# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 11 10_S59 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſieheſt du doch über mir und du machſt's mir trübe? Kurz, das Schaaf mußte herhalten, es mußte dem Wolfe das Waſſer trübe gemacht haben. Alſo meine Schwärmer auch, die haben das Feuer angezündet, wie ſie ſelbſt gar herrlich Erühmen als eine Wohlthat, und wollen nun die Schuld der Uneinigkeit von ſich ſchieben auf uns. Wer hieß Dr. Carlſtadt anfangen? Wer hieß Zwingel und Oecolampad ſchreiben? Haben ſie ts nicht vor ihm ſelbſt gethan? Wir hät— ten gern Friede gehabt und noch, ſie wollten's aber nicht zugeben! nun iſt die Schuld unſer: das iſt recht. Ich wollte aber dennoch gerne, wenn ſolche Schwärmer Gott janicht fürchten wollten, daß ſie ſich doch vor den Leuten ein wenig ſchämeten und nicht ſounverſchäm⸗ te Lügen ſchreiben. Sie ſagen, daß man ſolle Friede haben und hören ſelbſt nicht auf, ſol⸗ chen Unfrieden zu mehren, wie jedermann ſehet und höret, iſt auch ihre Freude, je weiter es ge⸗ bet. Item, ſie ſagen, es ſey eine geringe Sache und iſt doch jetzt kein Stück, das ſie ſo faſt trei⸗ ben, ſorgen und anhalten; die andern Stücke alle liegen ſtille. Hier werden ſie Märtyrer und Heilige, wer hier nicht mit ſchwärmet, der iſt kein Chriſt und kann nichts in der Schrift noch im Geiſt, ſo treffliche große Kunſt iſt's, wer Brod und Wein ſagen kann, in der Kunſt arbeitet jetzt der Heilig Geiſt alleine; Es iſt aber in der Wahr⸗ heit nichts anders, denn daß unſer der leidige Teufel vurch ſie noch dazu ſpottet, als ſollte er jagen: Ich will mit der That alles Unglück und lmeinigkeit anrichten und darnach das Maul wiſchen und mit Worten ſagen: Ich ſuche und begehre Liebe und Einigkeit, wie der Pſalter auch ſagt: Sie reden von Friede mit ihrem Nächſten, aber Böſes haben ſie imHerzen, Pſ.28,3. —Wohl⸗ „an, weil ſie denn ſo gar verrucht ſind und alle Welt ſpotten, will ich eine lutheriſche Warnung nazu thun und ſage alſo: Verflucht ſey ſolche Liebe und Einigkeit in Ab⸗ grund der Hölle; Darum, daß ſolche Ei⸗ nigkeit nicht alleine die Chriſtenheit jämmerlich ertrennet, ſondern ſie nach teufeliſcher Art noch zu ſolchem ihrem Jammer ſpottet und närret. Nun ich wills nicht ſo arg auslegen, daß ſie es aus Bosheit thun, ſondern durch den Satan alſo verblendet ſind und machen vielleicht bei ſich ein ſlch Gewiſſen, das ſie beiſſet, nemlich: Wir ha⸗ ben wahrlich ein groß Argerniß angericht und ſeuer angezündet, ſo wollen wirs nur mit Wor⸗ uen lleiſtern und zuſtreichen und vorgeben, Glimpf uu finden, es ſey nicht groß Ding. Und ob wir die Sache verlören, wären wir damit zuvorkom⸗ men, daß wir nicht Großes verloren hätten und ein klein Schöndlein eingelegt, und wie man von den Süngern ſagt, wenn ſie fehlen. nur ein Fer⸗ kl gemacht.“ Mein, mir nicht, lieben Herren, des Friedens und der Liebe. Wenn ich einem Vater und v Mutter, Weib und Kind erwürget und wollt ihn auch dazu würgen und darnach ſagen: Halt Friede, lieber Freund, wir wollen uns lieb ha⸗ ben, die Sache iſt nicht ſo groß, daß wir ſollten num uneins werden: was ſollt er zu mir ſa⸗ Frieden ſchließen. — 59—.