# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 02_S93 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Vern ichtung des Privateigenthums. —Es gilt der Zerſtörung aller Schranken, wel⸗ che der allgemeinen Berechtigung im Wege ſtehen; es gilt jedem herrſchenden Begriffe dieſchützende Maske des Heiligen übzureißen. Aber die Arbeiterbewegung in Deutſchland geht noch weiter! Nicht blos Gott, dem Vater⸗ lande, dem Eigenthum wird Fehde, ein Vertil⸗ gungskrieg angekündigt, ſondern auch die Fa⸗ milie ſoll untergehen! Höret was Herr Löwe in ſeinem Blatte das den Titel führt: „Was fehlt mir noch!“ fordert und verlangt! Er fordert: 1I. Aufhebung der väterlichen Gewalt und der Ehe, bei der keine Vermögensgemeinſchaft mebr erlaubt ſein ſoll; 2. Vollſtändige Emanzipation jedes Zwan⸗ zigjährigen. „ 3. Auflösbarkeit jeder ſogenannten. Ehe, auf jedes bloße Verlangen auch nur eines Theils, damit die Ehe ein Band ſei, deſſen freie Män⸗ er ſich nicht zu ſchämen hätten. J. Auf je 5000 Seelen ein Findelhaus zu bauen, an das die Eltern ihre Kinder abliefern können. Dies iſt die Arbeiterbewegung, der Socialis⸗ mus, die rothe Demokratie, in Deutſchland. Ver⸗ gleichet nun damit den Ausſpruch des Präſi⸗ denten des Arbeitercongreſſes, W. Roſenthal in Philadelphia: „Ich bin Atheiſt! u. ſ. w.“ Ver— gleichet damit die verſchiedenen Aufſätze, welche in dem „einzigen Organe“ des Arbeiter— tongreſſes: der Republik der Arbeiter“ erſchienen ſind, beſonders den Auszug, der im Zuſchauer No. 31 erſchienen iſt, und mit den Worten beginnt: Ihr wollt Reform? Revolu⸗ tion? Anarchie?“ Hört was die Fackel, von Ludrigh in New Nork herausgegeben, in einer ibrer Nummern ſagt: „Fluch dem Glauben, der ber Fluch der Welt iſt, die Quelle alles Elends auf Erden; — Rottet den Wahn der Völker aus, ierſtöret den Wunderkram der Juden und Chri⸗ ſen! Entſaget Chriſto!“ An einer andern Stelle ſagt ſie: „Keine Idee iſt troſtloſer und konfuſer, als die der Unſterblichkeit der Seele, ein radikales Unding, eine heilige Dummheit! — Aber der Menſch hat ſtets ſeine eigne Dummheit angebetet, und nur ſeine thörichte Furcht und ſeine Hoffnung ſind Urheber ſeiner Religion. — Wir ſteigen vom Himmel auf die Erde und ver⸗ belfen der verachteten Sinnlichkeit zu ihrem NRechte; denn alles Schönſte, Liebſte, blüht auf Erden bier; und es iſt ein hoher Flitter was da öoben flittert.“ Die „Republik der Arbeiter“ gibt in ihrer December Nummer eine Liſte der Zeitun⸗ gen, die ſich günſtig für die Socialreform, oder die Arbeiterbewegung, ausgeſprochen haben: Der Demokrat in New Nork; Die New Norker Staatszeitung; Die Schnellpoſt; (durch Correspondenzart.) Die Freie Preſſe in Philadelphia; Die Virginiſche Staatszeitung; Die Union in Cineinnati; Der Courier in Pittsburg; — 93.— Die Fackel in New Nork; Die Illinois Staatszeitung; Der Correspondent in Baltimore. Der Volkofreund in Milwaukie; Der Herold in Baltimore; Die Tribüne in Detroit; Der Demokrat in Buffalo; Die Tribüne in St. Louis; Der Anzeiger des Weſtens; Das Volksblatt in Cineinnati; Der Beobachter in Louisville; The New York Tribüne! Der Democrat (mit bedeutender Reſerve) in Philadelphia; Der Republikaner in New Orleans; Dagegen hätten ſich ausgeſprochen: Der Zuſchauer in Washington; Der Catholik; Sion; Wahrheitsfreund; Kirchenzeitung; Abendzeitung in New York; Weltbürger in Buffalo; Weſtbote in Columbus; Es iſt freilich nur eine kleine Zahl der in den Ver. Staaten erſcheinenden deutſchen Zeitungen aber es ſind unſtreitig die einflußreichſten und ſo zu ſagen die Tonangebenden. Ich habe nun, Herr Herausgeber, gezeigt: 1. Daß die Hauptorgane der Socialiſten, Deutſchland, Religion, Eigenthum und Ehe ab⸗ ſchaffen wollen — dies iſt ihr Ziel, und das Mit— tel, das es erzwecken ſoll, die Arbeitervereine. 