# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 01 07_S75 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) che Kraftuns in dieſen grdenken, und Ketzer müſſen ausgerufen werden ꝛc. — das er für uns vergoſſen hat, nicht ſchlechts be⸗ deutet, oder als durch Wahrzeichen, Figuren, Bider, oder nur als ein Gedächtniß eines ab⸗ veſenden Dinges fürgelegt werde, ſondern daß er vahthaft ig und g ewiß dargeſtellt, gege⸗ hen, zugerignet und dargeboten werde, durch Ui Wahrzeichen (Brod und Wein), die nicht Ile Zeichen ſind, ſondern allezeit das, was Gott verheißt und dargibt, wahrhaftig und ge⸗ ytlich in und miit ſich haben, es werde gleich Im Gläubigen oder Ungläubigen fürgelegt. Die Weiſe aber, wie der wahre Leib und das vahre Blut des HErrn mit den Wahrzeichen ver⸗ tlnigt werde, ſagen wir, daß ſie ſei ſacramentlich, ns iſt, nicht nur eine Figur oder Bedeutniß, ſondem da wahrhaftig nud gewißlich unter der Geſtalt derer Dinge die wir ſehen, dar⸗ gelall wird, was Gott mit den Wahrzeichen girbt und darreicht, nämlich das, was wir alererſt jetzt gedacht haben (der wahre Leib und as wahre Blut Chriſti). Daraus ſcheinet, daß vir die Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Chriſti im Abendmahle beha lten und ertheirigen, und, ſo noch mit frommen und gllchten Brüdern eine Controverſia oder übri⸗ Ignrr Streit vorhanden iſt, ſo iſt derſelbe nicht von der Sache ſelbſt, ſondern allein von der Weiſe der Gegenwärtigkeit, welche allein Gott heannt iſt, und davon wir achten, daß man vor⸗ nehmlich jetzt ſtreite. Was aber aulangt dieWei⸗ ſe, wie uns die W ahrzeichen gegeben werden, ſahen wir, daß dieſelbe natürlich ſei; denn wir em⸗ pangen dieſelben ſichtlichen und begreiflichen Dinge natürlicher Weiſe. Aber die Weiſe, wie die natürliche und wahrhaftige Subſtanz Chriſti uns wahrh aftig und gewißlich werde mitgetheilt, wird von uns nicht natürlich gchalten, und wir imaginiren uns (bilden uns ſn) teine räumliche Vereinigung, noch der men⸗ Itlichen Natur Chriſti Ausſpannung und Diffu⸗ fon, noch die grobe, teufliſche Transſubſtantiation ger Verwandlung, noch auch eine grobe Ver⸗ niſchung der Subſtanz Chriſti mit unſerer Sub⸗ ans ſondern wir ſagen, es ſei eine geiſtliche Wei⸗ ſe, ſo allein ſteht auf der unbegreiflichen Kraft des Geiſtes Gottes, des Allmächtigen, wel⸗ Worten Got⸗ es geoffenbaret iſt: das iſt mein geib!—Wir flehen aber und bitten alle Brü⸗ der, daß ſie jetzt die Affeeten bei Seite ſtellen und ob auch die, ſo alſo von den Sacra⸗ nenten Chriſti halten und lehren, für Ungläubige huueber dies Bekenntniß hielten die evangeli⸗ ihen Theologen, Melanchthon, Brenz, Marbach, Mich. Dyllerus, Joh. Piſtorius, Jak. Andreä und Georg Karg eine Unterredung mit den fran⸗ zöſiſchen Abgeordneten und ſtellten ihnen dann eine ſchriftliche Fürbitte an den Herzog Chriſtoph don Würtemberg zu, worin das hugenottiſche Be⸗ kmntniß in allen Artikeln für gleichſtimmig mit der Augsburger Confeſſion erklärt wurde, ob⸗ gleich ein Artikel etwas dunkel geſtellt ſei, darin die Leute durch einen Synodum möchten berich⸗ tet werden.