# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 01 07_S78 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) E halten, möchten aber wünſchen, daß die Lutheri⸗ ſchen Brüder des Weſtens, die ſich ſo gern Alt⸗ lutheraner nennen laſſen (2), uns nicht nur mit der altlutheriſchen Lehre, ſondern auch mit dem altlutheriſchen Leben vorleuchten möchten.“ Nun, das wollen wir thun, ſo viel Gott Gnade gibt; aber ſehet euch wohl für, ihr „Neulutheraner“, daß ihr euch eurer Frömmigkeit nicht zu viel rüh⸗ met, denn es ſind auch gegen euch Klagen vor⸗ handen, namentlich, daß ihr die wahren Luthe⸗ raner von dem heilſamen Wort und der wahren Lehre von den Sakramenten betrügeriſch abzufüh⸗ ren, und mitunter ganze Gemeinden zu zertrennen ſucht. ꝛc. ꝛc. Weiter daſelbſt heißt es. „Da müſ⸗ ſen wir aber hören, daß die „altlutheriſchen Brü⸗ der“ ſelbſt nicht einig ſind, daß ſie beſonders in einer Stadt des Weſtens, (Buffalo oder Mil⸗ waukie) ſich nicht nur untereinander anfeinden, ſondern ſich auch einander in den Bann thun.“ Weiter daſelbſt: „Da gibt es Leute dieſer Art, die mehr als hundert Meilen weit gehen, um das heilige Abendmahl zu empfangen, obgleich ſie dasſelbe der Lehre der Lutheriſchen Kirche gemäß ganz nahe haben können. Weil aber der Pfarrer keinen Talar trägt, und kein Crucifir auf dem Altar ſteht, und keine Lichter brennen, ſo muß es das rechte Abendmahl nicht ſein.“ — Nun, es iſt höchſt erfreulich, daß ſich ſolche bekenntnißtreue Lutheraner im Weſten vorfinden, denen es nicht gleichgültig iſt, wo ſie das Sakra⸗ ment des Altars genießen. Der einfältige Cor⸗ respondent irrt ſich aber gewiß gar ſehr, wenn er meint, es geſchehe nur wegen der äußerlichen Bräuche und Ceremonien, als etwa wegen ein es Talars, Crucifires und dergl. Die Lutheraner im Weſten, die zerſtreut im Buſch wohnen, ſind ohne Zweifel beſſer unterrichtet, daß ſie wohl wiſ⸗ ſen, daß Talar, Crucifir und Lichter nichts zur Sache thun, ſondern daß es darauf ankomme, ob das Bekenntniß recht ſei; — wirwohl die⸗ ſelben keine Urſache haben werden, die Ceremo⸗ nien der Lutheriſchen Kirche zu verwerfen, zumal, da dieſelben ganz freie Stücke ſind. Solche Kir⸗ chen aber, die der Correspondent meint, ſind ohne Zweifel nirte, Neulutheriſche ꝛc. Daß aber die im Weſten zerſtreut wohnenden Luthera⸗ ner das Sakrament bei ſolchen nicht nehmen wol⸗ len, dazu haben ſie wohl beſſern Grund, als der Correspondent vorgibt. Diejenigen Lutheraner welche ſolche weite Reiſen vornehmen, um das Sakrament des Altars in ihrer wahren Mutter⸗ kirche zu empfangen, haben gewißlich geleſen, was Luther ſchreibt in ſeinem Brief an die zu Frank⸗ furt am Main im Jahr 1533: „Darum iſt das mein reuer Rath, den ich vor Gott ſchuldig bin, beide Luch zu Frankfurt und wo mans mehr bedarf: Wer ſeinen Seelſorger öffentlich weiß, daß er zwingliſch (reformirt) lehrt, den ſoll er meiden und ehe ſein Lebenlang des Sakraments entbehren, ehe ers von ihm em⸗ pfangen ſollt, ja auch ehe darüber ſterben und Alles leiden. Iſt aber ſein Seelſorger der Zwei⸗ züngigen Einer, der mit dem Maul vorgibt, es ſei im Sakrament der Leib und Blut Chriſti gegenwärtig und wahrhaftig, und doch verdäch⸗ tig iſt, daß er im Sacke verkaufe, und anders —78— mein e, weder die Worte lauten, ſo gehe oder ſende frei zu ihm, und laß dir deutlich herausſa— gen, was das ſei, das er dir mit ſeinen Händen reicht und du mit deinem Munde empfäheſt; hintan geſetzt auf dasmal, was man im Herzen gläube oder nicht gläube, ſchlecht gefragt, was Hand und Mund hie faſſet. Iſts ein redlicher Schwärmer, der aufrich⸗ tig mit dir handeln will, der wird dir alſo ſa— gen: Er reiche Dir eitel Brod und Wein, dabei du ſollt denken und gläuben den Leib Chriſti; iſts aber der Gaukler einer, die unter dem Hütlein ſpielen, ſo wird er Mum, Mum ſagen und den Brei im Maul umherwerfen und alſo geifern: Ei, es iſt genug, daß Du gläubeſt den Leib, den Chriſtus meinet. Das heißt denn fein geantwortet, und Urkund gegeben der Hoff⸗ nung, ſo in uns iſt, wie St. Petrus lehret. Sol⸗ che Prediger, wo ſie ſcherzen wollten, ſollten ſie etwas anders vornehmen und göttliche Sachen mit Frieden laſſen, daß nicht einmal der Donner drein ſchlage. Denn was ſoll doch das ſchreckli⸗ che Gaukelſpiel ſein, darin ſie das Volk wollen lehren und ſagen ihnen doch nichts, ſondern wei⸗ ſen ſie ins finſtre Loch, und ſprechen, gläube, was Chriſtus meinet; was aber Chriſtus meinet, wollen ſie nicht ſagen, denn ſie fürchten, wo ſie es ſagen ſollten, würde alle Welt ſprechen, das meinet Chriſtus nich t, ſondern du ſelbſt mei⸗ neſt es und dein Vater der Teufel mit dir, und brauchet Beide des Namens Chriſti zum Schand⸗ deckel über euer Lügen, damit ihr uns verführen und verderben wollt.