# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 07 26_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 26. Juli 1845. No. 24. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Die lutherische Lehranstalt zu Altenburg in Perry Co., Mo. Schon längst ist es wohl von mehreren Seiten erwartet worden, daß wir über den hier genannten Gegenstand eine Nachricht in diesem Blatte ertheilen würden. Einige unserer entfernten Freunde und Mitleser des Lutheraners haben deshalb schon mehrere briefliche Fragen an uns gerichtet. Andre aber, die sich ebenfalls zu unsrem Glauben bekennen und auf ihr dringendes Begehren Lehrer und Prediger aus unsrer Mitte bekommen haben, sind ohne Zweifel von diesen ihren Seelsorgern darauf hingewiesen worden, wie nothwendig eine Lehranstalt zur Erziehung auch künftiger Diener des göttlichen Wortes unter ihnen sei; sehen sie nun dazu vielleicht in ihrem eignen Kreise noch keine Aussicht, tragen aber mit uns die heilige Sorge, daß die luth. Kirche in diesem Lande unter unsern Kindern und Nachkommen fernerhin erhalten werde, so werden sie ohne Zweifel zu hören wünschen, ob es bei uns mit Gottes Hülfe möglich geworden, und bei der Gemeinschaft, die wir unter einander haben, unser vereinter Ernst und Eifer sei, fähige Knaben und Jünglinge aus unsern Gemeinden zu künftigen Lehrern und Predigern heranzubilden. Darum hat uns namentlich unser lieber Amtsbruder, der Pastor Brohm in New York, in No. 16 dieser Blätter veranlaßt, davon eine öffentliche Nachricht zu ertheilen, was in dieser Beziehung bisher unter uns geschehen sei. So gern wir nun auch dieser Veranlassung andurch nachzukommen suchen, so erklären wir doch im Voraus, daß wir dies nicht in dem Sinne thun, als ob wir uns irgend dessen rühmen wollten, was in diesem Fach bisher von uns gethan worden ist. Wir sind uns zwar des redlichen Strebens bewußt, mit dem uns anvertrauten Pfunde auch zur Fortpflanzung heilsamer Wissenschaften und Kenntnisse unter unsern jungen Leuten nach Kräften zu wuchern, und danken Gott, daß er uns auch in diesem Werk nicht ohne seine Hülfe und seinen Segen gelassen hat; aber wir bescheiden uns auch, daß zu einer umfassenden wissenschaftlichen Lehranstalt mehr Zeit, Gaben und Kräfte gehören, als wir darauf verwenden können. Unsre, von der lauten Welt abgeschiedene Lage bietet uns und unsern Zöglingen zum stillen Studiren allerdings viele Vortheile dar; wer aber auch wiederum die Schwierigkeiten näher kennt, mit welchen wir bei dem ganzen Anbau unsrer Gemeinden und somit auch bei Errichtung einer Lehranstalt zu kämpfen hatten und zum Theil noch jetzt zu kämpfen haben, der wird uns gewiß nach christlicher Billigkeit beurtheilen. Es war allerdings eine Hauptabsicht bei unserer Auswanderung, daß wir, wie unsre Kinder überhaupt vor einem unchristlichen Schulunterricht verwahren, so auch die unter uns studirende Jugend nach dem Vorbild der ältern lutherischen Kirchen auf eine christlichere Weise zu ihrem künftigen Beruf vorbereiten wollten, als es leider auf den meisten gelehrten Schulen Deutschlands gegenwärtig der Fall ist. Wir behalten auch noch jetzt dieses Ziel im Auge, und werden es uns, — ob Gott will — so lange wir leben, nicht verrücken lassen. Allein die bekannten Zerwürfnisse und Sichtungen, welche bald nach unsrer Ankunft in America (im Jahre 1839) inmitten unsrer Gemeinden entstanden, verbunden mit den dadurch bedeutend