# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 15_S11 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö 1 — 11— ſage: der Räuber iſt unſchuldig, denn er hat auf Gottes An⸗ trieb getödtet. Er hat ja gegen das Geſetz geſündiget. Aber, wirſt du ſagen, er iſt ja zum Sündigen gezwungen worden. Ich gebe es zu, ſage ich, daß er gezwungen worden iſt.“ „Zum dritten lehren ſie, Gott habe in ſeinem grheimen Rath den meiſten Theil der Menſchen zum ewigen Verdammniß verordnet, derer er ſich nimmermehr erbarmen wolle.“) Iſt das das wahre Erkenntniß Gottes von dem Reichthum ſeiner Gnade, ſeiner Erbarmung, ſeiner großen Liebe? Läuft das nicht wider die Ehre Gottes? Beraubet nicht dieſe Lehre die betrübten und an⸗ gefochtenen Herzen all' ihres Troſtes? Iſt das nicht wider die Liebe Gottes und des Nächſten?“ *) Unter anderen ſchreibt Calvin: „Nicht alle werden zu gleichem Loos geſchaffen, ſondern einigen iſt das ewige Leben, anderen die ewige Verdammniß vorherbe⸗ ſtimmt.“ (Institut. III, 21. 5.) Ferner: „Ich frage wiederum, woher iſt es gekommen, daß der Fall Adams ſo vitle Völker ſammit ihren unmündigen Kindern in den ewi⸗ gen Tod geſtürzt hat ohne ein Reitungsmittel, als weil s Gott ſo gutgedünket hat? Ich bekenne zwar, daß es ein erſchrecklicher Rathſchluß ſei, jedoch wird niemand leug⸗ nen können, daß Golt voraus gewußt habe, was für einen Ausgang es mit dem Menſchen haben werde, ehe er ihn ſchuf, und daß er es deswegen vorausgewußt habe, weil er ts in ſeinem Rathſchluß ſo geordnet hatte.“ (Ib. III, 23.7.) Ferner ſchreibt Calvin: „daß dit Verworfenen dem ihnen geoffenbarten Worte-Gottes nicht gehorchen, dies wird recht der Bosheit ihres Herzens zugeſchrieben, wenn man nur zugleich hinzuſetzt, daß ſie deswegen dieſer Bosheit ergeben, weil ſie durch Gottes gerechtes, aber unerforſchliches Gericht crweckt ſind, durch ihre Verdammniß ſeine Ehre zu beſör⸗ dern. Gleichwie, wenn von den Söhnen Eli's erzählt wird, daß ſie den heilſamen Ermahnungen nicht Gehör ge⸗ geben haben, weil Gott dieſelben tödten wollte, nicht geleug⸗ net wird, daß ihre Halsſtarrigkeit von ihrer eigenen Bosheit hergekommen ſei; aber zugleich bemerkt wird, warum ſie in ihrer Halsſtarrigkeit verlaſſen worden ſeien, da Gott ihre Herzen erweichen konnie, weil ſie nehmlich ſein unveränder⸗ licher Rath einmal dem Untergang geweiht hatte.“ (Ib. III, 24. 14.) Beza ſchreibt: „Gott haßt die Verworſe⸗ nen, che ſie geboren ſind und er hat ſie ohne Rückſicht auf Unwürdigkeit zum Verderben beſtimmt.“ (Glossa N. T. Rom. 9.) „„Diejenigen reden mit Paulo, welche ſagen, daß Gott einige zum gerechten Untergange geſchaffen habe. Und die, welche ſich an dieſer Rede⸗ weiſe ſtoßen, verrathen ihrt Unwiſſenheit.“ (Ib.) Zan⸗ chius ſchreibt: „Die heilige Schriſt lehrt offenbar, daß die Gottloſen entweder nicht an Gott und Chriſtum glau⸗ ben, oder keine gute Werke thun, das komme daher, weil ſie von Gott zum Glauben und zu guten Werken nicht vor⸗ her beſtimmt ſind.