# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 01 21_S84 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und er als ein Pilgrim durch dieſe Welt, als durch ein fremdes Land, wandert, ſo fordert doch gerade ſein Chriſtenberuf, daß er gegen das, was um ihn her in der Welt vorgeht, nicht theiln ahm⸗ los ſei, ſondern offenen Auges für die großen Ereigniſſe ſeiner Zeit ſeinen Weg nach der him⸗ liſchen Heimath gehe. Die hl. Schrift, wie ſie dem Chriſten die ganze Vergangenheit der Welt mit ihrem Entwicklungsgang von dem erſten Tage ihrer Entſtehung an aufbewahrt hat, hat dem Chriſten auch die ganze Zukunft der Welt mit dem Verlauf ihres Treibens bis zum letzten Tage ihres Beſtehens aufgeſchloſſen. hat daher die heilige Pflicht, den Stand der Din⸗ ge in dieſer Welt aufmerkſam zu beobachten und denſelben mit dem Bilde der Zukunft zu verglei⸗ chen, das ihm in dem Spiegel des göttlichen Wortes bereits vor die Augen gehalten iſt; mit einem Worte, es gebührt ihm, die „Zeichen der der Zeit“ aufzuſuchen und dieſelben nach Gottes Wort weislich zu beurtheilen. Hat es aber je eine Zeit gegeben, welche reich an merkwürdigen Vorkommniſſen iſt, an denen auch das blödeſte Chriſtenauge erſehen kann, in welcher Zeit man nach Gottes Wort lebe, ſo iſt dies die gegenwärtige; und zwar reich an ſol⸗ chen Vorkommniſſen, die es den Chriſten laut wie mit Donnerſtimme in die Herzen rufen: „Der HErr iſt nahe!“ Schon ſeit Jahrhunderten ſind die Gläubigen mit immer lebendigerer Hoffnung, daß der große herrliche Tag des HErrn vor der Thür ſei, erfüllt worden; ſchon ſeit Jahrhun— derten iſt, wie nie vorher, die Sehnſucht der Chri⸗ ſten, daß der HErr dem immer mehr und immer furchtbarer ſteigenden Verderben nnd Jammer in der Welt bald ein völliges und ewiges Ende machen wolle, immer brennender geworden; ſchon ſeit Jahrhunderten iſt das Schreien aller Kinder Gottes: „Ja, komm, HErr Jeſu!“ immer brün⸗ ſtiger und lauter und mächtiger geworden. Wer unter unſeren Leſern ſollte nicht von dem oder jenem greiſen frommen Glied ſeiner Familie Wor⸗ te wie dieſe vernommen haben: „Erleben wir es nicht, ſo werdet's doch ihr unſere Kinder, unſere Enkel, erleben, daß der letzte entſcheidende er⸗ ſchreckliche Kampf des Reichs der Hölle und Welt wider Chriſtum und die Seinen losbricht?“ Wohl iſt noch immer nicht geſchehen, was ſchon unſere frommen Väter als nächſtbevorſte⸗ hend erwartet haben; noch ißt, trinkt, kauft, ver⸗ kauft, pflanzt und baut man, daß es nicht an⸗ ders ausſieht, als ob die Welt jetzt eben erſt recht anfangen wolle, zu leben und es ſich wohl ſein zu laſſen auf Erden. Wohl lacht daher der Spötter des Chriſten, der noch immer auf das baldige Kommen des Tages der allgemeinen und vollkommenen Erlöſung hoffet und harret, als eines Narren; ja, ſelbſt nicht wenige unter den Ch riſt en ſind, da der Bräutigam verzog, ſchläf⸗ rig geworden, haben den Gedanken: „Unſer Herr kommt noch lange nicht,“ in ihren Herzen Raum gegeben und ſich nicht mit genugſamen Vorrath an Ol verſehen, um, wenn es bald heißen ſollte: „Siehe, der