# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 11 10_S57 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ————————————— „Sottes Wort und Luthers Lehr' vergeht nun und nimmermehr.“ — — —— — (Effenb. Joh. Cap. 11 v. 6. 7.) Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten. Nedigirt von C. F. W. Walther. * — Jahrg. 7. St. Louis, Mo., den 10. Deceember 1850. No. S. Bedin gunge . Der Lutherauer erſcheint alle zwei Wochen elnmal für den jährlichen Lubseriptiensrreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben voraus zube ⸗ Ahlen und das Poſtgeld zu tragen haben.— In St. Lonis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen aber. welches Geſchäftliches. Beſtellungen, Abbeſtellungen. Gelder 26. enthalten, unter der Adreſſe Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt.) Luther und Melanchthon. (Fortſetzung.) Dervierte Punkt, den der „Kirchenfreund“ in Betreff des gegenſeitigen Verhältnißes Lu⸗ tbers und Melanchthons hervorhebt iſt dieſer: „Sie ergänzten ſich nicht nur perſönlich, ſondern ſie gehörten auch nothwendig zuſammen, um das Werk der Reformation, das für Einen Mann vicl zu umfangreich war, um ſo ſicherer durchzuführen und vor Extremen zu wahren.“ Unter dieſer „ſichern Durchführung“ und „Be— wahrung vor Extremen“ kann wohl nichts an⸗ deres gemeint ſein, als dieß: Melanchtons all⸗ zugroße Nachgiebigkeit gegen die Papiſten („durch welche die Reformation großentheils wieder rückzjängig gemacht worden wäre“) wurde durch Luthers Standhaftigkeit, und Luthers all⸗ zugroße Standhaftigkeit gegen die Reformirten wurde durch Melanchthons Nachgiebigkeit er⸗ gänzt, und ſo kam das Reformationswerk end⸗ lich zu Stande. Im Betreff des Letztern ſagt der „Kirchenfreund“: „daß Melanchthon die ſtreng lutheriſche Richtung auch in ihrem Ver⸗ bältniß zur reformirten Kirche ergänzte. Luther war bekanntlich wegen ihrer verſchiedenen An⸗ ſicht vonm Sacramente“ (folglich hatten die Schweizer nicht die Schriftlehre, ſondern bloß eine Anſicht darüber) „unerbittlich ſtreng und ſcharf, ja lieblos und abſtoßend. Von ihm war „B keine Union der beiden Richtungen des Prote⸗ — ſtantismus zu erwarten“ ) (ganz natürlich; denn Luther mußte gegen die falſche Lehre der Neformirten proteſtiren, während dieſe ſich beru⸗ fen fühlten, gegen die rechte Lehre Luther's zu proteſtiren.) „Melanchthon dagegen neigte ſich ſpäter, als die lutheriſchen Zeloten die Sache ſo ſehr auf die Spitze trieben“ (eine beliebte ziem⸗ lich abgenutzte tadelnde Bezeichnung der nöthi⸗ gen Schärfe in der Darlegung der rechten und Verwerfung der falſchen Lehre, da doch das Wort Gottes ſelbſt ſchärfer iſt denn kein zwei⸗ ſchneidig Schwerd“,) „immer mehr zur refor⸗ mirten Seite hin, zwar nicht zur zwingliſchen, aber zur calviniſchen Abendmahlslehre, die un⸗ terdeß als ein Vermittlungsverſuch“ (alſo nicht als ein Verſuch die Wahrheit an den Tag zu bringen — ganz wahr!) „zwiſchen beide Extreme hineingetreten war. Melanchthons theologiſche Richtuug iſt als eine Brücke vom ſtren— gen Lutherthum zur reformirten Kirche zu betrachten“. (Das iſt doch *) Als der Herr Kirchenfreund dieſes ſchrieb, hatte er wahrſcheinlich unſeren lieben Friedensboten allbier noch nicht geleſen; der würde ihn am Ende auf andere Gedanken von Luther gebracht haben. Denn dieſer Bote verſteht ſein Unirungshandwerk offenbar beſſer; der läßt die Vergangen⸗ beit — Vergangenheit ſein und macht ſich ſeine Geſchichte ſelbſtz durch dieſes Mittelchen verwandelt der weitgereiſte Boie ſogar Luthern in einen aeumodiſchen Unionsmann. In alten Zeiten hätte man ſreitich einen ſorlen Burſchen nicht Friedens⸗, ſondern Lügenbote genannt und kein ehrli⸗ cher Menſch hätte ſich etwas mit einem ſo unverſchämten Lü⸗ genmaul zu ſchaffen gemacht. D. R. einmal frei heraus geredet nnd leider auch dieß nur allzuwahr.) Ehe wir zur näheren Beleuchtung dieſer Be⸗ hauptung übergehen, müſſen wir uns gegen ei⸗ nen Ausdruck erklären, der mit der bezeichneten Sache zu genau zuſammenhängt, als daß eine Erklärung dagegen für ein bloßes Zanken um Worte anzuſehen wäre, und das iſt der Aus⸗ druck Reformatoren; dieſen hohen Ehren⸗ namen legt man bekanntlich nicht nur Luthern, ſondern auch Melanchthon, ja auch Zwingli und Calvin bei, indem man ſie als gemeinſchaftliche Beförderer des großen Werkes der Reformation betrachtet; allein dieß iſt unſeres Wiſſens nie von Seiten entſchiedener Lutheraner, wenigſtens nicht abſichtlich, ſondern je und je nur von Re— formirten und Unirten, oder derer, die ſich zu ih⸗ nen hinneigen, geſchehen. Darüber, daß Luthern allein der Ehrenname Reformator gebühre, wer⸗ den wir einige Zeugniße namentlich ſolcher Theo⸗ logen nehmen, denen man am wenigſten den Vorwurf einer gewiſſen Partheilichkeit machen kann. Von Melanchthon führt Selneccer in ſeinen Recitationen folgende Worte an: „Wollten wir nicht ganz blind, unver— ſtändig und undankbar ſein, ſo müß⸗ ten wir ſagen, Gott habe in unſerem Deutſch⸗ land, beſonders in Meiſſen und Sachſen, ſich den einen Luther erwählt, ihn erweckt, gelehrt, ge⸗ führt, regiert und beſchützt zur Reinigung rer Lehre des Evangelii“. Bucer hat ſich alſo