# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 07 26_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Colleges mit einem bestimmten Gehalt. Die andern Gemeinden in Perry County traten größtentheils dieser Berufung bei und verwilligten dem genannten Rector Gönner, der im September 1843 hier in Altenburg ankam, außer der Wohnung noch bestimmte Beiträge an Naturalien, Arbeit und Holz. Die Gemeinde Altenburg hatte auch schon vorher die Beköstigung und Pflege zweier Zöglinge mit mir übernommen; vier derselben sind hier einheimisch, zwei aus St. Louis wohnen beim Rector Gönner. Die Zahl unsrer Schüler ist nehmlich gegenwärtig acht, worunter drei größere (von 16-20 Jahren) die erste, und fünf jüngere (von 11-14 Jahren) die zweite Classe bilden, welche letztere wiederum in einigen Fächern zwei Abtheilungen hat. Nach einem von uns Lehrern der Anstalt gemeinschaftlich entworfenen Schulplan, sind unsre gegenwärtigen Lectionen, worin wir uns getheilt haben, kürzlich folgende: Rector Gönner, welcher vorzüglich das Sprachstudium, und zwar mit besonderer Rücksicht auf Theologie, leitet, liest mit der ersten Classe die heil. Schrift in den beiden Grundsprachen, im Griechischen noch besonders den Xenophon und Plutarch, im Lateinischen aber nach dem Jul. Cäsar jetzt vornehmlich den Cicero, wobei auch die griechischen und lateinischen Dichter, besonders Homer und Virgil, nicht vernachlässigt werden. Außerdem ertheilt er noch den Unterricht in der Englischen Sprache. — Pastor Keyl, nachdem er im vorigen Jahr einen Cursus der Kirchengeschichte nach Rechenbergs lat. Compendium und die Erklärung des Grundtextes vom Brief an die Römer und ersten Briefe St. Petri mit der ersten Classe vollendet hatte, trägt jetzt derselben die symbolische Theologie nach Rechenbergs theologia Symbolica vor, und gibt Anleitung zu schriftlichen Auszügen aus den Hauptschriften Luthers. — Der Unterzeichnete fährt gegenwärtig mit der ersten Classe noch fort in dem Vortrag der christlichen Glaubenslehre nach Leonh. Hutteri Compendium locorum Theologicorum und in der practischen Erklärung der Psalmen und der Harmonie der vier Evangelien, woran auch die zweite Classe Theil nimmt. Außerdem gibt er die Anleitung zu deutschen Aufsätzen, die er dann corrigirt, ertheilt Unterricht in der Catechetik, in der Einleitung zur Psychologie und Logik, in Französischen und in der Mathematik. — Mit der zweiten Classe treibt Rector Gönner in der lateinischen, griechischen und englischen Sprache die vorbereitenden Lectionen zu den Studien der ersten Classe. Der Unterzeichnete repetirt außer den bereits genannten Bibelstunden mit der zweiten Classe den lutherischen Katechismus, übt sie in deutschen Aufsätzen, im Erzählen und Declamiren, ertheilt den Unterricht in der Geographie, Geschichte, Arithmetik und Geometrie, und läßt nach Vorlegeblättern zeichnen. Schullehrer Winter gibt beiden Classen Unterricht im Gesang und auf dem Clavier. Wir können von unsern sämmtlichen Zöglingen sagen, daß sie nicht nur in ihrem Verhalten sich durch die Zucht und Vermahnung aus Gottes Wort willig leiten lassen, sondern auch alle, obwohl in verschiedenen Graden, zum Studiren Fähigkeit besitzen und bis jetzt soviel Fleiß angewendet haben, daß die Arbeit an ihnen keineswegs vergeblich gewesen ist. Wir wissen aber auch, wieviel an ihnen zu thun ist, und wie namentlich die Größeren nun bald ihrem künftigen Beruf in practischen Uebungen immer näher zu führen sind. Wir würden uns hierbei, wenn es sonst an seinem Orte wäre und der Raum dieser Blätter es gestattete, gern noch über manchen pädagogischen Gegenstand aussprechen, worin uns guter Rath willkommen wäre. Denn es ist uns fürwahr nichts Leichtes, einen, den Americanischen Verhältnissen angemessenen, ersten Studierplan aufzufinden, nach welchem wir unsre jungen Leute, soweit unsre schwachen Kräfte reichen und unsre übrigen Amtsgeschäfte es zulassen, gern auf der rechten Mitte zwischen möglichst wissenschaftlicher Bildung und practischer Tüchtigkeit für's Leben, dem Dienste der Gemeinde — sowohl an Kirche, als Schule—zuführen möchten. Wer uns diese und andre unsrer Lehrersorgen, die unter allerlei andern Lasten unsres Berufs oft schwer auf uns liegen, mit Rath und That erleichtern kann; wer es zu ermessen versteht, was uns, um die uns anvertrauten Zöglinge zu ihrem künftigen wichtigen Beruf noch besser und