# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 11 10_S62 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) theidigt Luther dieſe Beichte in ſeinem Schrei⸗ ben an die Frankfurter. Dort ſagt er nämlich unter andern. „Wenn tauſend und abertauſend Welten mein wären, ſo wollte ich alles lieber ver⸗ lieren, denn ich wollt dieſer Beicht das geringſte Stücklein eines aus der Kirchen kommen laſſen. — Sie iſt der Chriſten erſte, nöthigſte und nütz⸗ lichſte Schule, darin ſie lernen Gottes Wort und ihren Glauben verſtehen und üben; welches ſie nicht ſo gewaltig thun in öffentlichen Lektionen und Predigten.“ An einer andern Stelle ſchreibt er davon alſo: „Es muß ja eine Form und Zucht in den Kirchen bleiben, welche ohne die Beichte nicht zu erhalten will ſein. Und ſollte dahin wohl gerathen, wo die Leute in der Beich⸗ te nicht gewohnten, die Sünde zu achten und der Abſolution oder Vergebung zu warten, daß mit der Zeit die Abſolution und Vergebung der Sünde ganz verlaſſen und umgekehrt Ding wer⸗ den ſollte und die Leute aus eigener An⸗ dacht wieder zum Sakrament liefen wie vorhin. So muß man ja auch dem tröſtlichen, freien Evangelio den Raum laſſen, daß es ſowohl einem jeglichen Menſchen, als Vielen mag geſagt wer⸗ den. Was iſt aber die Abſolution anders, denn das Evangelium, einem einzelnen Menſchen geſagt, der über ſeine bekannte Sünde Troſt da⸗ durch empfahr! So ſtehet da Chriſti Exempel, Matth. 9, da er den Gichtbrüchigen einzeln ab⸗ ſolvirt, und Lue. 7 die Sünderin.“ Weiter ſchreibt er: „Denn obwohl ein Prediger auf der Kanzel auch das Geſetz und Evangelium lehret, ſo läßt er's doch dabei bleiben, übet, fragt und forſcht Niemand, wie ers faſſe, kann auch nicht ſehen, wo es fehlet, wen er weiter tröſten oder ſtrafen ſolle, weil er keine ſonderliche Perſon vor ſich hat, die er üben mag ꝛc. ꝛc.“ Ich hoffe Ihnen durch dies alles genügend dar⸗ gethan zu haben, daß die Privatabſolution ſo we⸗ nig wie das Kreuzeszeichen für Sie ein Hinder⸗ niß ſein kann, einen lutheriſchen Paſtor zu beru⸗ fen. Iſt es Ihnen ſonſt ein Ernſt, ſo wird Sie das nicht abſchrecken. Wenn es Sie oder An⸗ dere zurückhält, das heil. Predigtamt unter Sich aufzurichten, ſo iſt es eben ein Zeichen, daß Ih⸗ nen überhaupt nicht viel daran gelegen iſt. Wenn Sie dann aber doch noch das Concordienbuch annehmen wollen, ſo wiſſen Sie ſelbſt nicht, was Sie damit eigentlich thun. Denn eben das Con⸗ cordienbuch lehrt uns, wie wir ſolche Kirchenge— bräuche und Ordnungen, wie das Kreuzeszeichen und die Privatabſolution zu halten Freiheit und Necht haben. Daß Ihnen und Andern in Ihrer Gemeine dergleichen unbekannt iſt und bei der Confirma⸗ tion am Altar nicht auferlegt ward, kann Ihnen auch kein Anſtoß ſein, da Sie Sich doch überzeugt haben müſſen und Jeder ſich aus dem Concor⸗ dienbuch überzeugen kann, daß es kutheriſche Ge⸗ bräuche und Ordnungen ſind. Zudem ſind Ih⸗ nen bei der Confirmation Ceremonien weder ge⸗ boten noch verboten, ſondern Sie haben gelobt, Gottes Wort und Glauben zu halten. Wort aber lehrt uns, wie ich Ihnen gezeigt habe gute und erbauliche Ceremonien zu beobachten. Sie