# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 10 27_S46 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wines zugehöͤrigen 1 Meile von der Stadt gele⸗ genen Grundſtuͤcks von 15 Acres ſammt den da⸗ rauf befindlichen Baulichkeiten und einem ſchö⸗ nen Obſt⸗und Gemüſegarten, das ſich trefflich zur Aufnahme unſeres Seminars eignete, welches bis daher ein wanderndes Leben gefuͤhrt hatte. Die Kaufſumme vou 2500 Doll. wurde faſt ausſchließlich durch die Unterſchreibung der luth. Gemeinden in und bei Fort Wayne gedeckt und ſonderlich durch die erſte und die des Hr. P. Jäb⸗ ker in Adams Co. welche beide, Gott zu Ehren und der Kirche zu Nutz, verhältnißmäßig ſehr reichlich beiſtenerten, indem die erſte 1600 und die andere nebſt dem kleinen Filial am Wabash 350 Doll. aufbrachte. Bald jedoch nach dem Einzuge des Seminars in dieſe Stätte ſeiner irdiſchen Ruhe, gefiel es Gott, Den in die himmliſche Ruhe heimzuholen, der bis daher der vornehmſte Pfleger dieſer Pflanz⸗ ſchule geweſen war. Am 31 Auguſt nämlich des Jahres 1849 erkrankte unſer geliebter P. Wolter nachdem er ſelbſt nebſt den Studenten Cholerakranke gepflegt, Tags zu⸗ vor ſein Teſtament aufgeſetzt und dem Seminar u. A. auch 200 Dollars vermacht hatte, an derſel⸗ ben Seuche und entſchlief nach etwa 10 Stunden ſanft und ſelig in ſeinem HErrn Jeſu Chriſto. Obwohl nun der getreue Gott nach ſeiner heim⸗ lichen Weisheit dadurch uns ſchmerzlich heimſuchte und dem noch jungen und zarten Pflänzlein, näm⸗ lich unſerm Seminar, eine tiefe Wunde geſchla⸗ gen, ſo zeigte er ſich doch bald darnach auch als den, der da heilet und verbindet; denn er lenkte Herrn Paſtor Biewend, damals in Georgtown bei WashingtonCity wohuhaft, das Herz, zunächſt vorläufig dem Seminar auf die dringende Bitte des P. Sihler als Lehrer zu Hülfe zu kommen und ein reichliches Einkommen und angenehme Verhältniße mit einem ärmlichen Gehalte und mancherlei Entbehrungen zu vertauſchen. Und ob zwar ſeines Bleibens unter uns nicht lange mehr ſein wird, da er kuͤrzlich von dem Wahlkollegium der Synode zu einem größeren Wirkungskreis an das Concordia⸗Collegium zu St. Louis erwählt iſt, ſo haben wir doch alle Ur⸗ ſache, dem HErrn und ihm herzlich Dank zu ſa⸗ gen, daß er in ſelbſt verläugnender Liebe und als ein Freund in der Noth uns zu Hülfe geeilt iſt. Der HErr wolle ihn demgemäß nach ſeiuer Verheißung: „Wer da hat, dem wird gegeben“ in ſeinem ferneren Wirkungskreiſe reichlich ſegnen! Im Jahre 1550, ſo weit es bis daher verlaufen iſt, trat in den Dienſt der Kirche Georg Küchle, berufen von der luth. Gemeinde zu Dutchmans⸗ point, Cook Co. Ill. unweit Chicago. Otto Eisfeld dagegen und Georg Volk, welche beide genugſame Kenntniße in den alten Spra⸗ chen und verſprechende Anlagen haben, wurden in das theologiſche Seminar zu St. Louis geſendet, um dort ihre fernere gelehrte Ausbildung zu em⸗ pfangen. Es traten dafuͤr ins Seminar ein: Fried. Ottmann aus Baiern Fried. Schumann desgleichen Andr. Häckel dgl. Phil. Wambsgauß dgl. Wilh. Richter aus Naſſau, nur auf etliche Monate, als Gaſt, da er für nächſten Winter ſchon zum Schullehrer in einem Filial des Hr. Pa⸗ ſtor Brauer zu Adiſon Ill. beſtimmt iſt —46—. Es ſind