# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 18_S99 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geiſt, der Evangelium anders predigt, als der beilige Paulus, und die übrigen heiligen Apo⸗ ſel gepredigt haben. Mein Glaube, wie der aler rechtſchaffenen Lutheraner, ſteht nicht auf Schrauben, ſondern iſt ſo gewiß, als Gottes Wort ſelbſt — ja, ein göttlich Werk, von Gott fſelbſt durch ſein einfältig Wort, und naäch Seinem Wort in mir gewirket; der lttrecht. Alles Andere, dem Widerſtrei⸗ tende, muß von Vorne herein falſch ſein, man mag's nennen, und herausſtreichen, wie man's will. — Das nennt man nun freilich einen ſteif⸗ löpfgen Lutheraner, aber was ſoll denn ein Chriſt anders ſein als ſteifköpfig? Es muß doch ein Unterſchied ſein zwiſchen einem Kinde Gottes und einem Hampelmann oder Wetterhahn. Nun ſig mit doch, Martin, haſt Du nicht auch Alles? ſt nicht Alles ſicher und gewiß? Haſt Du nicht Ales einfach und klar auf Gottes Wort gegrün⸗ det? Was in aller Welt kann Dich denn bewe⸗ gen, nach etwas Anderm hinzuhorchen, als fönnte das auch noch Wahrheit ſein, venn's mit dem nicht ſtimmt, was Du aus Gottes Wort als unumſtößliche Wahrheit erkannt haſt? Laß ſie erſt beweiſen, daß die Lutheriſche Kirche nach Gottes Wort, falſch lehrt, dann wol— len wir das anhören, was ſie bringen. lange ſie das nicht thun, und das können ſieft nicht, ſonſt müßte Gottes Wort ſelbſt falſch ſein, müſſen ſie mir wenigſtens mit ihren Fündlein vom Halſe bleiben. Ich weiß im Voraus, es Kaann nichts dahinter ſein, als Lug und Trug. Und wenn Du Dich nur recht beſinnſt, ſo wirſt „Du Dich wundern, wie der Teufel Dich wieder * genarrt hat. Aber Du haſt's nun einmal ſo an Dit, daß Deine Gedanken gleich aus einander fſiegen, wie eine Flucht Tauben, wenn Einer mur „Schu Schu“ ruft. Du ſagſt aber: „es ſteht geſchrieben: „Prüfet Ales und das Gute behaltet,“ da kann man Idoch nicht gleich Alles ſo vor der Hand abbre⸗ hen, wie Du es machſt.“ Nun, Martin, ich denke, der Spruch ſoll uns nicht im Wege ſte⸗ hen. Es kann doch unmöglich heißen, daß Du den Quark und Dreck, den ein unverſchämter Bube Dir ins Haus bringt, und für Marzipan ausgiebt, beriechen und durchſtöbern müßteſt, damit Du mit gutem Gewiſſen, und voller Ueberzeugung ſagen kannſt, daß es kein Marzi⸗ ban, ſondern wirklicher Dreck und Quark iſt, nas Du freilich ſchon vor der Unterſuchung wuß⸗ ueſ, ſondern es ſoll ja eben dieſes ſagen, laßt uch nicht alles als Wahrheit aufhängen, was zuch den Schein der Wahrheit hat, ſon⸗ bern, wie es geiſtlichen Prieſtern zuſteht, die das herz feſt in der Wahrheit, oder, was daſſlbe iſt, in Gottes Wort gegründet, alſo einen ſichern, gewiſſen, echten Prüfſtein ha⸗ ben, alſo prüfen können, ſelbſt das was Euch uchtgläubige fromme Lehrer predigen und ver⸗ lündigen, oder wie es in der Stelle heißt, „weiſ⸗ ſagen“ oder Schrift auslegen, das prüfet, ob's Ruoc dem Glauben ähnlich ſei. Denn Du weißt, Nartin, daß man auch auf dem rechten Grund