# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 10 27_S38 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * P. Iſenſee berichtet, daß er ſeine ge⸗ miſchte Gemeinde aufgegeben habe, daß er aber, auf ausdrücklichen Wunſch der lutheriſchen Glie⸗ der, dem größeren Theil dieſer Gemeinde anjetzo noch predige. ö Der Secretair berichtet, daß er ſein Amt in der evang. Zionsgemeinde in Cin⸗ einnati niedergelegt habe, weil die Gemeinde ſich geweigert, einen rein lutheriſchen Standpunkt einzunehmen. P. Dr. Hunger berichtet brieflich, daß er ſeine bisher bediente Gemeinde aus der Urſache verlaſſen habe, weil ſie das jährliche Miethen oder Dingen des Predigers habe ein⸗ fuͤhren wollen und jetzt proviforiſch die lutheriſche Gemeinde an der Beercreeck, früher vom P. Meißner bedient, angenommen habe. P. Meißner berichtet, daß er ſeine bisher gehabte lutheriſche Gemeinde ans dem Grunde habe verlaſſen muſſen, weil dieſelbe eine neue Conſtitution, die neben dem ſchriftwidrigen Artikel von dem jährlichen Dingen des Predigers noch andere, dem Worte Gottes widerſprechende Artikel enthält, trotz ſeiner anhaltenden Belehr⸗ ung hieruber angenommen habe und die Gemein⸗ de dadurch aufgehört hat, eine lutheriſche zu ſein. Sizung beſchloſſen mit Gebet vom P. Mayer. IV. Sitzung, den 6. September Nachmittags. Eroͤffnet mit Gebet vom Kand. John. Auf den Bericht der Comitee Nr. 4., wurde folgender Bericht der Miſſionsbehörde einge⸗ reicht. Innere Miſſion. a. Obwohl die unterzeichnete Miſſions⸗Comi⸗ tee von Herzen wünſcht, daß dem elenden Zuſtande unſerer, im Staat Indiana zerſtreut wohnenden, deutſchen Lutheraner abgeholfen werden möchte, ſo hat ſie jedoch bis heute wenig von ihrer Wirk⸗ ſamkeit, zur Abhülfe der Noth zu berichten. Zwar war ſie durch den letztjährigen Synodal⸗ beſchluß beauftragt, einen Miſſionsprediger zu ernennen, und ſeinen Wirkungskreis anzuweiſen, doch haben eingetretene Umſtände bis jetzt noch dieſen Beſchluß unausge führt gelaſſen. Der mitunterzeichnete P. Wichmann bat nämlich die Comitee, ihn bei der Gründung einer neuen, rein lutheriſchen Gemeinde in Cincinnati zu unterſtüͤ⸗ tzen, und eingedenk der Wichtigkeit dieſes Unter⸗ len ſich lutheriſch nennenden Predigern bedient werden. Hier muß der Prediger entweder den Lutheriſchen lutheriſch und den Reformirten reſormirt ſein, d. h. er muß die Lehre der reformirten und die der luthieriſchen Kirche annehmen u. beide Theile nach dem Bekenntniß ihrer Kirche lehren, oder die wichtigen Lehren, die beiden Kirchen von einander halten, verſchweigen und die Gemeinden hierüber glauben laſſen, was ſie wollen. Ein redlicher und ehrlicher Diener der luth. Rirche kann dies aber unmöglich. Er ſieht die Lehren des Wortes Gottes als ſeines Herrn Vermächtniß an, was er bewahren und weder davon abthim, noch hinzuthun ſoll. Er wird demgemäß 3. B. in die Lehre von den Sacramenten u. der Perſon Chriſti, nach dem Bekenntniß ſeiner Kirche, wie es im kl. luth. Katechismus enthalten iſt, lehren und die des Heidelberger Katechismus, als Bekenntniß der reform. Kirche, als Irrlehre verwerfen. Er wird ferner nicht, wie die Unirten, Lehren verſchweigen, ſondern