brechen alſo Ihr Confirmationsgelübde nicht. Gottes- —62— wenn Sie einen Kirchengebrauch annehmen, den Sie nach Gottes Wort halten dürfen, obgleich Sie in der Kindheit denſelben nicht kannten. Hätte wohl jemals die Reformation zu Stande kommen können, wenn Luther und die, welche ihm folgten ſo geſagt hätten. Wir haben dies alles vorher nicht gekannt, darum wollen wir auch nichts davon wiſſen? Doch mißverſtehen Sie mich nicht; wenn ich Ihnen hier geſagt habe, daß das Kreuzeszeichen, Privatabſolution und andere lutheriſche Kirchen⸗ gebräuche löbliche Ordnungen ſind, ſo iſt es mei⸗ ne Meinung nicht, dieſelben Ihnen mit Wort und Sakrament in einen Rang zu ſtellen. Es iſt ein himmelweiter Unterſchied zwiſchen dieſen Gnadenmitteln, die Gott ausdrücklich geboten und ſolchen Kirchengebräuchen, die löblich und gut, aber an und für ſich ſelbſt keine Mittel zur Seligkeit ſind. Nein! da bleibt es dabei, was der 7te Artikel der Augsb. Conf. ſagt: „Denn dieſes iſt genug zu wahrer Einigkeit der chriſtli⸗ chen Kirche, daß da einträchtiglich nach reinem Verſtande das Evangelium geprediget, und die Sakramente, dem göttlichen Worte gemäß gerei⸗ chet werden. Und iſt nicht Noth zu wahrer Ei⸗ nigkeit der chriſtlichen Kirche, daß allenthalben gleichförmige Ceremonien, von den Menſchen ein⸗ geſetzt, gehalten werden, wie Paulus ſpricht Epheſ. 4: „Ein Leib, Ein Geiſt, wie ihr berufen ſeid zu einerlei Hoffnung eures Berufs: Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe.“ Wenn hiernach unter Umſtänden einzelne lu⸗ theriſche Gebräuche unterlaſſen werden können und auch das ein Paſtor in die Freiheit ſeiner Gemeine ſtellen möchte, ob ſie nach empfangener Belehrung bisher ungewöhnliche Ceremonien an⸗ nehmen will, alſo auch das Kreuzeszeichen und die Privatabſolution keine unerläßliche Bedin⸗ gungen ſind, unter denen ein Paſtor durch meine Vermittelung zu Ihnen gehen würde, ſo iſt das doch unbedingt zu fordern, daß diejenigen, welche mit Ihnen zu einer lutheriſchen Gemeine zuſam⸗ mentreten wollen die Kirchengemeinſchaft mit den „Reformirten“ aufgeben. Hiervon laſſen Sie mich Ihnen noch einige Worte ſchreiben. (Schluß folgt.) —— “ ———— Ein Gleichniß. „Es war eine edle Jungfrau, gar ſchön und reich, die ſtaund unter hohen Vormündern, daß dieſe ſie ſchützen ſollten, denn habgierige angeb⸗ liche Verwandte begehrten ihr reiches Erbtheil. Da wurden die Vormünder mit den böſen an⸗ geblichen Verwandten eins, die Jungfrau bei Seite zu ſchaffen und ſich in das Erbe zu theilen. Wie ſollten ſie es machen? Sie beſchloſſen, ſie lebendig zu begraben, und ihr vorher einen Schlaftrunk zu geben. Wie ſie dachten, ſo tha⸗ ten ſie. Sie gaben der Jungfrau giftigen Schlaf⸗ trunk, ſie ſank in Ohnmacht, und ſchien todt. Die Vormünder baten eine große Trauergeſell⸗ ſchaft, und machten ſehr fromme Geſichter. Eben wollte man den Deckel des Sarges zu⸗ ſchließen, da erwachte die Jungfrau. Die Leid⸗ tragenden baten ſie, ſtille zu liegen, und verſi⸗ — Güter verpraſſen. cherten, daß Alles zu ihrem Beßten geſchehe, aber ſie ſprang mit einem Schrei des Entſetzens aus dem Sarge, und eilte ins