# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 01 07_S74 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) leibliche Auferſtehung anerkenne, an einer wirklichen und wahrhaften Auferſtehung aber nie gezweifelt habe. Ahnlich mögen die De⸗ monſtrationen derer geweſen ſein, die ſchon zu der Apoſtel Zeiten die Auferſtehung für „bereits ge— ſchehen“ ausgaben (2 Tim. 2, 18.).. Calvin wußte ſich in Kurzem bei den Schweizern ſo in Anſehen zu ſetzen, daß, ſo zu ſagen, Alles durch ſeine Hand ging. Damit noch nicht zufrieden, verſuchte er auch, ſeinen Einfluß auf die evang. (uth.) Kirchen auszudehnen, indem er ſich den Schein gab, als ſuche er Frieden und Einigkeit unter den Proteſtirenden beiderConfeſſionen her⸗ zuſtellen. Er ſchrieb an einige angeſehene Theo⸗ logen Deutſchlands, ſie möchten ſich doch des Ta⸗ dels und der Vorwürfe gegen die Anhänger Zwingli's enthalten, ja an Veit Dietrich in Nürnberg ſtellte er die Zumuthung, bei der Her— ausgabe von Luther's Werken die gegen Zwingli gerichteten Stellen wegzulaſſen. Da es ihm hier nicht glückte, ſo wandte er ſeine ganze Aufmerk⸗ ſamkeit auf Melanchthon und nahm auch wirklich den friedfertigen, nach Luther's Tode ſchwach und wankelmüthig gewordenen Mann dergeſtalt ein, daß er zuletzt rühmen durfte: „Wenn ich Philipp's Namen nicht recht für mich gebrauche, ſo will ich jede Schmach leiden. Ich habe es geſagt und ſage es noch Ind will es hundertmal bekräftigen, daß Philipp (Melanch⸗ thon) in der Sache vom Abendmahle nicht weiter von mir iſt, als von ſeinem eigenen Herzen, ob er gleich nicht allezeit frei und rund heraus, wie ichs wohl gewünſcht, ſeine Meinung offenbart und ſich vor Luthern hat fürchten müſſen! Ein ſchönes Lob—)“. Zur Zeit, als noch Luther lebte, habe ich mit Philipp von dieſer Lehre des Sacrament's geredet und brauchte nicht ein Wort mit ihm zu wechſeln, denn wir ſind allezeit Einer Meinung geweſen“. — Unbekümmert darüber, in welche Verlegenheit er den armen, än gſtlichen Mann durch ſolche rückſichtsloſe Veröffentlichun⸗ gen bringen könne, tadelte er ihn ſogar noch, daß er ſich nicht laut genug gegen ſeinen verſtorbenen Freund Luther erhebe. Später wurdeCalvin noch weit zudringlicher, verfiel in ſeinen gewohnten ſchulmeiſterlichen Ton und fuhr Melanchthon bis— weilen ſo an: „Du haſt wohl zu überlegen, was Du Chriſto ſchuldig biſt, daß Du nicht, das aufrichtige Bekenntniß der Wahrheit unter⸗ drückend, gottloſen Leuten ſtillſchweigend zur Un⸗ terdrückung der Wahrheit ſelbſt Vorſchub lei⸗ ſteſt. Du haſt Dich in Zeiten vorzuſehen, daß Dir Deine zu große Schweigſamkeit nicht bei den Nachkommen zur Unehre gereiche. Wie? wenn Dich nun der Tod übereilte? wird man dann nicht ſchreien, Dn ſeieſt knechtiſch furchtſam ge⸗ weſen, ſo daß Du alles Anſehen verlöreſt und al⸗ les Vertrauen zu Dir ſchwände? Es iſt nicht nö⸗ thig, Dich mit vielen Worten zu ermahnen, daß Du eileſt, dieſe Schande (infamiam) von Dir abzuwälzen.“ Bei dem großen Anſehen, in wel⸗ chem Melanchthon unter den Evangeliſchen ſtand, von denen ein ige ihn ſogar, nach Luthers Ableben, für den Leiter der Kirche betrachteten, mußte die⸗ ſer calviniſche Einfluß von wichtigen Folgen ſein. Als die erſte derſelben kann —7.