nach dem Vorbilde des Apoſtel Panlus (Ap. Geſ. , 20) Den Seinen Nichts verhalten. ‚ Da alſo das Bedienen gemiſchter Gemeinden, als ſolcher, ein Widerſpruch mit dem Bekenntniß der luth. Kirche iſt, bat die Synode obigen Beſchluß gefaßt, der übrigens längſi chon von der rechtgläubigen Synode von Miſſonri, wie aus deren Conſtitution erſichtlich iſt, gefaßt iſt. unternommen worden. —33— nehmens fur unſere Kirche, beſchloß die Comitee, ihm die in der Kaſſe befindlichen 8 39. 45. Miſ⸗ ſionsgelder unter der Bedingung anzuweiſen, daß er ſelbige am Tage der Sitzung der Synode zurückerſtatte. Die Comitee glaubt, hierin ganz im Sinne der Synode gehandelt zu haben, legt aber dieſe ihre Handlungsweiſe der Synode zur Prüfung und zum Urtheil vor. Da im Laufe des vergangenen Jahres' keine neue Miſſionsgelder zurjKaſſe gefloſſen waren, auch P.Wichmann das collectirte Geld von ſeiner früheren Gemeinde nicht erhalten hatte, ſo mußte die Comitee von ihrem Vorhaben abſtehen, einen Miſſionsprediger anzu⸗ ſtellen und zu unterſtutzen. b. Vom P. Meißner iſt eine Beſuchsreiſe Er beſuchte am Sonn⸗ tage Trinit. den Kand. Jungck in Speucer Co., 9 Meilen von Troy, war bei der Einweihung der Dreifaltigkeitskirche der lutheriſchen Gemeinde deſſelben thätig, predigte Montag Abends in Hun⸗ tingburg, organiſirte mit Kand. Jungck eine neue lutheriſche Gemeinde in Rom bei Perry Co., die vom letzteren bedient wird, und predigte am Montag nach dem 1. Trinit. Sonntage bey Hays⸗ ville, Duboiſus Co. Ja. c. P. Wichmann beſuchte am 6. Sonntage p. Trinit. ein deutſches Settlement Weißeichen, Hamilton Co. O. predigte daſelbſt, und ermahute die Leute, das heil. Predigtamt unter ſich au fzu⸗ richten, da ſie im Stande ſind, einen Prediger zu unterhalten. der beſonderen Aufmerkſamkeit der Synode und ſchlägt vor, einen Miſſionär dort hinzuſenden, der einen Verſuch mache, die zerſtreut lebendenLuther⸗ aner in eine Gemeinde zu ſammeln. O. Hunger. Meißner. Th. Wichmann. Dieſer Bericht wurde einer Comitee, beſtehend aus P. Brand, Laſar und Jungek, ubergeben zur Berichterſtattung. Auf den Comitee⸗Bericht Nr. beſchloſſen: — 2. Es ſoll fernerhin'keine Landidaten⸗Licenz mehr von uns ertheilt werden, und zwar deßhalb nicht, weil wir es als durchaus gegen apoſtoliſche Ordnung und Praris unſerer Kirche erkennen. 3. Die Paſtoren Dr. O. Hunger, J. J. Meißner und Th. Wichmann bilden die Prü⸗ fungs⸗ und Ordinations⸗Comitee fur das laufen⸗ de Jahr 1850—-51. 4. Die Prüfung der Applicanten ſoll ſchriftlich und mündlich geſchehen. Schriftlich: Eine Pre⸗ digt über einen aufgegebenen Tert, eine Ausar⸗ beitung. Mündlich: Bibliſche Geſchichte, Ere⸗ geſe, Dogmatik, Symbolick, Kircheugeſchichte, Practiſche Theologie, Katechetik. Es war der Comitee Nr. I noch ein Dokument üͤbergeben worden, die hieruͤber wie folgt berichtet: Das uns übergebene Dokument ſind die Ver⸗ handlungen der 10. Sitzung des oͤſtlichen Bezirks der evang. luther. Synode von Ohio vom 30. Auguſt. „Seite 20 dieſer Verhandlungen wird der P. W. Wier, Glied un ſerer Synode, ange⸗ klagt, die Frau des P. Braaſch verleitet zu haben, ihren Gatten P. B., Mitglied jener Synode, zu verlaſſen, und erklärt, „daß Braaſch nicht Schuld ſei, daß ſeine Fran ſich von ihm getrennt habe.