# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 02_S92 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — wahl von Gemeinden und in jeder ſolchen Ge⸗ meinde nur mit einer Auswahl von Gliedern wird beginnen laſſen, auf daß von dieſen Ein⸗ zelanfängen aus allmälig die Geſammtheit er⸗ griffen und durchſäuert werde.“ —.7 ——— Zeichen der Zeit. (Fortſetzung.) Wir können nicht umhin, unſeren Leſern die Fortſetzung jener Coreſpondenz mitzutheilen, die ſich in den neueſten Nummern des „Zu⸗ ſchauers am Potomac“ findet und wovon wir bereits in der letzten Nummer des „Luthe⸗ raner, den Anfang mitgetheilt haben. Dieſelbe lautet wie folgt: Der in meinem letzten Briefe geſchilderte Ver⸗ fall der Religion in Deutſchland konnte nicht verfehlen auch auf die Deutſchen in den Ver. Staaten ſeinen Einfluß auszuüben. Schon ſeit den letzten 15 Jahren haben ſich Gemeinden bier gebildet, die der „Vernunft zu ihrem Rechte verhelfen um den „blinden Autori⸗ täts⸗Glauben,“ und der „Pfaffenherr⸗ ſchaft“ den Fehdehandſchuh hinwarfen. Der „Lichtfreund“ „Antipfaff“ und die „Fa⸗ ckel“ waren die leitenden Zeiiſchriften dieſer Bewegung; Ginal und Förſch die hervorragend— ſten Perſönlichkeiten. Obgleich viele politiſche Zeitſchriften hie und da Zeichen gaben dieſe Rich⸗ tung zu begünſtigen, ſo war dennoch das Selbſt⸗ intereſſe hinreichend, dieſelben in Schranken zu halten, da die öffentliche Meinung ſich allzu deutlich dagegen ausſprach und man nicht gerne ſeine Abonnenten verlor. In Folge der politi⸗ ſchen Umwälzungen die im Jahre 1818 in Deutſchland ſtattfanden, kamen eine Anzahl po— litiſche Flüchtlinge hier an, die der antireligiöſen Richtung eine neue Schwungkraft gaben, und als Herausgeber der einflußreichſten Zeitungen, deren Leitung ihnen wegen ihres literariſchen Rufes übertragen wurde, haben ſie dieſe Rich⸗ tung nun förmlich organiſirt. Nun beſtreben ſie ſich aber nicht mehr blos den „blinden Au⸗ toritäts-Glauben“ und die „Pfaffen⸗ herrſchaft“ zu ſtürzen und der „Vernunft“ zu ihrem Rechte zu verhelfen, ſondern alle Ver⸗ hältniſſe der menſchlichen Geſellſchaft, der Fa⸗ milie und des Staates, ſollten total umgewan⸗ delt werden. Der Glaube an Gott ſoll ausge⸗ rottet, das Eigenthum abgeſchaft, die Ehe auf⸗ gehoben werden. Alles dieſes hofft man zu er⸗ reichen durch die Arbeitervereine, die man von Deutſchland aus, hierher verpflanzt hat und deren vorgeſchobene Ausſicht untadelhaft iſt. Sie ſind eine freiwillige Vergeſellſchaftung; ſie ſuchen allgemeine und gewerbliche Fortbil⸗ dung, ſittliche Kräftigung und geſellige Erhei— terung, deren ſie bedürftig ſind, und wollen ſie in Gemeinſchaft einander verſchaffen. Sie bezwecken Verbrüderung und gegenſeitige Unter⸗ ſrützung. Alles dies wäre untadelhaft; aber dabei bleiben ſie nicht ſtehen; über Gott und Chriſtus, über Kirche und Religion geht's zum Kampf wider Eigenthum, Familie, Ehe und — —92— Sittlichkeit. Der Präſident des Arbeitercon⸗ greſſes, der kürzlich in Philadelphia gehalten wurde, Herr Ro ſenthal, hat in dem von ihm herausgegebenen Sonntagsblatte „Wilde Roſen“ erklärt: „Ich bin Atheiſt! Als ſolcher läugne ich das Daſein eines Weſens, von dem Alles, was da iſt und nicht da iſt, ausgehen ſoll, und das man gewöhnlich mit dem Namen Gott belegt. Laſſet uns nun einen Blick werfen auf die „Arbeitervereine“ in Deutſchland, nach deren Vorbilde die deutſchen Arbeitervereine in den Vereinigten Staaten entſtanden ſind, um ver⸗ ſtehen zu lernen nach welchem Ziele dieſelben ſtreben. Das Centralorgan der Arbeitervereine in Deutſchland iſt „die Verbrüderung.“ In dieſer Zeitſchrift ſtehen die Reden Proudhon's, Louis Blanes, Fröbels und Robespierres immer obenan. Sie ruft in einer ihrer Nummern: „Die Diener der Kirche verbinden ſich mit den Heulern des Staates, weil beider Lebensintereſſe dasſelbe iſt: beide ſpeculiren auf Unterdrückung der freien Menſchenwürde. Sie wollen das Volk um die Erde beſtehlen, drum weiſen ſie es mit Aſſignaten auf den Himmel; ſie erhalten es mit ſataniſcher Liſt in der für den blinden Kirchenglauben erforderlichen Zerknirſch⸗ ung, indem ſie es leiblich verkümmernlaſſen. Drum haben es die Pfaffen in ihrem wohlverſtandenen Intereſſe von jeher mit der Minderheit, mit Für⸗ ſten