# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 12 08_S67 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Mirche, ſo wie zur vollſtändigen Darſtellung ih⸗ uus theologiſchen und religiöſen Lebens und zur llücklichen Ausführung ihrer gegenwärtigen Miſſion“? Konnten die von Melanchthon er⸗ Rriffenen Mittel zur Verwirklichung ſeiner „hei⸗ iigen Sehnſucht nach Wiederherſtellung des ge⸗ ſuͤrten Kircheufriedens“ die rechten ſein, da, wie „die Erfahrung gelehrt hat, dadurch daß Uebel nur ärger geworden iſt, ſo wohl mitten in der luth. Kirche, als auch in dem Verhältniß der n rm. Kirche zu ihr. Allein nicht bloß durch ſeine Abweichungen von der luth. Abendmahlslehre, ſondern auch auf andere Weiſe gab Melanchthon nähere oder rtferntere Veranlaſſung zu manchen Uebeln, amals die Kirche beunruhigten. WMlanchthon war es, der ſogleich nach Lu⸗ thers Tode einen entſchieden ſchädlichen Ein⸗ fuß auf ſeine übrigen Collegen hatte und leider dadurch die wiederholte Prophezeihung Luthers efüllen half: „Nach meinem Tode wird keiner von dieſen Theologen beſtändig bleiben.“ Ja ſhon im Jahre 1537 mußten Gründe zu ſolchen Befürchtungen vorhanden ſein; denn als der Churfürſt von Sachſen Luther in ſeiner ſchweren Krankheit zu Schmalcalden beſuchte, äußerte Letterer: „nach ſeinem Tode werde ſich auf der miverſität Wittenberg Zwieſpalt ereignen und ſeint Lehre geändert werden.“ Solches erweckte, wie Seckendorf erzählt, bei dem frommen Herren ſorgliche Gedanken, die er bald hernach Luther durch den Canzler Brück eröffnen ließ, nemlich ta höre Ihre Churfrſtl. Gnaden, daß Melanch⸗ „thon und Creutziger andere Redensarten in den Mikeln von der Rechtfertigung (wer ſollte das glauben? und doch war es ſo, wie in den Tiſchreden Luthers W. XXII. 710 — 722. ausführlich zuleſen iſt) in guten Werken, als 3 Lutherus, brauchen, klagte beſonders hart, daß Melanchthon in Herausgebung der Augsb. Conf. einige Worte geän⸗ dert (alſo ſchon damals !). Dieſes (ſprach der Churfürſt) und anderes geſchieht, weil wir und ühr Herr Dr. Martinus noch leben, was wird geſchehen, wenn wir beide die Augen zuthun? Unſer älteſter Prinz iſt ein Kind und unſer Bru⸗ der noch jung und an geſchickten Leuten ein gro⸗ ber Mangel. () Er ermahnte hierauf Lutherum, dieſe Dinge nicht gering zu halten und bezeugte: Oo er wohl wiſſe, daß der Univerſität Auf⸗ hahme Melanchthons Gelehrſamkeit und Ruhm Uuheſchrieben werde, ſo wolle er dieſen doch lie⸗ ö ber miſſen, als der Wahrheit Abbruch geſchehen „ laſſa, ſollte auch darüber die Univerſität einge⸗ hen“ Dieſem fügt Seckendorf unter andern die keffiche Bemerkung bei: „das herviſche Gemüth des hurfürſten verdienet hierbei auch erwogen und ſerühmet zu werden, der die Wahrheit und Reindeit der Lehre allem Menſchenbeifall und ö nichtzem Verſuch betrüglicher Vereinig gung vor⸗ gepogn.“ Mlanchthon war es, der bald nach Luthers Tode auf Befehl des Churfürſten von Sachſen ein thologiſches Gutachten über die Frage ab⸗ faßte ꝛob man dem Kaiſer mit der Gegenwehr mnohgakinmen oder des Angriffes gewarten ſolle, —67.— wobei er ſich für das erſtere erklärte. Die andern Wittenberger Theologen ſtimmten ihm hierin bei und beriefen ſich hierbei ſo wie bei ähnlichen Er⸗ klärungen auf Luthers Schriften; Ratze berger aber, des Churfürſten Leibarzt, bewies ihnen in einer, ein und zwanzig Folioſeiten enthalten⸗ den Schrift das Gegentheil und zeigte wie in dieſem Punkte von der Nothwehr „Luthers Lehre und Schriften von Melanchthon un d den übrigen Theo⸗ logen verlaſſen, verlängnet, verwor⸗ fen nnd v erfälſcht worden wären.“ So wurde die Abweichung von Luthers Lehre mit eine Urſache des unglüctſcien Schmalcaldi⸗ ſchen Kriegs. Melanchton war es, der als das Haupt ſeiner Parthei vom Jahr 1548 an bei der Veränderung des vom Kaiſer aufgedrungenen In ter ims ſich allzu nachgiebig erwies, indem er in papiſt. Lehren und Gebräuchen Verſchiedenes für gleich⸗ gültig erklärte, was die wenigen rechtgläubigen Theologen als Verfälſchung des Evangelii ver⸗ abſcheuen mußten. Welch' eine beklagenswerthe Lauheit ſich ſeiner dabei bemächtigt hatte, davon zeugt folgende briefliche Aeußerung an einen vertrauten vornehmen Freund: „da nun einmal der Fürſt (Herzog Moritz) die Einführung des Interims beſchloſſen hat, ſo will ich, ob ich gleich Manches nicht billigen kann, doch nichts mit Widerſetzlichkeit thun, ſondern ſchweigen und weichen oder leiden, was da kommt.