“ Die deutſchen Theologen verfuh⸗ un hierbei nach dem Grundſatze der Billigkeit, —75— der die dunkle Rede eines Andern durch die ent⸗ ſprechende klar auslegt, und hierzu waren ſie in dieſem Falle um ſo mehr berechtigt, da das Be⸗ kenntniß nicht allein dem Herzog von Würtem⸗ berg und den andern proteſtantiſchen Reichsfür⸗ ſten, ſondern auch dem franzöſiſchen Könige vor⸗ gelegt werden mußte, von denen ſich doch eine Bekanntſchaft mit den Kunſtgriffen der calvini⸗ ſtiſchen Terminologie (Ausdrucksweiſe) nicht erwarten ließ. Hebt man aber die klaren Stellen des Bekenntniſſes heraus und beurtheilt danach die andern, ſo iſt es durchaus gleichen Inhalts mit der evangel Lehre.“ Sobald die ehrlichen Züricher (Zwinglianer) von dieſem Bekenntniſſe Nachricht erhielten, ſpra⸗ chen ſie ſich unumwunden dagegen aus und war⸗ fen den Unterzeichnern desſelben Heuchelei und Zweizüngigkeit vor. Die feinen Franzoſen gerie⸗ then dadurch in ſolche Verlegenheit, daß ſie öf⸗ fentlich eingeſtanden: „Sie hätten zur Be⸗ freiung der Brüder einen from⸗ men Betrug nöthig gehabt. Sie hät⸗ ten in jener ihrer Confeſſion heim⸗ lich bei ſich in ihrem Herzen jene zwei Wörtlein: durch den Glauben und geiſtlich, behalten; wenn man aber dieſe dazu denke und mit dar⸗ unter verſtehe, oder beifüge und ausdrücke, ſo beſtehe ja die Zwing⸗ liſche oder Calviniſche Confeſſion darin.5) Die ſpätern Calviniſten wollten die Schmach jeſuitiſcher Betrügerei gern von ihren Glaubensgenoſſen abwälzen, und behaupteten deßwegen mit frecher Stirn, jenes Bekenntniß ſei den franzöſiſchen Abgeſandten von Mel anch⸗ thon vorgeſchrieben worden. — Der hintergan⸗ gene Herzog von Würtemberg ſchickte bei einer andern Veranlaßung den Hugenotten auf ihre dringenden Bitten eine Unterſtützung, doch mit der hinzugefügten Bemerkung: Se dare illud non ipsorum religioni, sed paupertati et cala- mitati, d. i. er ſchicke dies nicht für ihre Re⸗ ligion, ſondern um ihrer Armuth und trübſeli⸗ gen Umſtände willen. Dergleichen Vorgänge vem heiligen Geſetz der Selbſtliebe darauf be⸗ mußten die Evangeliſchen warnen, vor den Ne⸗ formirten auf der Hut zu ſein und namentlich ihren Glauben ſo beſtimmt und deutlich auszu⸗ ſprechen, daß zwingliſche Meinungen nicht dar⸗ unter verborgen werden könnten.“ Soweit Ströbel. Mögen denn einfältige Lutheraner auch un⸗ ſerer Tage und dieſes Landes Vorſtehendes zu einer Warnungstafel dienen laſſen; denn der Geiſt der Schalkheit und Täuſcherei, der ſich hier geof⸗ fenbaret hat, iſt noch nicht aus geſtorben. Noch jetzt iſt es die Weiſe der meiſten Irrlehrer, unter dem Deckmantel orthodoxer Phraſen ihre ſeelengefähr⸗ lichen Irrthümer einzuführen. Der in unſerer Zeit über Millionen ausgegoſſene falſche Unions⸗ geiſt hat dieſe Handlungsweiſe gefördert; ja dieſer hat gegenwärtig viele tauſend Federn ſelbſt *) „Opus sibi fuisse bono dolo ad libarandos fratres. Se in sua illa confessione clam apud seiin scrinio pectoris duas illas voculas: per fidem et spiritualiter, retimiisse, quibus subauditis, vel additis et expressis, constet Cin- gliana seu Calviniana confessio.