# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 29_S19 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — 19—— ſich eine Zeitlang mehr oder weniger aufregen, um ſich und die Welt für das Chriſtenthum zu erwärmen, damit ſie darnach einer um ſo größe⸗ ren Schlaffheit und Herzensmattigkeit ſelbſt an⸗ heimfiele und der Welt zuführte. Die Spener— ſche Richtung verſchwand nach der Dauer weni— ger Jahrzehende in die Herrnhuther Gemeinde und in die kleinen einer künftigen beſſern Zeit in reſignirender Hoffnung entgegen lebenden Kreiſe der Stillen im Lande; und nichts aus ihr iſt unmittelbarer der Kirche im Ganzen ge— blieben, als jener Anſtoß zur Lieenz in kirchlichen Dingen und zum Bruche der alten Ordnungen der Kirche, welche ſie gegeben hatte.“ (Fortſetzung folgt.) ———— :. .ee —ßĩ7;c— Offene Erklärung eines Laien gegen die Union der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche mit der Reformirten.) Mit tiefem Schmerz habe ich ein Blatt geleſen, das eine unirte, gemiſchte Kirche im franzöſiſchen Vaterlande und alſo Auflöſung unſerer evang.- luther. Kirche fordert. Auch ohne die Aufforde— rung, „jedes einzelne Gemeindeglied ſolle ſich ausſprechen und ſeine Stimme abgeben,“ hätte ich mich gedrungen gefühlt, laut gegen ſolch eine, vom Zeitgeiſt eingegebene, Zumuthung zu zeu⸗ gen, die uns Gliedern der evang.-luther. Kirche gemacht wird., Ja wohl ſollte keines ſchweigen, das noch ei⸗ nen Funken von Liebe zu ſeiner „geiſtlichen Mut— ter“ in ſich trägt; es ſollte ein jedes treue Glied unſerer Kirche ſeine innerſte Geſinnung laut wer⸗ den laſſen, gegenüber der Blindheit, Gleichgül— tigkeit und Verworrenheit derjenigen, die da vor⸗ geben, „ein Gott wohlgefälliges Werk zu thun“, (Joh. 16, 2). Ja ſie meinen Gott einen Dienſt zu thun, diejenigen, die mit einem Federzuge, oder durch die Maſchinerie des Staates die evan— geliſch-lutheriſche Kirche, die Kirche Augsbur— giſcher Confeſſion, möchten wegſtreichen, und an deren Stelle eine Kirche des Zeitgeiſtes und der falſchen Aufklärung ſetzen! Denn es handelt ſich wahrlich um nichts Gerin— geres, als unſer altes, auf die Bibel gegründe⸗ tes Bekenntniß wegzuſchieben, und ſchon lange hat man eine Gelegenheit dazu geſucht. Jetzt kommt man mit der ſcheinbar ſo löblichen chriſt— lichen Einladung, künftighin, wie es ja auch in etlichen Ländern ſchon geſchehen, nur „Eine ver⸗ einigte evangeliſche Kirche Frankreichs“ zu bil— den. Aber auf welcher Grundlage, ſagt man nicht! — Man hat das apoſtoliſche Wort: „Das Alte iſt vergangen, es iſt Alles neu geworden“ (2 Cor. 5, 17) man leſe —leſe —leſe das ganze Kapitel!!), an die Spitze geſtellt, und dasſelbe in dem Sinne ge— nommen, wie wenn die Zeit des alten Glaubens mit ſeinen achtzehnhundertjährigen Erfahrungen der neuen Zeit, der Aufklärung und der Ver⸗ nunftherrſchaft, oder, beſſer geredet, des Un⸗ glaubens Platz gemacht hätte! Man ſpricht von „politiſchen und ſocialen Verhältniſſen „die *) Wieder ein Elſäſiſches Tractat. D. R. einer neuen Geſtaltung entgegengehen, und ſchließt daraus, daß auch die Kirche dieſer Bewegung folgen müſſe. Wir aber rufen mit dem Prophe-— ten in dieſes heilloſe Gerede und Getreibe hin— ein: „Tretet auf die Wege und ſchauet, und fraget nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg ſei, und wan⸗ delt darinnen, ſo werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.“ Cer. 6, 16.) Ja das ſagt die Kirche Augsburgiſcher Confeſſion, und nicht was die Abtrünnigen oder blinden Nachbeter der Modereligion ihr in den Mund legen! Die Kirche ruht auf ewi— gen Grundlagen, und welche Geſellſchaft dieſelben verläßt, muß ſich auflöſen und in Trüm-— mer ſinken! „Die Wege des HErrn ſind un— wandelbar.“ „Aber,“ höre ich wohl ausrufen, „es handelt ſich ja nicht darum, ſondern um die Vereinigung der Reformirten und Evangeliſch-lutheriſchen, wornach nicht blos Unglaubige, Indifferentiſten, ſondern auch hoͤchherzige, von chriſtlichem Geiſte durchdrungene Männer lange und umſonſt ge— ſtrebt haben. Meint ihr denn, ihr Eintrachtsmänner, wir, die wir uns zu der Eintrachtsformel bekennen, wünſchen und erſehnen keine Vereini— gung?! O wir können euch heilig verſichern, daß wir von ganzem Herzen die Stunde erſehnen, wo alle Kirchenpartheien ſich zu Einer Heerde vereinigen; aber wir wiſſen auch. nur zu gut, daß dies einzig undallein nur auf Grund der Wahrheit geſchehen könne. Wo man nicht in der Wahrheit eins iſt (Joh. 17, 17 — 23), da iſt keine wahre Einheit möglich und denkbar! — Aber man ſagt ja ſelbſtgenügſam, „daß die Schwierigkeiten, welche die frühern Vereinigungs-Verſuche gefunden haben, heute in den Augen aller aufgeklärten und duldſamen Proteſtanten beſeitigt ſind.