alſo dermalen 19 Studenten auf dem Seminar. Und ſeit dem Entſtehen deſſelben bis heute ſind 46 Zöglinge, ein⸗ und 22 als Predi⸗ ger oder Schullehrer in den Dienſt der Kircche au sgetreten; mehrere, wie bereits an ſeinem Orte bemerkt, ſind in die gelehrte Vorbereitnugsan— ſtalt, dermalen in St. Louis, übergetreten, von denen jedoch auch bereits 2 Lange und Wunder das heilige Predigtamt übernommen haben. Durch den ſtarken Zuwachs unſerer Anſtalt im Herbſte 1649 geſchah es nun, daß das bisherige Wohnhans zu enge ward, indem in dem einen Zimmer 6, in dem anderen, das zudem zugleich Lehrzimmer iſt, 4 Zöglinge zuſammen wohnen müßen. Wir waren alſo durch die innere Ver⸗ größerung unſeres Seminars auch in die Noth— wendigkeit geſetzt, ſeine Räume auszudehnen, und ein neues Haus von 4 Stuben und einem großen Schlafſaale zu bauen, an deſſen Vollendung ſich dieſe heutige Gedächtnißfeier anſchließt. Wenden wir uns nun von dem heutigen Tage um, nach dem erſten Anfang unſerer Pflanzſchule im Herbſte 1646, ſo müſſen wir billig mit Samuel einen Eben Ezer, d. i. ein Gedächtnißmaal der Hülfe Gottes ſetzen und mit ihm ſprechen. „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“ Denn wer anders als der getreue Gott hat die Herzen und Hände der geliebten Brüder in Deutſchland erwekt und geſtärkt, für den Auf- und Fortbau unſerer theueren luth. Kirche in hieſigen Landen, mehr als 40 gläubige und begabte junge Bruͤder ſammt einem treuen und tüchtigen Lehrer, anſehnlichen Geldmitteln, Büchern und anderm Bedarf, im Laufe dieſer 4 Jahre uns herüberzu⸗ ſenden und dieſe unſere Pflanzſchule ins Leben zu rufen und zu erhalten? Wer anders als derſelbe getreue Gott hat aucl jenſeits des Oceans und zumal hier in unſern Ge⸗ meinden willige und fröhliche Geber erweckt, auf demſelben Grunde des Glaubens mit den jenpPili⸗ gen Brüdern, und in derſelben Liebe Chriſti das begonnene Werk zu fördern, unſerer Lehr⸗Anſtalt eine feſte Wohnſtätte zu verſchaffen, auch großen Theils dieſes neue Haus zu erbauen und fuͤr den Lebens Unterhalt unſerer jungen Freunde milſor⸗ gen zu helfen, von denen 9 von der hieſigen Er⸗ meinde allein unterhalten werden? So wolleu wir denn im kindlichen Vertrauen auf denſelben getreuen Gott und Vater in Chrino Jeſu fröhlichen und getroſten Muthes, unſere Blicke jetzt von der Vergangenheit hinweg und in die Zukunft wenden, deß in freudiger Zuverſic daß Er auch von dieſem Hauſe ſein gnädiges Ange⸗ ſicht nicht abwenden, und ſeine Hand nicht abzie⸗ hen werde, ſo lange reine Lehre und rechtſchaffſene Gottſeligkeit darin im Schwange geht. Vielmehr hegen wir die fröhliche Hoffnung, daß der gnaden reiche Gott auch zumal in den lebendigen und er⸗ wachenden luth. Gemeinden näher und feruer dieſem ſeinem Werke nicht nur die alten Pfleger und Freunde erhalten, ſondern ihm auch neue *) zuwenden werde, da ſicherlich keine Pflege eines Gotteswerkes einem rechtſchaffenen Chriſten na— *) Da nämlich das Vermächtniß des ſeligen P. Wolter und ein Geſchenk ſeiner ihm gleichgeſinnten Schweſer in Deutſchland nicht ausreichten, dies neue Haus zu bauen, und einige Schulden deshalb noch vorhanden ſind, ſo würden wir zu deren Tilgung jede Liebesgabe lutheriſcher