# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 15_S15 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ————— — — 15 iedermann verhaßt gemacht haben. üblich würde, daß man mehr las. Kurz, eben dieſes Buch iſt es, welches uns außer anderen dieſe Stürme und Ungewitter erregt hat, durch welche wir wohl dahin geriſſen worden ſind. Und wahr⸗ haftig, wenn man dasſelbe (Buch, die Bibel) mit Ueberlegung betrachtet, darnach alles, was in unſeren Kirchen üblich geweſen iſt, einzeln nach der Ordnung erwägt, ſo wird man ſehen, daß beides ſehr verſchieden von einander ſei, und daß dieſe unſere Lehre von jener völlig abweichend und oft derſelben auch entgegen ſei. Sobald dies aber die Leute einſehen, nämlich von einem unſerer gelehrten Widerſacher aufgeſtachelt, ſo machen ſie des Schreiens kein Ende, bis ſie die Sache überall unter die Leute gebracht und uns Daher wird Iman einige wenige Blätter verbergen müſſen, doch iſt dabei gute Vorſicht anzuwenden, damit die Sache uns nicht größere Verwirrung und TLumulte erwecke.“ Eeinige Jahre darauf wurde denn auch in dem Iden 30. Der. 1559 erſchienen] Ketzerregiſter un⸗ ter anderen des Drucken, Leſen oder Haben aller in der Landesſprache lin der deutſchen, franzö⸗ ſiſchen, ſpaniſchen, italieniſchen, flandriſchen ꝛc.] geſchriebenen Bibeln, wenn die „heilige römiſche Inquiſition“ nicht dazu beſondere Erlaubniß ge⸗ geben habe, verboten. f;J&·.N v ꝛñ ꝝrꝓAAã——. —ke Gottes Gericht über Läſterer der evangeliſchen Wahrheit. Auf dem Reichstage zu Nürnberg 1524 ließ ſich unter anderen der papiſtiſche Kanzler von Trier über Tiſche alſo vernehmen: „Vor Mar⸗ tini dieſes Jahrs wird der lutheriſchen Sache mit dem Schwerdte ihr Ende gemacht ſein.“ Was geſchah? Zwei Tage darauf ſtürzte dieſer Mann zum Schrecken aller Umſtehenden vom Schlage getroffen, plötzlich leblos zuſammen. Uebrigens hatte ein Biſchof zu derſelben Zeit zu der Auf⸗ forderung des Erzherzogs Ferdinand, wider die Türken und Lutheraner zu kämpfen, öffentlich hinzugeſetzt: „Es ſei beſſer, daß die Lutheraner, als daß die Türken ausgerottet würden, und er Iẽverde lieber gegen jene, als gegen dieſe, Hilfe eiſten.“ Als im Jahre 1547 die Evangeliſchen von den Papiſten bei Mühlberg geſchlagen und der Chur⸗ fürſt von Sachſen gefangen worden war und dieſe Nachricht auch nach Hoxar, einem ſächſi⸗ ſchen Städtchen, kam, ſo wurden hierdurch die dort wohnenden, der Augsburgiſchen Confeſſion zugethanen Bürger in tiefe Traurigkeit verſetzt. Der Stadt damaliger Bürgermeiſter aber, mit Namen Bartholomäus Maſeo, welcher noch dem papiſtiſchen Glauben anhieng, wurde darüber deſto herzlicher erfreut, und rief nun den niedergeſchlagenen Bürgern höhniſch zu: „Ei, ei, wo iſt nun euer Evangelium? wo ſind nun eure Sacramente? Wirds aus dieſem Siege des Kaiſers nicht offenbar, wer und wo die wahre Kirche iſt?“ — Traurig und ohne Antwort ſchli⸗ chen die verſpotteten Bürger nach Hauſe. Doch ſiehe! — nun antwortete Gott. Der Herr Bür⸗ germeiſter lud nämlich hierauf eine Geſellſchaft ſeiner Glaubensgenoſſen zuſammen, um nun mit dieſen den Sieg des Kaiſers zu begehen und ſich dabei einmal einen guten Tug zu machen. Man iſt fröhlich bis in die Nacht und ſpottet weidlich unter Gläſerklang der unterdeſſen in ih— ren Häuſern ſeufzenden und weinenden Evange⸗ liſchen. Kaum iſt aber der Schmauß zu Ende, da überfallen den Bürgermeiſter, der nun das Bett geſucht hat, ſo große Schmerzen in ſeinen Eingeweiden, daß er alsbald alle Glieder ſeines Hauſes mitten in der Nacht weckt und um ſein Bett verſammelt. Die Seinigen ſehen, daß die Krankheit mit jedem Augenblick zunimmt, ſie ſenden daher eilends zu dem Prediger der Stadt, obgleich derſelbe dem Bürgermeiſter verhaßt ge⸗ weſen, da er dem Evangelio zugethan war. Der Prediger folgt nun zwar augenblicklich