# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 18_S100 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lach's N. T. u. ſ. w., iſt ja bekannt und würde hier gar nicht erwähnt werden, wenn nicht eine engliſche Vierteljahrsſchrift in dieſem Lande, wel⸗ cher wir ſonſt von Herzen den beſten Erfolg wün⸗ ſchen, in wohlmeinender Unwiſſenheit dieſen Guericke zu wiederholten Malen als Einen der größten, wo nicht als den erſten Gelehrten Deutſchlands und als einen rechten, des Stu⸗ diums ganz beſonders würdigen Muſtertheologen geprieſen hätte!!“ ö Dieſe Worte haben offenbar den Zweck, Gue⸗ ricke (den Verfaſſer ſehr brauchbarer, geſchätzter und weit verbreiteter Handbücher, namentlich ei⸗ ner Kirchengeſchichte), in der öffentlichen Mei⸗ nung herabzuſetzen, es geſchieht ihm aber mit den⸗ ſelben eben ſo ſehr Unrecht, als ſie ihrem Verfaſſer wenig Ehre machen. Der Verfaſſer redet in der betreffenden Stelle von dem entſchiedenen Widerwillen, der ſich bei Neander gegen die kirchliche Orthovorie, wie ſie in den Schriften von Guericke und Rudelbach auftritt, gefunden habe. ö An dieſe Stelle knüpfen die Anfangsworte vor⸗ liegender Anmerkung an. Dieſe Worte nun ſtehen mit jener Stelle in keinem Zuſammenhange. Denn in letzterer iſt die Rede von Guericke als Vertreter der kirchlichen Orthodorie, in erſteren von Guericke als Schriftſteller. Dazu kommt, daß der Verfaſſer jene Worte, wie aus dem Ganzen der Anmerkung ſich ergiebt, auch nicht elwa zu näherer Schilderung Neander's, ſondern behufs eines ganz beſondern Zweckes anführt. Er bricht alſo die Gelegenheit, hier gegen Gue⸗ ricke zu reden, vom Zaune. ö Betrachten wir aber ein wenig näher, was er ſagt. Der Verfaſſer hörte Neander von Guericke als von einem undankbaren Abſchreiber reden. Was hat es denn mit dem „undank⸗ baren Abſchreiber“ auf ſich? Erſtlich mit dem „Abſchreiber“. Neander's Kirchengeſchichte reicht bekanntlich nur bis zu der die Reformation vor⸗ bereitenden Zeit, während Guericke's Kirchen⸗ geſchichte bis auf die neuſte Zeit fortgeführt iſt; und der Theil, den beide behandeln, nimmt etwa nur die Hälfte von Guericke's Kirchengeſchichte ein. Dazu kommt, daß Neander denſelben Ge⸗ genſtand wohl zehnmal ausſührlicher behandelt hat. Dies allein macht es ſchon klar, daß von einem eigentlichen Abſchreiben Guericke's von Neander die Rede nicht ſein kann. Aber dann hat Guericke Neander's Werke wol ſtark benutzt, und doch dies weder anerkannt, noch den, Ne⸗ ander, als Vorarbeiter, ſchuldigen Dank ausge⸗ ſprochen, ſo daß er wenigſtens das Prädikat „un⸗ dankbar“ verdient? Blicken wir einmal in Gue⸗ ricke's Vorrede zu ſeiner Kirchengeſchichte. Da ſteht Pg.V. (1833) „Der kunvige Leſer wird (in der Art meiner Behandlung der Kirchenge⸗ ſchichte) eben ſo wenig den Schüler, als einen keineswegs ſelaviſchen Schüler des von mir in⸗ nig dankbar verehrten Herrn Dr. Neander ver⸗ kennen, eines Lehrers, dem in Inhalt und Form dieſe ganze Darſtellung gar Vieles zu danken hat“ u. ſ. w. Alſo deshalb kann Guericke unmöglich der Vorwurf, er ſei ein undankbarer Abſchreiber, gemacht