# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 11 10_S63 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tet iſt dadurch, daß es heißt, man wollte die er⸗ wachte Jungfrau doch noch begraben ꝛc. (angeb⸗ lich Alles zu ihrem Beßten). Aber mit dem Be⸗ graben der Jungfrau iſts nun einmal vorbei, und öbgleich ſie vor der Hand kein beneidenswerthes Leos hat (das Gleichniß bezeichnet ihre jetzige lage durch das Wohnen in einem Stalle), ſo wird ſie doch fortleben und erſtarken und ihre böſen Vormünder und Verwandten überdauern, magen dieſe auch immerfort von ihr als von ei⸗ ner Verſtorbenen reden, und ihren Leichnam im Sarge zu haben vorgeben; es iſt mit dieſer Re— liguie, wie mit mancher andern, nichts, ſondern eug und Trug. Das Land, wo ſich dieſe Ge— ſchichte zugetragen hat, kennt der Leſer, ohne daß ichs nenne; er weiß, wo man die Union mit Liſt und Gewalt eingeführt hat, wo aber, Gottlob! die lutheriſche Kirche doch noch nicht ausgerottet iſt wenn ſie auch fur jetzt nur als geduldete Bett— lerin ſch darinnen aufhalten darf. Doch — der alte Gott lebt noch! — Wie gefällt dir nun, lieber Leſer, das Gleich⸗ niß, wenn du es jetzt, nachdem du meine „Deu⸗ ter“ geleſen haſt noch einmal lieſeſt? Ich meine, es wird dir gefallen, wie mir, ſehr wohl. Ich hab' gber dieſes Gleichniß nicht nur darum ins S. Bl. hineingethan, weil es ſchön und wahr iſt, ſondern auch weil wir für uufere eigenen kirchli— chen Verhältuiſſe Manches daraus lernen kön⸗ nen. Es iſt zwar bei uns noch von keiner Union die Rede, wird ſo Gott will! auch nicht dazu kemmen. Aber andere Gedanken, noch viel ſchimmer, als Unionsgedanken, ſpuken in den Räfen mancher Leute, leider auch in Pfarrers— kärfen; ſie wollen gar keine Bekenntnißſchriften nehr, welen, wenn man ſie nach ihrem Glau⸗ ben fragt, nichts antworten, als: „Ich glaube, was in der Bibel ſteht““ Werden ſie aber ge— ſtagt: „Nun was ſteht denn in der Bibel?“ — da wellen ſie keine runde Antwort geben. Eine Kitche ohne Bekenntniß iſt aber ein Unding, und einer Kirche ihr Bekenutniß nehmen, heißt ſie in Grund und Boden hinein ruiniren; es iſt eben ſe viel, als wenn man einem Schiff Flagge, Steuer, Ruder, Segel und Kompaß, oder einem Celdaten Uniform und Waffen nehmen wollte. Es eine beabſichtigte bekenntnißloſe Kirche erin— nert gar zu ſtark an jenen Buben, der gefragt wurde: „Wie heißt du?“ — Antwort: „Wie nein Vater!““ — „Wie heißt denn dein Va⸗ ter“ — „Wie ich!“ — Merkſt du nicht den Unſun und den Betrug? Unſinn, weil eben mit der bloſen Berufung auf die Schrift kein Menſch weiß, was ich glaube; Betrug, weil dieſe Leute, um des lieben Brodes willen, doch noch für lu— thetiſch gelten wollen, obwohl ſie es eigentlich nicht uehr ſiud. Es ſoll ja Niemand gezwungen werden, lutheriſch zu bleiben, der nicht will; es ſl jeder glauben köͤnnen, was er will. Aber nau muthe auch der lutheriſchen Kirche nicht zu, ſch durch Unverſtand oder Heuchelei um ihr Be⸗ lenntniß betrügen zu laſſen, Leute, die dieß wol— len, in ibrer Mitte zu dulden, am allerwenigſten alo Lehrer und Prediger. Solche Leute ſind noch ſchlimmer, als die im Gleichniß, welche doch nur ihre Verwandte, ihre Mundel lebendig begraben wollten; dieſe aber wollen ihre Geſchwiſter, ja ihte Mutter lebeudig begraben, und doch noch den Namen der Gemordeten führen, ja dieſes Mutter⸗und Geſchwiſtermordes als eines guten, glerreichen Werkes ſich rühmen. Hüte dich vor 63— ſolchen Todtengräbern, am allerwenigſten geh⸗ ſelber mit ſolchen Todtengräbersgedanken um; und wollen ſie mit ihrem Todtengräberswerk an dich oder an die Deinigen: — wehre dich bis auf den letzten Blutstropfen, denk' und ſprich: „Sie ſollen mich nicht haben!