— gen? O wie lieb ſollte er mich haben! Alſo, die Schwärmer erwürgen mir Chri⸗ ſt um, meinen Herrn, und Gott Va⸗ ter in ſeinen Worten, dazu meine Mutter, die Chriſtenheit, ſammt meinen Brüdern, wollen dazu mich auch todt haben und ſagen darnach: Ich ſolle Friede haben, ſie wollen der Liebe mit mirpflegen.“ Hieraus iſt klar, daß allerdings von Luther keine Union der beiden Richtungen des Prote⸗ ſtantismus zu erwarten war;“ Daß aber auch alle derartige Unionsverſuche ſamt und ſonders vergeblich ſeyn müſſen, dafür wollen wir nur je⸗ ne bekannte Stelle über Pſ. 110, V. 2. anführen: „Es fahen wohl jetzt (1539) etliche Klüglinge an zu flicken, wollen den Sachen rathen und den Hader ſchlichten, geben für, man ſollte auf beiden Seiten weichen und nachgeben; die laſſen wir zwar machen und verſuchen, was ſie können, gön⸗ nen ihnen der Mühe wohl; werden ſie aber den Teufel fromm und mit Chriſto eins machen, ſo ſind ſie die erſten. Ich halte es aber, es ſey mit ſolchem Flickwerk eben, (wie Jeſus Sirach am 22. V. 7. ſagt,) als wenn man Scherben wollte zu⸗ ſammenflicken; und ſind zwar bereits der Schu⸗ ſter viel geweſen, ſo ſichs unterſtanden, aber auch umſonſt gearbeitet, und beide Drath und Stich verloren.“ Dennoch hat Lu ther es nicht an heilſamen Rathſchlägen zur Förderung einer wahren Union fehlen laſſen, wie dieß namentlich die Geſchichte der Wittenberger Concordie im J. 1536 zeigt; und als im folgenden Jahre zurBefeſtigung der⸗ ſelben die beiden Abgeordneten der Schweizeriſchen und anderer Gemeinden ſich mit ihm in Gotha unterredeten, bewies er ſich gar freundlich und leutſelig gegen ſie und ließ ſich unter Andern, wie Mattheſius erzählt, alſo vernehmen: „Das wäre das Beſte zur Sache, daß ſie forthin ſtillſchwiegen und recht lehreten und frei und rund he⸗ raus bekenneten: Lieben Freunde, Gott hat uns fallen laſſen, wir haben geir⸗ ret, laſſet uns nun fürſehen und recht lehren; denn mit dem Umhermanteln läßt es ſich nicht thun, man kann auch der Leute Gewiſſen mit ſol⸗ chem Umſchweifen nicht ſtillen, Gott werde auch der Lehre halber eine ſcharfe Rechnung fordern, darum dürfen wir in unſerm Amte Gott nichts vergeben.“ Wenn nun ferner „der Vermittelungsverſuch Calvins durch ſeine Abendmahlslehre“ erwähnt wird, ſo erhellet ſchon aus dem Bisherigen zur Genüge, daß wir auch dieſen, ſo wie alle früher oder ſpäter ausgedachten Vermittlungsverſuche ein für allemal als der Wahrheit zuwider, zu— rückweiſen müſſen; denn wir können nun einmal keine Vermittelung anerkennen zwiſchen Gottes und des Menſchen Gedanken und Wegen, denn ſie ſind ſo weit von einander, als der Himmel von der Erde; keine Vermittelung zwiſchen Got⸗ tes Wort, das eitel Wahrheit iſt und Menſchen⸗ wort, das eitel Lügen iſt; keine Vermittelung zwiſchen dem chriſtlichen Glauben und der menſch⸗ lichen Vernunft, denn ſie können doch nimmer Was iſt die Vermittelung 1 zwiſchen Wahrheit