vermehrten Schwierigkeiten und Hindernissen unsres ganzen Anbau's, legten natürlich auch unserm einzurichtenden neuen Schulwesen einen Hemmschuh um den andern an. Pastoren und Gemeinden hatten genug mit sich zu thun, und letztere, noch überdies von Deutschland her gewohnt, die Anordnung und Leitung der Schulangelegenheiten den Händen ihrer geistlichen und weltlichen Obern zu überlassen, waren auch größtentheils zu unvermögend geworden, um eine Bildungsanstalt für Studirende zu gründen und einige Lehrer an derselben zu erhalten. Es fehlte uns auch damals keineswegs für die nächste Zukunft an einer ziemlichen Anzahl berufungsfähiger Candidaten des Predigtamts; wohl aber fehlte es uns an einer geordneten Leitung des Ganzen, um die Gaben und Kräfte jener Candidaten einstweilen zu einem Schulzweck der genannten Art zu vereinigen und festzuhalten. Darum entschlossen sich Einige dieser Candidaten freiwillig, größtentheils aus ihren eignen Mitteln ein hier zu Lande sogenanntes College anzufangen und einige vorhandene fähige Knaben im Christenthum und den gewöhnlichen Schulwissenschaften und somit auch in der lateinischen und griechischen, deutschen und englischen Sprache zu unterrichten. Es waren dies die Candidaten der Theologie Brohm, Fürbringer und Bünger, welche, — zunächst in Verbindung mit unsrem theuren Amtsbruder, dem Pastor Walther, (dem Herausgeber dieser Blätter,) hier in Perry County die erste Hand an dieses Unternehmen legten. Als aber schon sehr bald Pastor Walther und Candidat Bünger anderweitem Rufe folgten, so setzten die beiden Candidaten Brohm und Fürbringer das Werk allein fort, und es sind ihnen daher unsre Gemeinden und Zöglinge noch jetzt besonderen Dank schuldig, daß sie unter äußerlich wenig ermunternden Umständen so uneigennützig und mit vieler Aufopferung jener unternommenen Lehranstalt ihre Zeit und Kräfte gewidmet und darin fast zwei Jahre angehalten haben. Candidat Brohm setzte endlich sogar, als Candidat Fürbringer einen Ruf in's Predigtamt nach Illinois angenommen hatte, die ganze Collegearbeit allein fort, wurde jedoch von einer langwierigen Fieberkrankheit überfallen, die ihn beinahe aufgerieben hätte. Daher wurde er von mir, dem Unterzeichneten, gebeten, in mein Haus zu ziehen, und nachdem er diesen Antrag angenommen und zu unser aller Freude mit Gottes Hülfe seine Gesundheit wieder erlangt hatte, übernahmen wir Beide gemeinschaftlich den Unterricht unserer Scholaren, doch also, daß Brohm den größeren Theil der Lectionen behielt. So haben wir unter Gottes Beistand mehrere Jahre hindurch das Senfkorn unsres kleinen Colleges in hiesiger Altenburger Pfarrwohnung einmüthig gepflegt, bis Candidat Brohm den Ruf in das luth. Pfarramt nach New York erhielt, worauf ich dann ein halbes Jahr lang den Unterricht größtentheils allein fortsetzte, einige Lectionen aber von meinem benachbarten lieben Amtsbruder, dem Pastor Keyl in Frohna übernommen wurden. Als nun der äußerliche Zustand unsrer Gemeinden indessen sich etwas günstiger gestaltet hatte, so fingen sie ebenfalls an, — was auch schon einige einzelne Glieder hin und wieder gethan hatten, — sich unsrer Erziehungsanstalt für künftige Lehrer und Prediger thätig und hülfreich anzunehmen. Insonderheit ging die Gemeinde in St. Louis mit gutem Beispiel voran, und berief aus ihrer Mitte den Candidaten der Theol., Hrn. Joh. Jac. Gönner, als einen besonderen Lehrer und Rector des