“ So wäre man denn einig in den wichtigen Lehrpunken, worin man früher ſo ſehr auseinanderging?! So wären denn die Reformirten wirklich ſo evangeliſch— lutheriſch geworden, daß ſie ſich, wie dir luthe— riſche Kirche es gethan, unbedingt und kindlich— glaubig unter die ganze volle Wahrheit gebeugt hätten!? — O mitſnichten! Man iſt bei ihnen und bei uns nur ſo aufgeklärt geworden (aber nicht vom heiligen Geiſte!), daß man über die wichtigſten Glaubenslehren wegſchreitet und ſie als unweſentlich betrachtet; man iſt ſo duld⸗ ſam geworden, daß man kein Wort mehr gegen die kräftigſten Irrthümer zu ſagen wagt. Man ſpricht von Liebe, und kennt doch nicht die Liebe, die ſich nur der Wahrheit freuen kann (1 Cor. 13, 6); nicht die brennende Liebe Pauli, welche über gottloſe Lehren ſowohl, als Gottes Urtheil ausſpricht. — Nein, ſolch eine Vereinigung wollen wir nicht. Solch eine Ver— einigung kann ja doch nicht Stich halten, kann auch keine gute Früchte hervorbringen (Matth. 7, 18). Das ſehen wir zur Genüge an der unirten Kirche in Preußen. Da hat bracht, und die arme evangeliſch-lutheriſche Kir— über gottloſes Leben, nicht ihr eigenes, ſondern man am Anfang große Schaaren zuſanunenge⸗ che, die man all ihrer wohlerworbenen Rechte bera ubte, ſtand da „wie ein Häuslein im Wein⸗ berge, wie eine Nachthütte in den Kürbisgärten“ (Jeſ. 1, 8). Aber in letzter Zeit erwacht allent— halben wieder das Bewußtſein deſſen, was man darangegeben; man thut Buße über das, wovon man gefallen; hunderte von Pfarrern und Ge⸗ meinden einigen ſich wieder auf Grund des evangeliſch-lutheriſchen Bekenntniſ⸗ ſes, und ſind bemüht, den alten Beſtand der Kirche im Lande, wie er vor der Union geweſen, wieder herzuſtellen. Aber ſolche That— ſachen verſchweigen die neuen Unionsmacher. Rückkehren zur alten Wahrheit und die lügneri⸗ ſche Zweideutigkeit in Wort und Saerament ver⸗ laſſen, davon wollen ſie ſelbſt nichts wiſſen. Doch deßwegen, theure Glaubensgenoſſen, ſeid aufs dringenſte ermahnt, zu halten was ihr habt, und euch durch nienand eures Kleinods berauben zu laſſen! Haltet feſt am Bekenntniß eurer Kirche, ja ler⸗ net dieſes Bekenntniß wieder recht kennen, denn ſchrecklich betrübend iſt es, wie ſo viele un— ter euch, ja ſelbſt ſo viele Lehrer der Ge— meinden das Bekenntniß ihrer Kirche nicht mehr kennen! — Lernet ſie kennen, die Augsburgiſche Confeſſion! Lernet ſie ken— nen, die Glaubensbücher unſerer frommen Vor⸗ fahren und haltet ſie an den Prüfſtein des Wortes Gottes; laßt euch nicht ver— führen von dem leeren Gerede derjenigen, die da ſagen: wir brauchen kein Bekenntniß mehr! Höret vielmehr auf das ewiggültige Wort des heiligen Geiſtes aus Pauli Munde, der das „mit dem Munde bekennen“ eben ſo wohl wie das „von Herzen glauben“ als Bedingung der Seligkeit aufſtellt (Röm. 10, 9. 10.9 Jeſum Chriſtum bekennen, heißt die ganze volle Wahrheit bekennen, venn er hat geſagt: Ich bin die Wahr— heit!!! Und der hrilige Apoſtel Johannes nennt die geradezu Verführer, die Ihn nicht bekennen wollen (2 Joh. 7). Seht euch vor (Matth. 7, 15). — Betrachtet namentlich auch, worin ſich die evangeliſch-reformirte Kirche, mit der man euch vereinigen will, von der unſrigen unterſcheidet. Es herrſcht ſo ziem⸗ lich allgemein das Vorurtheil unter dem Volk, wie wenn unter den zwei Kirchen nur ein kleiner Unterſchied wäre, und der beſtände darin, „daß die Reformirten Brod beim Abendmahl haben, und wir Lutheraner haben Hoſtien; daß ſie beten: Unſer Vater, und wir, Vater Unſex.“ Aber dem iſt nicht alſo: die refor— mirten Kirchen verkehren vielmehr das heilige Abendmahl dadurch, daß ſie die Teſta⸗ mentsworte unſers Herrn Jeſu Chriſti anders verſtehen und aus⸗ legen, als ſie nach ihrem Klang und geſundem Berſtande a usgelegt wer⸗ den dürfen. — Sie leugnen die AAlge⸗ genwart der verherrlichten Menſch⸗ heit Jeſu; ſie zerreißen ſo ungeziemender Weiſe ſeine Perſon, als ob ſeine Gottheit Überall wäre, ſeine Menſchheit aber nur im Him⸗