“ (Miscell. p. 229.) Derſelbe: „Gott hat von Ewigkeit beſchloſſen, einigen unter denen, welche das Evangelium hören, den Glauben zur Seligkeit zu ſchenken, einigen nicht.“ (Ib. p. 227.) — In den Ca⸗ non's der Dortrechter Synode, in welcher der Heidelberger Catechismus beſtätigt worben iſt, dem ange⸗ ſehenſten öffentlichen Bekeuntniſſe der reformirten Kirche, heißt es: „Daß aber einige in der Zeit von Gott mit dem Glauben beſchenkt werden, einige nicht beſcheukt werden, dies lommt von ſeinem ewigen Rathſchluß her. Denn Gott ſind alle ſeine Werke von Ewigkeit bewußt. Act. 15, 18. Epheſ. 1, 11, nach welchem Rathſchluß er die Herzen der Auser⸗ wählten, obwohl dieſelben hart ſind, gnadenvoll erweicht, und zum Glauben neigt, die Nichterwählten aber aus gerechtem Gericht ihrer Bosheit und Härtigkeit überläßt.“ (Cap. I, art. 6.) Ferner: „Die h. Schriſt bezengt ſerner, daß Unicht alle Menſchen erwählt ſcien, ſondern daß es einige gebe, welche nicht erwählt oder in der ewigen Wahl Goites über⸗ gangen worden ſind, von welchen nehmlich Gott nach ſti⸗ nem ganz freien, gerechten, untadelhaften und un⸗ veränderlichen Wohlgeſallen beſchloſſen hat, ſie in dem all⸗ gemeinen Elend, in welches ſie ſich durch ihre Schuld ge⸗ ſtürzt haben, zu laſſen, noch mit der Gnade der Seligkeit und Belehrung zu beſchenken.“ (Ib. art. 15.) Feruer: „Die Synode verwirft die Irrthümer derjenigen, welche leh⸗ ren: daß Gott nitmanden aus ſeinem bloßen gerechten Willen in dein Falle Adamis und in dem allgemeinen Staud der Sünde und Verdamwniß zu laſſen oder in der Mitthei⸗ lung der zum Glauben und zur Bekehrung nöthigen Gnade zu übergehen beſchloſſen habe.“ (Ib. Rejection. 8.) In der Confession of Faith, dem öffentlichen Glaubensbe⸗ kenntniß der Presbpterianer, heißt es: „Es hat Gott ge⸗ fallen, die übrigen Menſchen“ (außer den Auser⸗ wählten) „nach dem unerforſchlichen Rath ſeines Willens, wodurch er die Erbarmung ausdehnt oder beſchränkt, wie es ihm beliebt, zum Preis ſeiner unbeſchränkten Macht über ſeine Creaturen, zu übergehen und ſie zum Preis ſeiner herrlichen Gerechtigkeit zu Schande und Zorn für ihre Sünde zu verordnen.“ „Zum vierten lehren ſie, ob Gott der HErr wohl vielen das Evangelium verkündigen laſſe, ſo wolle er doch nicht, daß ſie alle glauben und Buße thun. “) Das läuft wider ſo viel Zeug⸗ niß der Schrift, wider das wahre Erkenntniß Gottes, wider Gottes Ehre, wider die Liebe Gottes, und beraubt die Gewiſſen alles Troſtes und ſtürzet ſie in den Abgrund derVerzweiflung.“ *) Calvin ſchreibt hierüber u. A. ſolgendermaßen: „Welche Golt zur Schande des Lebens und zum Unter⸗ gang ves Todes geſchaffen hat, damit ſie Werkzeuge ſeines Zornes würden und Beiſpiele ſeiner Strenge, dieſe, damit ſie zu dem ihnen (beſtimmten) Ende kommen, beraubt er bald der Gelegenheit, ſein Wort zu hören, bald verblendet er ſie mehr durch die Predigt desſelben.. Siehe, er richtet ſeine Stimme an ſie, damit ſir tauber werden; er zündet das Licht an, damit ſie blinder werden; er bringi die Lehre vor, aber damit ſie deſto unwiſſender werden; er wendet die Arznei an, aber damit ſie nicht geheilt werden.