“ Die Comitee iſt vollkommen überzeugt, daß der P. Wier verleumdet worden iſt. 1. Das anliegende Zeugniß des P. Meißner 2. wurde ſagt, daß, nach der eigenen Ausſage der Frau Dieſen Ort empfiehlt die Comitee Braaſch, die ſchlechte Behandlung ihres Ebe⸗ mannes die Urſache der Trennung geweſen ſei. 2. Der P. Wier rechtfertigt ſich vor der Sv⸗ node durch einen Brief, worin er ſagt, daß er die Frau Braaſch nur auf ihre Bitte mit in's Land genommen habe. 3. Das an die Synode gerichtete Schreiben von 7 Gliedern der lutheriſchen Zionsgemeinde des Kand. John, in der die Frau Braaſch ſich aufgehalten, ſagt: Nach der eigenen Ausſage der Frau Braaſch ſei nichtP. Wier, ſondern die uner⸗ trägliche Mißhandlung des P. Braaſch allein die Urſache der Trennung der Braaſch'ſchen Eheleu⸗ te geweſen. Hiernach beantragt die Comitee, den P. Wier von dieſer Anſchuldigung freizuſprechen. Dieſer Bericht wurde angeno mmen und le⸗ ſchloſſen: 1. Die Syno de ſpricht den P. Wier aus eli⸗ gen Gründen frei von dieſer Anklage und beauf⸗ tragt 2. den Secretair ſogleich den Comitee-Bericht mit Anlagen und dieſen Synodalbeſchluß an die öſtliche Diſtrikts-Synode von Ohio einzuſenden. Sitzung beſchloſſen mit Gebet vom K. Polack. V. Sitzung, den 7. September Vormittags. Eröffnet mit Gebet vom Dep. Bohrer. Die Comitee Nr. 1 berichtet ferner in Betreff des P. W. Wier. Nach dem Bericht des Präſidenten hat der P. Wier ſeine Gemeinden in Dearborn Co. verlaſ⸗ ſen und verkndigt jetzt in Rocheſter N. Y. das Wort Gottes. Die Comitee bedauert, daß kein Grund angegeben iſt, warum P. Wier ſeine Ge⸗ meinden verlaſſen hat, u. daß nicht geſagt iſt, un⸗ ter welchen Verhältnißen, u. auf welchem kirchli⸗ chen Grunde der P. Wier daſelbſt ſtehe; ob er daſelbſt eine evang. luther. Gemeinde augenom⸗ men hat, oder im Begriff iſt, eine ſolche zu ſam⸗ meln. Ihre Comitee legt dieſe Sache der Syno⸗ de zur Berathung und zum Urtheile vor. Der Bericht wurde angenommen. Nachdem länger über dieſen Schritt des P.Wier geſprochen worden war, ſtellte der Secretair folgenden An⸗ trag: daß, weil der P. Wier ſeine lutheriſche Zions⸗ gemeinde in Ja. ohne triftigen Grund verlaſ⸗ ſen hat, und weil derſelbe, wie aus Nr. 23. 50. des freien deutſchen Katholiken hervorgeht, Miſſionär jener Gemeinſchaft und Agent jenes Blattes iſt, er auszuſchließen iſt aus dem Ver⸗ bande unſerer Synode. — Dieſer Antrag wurde durch Stimmenmehrheit verworfen und folgender Antrag geſtellt: weil wir über den eigenttichen Standpunkt des P. Wier noch nicht im völlig klaren Lichte ſind und wir es fur unrecht halten, ibn bloß deß⸗ wegen auszuſchließen, weil er von der prote⸗ ſtantiſchen Geſellſchaft unterhalten wird und den freien deutſchen Katholiken verbreitet, wir aber den eigentlichen Character jenes Blattes noch nicht gehörig kennen, er aber im Begriff iſt, eine Gemeinde auf das Bekenntniß der lutheriſchen Kirche zu gründen, den luther. Katechismus gebraucht, ſo ſchlagen wir vor, daß der Präſident beauftragt werde, uber den eigentlichen wahren Standpunkt des P. Wier und die Tendenz jenes Blattes Erkundigung