Freie. Die Vormün⸗ der und Verwandten hinterher, ſie wieder einzu⸗ fangen, und zu begraben. Da ging es an ein Jagen über Stock und Stein. Von ihrem Tod⸗ tenkleide, dem letzten Reſte ihrer großen Reich⸗ thümer, blieb noch manches an den Sträuchern ſitzen; aber die Angſt gab ihr Eile, ſie entkam. Lange irrte ſie in den Feldern und Wäldern als Bettlerin umher, endlich ſoll ihr eine mitleidige Seele einen Stall zur Wohnung angewieſen ha⸗ ben. Die Vormünder und Verwandten wollten die Erbſchaft nicht fahren laſſen, und blieben da⸗ bei, ſie ſei todt; da ſie aber die Jungfrau nicht begraben konnten, weil ſie dieſelbe nicht mehr hatten, legten ſie eine ausge ſtopfte Puppe in den Sarg, deckten einen Deckel darauf, in welchem Glasſcheiben angebracht waren, ſetzten ſie mit großem Pompe in einem kirchähnlichen Gebäude bei, und wenn nun Jemand kommt, und will von dem Vorgefallenen reden, oder gar für die Jungfrau etwas von ihrem Gute fordern, ſo zeigen ſie die Puppe durch“ die Glasfenſter, und man ſoll glauben, das ſei die Jungfrau, als ob die wirklich geſtorben ſei. Aber ſie lebt, und wird länger leben, als ihre Verwandten, die ihre Das gräulichſte an der Geſchichte iſt aber, daß ſie wahr iſt. Gott er⸗ barme ſich über das Land, wo ſolche Geſchichten geſchehen.“ Die Bedeutung dieſes Gleichniſſes, das ich neulich irgendwo las, werden wohl manche Le⸗ ſer ohne beſondere Deutung ſchon herausge⸗ bracht haben. Zum Ueberfluß will ich noch einige „Deuter“ herſetzen. Die „edle, ſchöne, reiche Inngfran“ iſt unſere liebe, theuere evangeliſch⸗lutheriſche Kirche. Ihr „reiches Erbtheil“ iſt ihr reines, ſchriftge⸗ mäſſes Bekenntniß, ihre ſchönen Gottesdienſte. „Die Vormünder“ ſind die hohen Herren in geiſtlichen und weltlichen Aemtern, die die Ver⸗ pflichtung hatten, ihr Erbe zu ſchützen und zu wahren. Die „böſen angeblichen Verwandten“ ſind — es mag hart lauten, aber ich kann nicht helfen! — die Reformirten, welchen die luthe⸗ riſche Kirche von jeher ein Dorn im Ange war. Die böſen Verwandten und ſchlechten Vormünder (ſchlecht, weil ſie nicht thaten, was ihres Amtes war), wollten das Erbe der Jungfrau theilen, d. h. ihr Bekenntniß, ſoweit es ihnen taugte, ihre Kirchen und Kirchengüter ſich aneignen. Das konnten ſie natürlich erſt nach ihrem Tode und Begräbniß, d. h. nach völliger Vernichtung der lutheriſchen Kirche, darauf arbeiteten ſie hin. Um zu dieſem Zwecke zu gelangen, gaben ſie der Jungfrau zuerſt einen Schlaftrunk, aber einen ſo ſtarken, daß ſie nach ihrer Meinung für immer daran entſchlafen ſollte; das iſt nichts ande⸗ res, als die Union, durch die die Leute abge⸗ ſtumpft werden ſollten, ſo daß ſie den Unterſchied zwiſchen Lutheriſch und Reformirt nicht mehr merken könnten. Der Schlaftrunk that ſeine Wirkung, die Jungfrau ſank in Ohnmacht und Scheintod, es ſchien aus zu ſein mit der lutheri⸗ ſchen Kirche. Aber ſie erwachte wieder wider alles Hoffen und Erwarten, d. h. es erſtanden und ſammelten ſich wieder einzelne Lntheraner und lutheriſche Gemeinden. Denen ging es freilich und geht es zum Theil noch ſehr kümmer⸗ lich und ſchlecht, wie das im Gleichniß angedeu⸗