# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 02_S95 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Bezan) antworten: Weder alle, noch auch einige Kinder werden in der That im Augenblick der Taufe wiedergeboren, ſondern die Wohlthat der Wiedergeburt folge bei Kindern durch das Hören As Wortes erſt zu ihrer von Gott beſtimmten Zeit auf die Handlung der Taufe; und mit Pis⸗ cator: *) Nicht einmal von den Erwählten iſt es wahr, daß Gott ſeinen Bund in der Beſchneidung ſelbſt mit ihnen gemacht habe. — Oder auf den Gebrauch des heil. Abendmahls, das zur Stär⸗ kung des Glaubens eingeſetzt iſt? Aber aus dem haben ſie ja ſchon längſt die ſacramentliche Ge— meinſchaft des Leibes und Blutes Chriſti geächtet, und nur eine Gegenwart in gewiſſer Beziehung und der Aehnlichkeit nach, das heißt, eine Gegen— wart des weit abweſenden Leibes Chriſti übrig gelaſſen. — Oder auf das Wohlwollen unſres Rittlers Chriſti? Aber derſelbe, lehren ſie ja, iſt nur nach ſeiner göttlichen Natur (die da iſt ein verzebrend Feuer) uns gegenwärtig, eine menſch⸗ liche Natur nach welcher er unſer Bruder iſt, iſt oo weit von uns entfernt, wie der höchſte Him⸗ mel von der unterſten Erde. — Oder auf das Gefühl des Glaubens? Aber das Gefühl des Glaubens verſchwindet oft in unſerem Herzen, beſonders zur Zeit der Anfechtung; der Ange— fochtene wird alſo ſchließen: Ich fühle keinen Glauben, alſo habe ich keinen Glauben, alſo will Gott nicht, daß ich Glauben habe, alſo bin ich in der Zahl der Verworfenen. — Oder auf die Bezeugungen des Glaubens? Aber welche Kennzeichen des Glaubens auch immer von den Gegnern vorgebracht werden mögen, die können auch bei denen aufgezeigt werden, die aus der Gnade Gottes gefallen ſind; dieſe haben aber nach der Lehre der Gegner niemals den wahren Glauben gehabt; alſo kann auch niemand ge⸗ wiß ſein, daß er den wahren Glauben der Aus-— erwählten habe. — Oder auf das Amt des Wor⸗ tes und der Sacramente? Aber der Angefochtene wird mit Beza *) antworten: der beſchimpft Gott ſelbſt, welcher glaubt, daß Gott entweder Men⸗ ſchen, durch deren Mund er redet, oder dem äu⸗ ſeren Worte Gottes ſelbſt, oder den ſacrament⸗ lichen Zeichen auch nur das geringſte ſeiner gött— lichen Wahrheit zuſchreibe, dadurch die Menſchen erneuert und in Chriſto zum ewigen Leben er— bulten werden ſollen. Wenn wir nun aber die Reinheit der himmli⸗ ſchen Lehre und die Stütze und Grundlage un— ſeres Glaubens unverſehrt erhalten wollen, ſo dürfen wir keineswegs von irgend welcher Reli⸗ gionsmengerei träumen, oder dieſe Irrthümer als ob ſie geringe wären, verhüllen, ſondern müſſen die Wahrheit mit allen Kräften tapfer verfechten. Wir, denen befohlen iſt, die Kriege des Herrn zu führen, laßt uns ſchärfen gegen ſie das Schwerdt des Wortes Gottes, laßt uns ihnen begegnen zum Streit, laßt uns in Schlachtordnung ſtehen, die Lenden gegürtet mit Wahrheit, laßt uns zu⸗ aleich auch den Schild des Glaubens vorhalten und vie vergifteten Geſchoſſe ihrer Streitigkeiten . I1) In prref. Prioris respons. ad colloqu. Mompelg. 12) In resp. ad Hoffm. p. 88. 13) Part. 2 resp. ad deta cohoqu. Mompelg. pag. 146, —95— auffangen, und dieſelben wenden und auf ſie deſto eifriger zurück ſchleudern. Das nämlich ſind die Kriege des Herrn, die David und die übrigen Erzväter führten. Laßt uns gegen ſie ſteben für unſere Brüder. Es iſt beſſer, ich ſterbe, als daß Jemand von meinen Brüdern von ihnen geraubt und erbeutet werde, und als daß ſie, mit ſpitztindigen Worten ſich einſchleichend, Kinder und Säuglinge in Chriſto gefangen führen. Joh. Gerh. ep. dedicat. ad tom. IV. loc. theol. DM I mm- Die falſchen Friedensboten. Der alte Cyrilakus Spangenberg von Eisleben, Luthers guter Freund, hat im Jahre 1555 ein feines Büchlein herausgegeben unter dem Titel „Die Eleganzien des alten Adams oder Formularbüchlein der Alten-Adams-Sprache, der jetzigen neuen Welt ſehr bräuchlich.“ Darin beurtheilt dieſer treue Knecht Chriſti 60 da— mals im Munde des Volkes lebende böſe Sprüch⸗ wörter. Das 12. lautet: Um Friedenswillen ſollt man ein wenig gemach thun.