“ Und ob ihnen ihr Werk auch auf eine Zeit lang gelänge: — der HErr IEſus Chriſtus, der Jairi Töchterlein auf dem Sterbebette, den Jüngling zu Nain im Sarge, den Lazarus im Grabe wieder auferweckte, der ſelber am dritten Tage zum großen Schrecken ſei— ner Feinde wieder lebendig aus dem Grabe her⸗ vorging, iſt geſtern und in alle Ewigkeit der— ſelbe. Darum fürchte dich vor dieſem Todten⸗ gräbersgeſindel nicht ſonderlich, aber wache, bete und kämpfe gegen ſie; im Uebrigen laß die Tod⸗ ten ihre Todten begraben, mit den Lebendigen wird's ihnen doch nicht gelingen, und vergiß nicht, daß der HErr JEſus geſagt hat: „Wo ein Aas iſt, da ſammeln ſich die Adler.“ (Matth. 24, 28.) Auch für dieſes Aas werden die Adler nicht ausbleiben. (Sonntagsblatt herausgegeben von Pfarrer Leydel in Nördlingen.) eeααmmmmm Miſſionsnachricht. Sibiwaing, den . Nov. 1850. Hochwürdiger Herr Präſes! Es iſt mir vom Heyyn eine ſchwere Aufgabe zuTheil geworden, Ihnen und unſerer ganzen Sy⸗ node von dem ſchrecklichenUngluck Nachricht zu geben, das unſere Miſſion am fünfzehnten dieſes Monats befallen hat. Herr Miſſionar Maier mit einem andern Manne, Namens Haushahn, hier wohnhaft, fanden ihr Grab in der Saginaw Bai am gedachten Tage. Sie reiſten in der Ab— ſicht, Winterproviant heimzuholen, den 12ten von Sibiwaing ab, fuhren am 15ten auf der Rückreiſe von Lower Saginaw bei günſtigem, aber ſehr ſtar— kem Winde ab und da derſelbe immer ſtärker wurde, anch ein ſolcher dicker Nebel auf der See war, daß man nur auf eine kleine Entfernung vor ſich hinblicken konnte, geriethen ſie gerade auf die ſchlimmſte Brandungsſtelle der ganzen Oſt— ſeite der Saginaw-Bai, und verunglückten hier, etwa eine halbe Meile vom Ufer und ſechs Mei— len von Sibiwaing. Gerade als ich von Shibo⸗ hank, dem Wohnorte Herrn Miſſ. Maiers, allwo ich in ſeiner Abweſeuheit Gottesdienſt hielt, nach Sibiwaing zuruckkehrte, fand ich einen Mann zu Hauſe mit einem Briefchen von einem Händler, der die Schiffͤladung wohlmeinend in Gewahr- ſam gebracht hatte, das dieſe Schreckeusbotſchaft euthielt. Fran Miſſ. Maier war bei ihres Man— nes Abweſenheit gerade bei uns und empfing nun die Kunde von dem Unglücke ihres Mannes mit uns. Die Jammerſcene, die erfolgte, will ich nicht beſchreiben. Der Herr, von deſſen Hand die Trübſal kam, tröſtete uns auch nach ſeiner großen Barmherzigkeit. Dafur ſei ihm Lob, Preis und Ehre! Des andern Tages ritt ich an den Ort hin und fand es, wie mir berichtet worden war, den Maſt am Schiffe abgebrochen, das Schiff ſelbſt umge— worfen und die Ladung auf eine halbe Meile längs des Ufers zerſtreut. Ob ich wohl an acht Meilen am Ufer hin und her ritt, ſo fand ich doch nur die Kappe des Herrn Maier ans Ufer getrie— ben. Wie mir da zu Muthe war! Tags darauf ging ich wieder