und Adel, gehalten gegen das Volk und deſ— ſen materielle Erlöſung aus Druck und Elend. In einer Verſammlung ſprach ſich ein Redner folgendermaßen aus: „Feuerbach hat uns gelehrt, uns den geiſtigen Gott, den wir als außer uns beſtehend, von uns getrennt vorſtellen, in uns zu verlegen und anzuſchauen. So wollen wir auch den materiellen Gott der Welt, den Mammon, nicht außer uns, nicht uns ge⸗ genüber beſtehen laſſen, ſondern in uns aufneh⸗ men. — Auf ein ewiges Leben, auf Vergeltung dort oben, hoffen wir uicht, ſo lange es hier unten nicht beſſer wird: — Das Beſſerhaben⸗ wollen dort oben hat der Egoismus erfunden und die Habgier. — Sagt der Pfarrer tröſtend: Dort oben wirds vergolten! — oder: Der liebe Gott wird helfen!— Wir — warten nicht, wol⸗ len uns nicht darauf verlaſſen.“ Eine andere Stimme ruft: „Die Religion iſt gleichgültig oder feindlich gegen die Wahrheit, ſofern dieſe nicht in ihrem Intereſſe, dem Gleich⸗ gewicht der Seele dient. — Der rechte Zweifel kehrt nicht zum Glauben zurück, ſondern ſchreitet zur That. — Was die Kritik zerſtört hat, findeſt du in der Welt wieder, die ein würdiger Gegen⸗ ſtand der Liebe iſt. — Das iſt die Liebe der neuen Demokratie. — Es giebt nichts Abſolutes.“ Es ſchalt Feuerbach, der die deutſche Na⸗ tion vom Wahne der Religion erlöſen wollte, einen Pfaffen, der noch immer einen Götzen, die Liebe zu dem Menſchen, predigt; dieſe Reli⸗ gion müſſe vernichtet werden durch den Egois⸗- mus. Dieſe Anſichten leben und weben in Deutſch⸗ land nicht in Büchern, ſondern werden ſchon auf den Straßen und in Wirthshäuſern geſun⸗ gen. Tauſenden in vielen Herbergen, auf den Land⸗ ſtraßen und in vielen Vereinen geſungen wird, das Leichentuch Altdeutſchlands gewoben. Drei Flüche werden eingeſchlagen. gilt dem „Könige der Reichen,“ die beiden andern lauten alſo: hervor, daß die Arbeiterbewegung in Deutſch⸗ land den Umſturz der Religion beabſich⸗E tigt. Begriffe ſucht man zu zertrümmern! Ja, um dies zu erzwecken muß die hehre Dichtkunſt in dei Koth herabgezogen und zur Trägerin der furcht⸗ barſten Gottesläſterung gemacht werden. ſingt Titus Ulrich in ſeinem Hohenlie de * So wird im Weberliede das von Der erſte Fluch Fluch dem Gott, dem blinden, dem tauben, Zu dem wir vergeblich gebetet im Glauben, Auf den wir vergeblich gehofft und geharrt, Er hat uns gefoppt, er hat uns genarrt. Wir weben! wir weben! Fluch dem ſchlechten Vaterlande, In dem unſer Erbtheil nur Elend und Schande. Altdeutſchland! wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch! Wir weben! wir weben! Aus dem ſo eben Mitgetheilten geht deutlich Gott und Vaterland, die zwei heiligſtenſ S0 „Ich bin zu ſtolz, Zu tröſten mich mit dir, Mit dir, den ſie zitternd nennen, Den Herrn, — den Allmächtigen! Wie wahr ſind die Worte des Dichters: Was in des tollſten Wahnſinns Graus Von Pöbellippen nie erklungen: Ein Deutſcher Dichter ſprach es auſſk Ein Deutſcher Dichter hat's geſungen.“E Die Arbeiterbewegung in Deutſchland ſuchit aber auch die Rechte des Eigenthume abzuſchaffen. Eines ihrer Organe parodirt dinſl Schöpfungsgeſchichte alſo: „Im Anfang war das Eigenthum und a ſchuf Himmel und Erde, Schöpſe, Kälber umſl Schafe und Menſchen, und ſprach zu dem Meu! ſchen: du ſollſt mir unterthänig ſein, denn laß bin das Eigenthum.“ „Im Schweiße deines Angeſichts ſollſt di dein Brod eſſen — ſteht geſchrieben. Den Sprus hat wohl ein Schlaukopf erdacht, und nun machſ man uns weis, er ſei ein göttlicher Ansſpruchiſt Der Communiſt Born ruft: „Schmach üb diejenigen, welche euch ſagen, daß es Reiche um Arme geben müſſe, weil Gott es ſo gewollt. I der Pulsſchlag eures Herzens ſagt euch, daß daſ Glaube Lüge iſt. Der Genuß und wieder den Genuß iſt es, der in jedem Blutstropfen lebl und zur Regſamkeit, zum Handeln antreibt.“ „Den Intereſſen der Beſitzloſen ſind die In ireſſen der Beſitzenden entgegengeſetzt. Die leiſ tende Idee der gegenwärtigen Geſellſchaft iſt di Selbſtſucht; ihr Wahlſpruch: Jeder für ſichr Jeder gegen Alle! — Nicht gleiche Vertheiluns der Güter wollen wir, nein! Denn wenn dil Privaterwerb beibehalten wird, ſo erneuert ſi der alte Zuſtand nach wenig Jahren, durch di Spekulation der Habſüchtigen und Schlaue. Wir wollen Organtſation der Arbeiten?