zniunter Stroh, Holz, Stoppeln ꝛc. ſtatt Gold und Edelſtein aufbauen kann. Wir ſollen uns So! —9— hüten vor falſchen Propheten, d. h. wahrlich nicht, alle falſche Propheten aufnehmen, und, als hätte man die Wahrheit nicht, immer in den Gedanken ſtehn, wer weiß, der oder der Mann hat ſie: da müßten wir ja auch nach der Reli⸗ gion der Chineſen und Hottentotten fragen, denn die gehören ja doch auch mit unter das „Alles“, wie Du es nimmſt. Was aber gleich von vorn herein ſich als etwass Anders ankündigt, als was ich als die Wahrheit habe, das braucht, ja das darf ich gar nicht einmal prüfen, ſondern hat mir's ein muthwilliger Bube ins Haus ge⸗ worfen, ſo nehme ich den Beſen, und kehre es wieder hinaus. Da fällſt Du mir aber wieder in Deinem Briefe in die Rede, und ſagſt: „Da ſteckt ja aber der Knoten; die Evangeliſchen ſagen ja eben, daß ſie nichts anders haben, als wir!“ nun da will ich Dir ſpäter darauf antworten, jetzt nur dieſes: „Warum bleiben oder werden ſie denn nicht lutheriſch, warum machen ſie denn nun ſo einen neuen zuſammengeſchmierten Haufen? Da könnten ſie ja die Reformirten reformirt ſich nen⸗ nen, und auch bei einander laſſen, und ſo auch die Lutheriſchen, es wäre nicht der Mühe werth, ſo viel Streit und Weſens anzurichten; denn daß die Union ſchändlichen Zwieſpalt angerich⸗ tet, und ſchändliche Argerniſſe hervorgebracht, mehr, als das Abſcheiden der Reformirten von der rechten Kirche zur Zeit der Reformation, das iſt auch einem armen Handwerker bekannt, der ſich nur ein wenig um das Reich Gottes beküm⸗ mert hat. Du kannſt es auch gleich in ſtockfin⸗ ſterer Nacht greifen, daß es nicht nur eine Lüge, ſondern eine recht dumme Lüge iſt; dieſe Leute, die doch Gott weiß es in dieſer“ unglücklichen Zeit des Abfalls und der Unwiſſenheit geboren und ſo eben zum Glimmer der chriſtlichen Wahr— heit gekommen ſind, die wollen behaupten, es ſei kein Unterſchied zwiſchen der Lutheriſchen und Reformirten Lehre, während 3 Jahrhunderte hindurch beide Partheien offen geſtanden haben, es ſei ein Unterſchied, und früher mit großem Ernſt geſucht haben, den Untelſchied nach Got⸗ tes Wort zu heben, in ſpäterer Zeit wenigſtens ihn gegen Gottes Wort zu überkleiſtern. Sie ſagen ja auch ſelbſt, daß es noch eine höhere Wahrheit geben müſſe, die die beiden verſchiede⸗ nen Lehren verbinde, oder wie der Herr Pfarrer es nennt, in die dieſe beiden Wahrheiten (wie ſie es nennen) aufgehen müſſen. Nun, mein Freund, laß den Künſtler erſt kommen, der die Wahrheit gefunden hat: mit der z. B. zwei Leute zufrieden wären, wovon der eine behaup⸗ tete, der Neger ſei ſchwarz, der andere aber, weiß. Ich will derweilen meine Pfeife rauchen, und Gott danken, daß ich weiß, wie ich daran bin. Soll ich Dir ſagen, wie mir die Leute vorkommen, ob's vielleicht nicht ganz paßt, und etwas grob heraus kommt? Du erinnerſt Dich doch noch des Feſttrödels, der bei der Friedens⸗ feier Anno 15 in unſerm Städtchen vorfiel, da hatte man auch ein