# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 08 03_S98 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) ten, vor der Welt bekannt und bis zu seinem Tode vertheidigt. Wie weit Luther entfernt war, seinem eignen Kopfe zu folgen, sich von der Kirche zu trennen und eine neue Kirche stiften zu wollen, und wie viel ihm die Stimme der wahren Kirche galt, dies sehen wir daraus, wie sich Luther benahm, als Zwingli nicht nur die papistischen Irrlehren, sondern auch eine Lehre der alten katholischen Kirche aller Zeiten angriff, nehmlich die Lehre, daß im heil. Abendmahl der wahre Leib und das wahre Blut JEsu Christi gegenwärtig sei und mit dem Munde von Würdigen und Unwürdigen genossen werde. Hierbei schreibt er also: „Zudem, so ist dieser Artikel nicht eine Lehre oder Aufsatz außer der Schrift von Menschen erdichtet, sondern klärlich im Evangelio durch helle, reine, ungezweifelte Worte Christi gestiftet und gegründet, und von Anfang der christlichen Kirchen, in aller Welt, bis auf diese Stunde, einträchtiglich geglaubt und gehalten. — Welches Zeugniß der ganzen heiligen Christlichen Kirchen (wenn wir schon nichts mehr hätten,) soll uns allein genugsam sein, bei diesem Artikel zu bleiben, und darüber keinen Rottengeist zu hören, noch zu leiden. Denn es gefährlich ist, und erschrecklich, etwas zu hören, oder zu glauben wider das einträchtige Zeugniß, Glauben und Lehre der ganzen Christlichen Kirchen, so von Anfang her, nun über fünfzehn hundert Jahr in aller Welt einträchtiglich gehalten hat. Wenns ein neuer Artikel wäre, und nicht von Anfang der Christlichen Kirchen, oder wäre nicht bei allen Kirchen noch bei der ganzen Christenheit, in aller Welt so einträchtiglich gehalten, wäre es nicht so fährlich noch schrecklich, daran zu zweifeln, oder disputiren, ob es recht sei? Nun er aber von Anfang her, und so weit die ganze Christenheit ist, einträchtiglich gehalten ist, wer nun darum zweifelt, der thut eben so viel, als gläubet er keine Christliche Kirche, und verdammt damit nicht allein die ganze Christliche Kirche, als ein verdammte Ketzerin, sondern auch Christum selbst mit allen Aposteln und Propheten, die diesen Artikel, da wir sprechen: Ich glaube eine heilige Christliche Kirche, gegründet haben, und gewaltig bezeugt, nehmlich Christus Math. 28, 10.: Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende. Und St. Paulus 1. Tim. 3, 14.: Die Kirche Gottes ist eine Säule und Grundveste der Wahrheit. — Ich wollte lieber nicht allein aller Rottengeister, sondern aller Kaiser, Könige und Fürsten Weisheit und Recht wider mich lassen zeugen, denn ein Jota oder ein Tüttel der ganzen heiligen Christlichen Kirchen, wider mich hören oder sehen. Denn es ja nicht so zu scherzen mit Artikeln des Glaubens von Anfang her, und so weit die Christenheit ist, einträchtiglich gehalten, wie man scherzen mag mit päbstlichen oder kaiserlichen Rechten, oder andern menschlichen Traditionen der Väter oder Concilien.“ — Daher beruft sich denn auch Luther immer auf seinen Consens mit der allgemeinen Kirche. Er schreibt noch 1544 in einem Ordinationszeugniß, das er einem gewissen J. Neybitz ausgestellt hat: „Er (Neybitz) hat zugesagt, in christlicher Lehre des Evangeliums, wie die in unserer Kirche durch Gottes Gnad mit der wahrhaftigen katholischen Kirche kräftig einträchtiglich bekannt und gelehret wird, beständig zu bleiben.“ In einem andern von Luthern ausgestellten Ordinationszeugniß vom Jahre 1540 heißt es: „Wir haben erkannt, daß Johannes Fischer der reinen und katholischen Lehre des Evangeliums, welche auch unsere Kirche lehrt und bekennt, anhange und vor allen schwärmerischen Meinungen, welche durch das Urtheil der katholischen Kirche Christi verdammt sind, Abscheu trage.“ Ferner hat sich Luther nicht einmal ohne weiteres von der römischen Particularkirche trennen wollen; er wollte gern darinnen bleiben, wenn man ihm nur das Bekenntniß des lautern Evangeliums freigelassen hätte; er verharrte daher so lange in der Gemeinschaft der römischen Kirche, bis man ihn mit kirchlicher und weltlicher Gewalt hinaus stieß. Er schreibt daher noch im Jahre 1519 also: „Ob es nun leider zu Rom also stehet, daß wohl besser tüchte, so ist doch die und keine Ursache so groß, noch werden mag, daß man sich von derselben Kirchen reißen oder scheiden soll; ja, je übler es da zu gehet, je mehr man zulaufen und anhangen soll; denn durch Abreissen und Verachten wird es nicht besser. (Hall. XV, 848.) Nachdem nun Luther von dem Pabste mit allen, die seine Lehre annahmen, als ein verfluchter Ketzer in den Bann gethan und aus der Gemeinschaft der römischen Kirche hinausgeworfen