# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 11 10_S49 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * Sebingungen; I——————I— ——————— ——— „Gottes Wort und Luthers Lehr“ vergeht nun und nimmermehr.“ — (Sſſenb. Joh. Cap. 14 v. 6. 7.). Herausgegeben von der Deutſehen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten. Nedigirt von C. F. W. Walther. Jahrg. 7. St. Lonis, Hlo., den 26. Nodember 1850. No. 7. cöſrivtienspre (Eingeſandt.) Luther und Melanchthon. Unter dieſer Überſchrift erſchien im dießjähri⸗ gen Februarheft des „Kirchenfreundes“ ein Auf⸗ ſatz, der um mehrererUrſachen willen eine Erwie— dernng von unſerer Seite nöthig macht. Würden wir dazu ſchweigen, ſo verleugneten wir die Lau⸗ terkeit unſerer Lehre, ſowie das Zeugniß der Ge⸗ ſchichte, wir machten uns ſchuldig des ſchnödeſten Undankes gegen Gott und ſeine Gaben, ſo wie derſchändlichſten Gleichgultigkeit in Sachen un⸗ ſered allerheiligſten Glaubens, wir gäben zu er⸗ kennen, daß wir anch die letzte Spur geübter Sine zum Unterſchied des Guten und Böſen verloren hätten, und daß wir wie die Leute zu Ninive nicht mehr wußten, was rechts oder links wäre; nunſer Stillſchweigen könnte in denen, die ſich den ſüßen Träumen von Vereinigung widerwärtiger 7 kehre hingeben, eine allzufrühe Hoffnung nach dem Sprüchwort erwecken: wer ſchweigt, ſtimmt bei; wir würden auch die Liebe verleugnen, wenn wir nicht wenigſtens verſuchen wollten, diejeni⸗ gen, welche durch ſolchen Sirenengeſang ireniſcher Schriften verlockt werden könnten, zu warnen, ob wir auch im Voraus wüßten, daß wir damit we⸗ nig ausrichten und uns nur auf's Neue den Vor⸗ wurf der Engherzigkeit und Liebloſigkeit zuziehen würden. Dieſer Gegenſtand hat aber auch noch eine all⸗ gemeine Wichtigkeit; wer über dieſe beiden theu⸗ ern Gottesmänner und ihr gegenſeitiges Verhält⸗ niß zu einem ſichern Urtheil gekommen iſt, der Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Einem Dollar für die answärtigen Unterſchreiber, welche denfelben voraus ube⸗ Ialen und das Peſtgeld zu tragen haben.— In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. hat damit viel gewonnen zur rechten Beurthei⸗ lung einer Menge verwandter Gegenſtände von der Zeit der Reformation bis herab auf unſere Tage. Von den vier in dem erwähnten Aufſatz aufge⸗ ſtellten Differenzpunkten wollen wir jetzt die Drei erſten ins Auge faſſen und den letzten bis auf ein andermal verſparen. Zuerſt wird die Behauptung ausgeſprochen, daß der zwiſchen Luther und Melanchthon ge⸗ ſchloſſene Freundſchaftsbund theils durch des Er⸗ ſteren Heftigkeit und Launenhaftigkeit theils durch des Letzteren Nachgiebigkeit gegen römiſche Ka⸗ tholiken und Reformirte, beſonders ſeit dem Jahre 1536 mehrfach getrübt worden ſeyG. In der wei⸗ tereu Beſchreibung beider Charaktere heißt es von Luther: „Der Kampf war ſein eigentliches Element. Alle ſeine Thaten ſind Schlachten, in all ſeinen Worten riecht man Pulver. Freilich war er nicht ſelten allzuſtürmiſch, ließ ſich wie ein ungebändigtes Roß laufen und machte in ſeiner Polemik die derbſten Ausfälle auf Perſönlichkeiten, wie Eck, Emſer, Heinrich VIII.“ Von Me⸗ lauchthon wird dagegen unter Anderm ge⸗ ſagt: „Saftmuth, Milde, Ruhe und Beſonnen⸗ heit waren ſeine leitenden Eigenſchaften. Er liebte den Frieden über alles.“ Zur genaueren Beurtheilung deſſen was hier von Luthers Heftigkeit gegen Freunde und Feinde geſagt wird, wollen wir erſtlich das eigene Zeugniß Melanchthons hören, das er aus achtundzwanzigjähriger Erfahrung in ſeiner Rede bei L's. Begräbniß abgelegt hat: „es muß ein jeder, der ihn recht erkannt und oft um ihn gewe⸗ Nur die Briefe, welche Mittbellungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen aber. welches Geſchäftliches, Beſtellungen. Abbeſtellungen, Gelder 19. enrhalten, unter der Adreſſe Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. — ſen, dieſes bezeugen, daß er ein ſehr gütiger Man geweſen und wo er unter Leuten war, in allen Reden holdſelig, freundlich und lieblich und gar nicht frech, ſtürmiſch, eigenſinnig oder zänkiſch, und war doch darneben ein Ernſt und Tapferkeit in ſeinen Worten und Gebehrden, als in einem ſolchen Mann ſein ſollte. Summa, es war in ihm das Herz treu und ohne Falſch, der Mund freundlich und holdſelig und (wie St. Paulus von den Chriſten fordert) alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keuſch, was lieblich iſt, was wohl lautet ꝛc. ꝛc. Daher offenbar iſt, daß die Härtigkeit, ſo er wider die Feinde der reinen Lehre in Schriften gebraucht, nicht eines zänkiſchen und boshaftigen Ge⸗ müths, ſondern eines großen Ernſts und Eifers zu der Wahrheit gewe⸗ ſen iſt. Solches müſſen wir alle und viel an⸗ dre fremde Leute, die ihn geſehen und gekannt, von ihm Zeugniß geben. — Daß aber etliche auch gutherzige Leute je zu Zeiten geklagt, Doctor Lu⸗ ther wäre etwas zu hart und rauh geweſen im Schreiben, davon will ich nichts disputiren, we⸗ der ihn zu entſchuldigen, noch zu loben, ſondern laſſe es bei der Antwort, die hiervon Er as mus oft gegeben: Gott habe der Welt in dieſer letzten Zeit, darin große und ſchwere Seuchen und Ge⸗ brechen überhand genommen, auch einen harten ſcharfen Arzt gegeben. Und ſo hat Gott ein ſolch Werkzeug wider die Feinde des Evangelii, ſo mit großem Stolz, Frechheit und Frevel wider die Wahrheit laufen, erwecket, wie er zu dem Prophe⸗ ten Jeremia Kap. 1, 9 ſpricht: Siehe ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt, daß du aus⸗