# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 12 08_S69 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wir wüßten nicht, daß wir des Todes ſchuldig ſnud, wenn es uns das Geſetz nicht ſagie (Röm. 3,20). Das Amt des Geiſtes iſt nun nichts anderes als das Amt, das die Verſöhnung pre⸗ digt, weil die Predigt des h. Evangeliums oder vom Glauben nach Gal. 3, 2. den Geiſt gibt, d. h. den heiligen Geiſt, der uns neu gebiert und unſere Herzen Gott unterthänig und gehorſam macht; nicht jeder Geiſt iſt alſo hier gemeint, am wenigſten der Schwarmgeiſt der Irrlehrer, die dieſes Wort im Munde führen. Da nun aber dies Amt ebenfalls predigt, ſo muß es ja auch Vorte und Buchſtaben gebrauchen. Die Buch⸗ ſaben ſind alſo von dem Amt des Geiſtes nicht ausgeſchloſſen, uur daß ſie als ſolche Buchſtaben, bwelche uns das Gnadenwort mittheilen, nicht „tödten“, ſondern lebendig machen. Dies Amit des Geiſtes darf man alſo Lial außer dem väu⸗ ſüchen, wie die falſchen kehrer welche nanulcch für ihre Lügen die Ohren ihrer Zuhörer nur dann gewinnen können, wenn ſie dir Augen derſelben zuvor von dem Buchſtaben des göttlichen Wortes obgelenkt haben. Darin hat ihnen ihr Vater, der-Teufel ein kräftiges Vorbild gegeben, als er zuerſt der Eva das äußerliche Wort aus dem Herzen riß, ehe er ihre Seele mit ſeinen Lügen ſüllte (1 Moſ. 3, 1 ff.). Leſen Sie darüber, was Luthet im Sten der Schmalkaldiſchen Ariikel ſhreibt: „Das iſt alles der alte Teufel und alte Schlange, der Adam und Eva auch zu Enthuſi⸗ aſten (d. h. Schwärmern) machte ꝛc. — denn ſie waren heilig, ſpricht er, da der heil ige Geiſt durch ſie redet“. Damit Ihnen aller Zweifel ſchwinde, daß je⸗ ne Stelle 2 Cor. 3, 6. gemißbraucht werde, wenn nan ſie zur Geringſchätzung des Buchſtabens heil. Schrift verwendet, da ſie doch keinesweges denſelben als unkräftig darſtellt, vielmehr ſelbſt dem Buchſtaben des Geſetzes die große und für uns Sünder hochnöthige Kraft zuſchreibt, daß ertödtet, dem Buchſtaben des heil. Evangeli⸗ uns aber die ſelige Wirkung beimiſſet, daß er uns lebendig macht und den heil. Geiſt mittheilt, und ſie alſo mit Joh. 6, 63 im herrlichſten Ein⸗ lang ſtehe, wo der HErr von „den Worten, die undet“, bei denen man doch von keinem Buch⸗ ſaben weichen darf (ogl. Matth. 5, 18. Offenb. 2, 18, 19.) und die ohne Buchſtaben weder ge⸗ ndet noch geſchrieben werden konnten, die herrli⸗ ö che Verſicherung gibt, daß ſie „Geiſt und Leben“ legung jener Stelle mittheilen. SEo ſchreibt nämlich Luther von jener Stelle 2 Cor. 3. 6.: „Buchſtaben lehren, iſt das Gottes Erkenntniß, dadurch wird alles verdammt, und des Todes ſchuldig erkannt, was der Menſch iſt und thut, denn er kann ohne Got⸗ us Gnade nichts Guts thun. — Geiſt lehren it die Gnade „ohn Geſetz und Verdienſt lehren, dadurch wird der Menſch lebendig und ſelig.“ Darnach erklärt ein bibliſches Wörterbuch das Vort „tödten“ in jener Stelle 2 Cor. 3. 6. lur ſo: „den geiſtlichen und ewigen Tod entde⸗ ſnd, ſo will ich Ihnen noch Luthers kurze Aus⸗ bloße Geſetz und Werk lehren, ohn der Gnade den. Rach begangner S Sünde fühit der Sünder aus dem Geſetz Fluch und Verdannnniß. 5 Somit hoffe ich. alie die X Vorurtheile durch des HErrn Gnade zerſtreut zu haben, die Ihnen den Inhalt meines vorigen Briefs verdächtigt hatten. Es liegt nun wieder in Ihren Händen, ob Sie mit den übrigen deutſchen Lutheranern in Ihrer Umgegend eine bekenntnißtreue lutheriſche Gemei⸗ ne, geſondert von denen, welche Reformirte blei⸗ ben wollen, zu bilden geſonnen ſind. Denn da— rauf kommt es nicht an, daß alle bisherigen Ge⸗ meindeglieder in N. N. ferner vereinigt bleiben, ſondern nur darauf, ob etliche, ſeien es auch nur wenige deutſche Lutheraner ſo viel Liebe zu ihrer Kirche im Herzen haben, daß ſie auch ein wenig Mühe, Koſten und Verdruß nicht achten, um durch lautere Predigt und reinen Schulunterricht das Kleinod der Wahrheit ſich zu erhalten und auf ihre Kinder fortzupflanzen. Möchte darüber auch die gemeinſchaftlich erbaute Kirche verloren gehen. Es liegt nichts daran. Wo rechte Liebe zum HErrn iſt, wird man auch ein Kirchhaus uin ſeines Namens willen gern verlaſſen und ein, wenn auch kleineres und unanſehnlicheres neu bauen oder ſich einſtweilen auf andere Weiſe be— helfen. Denn reines Wort und Sakrament macht die Kirche, nicht das Haus, worin man Gottes⸗ dienſt