dem er— haltenen Rufe, als er aber am Bette des Man⸗ nes erſcheint, hat derſelbe bereits ſeinen Geiſt un⸗ ter Qualen des Leibes und der Seele aufgegeben. Gott hatte den Elenden nicht gewürdigt, in ſei⸗ nen letzten Nöthen das im Leben ſo oft verſpot— tete, allein ſeligmachende Evangelium zu hören, Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſpotten! —7 — (Eingeſandt.) Luther. „Mitten durch den Himmelsbogen Strahlt ein Glanz vom Heiligthum; Denn ein Engel kommt geflogen, Ew'ges Evangelium Allen, die auf Erden wohnen, Zu verkünden ausgeſandt, Allen Heiden, Nationen, Allem Volk und allem Laud. Und er ſprach mit großer Simme: Fürchtet Gott, gebt ihm die Ehr; Fürchtet euch vor ſeinem Grimme; Falſchen Göttern dient nicht mehr. Sein Gericht hat nun begonnen: Betet den an, deſſen Ruf Himmel, Erde, Waſſerbronnen Und die großen Meere ſchuf.“ Was Johannes prophezeihet, Iſt in Luther nun erſüllt, Der, vom heil'gen Geiſt geweihet, Hat den Antichriſt enthüllt. Luther iſt der Gottgeſandte, Der dem Papſt mit ſchnellem Flug Durch das Wort, das er bekannte, Tieft Todeswunden ſchlug. Luther iſt der Himmelsbote, Der die Welt zu Chriſto wies, — Die, vom Papſt verführt, auf todte, Eigne Werke ſich verließ: Nicht Verdienſt noch heilges Leben Kann erwerben Gottes Huld: Glaubt an IJEſum und vergeben Wird aus Gnaden eure Schuld.“ Alſo hat nach langer Klage, Nach ſo langer Schmerzensnacht Uns mit mächt'gem Flügelſchlage Gottes Engel Licht gebracht. Gottes Wort, die ſel'ge Sonne, „Glänzt durch ihn nun wieder rein, — Und die Kirche ſtrahlt von Wonne In der Wahrheit hellem Schein. Gott ſei Dank für ſeine Treue, Daß uns dieſe theure Held Chriſti Lehre nun auf's Neue Rein und lanuter hergeſtellt. Laßt uns treu, wie Luther, zeugen Goties Wahrheit bis zum Tod, Und wie er, uns kindlich beugen Unter unſers HErrn Gebot. Laßt bei Luther's Lehr' uns bleiben; Denn er hat ja nichts gelehrt, Als was die Apoſtel ſchreiben, Und uns Chriſtus ſelbſt erklärt. Nur ans dieſem Grunde nennen Wir nach Luther uns noch fort, Weil wir uns, wie er, bekennen Zu dem ganzen Gottes Wort. Hermann Fick. (Eingeſandt.) 4 Aus dem Lied der Lieder. ö Sag an, Du Trauter, o ſage, Du, den meine Seele liebt, Wo du weideſt am hohen Mittage, Wo der Apfelbaum Schatten Dir giebt? Soll hin und wieder ich gehen Bei den Hürden und ſragen nach Dir? Soll ich ſtets Fremde nur ſehen, Und gehn um die Zäune hier!? Er küſſe mich mit dem Kuſſe Des heiligſten Mundes gar! Er ſehe der Königin Buße: Er nehme der Elenden wahr. Wie fließen, wie fließen die Thränen, Ich habe zu weinen ſo viel! Ich habe mich, ach zu ſehnen, Ich weiß kaum, wie viel ich will. Den Weinberg mir anvertrauet, Den hab ich, ach, nicht bewahrt. O wie der Königin grauet! Ich habe mir Kumnier verſpart. G. Schaller. —— —.—.—..t. ————— Anecdoten aus dem Gebiete der Gelehrſamkeit. Als zur Zeit der Reformation in der Pfalz durch Räthe des Churfürſten eine Kirchenviſita⸗ tion angeſtellt wurde, trafen letztere einen papi⸗ ſtiſchen Pfarrer, der auf die Frage: Ob er denn den Dekalogus (die h. zehen Gebote! nicht enh te? zur Antwort gab: „Nein, ich habe hiervon keine Kundſchaft, allein ich habe vielmals ge⸗ hört, daß Er Dekalogus ein frommer ehrlicher Mann ſei.“ Faſt von gleicher Wiſſenſchaftlichkeit muß Lud. Jacobus a S. Carolo geweſen ſein, der in ſeiner 1643 zu Lyon herausgebebenen Biblio- theca Pontificia III. 455.]J ſchreibt: „Arti⸗ kulus, ein deutſcher ſchmalkaldiſcher Lutheraner, hat ein Buch von dem Primat und der Gewalt des Pabſtes herausgegeben.“ Der gelehrte Mann hatte von den Schmalkaldiſchen Artikeln gehört.! Wer ohne Sünde zu leben vermeint, geht nicht damit um, keine Sünde zu haben, ſondern keine Gnade zu erlangen. Au guſtinus. „Hilf, daß wir fromme Sünder bleiben, und nicht heilige Läſterer werden!“ Luther.