“ (Instit. III, 24, 12. 13.) — J. H. Heidegger, Ver⸗ faſſer der Formula consensus, æiner ſchweizeriſchen reſor⸗ mirten Bekenninißſchriſt, zuerſt Profeſſor in Heidelberg, dann in Zürich (geſtorben 1698) ſchreibt: „Auch beruft Golt gewiſſe Verworſene durchaus nicht ſo, daß er be⸗ ſchloſſen hätte oder willig wäre, ihnen eben ſo wohl, wie den Erwählten, Glauben und Buße zu geben, wenn ſie nur dem berufenden heiligen Geiſte nicht widerſtünden.“ (Corp. Theolog. loc. 21, p. 206.) — Joh. Piscator, refſormirter Proſeſſor zu Herborn, geſt. 1626, ſchreibt: „Die durch Chriſti Tod erworbene Gerechtigkeit wird allein den Erwählten mit der Abſicht angeboten, daß ſie der⸗ felben theilhaſtig werden ſollen.“ (De praedest. th. 85.) Jerner heißt es in der Forinula Consensus: „„Man ſagt mit Recht, es ſei Gottes Willt, daß ein jeder, welcher den Sohn ſieht und an ihn glaubt, habe das ewige Leben. Joh. 6, 40. Obgleich dieſe „Jede“ allein dir Auserwählen ſind. . Daß aber, wenn der Wille Goites in der äußerlichen Beruſung ſo allgemein vorgelegt wird, allein die Auserwählten glauben, die Verworſenen aber verhärtet werden, das kommt allein von der den Unter⸗ ſchied machenden Guade Gottes ber.“ (Can. 19.) Zer⸗ ner ſchreibt Spauhem ius, Prof. zu Leideu, geſt. 1701: „Wir Reſormirten bejahen, daß Gott, der alle Menſchen hätte ſelig machen können, in ſeinem ewigen un⸗ wandelbaren Rathſchluß, aus bloßem und freien Wohlge⸗ ſallen beſchloſſen habe, gewiſſe, und zwar in Abſicht auf die Auserwählten viele Menſchen, die nicht ſchlimmer waren, als die Erwählien, in ihrem Elend liegen zu laſſen und ſich ihrer nicht zu erbarmen, ſondern ihnen die heilſa⸗ me Gnade und kräſtige Beruſung zur Verſöhnung in Chriſto abzuſchlagen, ob er ſie wohl äußerlich beruft, damit ſie kei⸗ nen Vorwand zu ihrer Entſchuldigung haben möchten.“ (Elenchus controvers. cum Lutlieranis. p. 308. ef. Cypri- ans Unterricht ꝛc. S. 30.) „Zum fünften lehren ſie, daß die göttliche Natur ganz in der menſchlichen Ratur Chriſti und ganz außer derſelben ſei *), wider den hel⸗ len Spruch Joh. 1, 14.: „Das Wort iſt Fleiſch worden“, und Coloſſer 2, 9.: „In ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Iſt das das rechte Erkenutniß der Perſon Chriſti? Iſt die göttliche Natur ganz außer der menſch⸗ lichen Natur, ſo iſt's nicht eine Perſon, ſondern zwo Perſonen.“ *) So beißt es nebmlich im Heidelberger Cate⸗ chismus, dieſer Hauptbekenntnißſchriſt der deutſchen Refſormirten: „Weil die Gottheit unbegreiflich und al⸗ lenthalben gegenwärtig iſt, ſo muß ſolgen, daß ſie wohl außerhalb ihrerangenommenen Menſchheit, und dennoch nichts deſto weniger auch in derſelben iſt und perſönlich mit ihr vereiniget bleibt.“ (Pag. 23. Frage 48.) In der Neuſtädter Admonition, einem von den Reformir⸗ ten einer Bekenninißſchriſt ſaſt gleich geachteten Werke, welches Zach. Urſinus ansgearbeitet hat, heißt es ſerner: „Das ganze Wort (Sohn Gottes), welches überall iſt außer ſeiner Meuſchheit, iſt und bleibt zugleich unzer⸗ trennlich in der menſchlichen Natur.