“ dazu in Bewegung geſetzt, die heiligſten Kämpfe unſerer Väter als nichtige Wortzänkereien dar⸗ zuſtellen und der Welt und Kirche weis zu ma⸗ chen, im Grunde ſei man immer einig geweſen und nur ſündhafte Streitſucht habe zwiſchen in⸗ nigen Brüdern eine Scheidewand aufgeregt und einen blinden Lärm erregt; jetzt endlich in einer glaubens⸗ und liebevollerenc!) Zeit habe die Stunde geſchlagen, wo die, die einander nur ent⸗ fremdet worden waren, endlich, ihre Stamm⸗ verwandtſchaft erkennend, die Bruderhand ſich reichen und den ungebetenen Friedensſtö⸗ rern — Schweigen auferlegen. Gott erbar⸗ me ſich ſeines armen verachteten Häufleins, daß es auch in dieſen letzten betrübten Zeiten bewahre, was ihm vertrauet iſt, „auf daß, wenn der Herr nun geoffenbaret wird in ſeiner Herr⸗ lichkeit, daß wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm in ſeiner Zukunft.“ Joh. 2. 28. — — Neue freie Gemeinde in St. Louis. Wir können nicht unterlaſſen, unſeren l. Le⸗ ſern zu melden, daß die Aufgeklärten unter un⸗ ſern hieſigen deutſchen Landsleuten ſich neuer⸗ dings feſt entſchloſſen haben, endlich auch mit der Zeit fortzuſchreiten. Zwar beſtand hier be⸗ reits ſeit mehreren Jahren eine Gemeinde, welche zu dem Zwecke, die liebe Aufklärung zu beför⸗ dern, einen gewiſſen Herrn Picker, der bis da⸗ hin bereits glückliche Verſuche zur Lichtung der amerikaniſchen finſtern Wälder gemacht, aus ſei⸗ ner beſcheidenen Zurückgezogenheit zu ſich geru⸗ fen hatte. Derſelbe hatte auch alles Gute ver⸗ ſprochen. Jedoch dieſer, obgleich gewiß höchſt vernünftige Weg hat leider! nicht zu dem er⸗ wünſchten Ziele geführt. Herr Picker nämlich, ein Familienvater, dazu an einer gewiſſen na⸗ türlichen Abneigung gegen allzuvieles Waſſer⸗ trinken und andere Caſteiungen leidend, mußte natürlich nach ſeinen Vaterpflichten und nach dacht ſein, ſich neben dem Amte eines Aufklä⸗ rers, das ihm blutwenig einbrachte, noch andere ergiebigere Erwerbsquellen zu eröffnen. Wohl wiſſend, daß gerade die weniger Aufgeklärten in der Regel williger ſind, einem treuen Arbeiter auf dem Felde der Religion ſeinen verdienten Lohn zu reichen, und überhaupt weit entfernt von aller Intoleranz und Scrupuloſität, hielt er es daher für angemeſſen, ſich gewiſſen religiöſen Vorurtheilen, von denen noch manche weniger aufgeklärte Deutſche allhie befangen ſind, zu accommodiren. Herr Picker ließ ſich daher ſo weit herab, die Beobachtung gewiſſer Ceremonien in den Cultus ſeiner aufgeklärten Gemeinde auf⸗ zunehmen, denſelben die alten chriſtlichen Na⸗ men-„Taufe und Abendmahl“ zu geben und die altherkömmlichen Stolgebühren zu erheben. Ja, noch mehr, um auch denen, welche aus einer ver⸗ zeihlichen Schwachheit mit dem veralteten Chri⸗ ſtenthum noch nicht völlig zu brechen den Muth hahen, um auch denen den Eintritt unter dit beitragenden Glieder ſeiner erleuchteten Ge.