Bräutigam kommt,“ ihm mit ge⸗ ſchmückten Lampen entgegen zu gehen. Aber wit? gehören ſolche nicht zu den thörichten Jung⸗ Der Chriſt. ——81—— — frauen? Iſt es nicht gräuliche Verblendung, den HErrn darum mit ſeiner verheißenen Wieder⸗ kunft zum Gericht ber ſeine Feinde und zur ewi⸗ gen herrlichen Erlöſung der Seinen ferner zu denken, weil er ſo lange Zeit ſchon vergeblich von den Seinen erwartet worden iſt? Mu ßer nicht je längere Zeit des Harrens auf ihn bereits ver⸗ ſtrichen iſt, nun deſto näher ſein? Und haben ſchon alle Gläubige mit zitternder Freude ihre Arme nach ihm ausgeſtreckt, als ſie die Zeichen ihrer Zeit ſahen, was ſollen nun wir thun, da zu dieſen Zeichen in unſern Tagen immer meh⸗ rere und immer deutlichere und klarere ſich geſel⸗ len? Eines der allerwichtigſten Zeichen der al— lerletzten Zeit iſt nach der Schrift völliger Abfall mitten in der Chriſtenheit, ruchloſe Spötterei und Verläugnung Gottes, Umſtoßung aller göttlichen Ordnungen in der Welt und Zerreißung aller heiligen Bande. Der liebe Leſer vergleiche nur folgende Stellen: 2 Pet. 3, 3— 15. 1 Tim. 4, 1. 2 Tim. 3, 1 — A4. Jud.17 — 21. ꝛc. Da jedoch vieleicht manche unſerer Leſer in ihrer Abgeſchie⸗ denheit nicht ahnen, wie grauenerregend dieſe Weiſſagungen der hl. Schrift jetzt in Erfüllung gehen, ſo ſei es uns geſtattet, in dieſer und in. der nächſten Nummer Einiges aus einer Corres⸗ pondenz mitzutheilen, die ſich in dem bereits durch den „Lutheraner“ angezeigten und empfoh⸗ lenen, in Washington, Diſtrickt Columbia, her⸗ auskommenden, von Herrn F. Schmidt redigir— ten politiſchen Blatte „Der Zuſchauer am Potomak“ befindet. Daſelbſt heißt es näm⸗ lich unter Anderem folgendermaßen: „Sie erlauben mir wohl, Herr Herausgeber, durch den „Zuſchauer“ meinen deutſchen Mitbürgern mitzutheilen, was eigentlich die An⸗ ſichten dieſer rothen Republikaner ſind, und dann mögen ſie ſelbſt entſcheiden, ob die Blätter die dieſelben vertreten, Organe der Deutſchen in Amerika ſind. Zu Genf iſt ein Manifeſt der deutſchen Demo⸗ kraten erſchienen, worin es heißt: „Die Juni⸗ ſchlacht iſt der Geburtstag der rothen, unſrer Re⸗ publik. Der Februarkampf hat nur deßhalb welt⸗ hiſtoriſche Bedeutung, weil er die Junirevolution möglich gemacht hat ... Es gilt von jetzt anei nen Vernichtungskampf der eignen oder der entge⸗ gengeſetzten Parthei; erſt nach vollſtändiger Un⸗ terwühlung und Zertrümmerung aller jetzigen geſellſchaftlichen Zuſtände können wir die Grund⸗ ſätze unſerer Parthei verwirklichen ... Die Re— ligion, welche aus der Erziehung verdrängt wer— den muß, ſoll aus dem Gemüthe des Menſchen ſchwinden ... Die Revolution vernichtet ber⸗ haupt die Religion, indem ſie die Hoffnung auf den Himmel durch die Freiheit und Wohlfahrt Aller auf Erden überflüſſig macht. Wir berück⸗ ſichtigen deßhalb die religiböſen Kämpfe und Be⸗ ſtrebungen, die Bildung freier Gemeinden u. dgl. nur inſofern, wie unter religiöſer Freiheit die Freiheit von aller Religion verſtan⸗ den wird. Wir wollen nicht die Freiheit des Glaubens, ſondern die Nothwendigkeit des Unglaubens. In dieſer, wie in jeder andern Beziehung ſuchen wir vollſtändig mit der ganzen Vergangenheit zu brechen. Wir wollen Leben, und geben ihren Beichtpfenning. Do⸗ von wird Branntwein gekauft. auf den faulen Stamm kein neues Reis pfro⸗ pfen; wir wollen in keiner Beziehung die Re⸗ form, ſondern überall die Revolution.