und Irrthum anders als eine Zwittergeſtalt? was vermittelt Licht und Fin⸗ ſterniß, als die Dämmerung vor einbrechende Nacht? was liegt zwiſchen Warm und Kalt an⸗ ders als Lau? Laue aber will der Herr ausſpei⸗ en aus ſeinem Munde. Nein, wir wollen ſol⸗ che Vermittelungsverſuche nicht, wir wollen bei Luthers Lehre und in Chriſti Lehre bleiben, denn er ruft uns heute noch in allen ſeinen Schriften zu: Dieß iſt der Weg, denſelbigen gehet, ſonſt weder zur Rechten noch zur Linken, und wer auf dieſem Wege mit uns wandeln will, dem reichen wir die Bruderhand im Namen des rechten eini⸗ gen Mittlers zwiſchen Gott und den Menſchen und wiſſen gewiß, daß an ſolchen dann auch die Weiſſagung erfüllt werden wird: Ihr werdet entweihen eure überſilberten Götzen und die gol⸗ denen Kleider eurer Bilder und werdet ſie weg⸗ werfen wie einen Unflath und zu ihnen ſagen: hinaus! Jeſ. 30, 20. 21. Iſt es nicht auch ein lautredendes Zeugniß gegen alle ſolche Vermittelungsverſuche zwiſchen der luth. und reform. Abendmahlslehre, daß es ſelbſt unter denen, welche ſich mehr zu der Letztern hinneigten, noch bis heute nicht zur völligen Ei⸗ nigkeit gekommen iſt: Waren die Stimmführer derſelben zur Zeit der Reformation, Carlſtadt, Zwingli, Oecolompadius, Schwenkfeld, Campa⸗ nus u. A., die Luther die ſiebenköpfige Schlange nennt, unter ſich ſelbſt einig, haben alle die ſpä⸗ tern Vermittlungsverſuche, welche größtentheils von Seiten der Reformirten ausgegangen ſind, die Leute von verſchiedenen Anſichten einander näher gebracht, hat nicht jeder ſeine Anſicht als die richtigſte feſtgehalten, und kann es auch anders ſeyn, da es ſich bei den Reformirten, wie der „Kirchenfreund“ ſelbſt bekennt, nur um „Anſich⸗ ten“ handelt und überdieß ſich auch i in neuer Zeit die Anſicht immer mehr Anſehen zu verſchaf⸗ fen weiß, als ſey die Lehre vom heil. Abendmahl kein Artikel des Glaubens, darum ſollte man nicht darum zanken, ein jeder möchte hier glau⸗ ben, was er wolle!? Was aber endlich Calvins kirchlichen Einfluß betrifft, ſo ſagt davon Walch in ſeinerEinleitung zu den theol. Streitigkeiten innerhalb der luth. Kirche kurz und bündig: „Nach Luthers Tode geſchahe die völlige Trennung der Reformirten von unſerer Kirche, welche inſonderheit Joh. Cal⸗ vinus nebſt einigen andern beförderte. Bisher betrafen die Streitigkeiten zwiſchen den Luthera⸗ nern und Zwinglianern vornehmlich die Lehre vom heil. Abendmahle; als aber der Calvinis⸗ mus empor kam, wurden auch die andern ſtreiti⸗ gen Punkte wegen der Communication der gött⸗ lichen Eigenſchaften und der Gnadenwahl je mehr und mehr rege. Solcher calviniſchen Lehre fingen verſchiedene, die ſich äußerlich zur Augs⸗ burger Confeſſion bekannten, beizupflichten an, welches Übel nachgehends weit überhand nahm, dazu die Hauptgelegenheit Philippus Melanch⸗ thon gegeben hatte.“ Wir müſſen nun zu dem traurigen Geſchäft übergehen, die Abweichungen Melanchthons von der Lehre Luthers beſonders hinſichtlich des heil. Abendmahls nachzuweiſen, und zwar nach den