# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 02_S91 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Fftage, was für die übung des Kate⸗ biömus zu thun ſei. Was fürs Erſte das altkirchliche Aufſagen Ies Katechismus betrifft, ſo wäre zu wünſchen, aß basſelbe nicht nur jedem kirchlichen Examen umusgienge, ſondern daß es auch von den Pre⸗ Pem den Hauspätern zur täglichen Uebung üufger und dringender empfohlen würde, wie ies Dr. Luther in der Vorrede zum kl. Kate⸗ chiͤmus gethan hat. Nur muß dieſe Uebung nelnäßig vorgenommen und darauf geſehen verden, daß die Katechismusſtücke langſam, nutlich und andächtig aufgeſagt werden, was heſer von Einzelnen als von Vielen zuſammen Rſchben kann. Die neuerdings empfohlene Eceie, daß die drei erſten Hauptſtücke ohne die haslegung, von jedem der übrigen aber nur eine Wlſche Beweisſtelle und von dem ſogenannten Enhange gar nichts anfgeſagt werden ſoll, ſtimmt venigſtens nicht mit den allgemeinen Vorſchrif⸗ n der reinen Kirchenordnungen überein, die hir doch in ihrer Geſammtheit wo immer mög⸗ ich uns zum Muſter nehmen müſſen. Dieſe Peiſe hat aber auch ſonſt noch Manches gegen ſch. Da das Aufſagen des Katechismus in der Airhe vornämlich um der Erwachſenen willen gſchiebt, Idenn die Kinder ſind zunächſt an die Echule gewieſen], ſo wird dieſes Ziel auf jenem Bune nur ſehr unvollſtändig erreicht, indem der Irt ſo wie die Auslegung des Katechismus Wannigfaltig verändert wird, ganz gegen den viſen Rath Dr. Luthers, daß man beides mit kiner Sylbe verändern ſolle, weil dadurch die gmenden leicht irre gemacht werden und nie eine twiſe Form faſſen. Wie nöthig iſt auch den KUrwachſenen neben dem Text der drei erſten hruptſtücke, den doch die meiſten kennen, die infliche Auslegung namentlich der ſieben Bitten wvitder vergeſſen haben. Dasſelbe gilt von den glagen und Antworten bei Taufe, Abendmahl ind Amt der Schlüſſel, durch deren Weglaſſung Iiie Stücke aufhören, eigentliche Katechismus— ſike zu ſein. Man kann auch dadutch leicht In Verdacht erwecken, als billige man das Ver⸗ 1 Uhren derer, welche aus Widerwillen gegen die kehte und Form des lutheriſchen Catechismus und unter dem Vorgeben, bloß bei den eigentli⸗ ahen Bibelworten bleiben zu wollen, jenes alles ds Schlacken ausſcheiden und nur dies als rei⸗ 14 Gold behalten. Wie nöthig ſind endlich ch den Erwachſenen das Stück von der Beich⸗ die Form der Hausgebete, die Haustafel und ie rageſtücke, wovon die meiſten wenig oder uchts wiſſen. Was iſt nun gerathner, an jedem Conutage einen höchſt unvollſtändigen Katechis⸗ ns ganz oder die einzelnen Stücke unſers Ka⸗ lehismus vollſtändig von Zeit zu Zeit aufſagen zu laſſen? Ich muß mich unbedingt für das letz⸗ un erklären. Für die Tage aber, an welchen 6 Katechismuslehre und ſomit auch das Auf⸗ ſagen des Katechismus ausfiele, würde es einen Hſatz darbieten, wenn die Prediger auf der Kan⸗ AHauf ähnliche Weiſe ganze Stücke des Kate⸗ Vcnus vorläſen und dadurch zugleich ein Mu⸗ * es Vater Unſers, die viele noch nie gelernt oder 91— ſter gäben, wie er von den Kindern langſam, deutlich und andächtig aufgeſagt werden ſolle. In Bezug auf die Catechis muspredig⸗ ten bemerkt Dr. Kl.: „Gewiß haben unſre Vorfahren das Rechte getroffen, wenn ſie dieſen Predigten den Katechismus unterlegten. Pre⸗ digten, und namentlich Predigten dieſer Art müſſen einmal eine ſolche in den Händen der Gemeinde befindliche Unterlage haben, der Vor⸗ bereitung, des Verſtändniſſes und der Wieder⸗ holung wegen. Dieſe Zwecke würden nicht ſo gut erreicht werden und es würde überhaupt ſchwieriger anzufangen ſein, wenn man dieſen Predigten eine Reihe von Schriftſtellen unterle⸗ gen wollte.“ Ein ſehr fühlbarer Mangel aber für alle, die ſich mit Ernſt auf die Katechismuspredigten vor⸗ bereiten wollen, iſt der, daß es bei der großen Maſſe von Erklärungen und Predigten darüber doch noch an einer geordneten und reichen Ma— terialienſammlung aus den ſämmtlichen Schrif⸗ ten Dr. Luthers fehlt; auch für die Einrichtung ſolcher Predigten hat man außer mehreren ſpäte⸗ ren Predigten Dr. Luthers und außer den vor⸗ trefflichen Kinderpredigten V. Dietrichs noch zu wenige Muſter. Überhaupt iſt die Aufgabe, eine rechte Kathechismuspredigt zu halten, keine ſo leichte, als ſich mancher vorſtellen möchte. Es gilt bei jedem Gebote, Artikel, Bitte ꝛc. nachzu⸗ weiſen, daß die Auslegung Dr. Luthers wirklich den vollen Sinn des Tertes enthalte; daher ſoll durch die ganze Predigt der Tert des Katechis⸗ mus durchklingen, wie bei einem