— man die allmälig entſtehende Meinung anſehen, daß zu einer Vereinigung zwiſchen den ſächſiſchen und ſchweizeriſchen Kirchen nichts weiter nöthig ſei, als eine zweideutige Lehrformel.. Eine an⸗ dere Folge jenes Einfluſſes war die überhand⸗ nehmende Dreiſtigkeit, mit der Calvins Anhänger ſich in die evangel. (luth.) Kirchen einzudrängen und die lutheriſch geſinnten Geiſtlichen zu vertrei⸗ ben, oder, wenn dies nicht gelang, wenigſtens den Frieden der Gemeinen zu ſtören ſuchten. So kam 1553 der polniſche Edelmann Johann Las⸗ ko, von der Königin Maria aus England ver⸗ trieben, mit einer beträchtlichen Anzahl Gleichge— ſinnter, die ſich die ecelesia peregrinorum (Pil⸗ grimskirche) nannten, nach Dänemark und fanden, als angebliche evangeliſche Blaubensge— noſſen, die freundlichſte Aufnahme. Doch bald fingen ſie an, auf die däniſchen Prediger und Gemeinen zu ſchimpfen, nannten Luther'n einen armſeligen Menſchen, den Abendmahlsſtreit ein bloſes Wortgezänk um Brod und Wein, worüber man gar nicht uneinig ſein ſollte, und verlangten eine beſondere Kirchenverfaſſung, weil ſie mit den Bekennern der augsb. Conf., die ſie nicht für Glieder der chriſtlichen Kirche anſehen könnten, keine Gemeinſchaft haben wollten. König Chri— ſtian ließ ihnen Herberge, Schutz und Unterſtü— tzung anbieten, wenn ſie keine Neuerungen in den Ceremonien, noch irgend ein anderes Argerniß oder Zerrüttung anrichten, ſondern ſich der Kir⸗ chenordnung des Königreichs unterwerfen woll⸗ ten; umſonſt, ſie beſtanden auf ihrem Begehren, ſo unbeſonnen auch dasſelbe war, da ja der Zwie— ſpalt zwiſchen ihnen und der evangeliſchen (luth.) Kirche nur auf einen, keines Zweckes würdigen Wortſtreit hinauslaufen ſollte. Da keine Vor⸗ ſtellungen fruchteten, ſo ließ der König ihre im Lande gemachten Schulden bezahlen, ihnen noch überdieß ein Geldgeſchenk, zugleich aber auch die Weiſung zukommen, ſeine Staaten zu verlaſſen, was ſie denn auch, unter den heftigſten Schmä— hungen auf den König und ſeine Räthe thaten und ſich nach Roſtock, Wismar und in die Han⸗ ſeſtädte begaben, wo ſie aber in Kurzem ebenfalls als Ruheſtörer vertrieben wurden und nun unſtät umherſchweiften, bis ihnen die Gräfin Anna den Aufenthalt in Oſtfriesland verſtattete. Einer aus ihrer Mitte, Joh. Utenchovius, gab ſpäter eine Geſchichte ihrer Irrfahrten heraus, von der ſelbſt ſtrenge Calviniſten urtheilten, ſie hätte lieber un⸗ bekannt bleiben ſollen. Im J. 1556 kam Las ko nach Würtemberg und nahm nun den Schein an, als ſtimme er und die Seinigen mit der augsb. Conf. überein, welches ungegründete Vor⸗ geben beſonders Brenz mißfiel, der auf des Her⸗ zogs Befehl ein Colloquium mit ihm hielt, wobei Lasko durch die Bemerkung: Chriſti Leib ſitze zur Rechten Gottes, welche auch im Brode ſei — ſo in Verwirrung gerieth, daß alle Zuhörer erſtaun⸗ ten, wie er ſo unvorbereitet zu einer von ihm ſelbſt erbetenen Disputation habe kommen können. — Anders, als Lasko in Däncmark, traten ſeine Glaubensgenoſſen in der Schweiz und anderwärts gegen die augsb. Confeſſionsverwandten auf, frei⸗ lich immer mit dem nämlichen