hält. Doch, wie geſagt, es ſteht jetzt bei Ihnen und Ihren Freunden, was Sie thun wollen. Wollen. Sie treuem Rath folgen, ſo beſprechen Sie Sich— mit den Lutheranern in Ihrer Gegend und zie⸗ hen nur die herzu, welche Sinn für die Sache, welche Liebe zu ihrer Kirche haben. So wenig Ihrer ſein mögen, ſuchen Sie nur aufrichtig des HErrn reines Wort, ſo wird er Ihr Gebet um einen Arbeiter in Seine Arnte nicht unerhört laſ⸗ ſen. Wollen Sie aber, nur um den großen Hau⸗ fen nicht zu beleidigen, die Sache liegen laſſen und ſich lieber einen Prediger aufladen, wonach dexr Mehrzahl die Ohren jücken, ſo hüten Sie Sich, daß Ste Ihre Seele nicht in Gefahr brin⸗ gen. Es möchte von Ihnen gefordert werden, wenn Sie Sich und Viele Ihrer Nebenmenſchen auf Kind und Kindeskind um den Segen des reinen Wortes und unverfälſchten Bekenntniſſes brächten! Hiermit Gott befohlen! In Chriſto ö N. N. ———————. — — 7³3— 71217— (Eingeſandt,) Emige Worte über einen Beſchluß der Synode von Indianapolis bei ihrer letzten Sitzung zu Cineinnati vom 5. bis 7. September 1850. So erfreulich einerſeits das ſichtliche Zuneh— men der Indianapolisſynode in Anerkennung des Zuſammenhanges zwiſchen dem kirchlichen Bekenntniſſe und der demſelben gemäßen kirchli⸗ chen Praxis iſt: ſo bedauerlich iſt es doch andrer⸗ ſeits, daß immer wieder halbe unentſchiedene, dem Geiſte des Bekenntniſſes widerſtrebende — Maaßrgeln vorkommen, die einen an der Gründlichkeit ihres kirchlichen Standpunktes von Neuem irre machen. Aus dem Auszug ihrer letzten Synodal-Ver⸗ handlungen in Ne. 5. des Lutheraners iſt näm⸗ lich zu erſehen, daß die Mehrzahl der Synode den Antrag des P. Wichmann verwarf, den P. Wier deshalb von der Synode auszuſchließen, weil er „ohne triftigen Grund“ ſeine luth. Zions⸗ gemeinde in Indiana verlaſſen und Miſſionar der proteſtantiſchen Geſellſchaft ſo wie Agent des „freien deutſchen Katholiken“ geworden ſei. Dagegen wurde angenommen, daß der Präſes erſt Erkundigung „über den eigentlichen wahren Standpunkt des P. Wier und die Tendenz (die Richtung und Geſinnung) jenes Blattes ein⸗ ziehe und bei der nächſten Sitzung der Synode hierüber berichte“; denn man ſei „über dieſen ſei⸗ nen Standpunkt noch nicht im völlig klaren Lichte und man halte es für unrecht, ihn bloß deßwegen auszuſchließen, weil er von der prote⸗ ſtantiſchen Geſellſchaft unterhalten werde und den „freien deutſchen Katholiken“ verbreite; denn man kenne noch nicht gehörig den Charakter je⸗ nes Blattes; zudem ſei P. Wier im Begriffe, eine Gemeinde auf das Bekenntniß der lutheriſchen Kirche zu gründen und. den lutheriſchen Kate- chismus zu gebrauchen“. Fragen wir nun, ob dieſe Beſchlußnahme eine geſunde bekenntnißmäßige Grund- und Unterlage habe, ſo müſſen wir es leider vernei⸗ nen, und zwar aus folgenden Gründen. Zum Erſten nämlich klingt es in der That ſeltſam, daß die Synode (in der Mehrzahl) über den eigentlichen Standpunkt des P. Wier noch nicht im völlig klaren Lichte ſei. Dieſer Mann nämlich verläßt zuerſt „ohne triftigen Grund“ ſeine Gemeinde in Indiana. Stände er auf dem rechten kirchlichen Stand— punkte, ſo hätte er dieſes nicht gethan. Denn von dieſem Standpunkte aus iſt das Verlaſſen einer Gemeinde nur dann rechtmäßig, wenn der P. einen als göttlich erkannten ordnungs⸗ mäßigen Beruf an eine andere Gemeinde ſeiner Kirche erhält, da er mit den ihm vertrauten Pfunde mehr zum gemeinen Nutzen wirken kann, oder wenn ſeine Gemeinde Gottes Wort und die demſelben gemäße Kirchenzucht nicht leiden will, oder wenn ſie ihn böswillig aushungert. Und auch zuläfſig iſt ſolches Verlaſſen nur dann, wenn vielleicht durch gegenſeitige Schuld vom Paſtor und Gemeinde nach und nach ein ſo bö— ſes Mißverhältniß aufgekommen und ſo tief und verderblich um ſich gegriffen hat, daß die Tren— nung wirklich das kleinere Ulebel iſt; doch ſoll natürlich auch dieſer traurige Nothſchritt nicht ohne den Rath rechtglänbiger und mit Weisheit und Erfahrung begabter Diener und Glieder der Kirche geſchehen. Wo nun keiner jener Gründe oder dieſer letzte Uebelſtand ſtattfindet, da iſt ſicherlich das Verlaſſen einer Gemeinde ein leicht⸗ fertig böſes Ding, das wider Gottes Wort und das kirchliche Bekenntniß anläuft; und wo hier noch eine ſonderliche Dunkelheit über den Stand⸗ punkt eines ſolchen Wegläufers ſtecken ſoll, iſt ſchwer einzuſehen.