Schwein, deſſen Schwanz mit Seife tüchtig eingeſchmiert war, da liefen nun die Buben hinter drein und ſuchten's zu fangen, ſie durften's aber nur beim Schwanze faſſen, dann wars ihr. Oft ſchrie ein Bube: ich hab's, ich hab's! aber was hatte er? Die Hand voll Schmierſeife, und das Gelächter oben⸗ drein; die höhere Wahrheit, wollte ſagen, das Schwein ſelbſt war aber ſchon weit, und grunzte gar luſtig. Laſſe ſie nur erſt die höhere Wahr⸗ heit finden, worin die Eine Wahrheit und der Irrthum aufgehen, dann mögen ſie wieder kom⸗ men, wir wollen ſie hören, ich fürchte aber, daß derweile die Herren, die ſich mit dieſem gefähr⸗ lichen Spiel abgeben, und ſich nicht ſagen laſſen, ſondern noch dazu viele einfältige Herzen verfüh⸗ ren, in die Grube fallen, und die mit ihnen, die, trotz allem Warnen, die tolle Jagd mitmachen. Mein lieber Martin, alles Geſchwätz von Frömmigkeit, Chriſto, Liebe ꝛc. hilft nichts, lange Geſichter und Heiligenſchein auch nicht, ſondern: „Wer in meinen Worten bleibt, ſpricht der Herr, der iſt mein rechter Jünger“ ꝛc. Wer einmal recht den Jammer erfahren hat, worin er von Natur ſteckt, und das Wort als ſeinen einzigen Troſt, und ſeine Hülfe geſchmeckt, der achtet das Wort nicht ſo geringe, daß er. mit ſei⸗ nem dummen Verſtand daran herumklaubt, und meint und ſucht und deutelt, ſondern er hat ei⸗ nen Reſpekt davor, fürchtet ſich davor, und nimmt's einfältig hin, wie es geſchrieben ſteht, und hat ein Grauen vor allen Leuten, die ihm noch was Beſonderes aufdividiren wollen. Da⸗ mit für dies Mal genug, gefällt Dir's, ſo ſchreib ich Dir's nächſte Mal noch etwas von dem „Friedensboten“ ſelbſt, ich habe Dir nur eben ſo im Allgemeinen ſagen wollen, daß ich nach allem Geſchwätz nichts mehr frage. Ich habe die Wahrheit, ich lebe in ihr, durch ſie. Ich ſuche nichts mehr, als in ihr völliger zu werden, aber Neues laß ich mir nicht mehr aufdringen. Damit Gott befohlen. Dein Hans. —.. — (Für den Lutheraner eingeſandt.) Der deutſche Kirchenfreund und Dr. Guericke. In dem diesjährigen Januarhefte des „Deut⸗ ſchen Kirchenfreundes“ findet ſich folgende An⸗ merkung zu einer Stelle in einem „Erinnerungen an Neander“ überſchriebenen Artikel: „Von dem Letzteren (Guericke, Profeſſor der Theologie in Halle) hörte ich (der Verfaſſer je⸗ nes Artikels) ihn (Neander) ſehr ſelten und dann immer ganz vorübergehend und mit Verachtung, als von einem undankbaren Abſchreiber, reden, welcher die ſaure Arbeit Anderer für ſeinen ul⸗ tra⸗lutheriſchen Dogmatismus und Fanatismus mißbrauche. Das unwürdige Abhängigkeitsver⸗ hältniß der „Kirchengeſchichte“ Guericke's von den Werken Neander's, Haſe's und Anderer, ſeiner „Symbolik“ von den Collegienheften Ull⸗ mann's (die er im allgemeinen Theil, wie mir Ullmann ſelbſt mittheilte, ſeiten⸗ und kapitelweiſe faſt Wort für Wort copirte, ohne die geringſte Anerkennung der Quelle), ſeiner „Einleitung“ von mehreren entſprechenden, aber nicht ange⸗ führten Büchern, unter anderm auch von Ger⸗