ſein, weil er von Neander geradezu ab⸗ — 100— geſchrieben, oder ihn doch ſtark benutzt, und dies weder anerkannt, noch den ſchuldigen Dank ge⸗ gen ſeine Quelle ausgeſprochen hätte. Was mag denn jenem Vorwurfe zu Grunde liegen? Wir brauchen nicht lange zu ſuchen; denn in den folgenden Worten Neander's finden wir befriedi⸗ genden Aufſchluß. Deshalb nennt Neander G. ſo, weil der letztere die ſaure Arbeit Anderer für ſeinen ultra-lutheriſchen Dogmatismus und Fanatismus mißbrauche. Was einem Unbefan⸗ genen als treue Liebe zur erkannten Wahrheit und der Kirche, welche dieſelbe hat und wahrt, erſcheinen würde, kam Neander auf ſeinemStand⸗ punkt und bei ſeiner Eigenthümlichkeit als ultra⸗ lutheriſcher Dogmatismus und Fanatismus vor; und es verdroß ihn, daß ſeine Forſchungen auf dem Gebiete der Kirchengeſchichte von Guericke in dieſes Kirchengeſchichte zum Wiederaufbau des lutheriſchen Zion benutzt wurden. Deshalb hörte der Verfaſſer Neandern nur ſehr ſelten und dann immer ganz vorübergehend und mit Ver⸗ achtung von Guericke als einem undankbaren Ab⸗ ſchreiber reden. Dies war gewiß eine große Schwäche, nicht zu ſagen Verſündigung, Nean⸗ der's. Eine große Schwäche war's gewiß. Denn was iſt's anders als dies: Hans iſt ein Waf— fenſchmied. Kunz kauft ſich eine Rüſtung von ihm und ſetzt ſich in ſein Haus. Da fällt's Hans ein, Kunz zu überfallen, ihn zu berauben, und ihm ſein Haus zu zerſtören. Kunz greift zu den Waffen, und wehrt ſich. Das nimmt aber Hans ſehr übel; er kehrt wieder um, und redet in Zukunft von Kunz nur ſelten, und dann immer ganz vorübergehend und mit Verachtung als von einem undankbaren Menſchen, der Waffen gegen ihn gebrauche, der ſie doch gemacht habe. Nehe⸗ mia und die mit ihm die Mauern Jeruſalem's, der Königsſtadt, wieder aufbauten, griffen gegen die Feinde Iſrael's, die den Bau auf alle Weiſe zu hindern ſuchten, auch zu den Waffen, die ſie vielleicht von letzteren erworben hatten; noch wird Niemand darum den Glaubenshelden und die Seinen undankbar gegen Iſrael's Widerſacher nennen, R ſei denn ganz durch Leiden⸗ ſchaft verblen Hat nun der Verfaſſer das Thörichte des Ver⸗ haltens und der Worte Reander's nicht erkannt; ſo macht das ſeinem Verſtande keine Ehre. Hat er's aber erkannt, und führt er dieſelben gleich— wohl an, was ſollen wir dann von ſeiner Geſin⸗ nung halten? Er hat dann gewußt, daß die Spitze der Worte Neander's vielmehr gegen Neander ſelbſt, als gegen Guericke gerichtet iſt. Was dann Neander betrifft; ſo können des Ver⸗ faſſers Erinnerungen an Neander nicht aus un⸗ eigennütziger Anhänglichkeit an ihn hervorgegan⸗ gen ſein; und was Guericke betrifft, ſo hat der Verfaſſer gemeint, Neander's Name ſei ein großer Name, was aus ſeinem Munde komme, habe viel Gewicht, und die vom Verfaſſer im hieſigen Pu⸗ blikum bereits bemerkte „wohlmeinende Unwiſ⸗ ſenheit“ werde das ſchon für baare Münze neh⸗ men, und ſo ſei Guericke hiemit, hier zu Lande wenigſtens, der Stab gebrochen. Nachdem nun der Verfaſſer ſo die Gelegenheit gegen Guericke zu reden vom Zaune gehrochen, von Guericke's