“ (p. 79.) „Zum ſechsten lehren ſie, daß die götiliche und menſchliche Natur in Chriſto durchaus keine thätliche und wirkliche Gemeinſchaft haben; “) iſt das die rechte Erkenntniß Chriſti? So iſt Gott nicht Menſch worden, ſo hat Gott nicht für uns gelitten, ſo machet uns Chriſti Blut nicht rein von unſern Sünden, ſo ſind wir durch Chriſti Blut nicht erlöſet und gerecht worden, ſo iſt Chriſtus nicht nach beiden Naturen un⸗ ſer Erlöſer, Seligmacher, Hirte, Haupt, Licht, Leben, Hoherprieſter, König, Mittler, Verſöh⸗ nung: wo bleibet hie Chriſti Erkenntniß, Chriſti Ehrte, und unſer Troſt?“ *) In der oben angezeigten Admonition heißt es: „Wird etwas Menſchliches von dem Gott (Chriſtus) und eiwas Göttliches von dem Menſchen (Chriſtus) auogeſagt (in der h. Schriſt), ſo iſt das nur eine Redeweiſt.“ (p. 70.) „Daß den einzelnen Naturen in der Perſon Chrtſti die we⸗ ſentlichen Eigenſchaften der anderen Natur: miigetheilt werden, leugnen wir mit größter Entſchiedenheit.“ (p. 66.) Ferner ſchreibt Zwingli: „Was von dem Glauben an Chriſtum und an ſeinen Tod geſagt wird, bezieht ſich nicht auf ſeine menſchliche Natur.“ (Epp. III, p. 114.) Ja, Beza und ſeine Genoſſen ſagen in ihren Theſen zum Mompelgardiſchen Geſpräch: „Wir behaupten, daß man nicht einmal von einer Gemeinſchaſt reden könne, nach welcher die Menſchheit auf ihre Weiſe überall und all⸗ mächtig ſein ſoll.“ (Thes. 8. 9.) Ferner ſchreibt Zach. Urſinus, Mitverfaſſer des Heidelbergiſchen Catechismus: „Von Chriſto ſagt man, daß er vermöge der Mittheilung der Eigen ſchaſten überall ſei, das heißt nach der gönlichen Natur, nicht aber nach der menſchlichen.!“ (Tract. theol. p. 661.) Endlich legt Zwingli ſelbſt ſolgendes erſchreck⸗ liche Bekenniniß ab: „Chriſtus iſt in dem Theil uns heil⸗ bringend, daß er vom Himmel gekommen, nicht daß er von der Jungfrau geboren iſt.“ (Comm. de ver. et fals. rel.) Zum ſiebenten lehren ſie, Chriſtus ſei nicht für alle Menſchen geſtorben, ſondern nur für die Auserwählten.“) Wo bleibt St. Paulus Schluß 1 Tim. 2, 5. 6. „Es iſt ein Mittler! zwiſchen Gott und den Menſchen, der Menſch Chriſtus IEſus, welcher ſein Leben gegeben hat zur Bezahlung für alle;“ aus welchem Grunde St. Paulus ſchleußt: derohalben ſo, will Gott, daß allen Menſchen geholfen werdc. Oder alſo V. 4: „Gott will, daß allen Men⸗ ſchen geholfen werde.“ Es kann aber nicht al⸗ len geholfen werden, obne durch den Tod Chriſti, derohalben hat Chriſtus ſein Leben gegeben zur Bezahlung für alle. Läuft nun nicht die Cal⸗ viniſche Lehre wider Gottes Wort, wider Got⸗ tes allgemeine Guade und Barmberzigkeit, wider Gottes Ehre und wider unſern höchſten Troſt?“ *) In deu Canones der Dortrechter Sonode beißt ce: „Es war dies Gottes des Vaters durchaus freier ma. ſchluß, gnäriger Wille und Abſicht, daß die lebendig und ſeligmachende Krajt des loſtharen Todes ſeines Sohnes in allen Auserwählten ſich wirtſam äußere, damit dieſe al⸗ lein mit dem rechtjertigenden Glauben beſchenkt und durch denſelben unſehlbar zur Selinkrit geſühr würden: das iſt, Gott wollte, daſ Cbriſtus durch das Blut ſeines Kreuzes