Glaubensge⸗ noſſen (unter der. Adreſſe: Rev. W. Sihler, Vort Warnes la.) mit herzlichem Dank annehmen und im Lutheraner quittiren. her auliegen muß, als die, auch ſeinen Kindern und Kindeskindern die reine Lehre des göttlichen Wortes, die uns Lutheranern vertraut iſt, hinter ſich zu laſſen. Dazu gebe denn der allmächtige, barmherzige — Gott ferner ſeinen Segen, um ſeines lieben Sob⸗ nes Jeſu Chriſti willen Amen. Soli Deo Gloria Gott allein die Ehre. Miſſionsnachricht. Die l. Miſſionsfreunde haben ans No. 2. Jahrg. 6. des Lutheraners vernommen, daß un⸗ ſer hochge lobter Heiland Sich, wie Er allewege thut, auch unter den Ureinwohnern dieſes Landes zu der Verkündigung ſeines Wortes in Gnaden bekannte, daß ein Häuflein heilsbegieriger See⸗ len ein Gemeindlein bildete, mit dem Wunſche ein Licht unter ihren noch in Heidenthum verſunke⸗ men Brüder zu werden. Daß der Teufel ſich ſauer dazu ſtellte, eine Behauſung zu verlieren, in der er ſo lange ſein Weſen hatte, wird Euch wohl nicht wundern; geht er doch immer noch umher wie ein bruͤllender Lowe, und ſuchet, wel— chen er verſchlinge. 1 Petr. 5, 8. Er iſt daher auch noch nicht müde geworden, weder durch Lockungen noch durch Drohungen wieder in den Beſitz deſſen zu konrmen, was er verloren hat. *) So geſchah es auch hier. Der Häuptling Naktſchigomä mit ſeiner Bande verſuchten es oft, die Gewonnenen zum Antheil⸗ nehmen an ihren Feſten zu bewegen, und nach⸗ dem ſolches fruchtlos blieb, drohete er ihnen, ſie zu vergiften ſammt ihren Miſſionaren. Jüngſt aber hatte er ſich ganz freundſchaftlich gegen uns bewieſen, ſo daß wir uns frenten und die Hoffnung hegten er koͤnne doch noch für das Chriſtenthum gewonnen werden. Er unterließ jedoch nicht, von Zeit zu Zeit die chriſtlichen Indiauer immer wieder zu ſeinen Feſten einzuladen. Vor etwa 14 Tagen, da gerade die Mehrzahl der Männer meines Gemeindleins beſchäftigt waren, das Ge⸗ buſch, das die Kirche umgiebt, niederzuhauen, ſchickte er nochmals einen Abgeordneten hierher und lud ſie alle nebſt einer Heidin dringend zu einem Feſte ein. Mein Dolmetſcher hinter⸗ brachte mir es ſogleich; worauf ich ſie Alle ſehr ernſtlich vermahnte, ſie möchten doch, um ihre Seelen Seligkeit willen ſich vor ſolchem Teufels dienſte hüten und bedenken, daß ſie in der heili gen Taufe dem Teufel und allen ſeinen Werken und Weſen ab eſagt, hingegen Gott ihrem Hei⸗ lande eine ewige kindliche Treue gelobt hätten. Durd) Gottes Gnade, durch welche wir ja a bewahrt werden zur Seligkeit, wurde auch dies⸗ mal der Plan des Feindes vereitelt, denn auch die Heidin ließ ſich überreden, zu Hauſe zu bleiben. + *) Wie wir ſolches geſeren haben, der die neulich wieder an den Miſſionsboten Mifſonare Auch und Maier „ tbeißen“ ichilt, warum? — weil ſie den Worten Jeſu: „da iſt mein Lrib und das iſ mein Bint“, keine audere Bedeu⸗ tung zu unterſchieben bich umerwinden, als ſie nach ihrtt Laute haben, (wie ſolches der Miſſionsbote mit frecher Sti tbut), ſondern in Einjatt glauden, daß uns Jeſus Chriſt der da iſ wahrer Gort und wadrer Menſch in einer unz trennten Perſon, geben wird, was er uns in ſeinem Teſt ment verſprochen und verßegelt hat, trotz dem Teufel u vein Miſüonsboten.