auf den Unglucksort mit unſern deutſchen Anſiedlern hier, die ſich ſehr aufopfernd und theilnehmend erzeigten und das Schiff im Waſſer umdrehten. Nachdem wir abermals lan⸗ ge auf dem Waſſer vergebens nach den Leichna⸗ men umher geſucht hatten, kehrten wir mit der vielbeſchädigten Ladung Mehl heim nach Sibi⸗ waing. Ich unterlies nun alles weitere Nachſuchen bis letzten Montag, den 25ten; an welchem Tage ich in Begleitung unſers Dollmetſchers, des Bruders Herrn Maiers, der auf die Nachricht von ſeines Bruders Tode hierhergekommen war, und mit einem andern Manne abermals an den Ort hin⸗ ging. Zwei Meilen oberhalb der Unglucksſtätte ſtieg ich und der Bruder des Herrn Maier ans Land und während die andern Männer in einem Judianerboot fortfuhren, ſuchten wir am Ufer hin. Einen Rock von Herrn Maier fand ich auf dem Wege nebſt andern kleinen Artikeln gäm Schiff. Endlich kamen wir auf die Stelle, wo das meiſte Mehl gelegen hätte Und ald ich meine Augen vorwärts richtete, ſah ich Bruder Maier vor mir auf ſeinem Angeſicht, den Rock über ſei⸗ nem Hanupte, vom Waſſer hergeſchlagen, in etwa vier Zoll tiefem Waſſer, am Ufer liegen. Seinem Bruder zurufend, eilte ich hin. Ach welch' ein Aublick! Wir wendeten ihn um, ſeine Hände waren ſchneeweiß gewaſchen, ſein Geſicht braun⸗ roth, der Hirnſchädel eingeſchlagen. Der Bruder Maiers jammerte entſetzlich; ich ſuchte ihn ans Gottes Worte zu tröſten; — wie mirs ſelbſt ums Herz war, meinen Schwager ſo vor mir zu ſehen, laßt ſich nicht beſchreiben. Auch den andern Mann fanden wir nur ſechszig Schritte von Hrn Maier entfernt. Wir kehrten heim. Am andern Tage beerdigten wir ſie und ſäeten ſomit die er— ſten Saatkörner hier in S. auf dem Miſſionslan⸗ de, die einer ſeligen Auferſtehung entgegeuharren. Herr Miſſionar Maier war treu in ſſe i⸗ nem Berufe. Dies Zeugniß kann ich ihm mit gutem Gewiſſen geben, Er lebte ſeinem Herrn im Glanben; und ſomit haben wir aus Gottes unwaͤndelbarem Worte auch dio Zlſſche⸗ rung, daß er dem Herrn auch geſtorben iſt. Sein Alter brachte er auf 27 Jahre, einen Monat und 11 Tage. Ein großer Riß iſt dadurch in unſerer Miſſion gemacht. Wer wird denſelben ausfüllen? — Unſere Judiauergemeinde iſt ſehr traurig. Der Häuptling ſagte zu mir, als ich ſie mit Gottes Wort tröſtete: „Ja, nun hatten wir einen Seel⸗ ſorger unter uns, der uns Gottes Wort ver⸗ kundigtez ich freute michmit meinen Leuten horzlich daruber; ich gedachte mich bald in den Stand geſetzt zu ſehen, Gottes Wort ſelber lehren zu können; aber wie fieht es jetzt aus? Nacht und Finſterniß umgiebt uns jetzt wieder, wenn ich ans Schulgehen gedenke. Doch glaube ich es, wie Sie uns aus Gottes Wort ſagten, daß „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Beſten dienen muſſen.“ „—“ Ich habe nun im Vertrauen auf Gottes Bei— ſtand Shiboyank wieder übernommen; alle Sonn— tage und wenn es die Witterung erlaubt, aucht einmal in der Woche, habe ich verſprochen, dert Gottesdienſt zu halten. Indianerſchule habe ich auch wieder angefangen. Die hieſigen Indianer ſammt etwa acht deutſchen Familien liegen mir ob; iſt mir ſomit keine Stunde üͤbrig, in der ich mich nicht von allen Seiten mit Arbeit umgeben ſehe. Ach wie untuchtig fuhle ich mich zu dieſem