“ Hierüber ſpricht ſich Spangenberg u. A. folgendermaßen aus: „Man findet jetziger Zeit auch unter denen, die große Theologen ſein wollen, die ſich beflei— ßen alſo zu reden und zu ſchreiben, daß ſie das Gegentheil, Papiſten, Schwärmer, und Rotten, nicht erzürnen oder zu Unwillen bewegen. Was iſt das anderes, denn Chriſto ſeinen Gang alſo regieren, daß er neben der Schlange hergehe und ſie nicht auf den Kopf trete, damit ſie nicht ſteche? Haben uns ſolches die Apoſtel und Pro— pheten gelehrt oder vorgethan? Nein, wir wer— den es wahrlich anders in ihren Schriften und Erempeln befinden. Aber ſie und wer ihnen folgt, müſſen der jetzigen Welt Thoren und Narren ſein; wiederum wer es alſo machen kann und ſein Be⸗ kenntniß alſo ſtellen, daß es niemand irret, der wird in allen Ehren gehalten und zum höchſten gerühmet, und ſind jetzo keine Theologen ange— nehmer, denn die Junker Leiſetritt, und: „Thue mir nichts, ſo beiße ich dich wieder nicht; und die Tüncher, Vergleicher und Beſtreicher, die aus zweierlei ſtreitigen Lehren eine machen und al⸗ lerlei Amnestias (Bündniſſe, nach welchen das Geſchehene für ungeſchehen angeſehen werden ſoll) in Religionsſachen anſtellen, declariren und con⸗ cordiren können. Ach, das ſind ſo holdſelige und feine Lehrer, dat ſind nene ſtreitige Kerles, die wellen wir hebben: Ich fürchte aber, man habe ihrer allzuviel und werde ihrer mehr, denn es nütz und gut iſt, durch Gottes Verhängniß und Strafe bekommen. Gott erhalte die Seinen.“ Wir theilen noch folgende zwei „Eleganzien“ des alten Adams mit, welche Spangenberg in ſeinem Büchlein beurtheilt. Die 1. iſt: „Unſer HErr Gott ſuchet ein Ding ſo gar genau nicht;, die 54. lautet; Ein jeder kömmt durch ſeinen Glauben in Himmel, gleichwie mancherlei Kauf— leute, ein jeder auf ſeiner Straße, gen Frankfurt auf die Meſſe kommen.“ Scheint hiernach der alte Adam der alten Zeiten nicht ziemlich derſelbe geweſen zu ſein, wie der in der neuen, in unſeren aufgeklärten Zeiten? Die Mitteldinge⸗ Viele, ſonſt recht wohlwollende Leute wundern ſich nicht wenig darüber, daß die ſog. Altlutheraner ſo manche Mitteldinge (Ceremonien und dergl.), die ſie bisher gebraucht haben und deren Ge— brauch man ihnen ſonderlich zum Vorwurf macht, nicht alſobald fahren laſſen. Sie meinen, thäten dieſelben dies, ſo würde alsbald Ruhe und Friede werden; wer ſollte aber nicht ſolch' theure Güter gern um einen ſo geringen Preis erkaufen? Welche Hartnäckigkeit, welche Geringachtung der Seelen gehöre daher dazu, ſich zu einem ſolchen geringen Opfer nicht verſtehen zu wollen! — Solche be⸗ denken aber nicht, daß es ſich hier nicht um Mittel⸗ dinge, ſondern um die Lehre, inſonderheit um die von der chriſtlichen Freiheit handelt, welche der böſe Feind auf dieſem Wege zu fälſchen und zu rauben ſucht; daß wir, wenn wir auch jetzt durch Nachgeben ein wenig Ruhe ſtifteten, damit ſpäter deſto größere Unruhe und Verwirrung der Gewiſſen anrichten würden. Dieſen Kampf hat Gott ſei Dank! die Kirche ſchon einmal durchge⸗ kämpft in beſſern Zeiten und uns, ihren Kindern, für unſere traurige Zeit ein herrliches Vorbild ge⸗ laſſen. Es geſchah dies in den nächſten Jahren nach Luthers Tode in den ſogenannten interi⸗ miſtiſchen Streitigkeiten, in welchen es ſich dar⸗ um handelte, ob man nicht in den ſogenannten Mitteldingen den Papiſten weichen und dadurch eine Wiederannäherung anbahnen ſolle. In dieſer Zeit ſchrieben die vortrefflichen Theologen J. Wigand und Matth. Juder unter Anderem Folgendes, was noch jetzt wohl zu beherzigen iſt: „Alle Adiaphora oder Mitteldinge, beide kleine und große, hören auf Mitteldinge zu ſein, im Fall, da man eine Noth und Gezwang, oder einen Gottesdienſt daraus macht, oder ſo das Bekenntniß darauf ſtehet, oder da irgend Ar⸗ gerniß damit begangen wird, oder da man einen böſen Schein eines Abfalls von der rechten Kir— chen und einer Colluſion (eines geheimen Ein— verſtändniſſes mit den Irrgläubigen), Verrä⸗ therei und Geſellſchaft mit den Verfolgern von ſich gibt und die gottloſen Verfolger dadurch in ihrer Verſtockung und falſchen Meinung ſtärket, und den Geiſt Gottes in den Chriſten betrübet und dem Namen Gottes eine Schande und Unehre anlegt.“ — Dies bedenke man doch und muthe den Altlutheranern nicht zu, daß ſie auch nur das Geringſte um der Irrgläubigen willen ab— thun ſollten. Um derjenigen willen, welche mit uns in der Lehre aufrichtig einig geworden auch das Liebſte hinzugeben (ſo dadurch Gott nicht verunehrt, ſeine Wahrheit nicht gekränkt und den Schwachen zu Hülfe gekommen wird), ſind wir herzlich willig und bereit. Amsdorf erzählt von einem gottſeligen Bürger zu Zwickau, Joſt Schalreuther, der in jener Zeit um Gottes Worts willen geſtorben iſt, er habe zu ſagen gepflegt, wenn der Mitteldinge gedacht worden ſei: „Wenn der Teufel und der Antichriſt mich hießen das Vaterunſer beten, ſo wollt ichs nicht thun.,