ſo verwarfen ſie allmählig mit ihrer blinden Vernunft alle Grundlehren der wahren evangeliſchen Kirche: „die Dreieinigkeit, die Gottheit Jeſu, die Erb⸗ ben an Jeſum den Gekreuzigten, die Lehre von — ſche Kirche verdeckt in der jüngſtvergangenen Zeit, ſünde, die Rechtfertigung allein durch den Glau⸗