“ Heinzen, gegenwärtig Herausgeber einer deutſchen Zeitung in New Rork ſoll obiges Ma⸗ nifeſt verfaßt haben. Er dringt auf Blut, auf ein Meer von Blut, nennt Menſchlichkeit einen Wahnſinn und ſieht im „Knallſilber“ eines der ö kräftigſten Mittel für das Wohl der Menſchheit. Heinzen ſchlägt vor, durch unterirdiſche do von Knallſilber ganze Städte mit 100,000 Men⸗ ſchen in die Luft zu ſprengen, und auch ſonſt noch „eine Million Barbaren“ unter die Erde zu bringen. Neff ſagt in ſeinen „Beiträgen zur Bauern⸗ politik:“ „Man muß die Hunde todtſchlagen, dit Feinde der edlen Menſchheit verfolgen, durch ſtei⸗ gende Einkommens- und Erbſchaftsſteuern, bis zu 50 vom 100 die größeren Vermögen beſchnei⸗ den, unter einem fürchterlichen Schwure Kugeln; gießen und ſich Regiſterlein machen von denen, welche zum Gedeihen der ſocialen Republik ſter⸗ ben müſſen; die fürſtenſchmeichleriſchen, hün⸗ diſch-demüthigen Gebetbücher verbrennen, und annehmen die Religion der Tapferkeit und des Freiheitsſtolzes. Die Alten haben ihrem Götzen⸗ gotte Menſchen geopfert, wir müſſen dem Gott der Freiheit Menſchen opfern. Erſt wenn das Blut von tauſend Menſchenopfern zum Himmel geſtiegen ſein wird, wird Freiheit und Liebe wie⸗ der auf Erden einkehren.“ Der Buchhändler Hof, von Manheim, rief bei der Todtenfeier Blums in Zürich 1849: „Den große leitende Gedanke der badiſchen Revolution iſt geweſen: Es giebtkeinen Gott! Gott liegt im Menſchen, um ein Paradies auf Erden zu ſchaffen. Dortu, Heilig, Trützſchler ſind mit der Ueberzeugung geſtorben: Wir gehen in ein Nichts, aber wir haben für die Freiheit ge⸗ kämpft. — Blut! Rache! es muß ein größerer Strom Blut fließen aus dem Herzen der Reak⸗ tion, als der Rheinſtrom.“ Man glaube jevoch nicht daß dies blos dit Anſichten von einzelnen Männern ſind, und dalſ das Volk in Deutſchland dieſelben mit Abſcheu und Eckel verwerfe. Deutſchland, das Vater⸗ land der Reformation, iſt in ſeinen höhern Stän⸗ den ſchon längſt dem chriſtlichen Glauben ent— fremdet und in der neueſten Zeit tritt es immer mehr hervor, daß die Conſequenzen des Ratio⸗ nalismus zum gänzlichen kraſſen Atheismus füh⸗ ren und nun in der Maſſe des Volkes gähren. Wie tief der religiöſe Verfall iſt, mag eine aut dem Leben gegriffene Seene in einer deutſchen Herberge in Genf ſchildern: „Es iſt Sonnabend vor Oſtern. Die Nacht wird zuchtlos durch⸗ ſchwärmt; es läßt ſich das auch nicht vor Män; nern ſagen. Am Morgen wird, wie es heißt, Her⸗ bergsgottesdienſt gehalten; ein Geſelle wird zun Prediger gemacht, die andern ſammeln ſich ali Beichtende, bekennen prahlend ihr liederliche Wie nun di Handlung des heil. Abendmahls im Gottes⸗ hauſe unter Einſegnung des Sakraments mit den einfach⸗großen Einſetzungsworten des Erlöſen