guten Vorſpiel auf der Orgel die Melodie durch alle begleitende Stimmen durchklingt. Daran ſoll ſich die wei⸗ tere Ausführung der daraus fließenden Lehren, ſo wie die kurze Widerlegung der dagegen ſtrei⸗ tenden Irrlehren anſchließen, dieß alles aber nicht in jener eintönigen, langweiligen Form, die ſich namentlich in der pietiſtiſchen Schule fin— det, ſondern in dem einfachen, aber reizenden Gewande, durchwebt mit paſſenden Gleichniſſen und Exempeln aus der bibliſchen und Kirchenge⸗ ſchichte, in welches vorzugsweiſe Dr. Luther die Katechismuslehre einzukleiden verſteht. Endlich iſt im Bezug auf die Katechis⸗ musexamina dem im 1. Abſchnitt Geſagten noch Weniges hinzuzufügen. Wie es jedenfalls am rathſamſten iſt, für gewöhnlich das Eramen auf die Predigt folgen zu laſſen und den Inhalt derſelben ſummariſch abzutragen, ſo hat man es auch wo möglich ſo einzurichten, daß die Erklä⸗ rung des ganzen Katechismus im Laufe eines Kirchenjaͤhres vollendet werde, was auf folgende durch die Erfahrung bewährte Weiſe geſchehen kann. Im erſten Jahre halte man über jedes Hauptſtück, ſo wie über jedes einzelne Stück des ſogenannten Anhangs eine Predigt und Eramen. Im zweiten Jahre halte man über jedes Gebot eine Predigt, über jeden Artikel zwei oder drei, über die übrigen Stücke predige man kürzer. Im dritten Jahre wiederhole man das kurz, was früher weitläufiger erklärt worden iſt und fahre fort die rückſtändigen Stücke eben ſo zu erklären; iſt man nun auf dieſe Weiſe nach vier oder fünf Jahren mit dem ganzen Katechismus fertig, ſo fange man dieſe Reihenfolge wieder von vorne an, wobei die unterdeſſen eingeſammelte Erkennt⸗ niß und Erfahrung Lehrenden und Lernenden gar ſehr zu ſtatten kommen wird. Wer endlich während des Examens bei den Einzelnen und namentlich bei den bereits Confirmirten mit eini⸗ gen Fragen verweilt und nicht wie gewöhnlich ſchnell hinweg eilt, der wird ſich bald von dem Nutzen dieſer Weiſe überzeugen. Die Hauptſchwierigkeit bei der Einführung ſolcher Katechismusgottesdienſte auf dem Lande könnte an manchen Orten bei dem guten Willen derer, die daran Theil nehmen wollen, dadurch beſeitiget werden, daß nach dem Beiſpiele vieler unſerer engliſch amerikaniſchen Nachbarn der Nachmittagsgottesdienſt kurz nach dem Schluſſe des Vormittagsgottesdienſtes anfienge. Auf ſolche Weiſe würden wir unſere Bereit⸗ willigkeit zeigen, die dringende Bitte Dr. Luthers an alle Pfarrer zu erfüllen: „Wollet euch eueres Amtes von Herzen annehmen, euch erbarmen über euer Volk, das euch befohlen iſt und uns helfen, den Katechismus in die Leute, ſonderlich in das junge Volk bringen.“ Dem Vorſtehenden füge ich noch folgende Schlußbemerkungen aus dem Originalaufſatz hinzu: ‚ ö „Es bedarf wohl kaum der Benachwortung, daß in dem Obigen nur Winke gegeben ſein ſol⸗ len und daß es nicht Anſpruch darauf macht, die Sache für alle Verhältniſſe paſſend hingeſtellt zu haben. Es wird vorkommen, daß bei ver⸗ ſtändiger Beachtung der Localumſtände die Sa⸗ che ganz anders angegriffen werden muß. Es wird auch vorkommen, daß an manchen Orten die Umſtände es gar nicht oder nur in ſehr ge⸗ ringem Umfange zu der Sache kommen laſſen. Aber es wird auch wieder vorkommen, daß an andern Orten die Verhältniſſe dem guten Willen viel mehr entgegenkommen, als vorausgeſetzt worden.“ — Wir müſſen uns im vorliegenden Falle nicht irre machen laſſen, wenn wir zunächſt mit beſchränkten Mitteln wirken müſſen, wenn wir zunächſt nur Einzelnes der Art anfangen können. Der Anfang iſt in dergleichen Sachen immer nicht allein ein Keim künftiger Bildungen, ſondern ſelbſt ſchon ein Wirken.“ — Endlich muß es uns nicht irre machen, wenn zu der neuen Speiſe, welche wir ſo unſern Gemeinden in Bibelausle⸗ gung und Katechismuspredigt bieten, zunächſt nur wenige Gäſte kommen, oder wenn zu An⸗ fang Maſſen herzutreten, aber gar bald auf eine kleine Auswahl Treubleibender ſich reduciren. Dieſe Dinge ſind ihrer Natur nach nicht für den großen Haufen der Gemeinde gemacht, ſondern für den kleineren Kreis der Vorgeſchrittenen. Aber die weitere Pflege dieſer 12 — 20 Gemein⸗ deglieder iſt von eben ſo durchgreifender Wirkung auf die Gemeinde als das ſuchende Hineinpredi⸗ gen in den großen Haufen; und durch ſolche Pflege wird auch die Zahl dieſer Auswahl wach⸗ ſen. Es kommt in der jetzigen Zeitlage Alles darauf an, immer feſtzuhalten, daß ſich, wie die Umſtände einmal ſind, gerade in den beſten Din⸗ gen niemals mit den Geſammtmaſſen anfangen läßt, ſondern daß ſich Vieles nur in einer Aus⸗