2. Daß der Präſident „des Congreſſes der Arbeiier“ in den vereinigten Staaten, ſo wie das „einzige Organ, dieſes Congreſſes: „die Re⸗ publik der Arbeiter“ dasſelbe zu erzielen ſtreben; 3. Daß die „Republik der Arbeiter“ die einflußreichſten Zeitungen in den vereinigten Staaten als mit ihr nach demſelben Ziele ſtrebend, ſelbſt bezeichnet hat; 4. Daß' mithin die Hauptorgane der deutſchen Bevölkerung auf Abſchaffung der Religion, des Eigenthums und der Ehe losarbeiten. Sprechen nun dieſe Hauptorgane der Deutſchen in den Vereinigten Staaten die Anſichten der deutſchen Bevölkerung aus? Sind ſie der Mun d wodurch die deutſche Bevölkerung ſpricht? Seid ihr, deutſche Mitbürger, bereit, Euch für die Gottesläſterungen der Socialiſten zu erklären? Seid ihr bereit Eigenthum für einen Ranb, die Ehe für ein Band zu erklären, deſſen der freie Mann ſich ſchämen muß? Seid ihr bereit, wie Religion und Eigenthum, ſo das Band der Fa⸗ milie zu zerſtören und euere Kinder als eine un— erträgliche Bürde in's nächſt gelegene Findel⸗ haus zu ſenden? Iſt dies, deutſche Mitbürger, Eure Abſicht — dann laßt Euch vom Strudel der deutſchen Arbeiterbewegung erfaſſen und fol⸗ get einem Weitling, Roſenthal und Conſorten! Iſt dies nicht der Fall; ſeht ihr im Gegentheil dieſe Sache mit Abſcheu an, ſo ſprechet Euere Mißbilligung mit Donnerworten aus; fordert und verlangt von den Zeitungen, die ihr unter⸗ ſtützt, die mithin Euere Organe ſind, daß ſie nicht länger mehr mit dieſen Frevlern Hand i Hand gehen, noch um ihre Gunſt und Gewo⸗ genheit buhlen, ſondern ernſt und feſt den ver⸗ brecheriſchen Anſichten derſelben ſich ernſt und feſt entgegenſtemmen. Hören ſie nicht auf Eure Stimmen der Mißbilligung, ſo entzieht ihnen eure Unterſtützung und errichtet euch Organe, die nicht den deutſchen Namen ſchänden, ſondern ihn würdig vertreten. Wenn ihr ferner ſchweiget, ſo macht ihr Euch des Verbrechens theilhaftig; wenn ihr nur einmal ernſte Mienen zeiget, ſo werdet ihr bald ſehen, wie man ſich beeilen wird den Namen von der Weitling'ſchen Liſte aus⸗ ſtreichen zu laſſen, um nicht die eigene Taſche Noth leiden zu laſſen; denn Max Stirners Egvismus iſt auch nicht ganz aus der Luft ge⸗ griffen. Sollte vielleicht die „Republik der Arbeiter“ den Namen irgend eines Journals in ihrer Categorie aufgeführt haben, deſſen Her— ausgeber nicht mit dem Socialismus überein⸗ ſtimmt, nicht die verbrecheriſchen, verabſcheuungs⸗ würdigen Abſichten desſelben theilt, ſo iſt er es ſich, ſeinem Blatte, ſeinen Leſern, der ganzen ge⸗ ſitteten Welt ſchuldig, gegen ſolchen Namensmiß⸗ brauch zu proteſtiren. Alle deutſchen Zeitungen ſollten ſich über dieſen Gegenſtand ausſprechen, damit das deutſche Publikum in dieſer Sache mit Umſicht und Entſchiedenheit handeln und zwiſchen Freunden und Feinden bürgerlicher Ordnung unterſcheiden kann. —— ⏑————.—.— ——— (Eingeſandt für den „Lutheraner“ und überſetzt von H. H. E.) Ein Irrthum — die Ouelle aller. (Aus Johann Gerhard's großem Werke von der chriſtlichen Glaubenslehre.) Was wir einem Wanderer begegnen ſehen, daß er, wenn er ein wenig vom rechten Pfade abweicht, alsdann immer weiter ſich verirrt, bis er endlich, in unwegſame Gebirgsklüfte oder in Höhlen wilder Thiere abgeführt, die Schuld ſei⸗ nes Irrthums anerkennt, und entweder auf die Hauptſtraße zurückkehrt, oder ſich ſelbſt dem Un⸗ tergang preisgiebt: das pflegt auch in dieſes Lebens Lauf die Menſchen zu treffen; daß ſie nämlich von'dem königlichen Pfade der himmli⸗ ſchen Lehre ein wenig ſich abneigend aus einem Irrthum in den andern fallen, und wenn ſie nicht, durch höheres Licht erleuchtet, bei Zeiten auf die Hauptſtraße der katholiſchen Wahrheit zurückkehren, ſich ſelbſt ewigem Verderben preis⸗ geben, indem ſie nämlich gezwungen werden, Vieles verkehrt auszulegen, weil ſie Eins nicht recht verſtehen wollen. Chryſoſt omus Mer⸗ klärt dasſelbe durch ein anderes Gleichniß: Wie derjenige, der auf einer königlichen Münze etwas von dem eingedrückten Bilde abſchneidet, das ganze Geldſtück ungültig macht: ſo verdirbt je— der, der auch nur das kleinſte Theilchen der ge⸗ ſunden Glaubenslehre verkehrt, dieſelbe ganz und gar, indem er bei dem Anfang nicht ſtehen bleibt, ſondern immer weiter geht. Luther „gebraucht I) in epist. ad Gal. cap. 1. 2) in cap. 6. Ephes. tom. I. Witteberg. f. 418.