“ Eben daſelbſt ſchreibt Luther weiter: „Türken und Juden ſind viel beſſer, die unſer Sakrament leugnen, und freibekennen, denn damit bleiben wir unbetrogen von ihnen und fallen in keine Abgötterei. Aber dieſe Geſellen müſſen die rechten, hohen Erzteufel ſein, die mir eitel Brod und Wein geben, und ließen nichts halten für den Leib und Blut Chriſti, und ſo jämmerlich be⸗ trögen. Das wäre zu heiß und zu hart, da wird Gott zuſchmeißen in Kurzem. Darum wer ſolche Prediger hat oder ſich deß zu ihnen verſiehet, der ſei gewarnet vor ihnen, als vor dem leibhaftigen Teufel ſelbſt.“ Bis hieher Dr. Martin Luthers eigne Worte. — Doch ich eile zum Schluß und ſage nur noch: es mag ja wohl hin und wieder der Fall ſein, daß es manchem ergehe, wie jenem König, wel⸗ cher in der Wüſte bei brennendem Durſt von un⸗ reinem Waſſer trank, und ſein Durſt wurde ge⸗ löſcht. Aber jener König würde nicht aus dem unreinen Waſſer getrunken haben, wenn er eine reinere oder völlig reine Quelle daneben gefunden hätte. So ſei denn auch Du ein königlicher Menſch, und labe Dich an der reinſten, ja reinen Quelle des St. Louis Geſangbuchs; denn darin⸗ nen finden wir ja dieſelben Lieder, welche ſchon die Großmutter uns vorſang, und mancher, welcher zur Zeit noch nicht mit uns harmonirt, möchte vielleicht ſpäter zu derſelben Uberzeugung gelangen. Das walte Gott! — NVV Das war Gottes Finger. Den 29. April 1848 zog über Altheim, Land⸗ gerichts Windsheim, ein Gewitter, bei deſſen Ausbruch ein daſelbſt arbeitender Zimmergeſelle aus J unter Fluchen in das Hirten⸗ haus ſich begab, und auch dort nicht aufhörte, Fluchworte auszuſtoßen. Da ſagte er unter an⸗ derm nach einem heftigen Donnerſchlag wieder läſternd: „Hört, wie der da droben her⸗ umpoltert,“ worauf ihm einer der Anweſen⸗ den dergleichen gottesläſterliche Reden verwies, mit dem Beifügen: „In deiner Haut möcht' ich nicht ſtecken.“ Aber kaum wa⸗ ren dieſe Worte geſprochen, als ein Blitzſtrabl herabfuhr, und den Zimmergeſellen, der rück⸗ wärts an einem Fenſter gelehnt auf der Bank. ſaß, ſo traf, daß ihm ſogleich der Kopf zu dem zerſchmetterten Fenſter hinaushing und im Winde ſeine Haare herumflatterten. Hierdurch aufmerkſam gemacht, eilten die Rachbarn in das Haus und fanden den Zimmergeſellen todt, wäh⸗ rend von ſämmtlichen vier bis fünf Anweſenden, die betäubt auf dem Boden lagen, auch nicht Einer verwundet war, obgleich der Ofen, um welchen dieſelben ſaßen, in tauſend Stücke zer⸗ ſchmettert, und einem Mädchen ſelbſt der Schuh von den Füßen geriſſen war. Das Haus ſelbſt war auf eine furchtbare Weiſe zerſtört, indem ein Theil des Daches ganz abgedeckt war, und der zur Hälfte eingeſtürzte Schornſtein in weiter Entfernung zerſtreut umherlag. Dagegen war die Schafſcheuer, wiewohl deren Dach mit dem Hirtenhauſe nur Eines bildete, und auch im untern Raum nur ein ſchmaler Gang beide trennt, ganz unbeſchädigt, und auch von den darin befindlichen 3000 Stück Schafen auch nicht Eines verletzt. (Sountagsblatt.) 2*** „Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſpotten!“ In der Stadt A. lebte vor ungefähr 4 Jahren ein Menſch, der wegen ſeines leichtfertigen und unordentlichen Lebenswandels in üblem Rufe ſtand. Er war beſonders dem Müſſiggange und dem Laſier der Trunkenheit ſo ſehr ergeben, daß er je⸗ den Tag erſt um Mitternacht das Wirthshaus in einem aller ſeiner Sinne beraubten Zuſtande verließ. Die noch übrigen Stunden der Nacht brachte er in einer Scheune zu, da er in trin n Hauſe aufgenommen wurde. Lange Zeit diente ihm dieſe Scheune zum nächt⸗ lichen Obdach und Lager. Als er einſtmals von dem Eigenthümer derſelben derEntwendung eines Ackergeräthes, welches ſich in dieſer Scheune be⸗ fand, beſchuldigt wurde, leugnete er es; und als man ihm nicht glaubte, betheuerte er ſein Leug⸗ nen noch mit den Worten: „Ich will blind wer⸗ den, wenn ich Euch etwas entwendet habe.“ Und ſiehe! nur wenige Wochen vergiengen, und der Herr ſtrafte ihn, und ließ ihn an einem Auge ohne bekannte Veranlaſſung erblinden. O daß durch dieſes leibliche Erblinden ſeine gei⸗