zweckmäßiger vorzubereiten, etwa noch zu rathen wäre, — doch also, daß der Rath auch unsern Kräften und Verhältnissen angemessen und bei allerlei schwierigen Umständen wirklich ausführbar wäre, — der lasse sich die Sache, so ihm anders die Ehre Christi und das Gedeihen kirchlicher Pflanzschulen am Herzen liegt, zu ernstlicher Ueberlegung und Theilnahme wohl befohlen sein. Alle aber, welche wissen und bekennen, daß der Name Gottes nur da geheiligt und fromm und gottselig gelebt werden kann, „wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird; alle, welche Gott von Herzen darum bitten, daß sein Reich, wie zu uns und zu denen, die jetzt mit uns leben, so auch zu denen, die nach uns geboren werden, durch den wahren Glauben kommen möge, der durch die Predigt des Evangeliums vom heil. Geist gewirkt werden soll, — alle, die das mit uns wissen, bekennen und ernstlich erbitten helfen, mögen in ihrem Vater Unser auch unsrer Pflanzschule zur Bildung künftiger Lehrer und Prediger fleißig gedenken, daß Gott unsrer Hände Werk in Gnaden fördern, uns Lehrern Weisheit, Kraft, Treue und Geduld verleihen, die jungen Pflanzen aber zu seinem Preise grünen und blühen lassen möge! — Indem wir uns dieser Fürbitte von allen redlichen Genossen unsres Glaubens mit Zuversicht versehen, haben wir uns auch gefreut, daß nicht nur die Gemeinde des Past. Walther zu St. Louis schon einigemal unsern Schulbedürfnissen abgeholfen und auch zur Ermunterung des Fleißes unsrer Zöglinge sich mildthätig bewiesen, sondern auch die Gemeinde des Past. Brohm in New York zum Besten unsres Colleges, wie wir hören, einen ansehnlichen, aus ihr gesammelten Beitrag angewiesen hat. — Gott segne diese Gemeinden dafür und erwecke immer mehr auch in andern Gemeinden unsers Bekenntnisses christlichen Eifer und rechte Sorgfalt dafür, daß „Heilige zum Werk des Amtes zugerichtet und der Leib Christi erbauet werde. Eph. 4, 12. In dieser Beziehung könnten wir wohl noch Manches in Erwähnung bringen, was zur Unterstützung der Lehrer und Schüler an unserer Lehranstalt sehr wünschenswerth wäre; wir könnten auch wohl an das ermunternde Vorbild unsrer frommen Voreltern erinnern, welche einst in unserm alten Vaterlande so viele Stiftungen zur Gründung und Erhaltung von Kirchen und Schulen gemacht, zahlreiche Stipendia für arme Studirende ausgesetzt und auf vielfach andre Weise ihren Eifer für die Sache Christi und seiner Kirche an den Tag gelegt haben; aber wir wollen für diesmal zum Schluß nur noch auf einen andern Punkt aufmerksam machen, den der sel. Luther an mehreren Orten seiner Schriften, ganz besonders aber in dem Sermon vom Jahre 1530. „Ermahnung, daß man Kinder zur Schule halten soll so dringend und gewaltig seinen lieben Deutschen an das Herz legt. In diesem Sermon zeigt er nämlich die hohe Pflicht und Verbindlichkeit christlicher Eltern, wenn ihnen Gott zum Studiren fähige Knaben geschenkt habe, dieselben auch zum Dienste Gottes und seiner Kirche freudig und gern hinzugeben, daß sie zu Lehrern und Predigern, oder zu Rechtsgelehrten und Aerzten u. dgl. gebildet und auferzogen werden. Wir möchten diesen ganzen Sermon unsern americanischen Landsleuten und Glaubensgenossen herausschreiben und empfehlen ihn einem Jeglichen, der ihn haben und lesen kann. Die Hauptsumma aber daraus kann ein Jeder in den Worten der Vorrede Luthers zu seinem kleinen Katechismo finden, welche also lauten: „Insonderheit treibe auch daselbst die Obrigkeit und Eltern, daß sie wohl regieren und Kinder ziehen zur Schule, mit Anzeigung, wie sie solches zu thun schuldig sind, und wo sie es nicht thun, welch eine verfluchte Sünde sie thun. Denn sie stürzen und verwüsten damit beide, Gottes und der Welt Reich, als die ärgsten Feinde, beide Gottes und der Menschen. Und streiche wohl aus, was für greulichen Schaden sie thun, wo sie nicht helfen Kinder ziehen zu Pfarrherren, Predigern, Schreibern und dgl., daß Gott sie schrecklich darum strafen wird; denn es ist hier Noth, zu predigen," u. s. w. — Der berühmte Professor Schubert zu München erzählt von seinem sel. Vater, welcher Stadtprediger zu Hohenstein in Sachsen war, wie derselbe durch obige Worte Luthers zum Studiren gekommen sei. Des Profess. Schuberts Großeltern nehmlich hatten einen einzigen Sohn, der sie einmal in ihrem Bandhandel unterstützen sollte. Der Knabe aber war immer gern hinter den Büchern und las und lernte da-