“ ſchreibt Weller, ſahe man, daß faſt alle die ältern Theologen, welche für die hellſten Lichter der Kirche gehalten worden waren, zum Theil wankten, zum Theil gänzlich von dem Bekennt⸗ niß der Wahrheit abfielen, und nur einige jünge⸗ ren Theologen (wie Gallus, Flaciu s u. A.) beharrten ſtandhaft bei dem Bekenntniß der Wahrheit und lieſſen ſich davon durch keine Dro⸗ hungen und Gefahren abſchrecken. Aus den Streitigkeiten über jene Vergleichungsformel ent⸗ ſtanden andere, namentlich über das, was bei Feſthaltung der Lehre an ſich gleichgültig ſei und was nicht (Adiaphora), welche an zwanzig Jahre lang mit großer Heftigkeit geführt wur⸗ den und ſpäter die Veranlaſſung zum 10. Art. der Concordienformel gaben. Melanchthon war es, der auch zu dem ſoge⸗ nannten majoriſtiſchen Streit die erſte Ver⸗ anlaſſung gab, der erſt um das Jahr 1570 völ⸗ lig geendigt wurde. Er hatte ſich nämlich noch bei Lebzeiten Luthers des Ausdrucks bedient: „Gute Werke ſind nöthig zur Selig⸗ keit“, welchen dann beſonders Major heftig verfocht; als im Jahre 1548 wegen des Inte⸗⸗ rims, worin dieſer Hauptgrundſatz des Papſt⸗ thums ebenfalls mit klaren Worten ausgeſpro⸗ chen war, Melanchthon und andere Theologen eine Zuſammenkunft hielten, ſo ſtimmten ſie alle dieſer Irrlehre bei, ja, ſie erklärten dieſelbe für einen „ausgemachten Satz“. Die Darlegung der Streitpunkte, mit denen die ganze Lehre von der Rechtfertigung ſteht und fallt, ſo wie das rechte Urtheil darüber findet ſich ebenfalls in der Concordienformel im 4. Art. Melanchthon war es endlich der auch die ſy⸗ Damals, ner giſtiſchen Streitigkeiten herbeiführte, die ebenfalls gegen zwanzig Jahre die damalige ſchon ſo große Unruhe in der Kirche vermehrten. Melanchthon nämlich hatte in mehreren ſein⸗/ Schriſten zu den beiden alleinigen Urſachen der Betehrung (Gottes Wort und d. heil. Geiſt⸗ noch eine dritte (des Menſchen eigener Wille hinzugefügt. Auch in dieſem Stück wich dem⸗ nach Melanchthoͤn von der Lehre Luthers ab und verleitete dazu viele ſeiner Schüler; ja, ſchon im Jahre 1525 neigte ſich Melanchthon bei dem Streit Luthers mit Erasmus über den Willen des Menſchen auf die Seite des Letzteren. Wie aber durch dieſe Lehre von der Mitwirkung des menſchlichen Willens die Größe des menſchlichen Verderbens und der alleinige Ruhm der göttli⸗ chen Gnade verleugnet werde, zeigt der 2. Art. der Concordienformel. „So kläglich ſtand es damals in der luth. Kirche, ſo viele Schuld laſtete auf Melanchthon, der⸗mit ſeinen Schülern ſo Vieles von dem zer⸗ ſtören half, was ſein Lehrmeiſter Luther und er früher mit ihm gebaut hatte und wiederum Vie⸗ les von Neuem aufrichtete, was er ehedem mit Luther zerſtört hatte. Wir wollen nicht vergeſſen alles des Guten, was Gott Luther und der luth. Kirche in Melanchthon geſchenckt: er war lange Jahre der treuſte Herzensfreund Luthers und gleichſam ſeine rechte Hand; er war ein hell glänzendes Licht und eine herrliche Säule der rechtgläubigen Kirche; er verdiente in Wahrheit alle die Lobſprüche, die ihm Luther und andere ertheilten. Allein deſto mehr müſſen wir es be⸗ klagen, daß dieſer ſo hochbegabte Mann ſpäter ſo tief gefallen, aus einem Irrthum in den andern. gerathen und ſo Viele nach ſich gezogen hat; wir erkennen an ihm mit innigen Mitleiden die heil. Gerichte Gottes, und wir würden ſeinen Fall mit ewigem Stillſchweigen bedecken, wenn wir ſichere Kennzeichen ſeiner rechtſchaffenen Buße hätten und wenn nicht heute noch unſere reform. und unirten Gegner Melanchthons berühmten Namen zur Beſchönigung ihrer Lehre und zur Verdächtigung Luthers und ſeiner Lehre miß⸗ brauchten und die von Melanchthon erdachte Unionsbrücke immer aufs Reue lobpreiſend rühmten. ——— ——— Brief an einen Gemeindevorſteber. (Scluho) I. Von der falſchen Kirchengemein— ſchaft unter Lutheranern und Re⸗ formirten. Wenn Kirchengemeinſchaft in nichts anderem beſtände, als in dem Unterlaſſen oder Halten ge⸗ wiſſer äußerlichen Ceremonien, ſo möchten wir uns wohl mit allerlei Volk zu einer Gemeine ver⸗ einigen können. Aber Gottes Wort lehrt uns, daß die Gemeinſchaft der Heiligen gegründet iſt auf das Wort der Propheten und Apoſtel, da Jeſus Chriſtus der Eckſtein iſt, Epheſ. 2, 20, daß ſie fortbeſtehen ſoll in Einem allerheiligſten Glauben, Jud. 20. Col. 2, 7., in einerlei Lehre 7 und Bekenntniß, 1 Cor. 1, 10. Gottes Wort