worden war, und Luther daher hierauf auch sich selbst von der ihm offenbar gewordenen Satansschule des Pabstes lossagte, so hatte derselbe auch dann endlich nicht etwa die Absicht, eine eigne Kirche in Deutschland zu bilden, in welche er alle Kinder Gottes hätte versammeln und die er zu einer Brunnenstube hätte machen wollen, von welcher aus allein das Wasser des Lebens in alle Welt ausströmen sollte und geholt werden müßte. Er spricht deutlich: „Dieselbige (Kirche) lässet sich nicht auf einen Haufen zusammenbringen, sondern sie ist zerstreut durch die ganze Welt; sie gläubet, wie ich gläube, und ich gläube, wie sie gläubet; wir haben keinen Anstoß oder Ungleichheit im Glauben, wir gläuben alle eine christliche Kirche; außerhalb dieser Kirche ist alles nichts.“ (Luthers Werke. VII. 2347.) Luther schreibt ferner: „Augustinus richtet diesen Ort: Ps. 19, 5.: „Ihr Schall gehet aus in alle Lande,“ wider die Donatisten, welche die Kirche in den Winkel von Afrika einschlossen. Aber vielmehr muß er gerichtet werden wider unsere neuen Donatisten, welche da leugnen, daß es in Indien, Persien und Asien Gläubige gebe. Denn wo der Schall und die Worte des Geistes Christi sind, da ist auch ohne Zweifel die wahre Kirche Christi; denn der Geist Christi redet nirgends, als in seiner Kirche. Derowegen, da hier der Text offenbar ist, daß der Schall der Apostel in alle Lande ausgegangen sei, und an keinem Ort gelesen wird, daß er widerrufen worden, so haben wir uns zu besorgen, daß wir uns nicht etwa mit den gottlosen Donatisten, es sey mit diesen, oder jenen, mit den alten oder neuen, allein vor Gläubige rühmen; die wir vielleicht nichts weniger sind als Gläubige, weil wir das Wort und den Schall der Apostel nirgends hören.“ IV. 1487. Hier werden nun vielleicht manche sagen: Wohl! gibst du hiernach zu, daß die Kirche nicht bloß bei den sogenannten Lutherischen, sondern überall in der ganzen Welt zu suchen und zu finden sei, so sind wir einig; so gestehest du also auch zu, daß auch die Reformirten, die Evangelischen, die Methodisten, die Katholischen ꝛc. die Kirche ebensowohl seien, als die Lutheraner! Mit nichten, liebe Herren. Wohl öffnen sich die Pforten des Gnadenreiches Christi, also seiner Kirche, allenthalben, wo die Taufe noch nach Christi Einsetzung verwaltet wird, aber die sind die Kirche darum nicht, welche zwar äußerlich in Gemeinschaft der Kirche stehen, aber das Wort und die Sacramente JEsu Christi muthwillig verfälschen und hartnäckig am Irrthum festhalten. Denn wer die Kirche sei, dafür hat uns Christus den untrüglichen Prüfstein gegeben: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8, 31.32.) „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Joh. 14, 23.) „Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort: darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott.“ (Joh. 8, 47.) „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht.“ (Joh. 10, 5.27.) „Ich bin dazu geboren, und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“ (Joh. 18, 37.) Daher sagt denn St. Paulus von der Kirche, daß sie „ein Pfeiler und Grundveste der Wahrheit“ sei. (1 Tim. 3, 15.) So gewiß nun Christus hier die Wahrheit geredet hat, so gewiß sind diejenigen die Kirche nicht, welche nicht bei Christi Rede bleiben, welche seiner Stimme, die die Stimme der Wahrheit ist, widersprechen, sein Wort nicht halten, darauf nicht hören, sondern dasselbe verfälschen und verkehren, und zwar auf diesen Irrthümern hartnäckig verharren. Die Kirche ist ein Pfeiler der Wahrheit, denn durch diese Gemeinschaft der nie aussterbenden Kinder Gottes und Jünger Christi wird die Wahrheit fort und fort bezeugt, vertheidigt und fortgepflanzt; eine Gemeinschaft aber, welche als ein Pfeiler und als eine Grundveste des Irrthums dasteht, ist — eine Secte. Wir wiederholen es daher noch einmal, alle die christlichen Parteien, welche von Gottes Wort abgegangen sind und dadurch eine Trennung in der christlichen Kirche bewirkt haben, sind wohl, wenn sie die Taufe und das Wort Gottes nach seinem Wesen behalten haben, noch in der Kirche (denn nur in der Kirche gibt's Ketzer und Secten), auch liegt die Kirche unter diesen Ketzern und Secten verborgen, aber sie sind darum die Kirche nicht. Wir wollen uns noch deutlicher erklären. Eine jede irrgläubige Gemeinschaft in der Christenheit ist auf eine doppelte Weise zu betrachten: insofern sie nehmlich noch Wahrheiten hat und durch dieselben unter ihr Kinder Gottes geboren werden, und insofern sie die Kinder Gottes geistlich tödtet. Insofern nun eine irrgläubige Gemeinschaft noch Wahrheiten hat, insofern ist sie noch in der christli-