Kirchengeſchichte zu Neander's iſt und ihm unter fremder Kappe nach eigenem Be⸗ dünken faſt ſchon den Garaus gemacht hat, tritt er nun in eigener Perſon hervor, um vollends, was noch von ſchriftſtelleriſchem Anſehen Gue⸗ ricke's übrig iſt, zu nichte zu machen. Da heißt's denn „das untürdige Abhängig⸗ keitsverhältniß der Kirchengeſchichte Guericke's von u. ſ. w. iſt bekannt“. Über das Verhältniß bereits geredet. Was die Behauptung anlangt, daß Guericke's unwürdiges Abhängigkeitsver⸗ hältniß von Haſe bekannt ſei, ſo muß Schreiber dieſes ſagen, daß ſolches ihm nicht bekannt iſt, obwohl er beide Werke aus eigenem Gebrauche kennt, er auch zweifelt, ob es eben Andern, als dem Verfaſſer bekannt iſt. Was die Behaup⸗ tung betrifft, daß ſein unwürdiges Abhängigkeits⸗ verhältniß von „Anderen“ bekannt ſei, ſo können wir zwar darüber im Beſondern nicht urtheilen, weil jene nicht genannt ſind, halten aber doch im Allgemeinen dafür, daß, da überhaupt Niemand zween Herren dienen kann, es auch wol nicht gut möglich iſt, daß ein Schriftſteller zu mehrern in einem unwürdigen Abhängigkeitsverhältniß ſtehe. Dann ſoll G. im allgemeinen Theile ſeiner Symbolik die Collegienhefte Ullmann's ſeiten⸗ und capitelweiſe faſt Wort für Wort copirt ha⸗ ben, ohne die geringſte Anerkennung der Quelle. Blicken wir in die Einleitung zu G's Symbo⸗ lik. Es heißt da Pg. VI (1839) „Dankbar habe ich die bekannten ſchönen ſymboliſchen Ar⸗ beiten benützt, welche die neue und neuſte Lite⸗ ratur aufweiſt; zu beſonderm Danke fühle ich mich auch dem Namen eines verehrten Mannes verpflichtet, den ich in der Symbolik gern als meinen Lehrer erkenne, und deſſen mündlich ge⸗ gebene Darſtellung (an ſich oder in ihren Quel⸗ len) einzelnen Theilen der meinigen, ſo fern na⸗ türlich dieſe nicht u. ſ. w. — urſprünglich zur Baſis gedient hat.“ Es iſt wohl außer Zwei⸗ fel, daß mit dem „verehrten Manne“ in G.s Vorrede Ullmann gemeint ſei. Iſt dem aber ſo, wie kann Ullmann mit Wahrheit ſagen, G. habe von ihm copirt, ohne die geringſte Anerkennung der Quelle? Und wie kann, wenn er's geſagl hat, der Verfaſſer hierüber ſo lange im Irrthum bleiben, da doch ein Blick in G.'s Einleitung zu ſeiner Symbolik ihn eines Beſſern hätte be⸗ lehren können! Das heißt doch glauben, was Einem gefällt, und nicht der Wahrheit nachfor⸗ ſchen, und iſt nicht die Sache eines Berichter— ſtatters, auf den man ſich ſoll verlaſſen können. Was aber die Veſchuldigung anlangt, daß G. Stellen aus ſeinen Gewährsmännern in ſeine Werke faſt Wort für Wort copirt habe (was ſich allerdings ſo hält, ohne daß G. des⸗ halb aufhörte, ein ſelbſtſtändiger Schriftſteller zu ſein); ſo ſpricht er ſich darüber in der Vor⸗ rede zu ſeiner chriſtlichen Archäologie aus. Es heißt da Pg. VII (1847) ſeine Verwandtſchaft mit andern Schriftſtellern, die daſſelbe Feld be⸗ arbeitet hätten, würde nicht eben enger erſchei⸗ nen, als die derſelben unter einander, „nur daß ich die ſachliche Verwandtſchaft durch Form oder Ausdrücke nicht zu verdecken befliſſen geweſen bin.“ Die Sache iſt alſo dieſe: Alle Schrift⸗ ᷣꝑꝑPPCCI