Zwecke. Sie ſtell⸗ ten ſich, als wären ſie den Evangel. (Lutheri⸗ ſchen) gewogen, zeigten ſich gegen ſie ehrerbietig, brüderlich, gaſtfrei, gaben vor, keine Mittel und Wege ausſchlagen zu wollen, die zu einer Verei⸗ nigung führen könnten, fingen auch an, in Pre⸗ digten Luthern hoch zu rühmen und Jedermann zum fleißigen Leſen ſeiner Bücher zu ermahnen. In einer anonymen Schrift (d. i. in welcher ſich der Verfaſſer nicht genannt hatte): „Diallaktikon“ (Verſöhnungsmittel) ſchlugen ſie auch eine Aus⸗ gleichung des Abendmahlsſtreites durch Annahme zweier Leiber Chriſti vor, deren einer der ei— gentliche Leib des Sohnes Gottes ſei, der andere! aber ein ſacramentlicher: ein Vorwitz menſchlicher Vernunft, der von ſich ſelbſt fallen mußte. Be za äußerte ſich darüber gegen einen Freund: „Was Du von dem doppelten Leibe erwähnt haſt, hat mir vormals mißfallen, aber hernach habe ich ge— merkt, daß uns dies ſehr zu Nutzen komme. Denn ein ſacramentlicher Leib kann nichts ande⸗ res ſein, als der Name des Leibes, nach der ſacramentlich bildlichen Redeweiſe verſtanden.“ Darauf laufen zuletzt alle reformirte Unionsvor⸗ ſchläge hinaus! — Wie wenig überhaupt den Worten und Verſicherungen der genferiſch (cal⸗ viniſch) Reformirten zu trauen ſei, zeigt ein Vor⸗ fall, der ſich damals zutrug und der wohl das non plus ultra (der höchſte Gipfel) calviniſtiſcher Unredlichkeit ſein dürfte. Als nehmlich der franzöſiſche König 1557 die Niederlage bei St. Quentin erlitten hatte, tra⸗ ten die Hugenotten (Reformirten in Frankreich) in Paris freier hervor und fiengen auch in an⸗ dern Städten an, nächtliche Verſammlungen zu halten. Hiervon benachrichtigt ließ der König viele gefänglich einziehen, und da für deren Le— ben, ſowie für die Sicherheit der Übrigen, Alles zu fürchten war, ſo wurden Wilhelm Farel, Theodor Beza, Caspar Carmelus, Prediger in Paris, und Johann Budäus aus Genf, nach Worms abgeſchickt, wo eines Colloquiums wegen die angeſehenſten evangel. (luth.) Theolo— gen verſammelt waren. Dieſen ſtellten ſich die Abgeſandten als Brüder dar, die gekommen wären, um für ihre verfolgten Glaubensgenoſſen die Verwendung der proteſtantiſchen Reichsfür— ſten bei dem Könige von Frankreich nachzuſuchen, wobei ſie baten, die deutſchen Theologen möchten ihr Geſuch durch eine Fürbitte bei den Fürſten unterſtützen. Auf Verlangen gaben ſie ein mit⸗ gebrachtes Glaubensbekenntniß, daß ſie ſchon auf der Reiſe überall bekannt gemacht hatten, um die Herzen der Evangeliſchen für ſich zu gewinnen. Dieſes Glaubensbekenntniß, welches Farel, Beza und die andern Abgeſandten mit der Bemerkung unterſchrieben hatten: alſo werde vom Abend⸗ mahl des HErrn in der Schweiz und Savoyen gelehrt und geglaubt, ſpricht ſich über das Sa— crament des Altars in folgender Weiſe aus: Wir bekennen, daß im Abendmahl des HErrn uicht allein alle Wohlthaten Chriſti, ſondern auch die Subſtanz oder das Weſen ſelbſt des Menſchenſohnes, das iſt, das wahre Fleiſch (welches das Wort in ewige Ewigkeit ſeiner Per⸗ ſon angenommen, und in welchem Fleiſche er ge⸗ boren iſt, gelitten hat und auferſtanden und gen Himmel gefahren iſt) uud das wahre Blut. —8