# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 01_S7 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —7.— . er Schüler kriegte, gläubten. 98. Denn das ſollteſt du wol ſehen, wenn die Wiedertäufer hätten ſollen zuerſt mit gutem Grunde ihre Meinung beweiſen, ſo hätten ſie nicht viel Leute verführet, noch an ſich bracht. Denn ſie haben nichts beſtändiges noch gewiſſes für ſich. Aber damit bringen ſie viel Leute an ſich, daß ſie große, prächtige Läſterworte füh⸗ ren, wider die Taufe; denn der Teufel weiß wohl, daß, wenn der tolle Pöbel prächtige Läſter⸗ worte höret, ſo fället er zu, und gläubet flugs, fraget nicht weiter nach Grund oder Urſache. Als, wenn, ſie hören ſagen: Die Taufe iſt ein Hundsbad, und die Täufer ſind falſche und bübiſche Baderknechte; ſo fahren ſie daher: Ei, ſo laß der Täufel täufen, und Gott ſchände die falſchen Baͤderknechte ꝛc. Das iſt denn ihr Grund, da ſtehen ſie auf, und haben ſonſt nichts mehr, damit ſie die Taufe anfechten. Denn alle, die ich gehört habe, ja mit mir von ſolchen Sachen reden, wenn dieſe prächtige Läſterworte IHundsbad, Baderknecht, Hand voll Waſſer ꝛc. ſind aus geweſen, ſo ſind ſie geſtanden als die beſchornen Männlein, und iſt nichts mehr da— hinten geweſt, damit ſie ihren Irrthum be— ſchirmen. ) 99. Allerdinge gleichwie der Teufel die Sa— cramentsläſterer auch betreugt. Denn weil er wohl fühlet, daß er nichts gewiſſes kann aufbrin⸗ gen vor ſeine Lügen, fähret er zu, und füllet zuvor dem tollen Pöbel die Ohren mit ſolchem prächtigen Läſtern, daß unſer Sacrament ſey ein Fleiſchfreſſen und Blutſaufen, und derglei⸗ chen. Wenn dieſelbigen prächtigen Worte aus ſind, ſo hat alsbald alle ihre Knnſt auch ein Ende, und ſagen dieweil von CHriſti Himmel— fahrt ꝛc. 100. Eben alſo thun die Jüden heutiges Tages: daß ſie ihre Kinder bei ihrem Glauben erhalten, läſtern ſie Chriſtum greulich, heißen ihn Thola, und lügen getroſt von ihm. Das ſchreckt dann ein unſchuldiges einfältiges Herz ab, und verführets, wie St. Pau⸗ lus ſpricht Röm. 16, 18. Darum haben ſie all⸗ zumal gut thun, weil ſie mit prächtigem Läſtern die Leute können führen, wie ſie wollen, und dürfen ihres Irrthums keinen gewiſſen Grund anzeigen. Wenn ſie aber zuvor ihr Ding be— ſtändiglich und wohl gegründet hätten, da ging es denn wohl hin, daß man der Lügen gute Schlappen gäbe, und ſtriche ſie mit rechter Far— ben aus. 101. Weil aber wir wiſſen, daß die Taufe ein göttlich Ding iſt, von GOtt ſelbſt eingeſetzt und geboten, ſo ſehen wir nicht auf den Miß⸗ brauch der gottloſen Menſchen, ſondern einfäl— tiglich auf GOttes Orenung; und finden alſo denn, daß die Taufe an ihr ſelbſt ein heilig, ſelig, herrlich, himmeliſch Ding iſt, in allen Ehren, mit Furcht und Zittern zu halten, gleich⸗ die ſolchen Läſterworten ) In Schändung der h. Tauſe thun es freilich jetzt die unſeligen Methodiſten den Baptiſten zuvor. Doch verſehlt in der Regel das ſreche, verächtliche Zunichtemachen der in der Kindbeit empfangenen Taufe von Seiten der Baptiſten bei den armen, ungegeündeten Leuten ſeinen teufliſchen Zweck nicht. D. R. wie alle andere GOttes Ordnung und Gebot, als denn auch billig und recht iſt. Daß aber viel Leute derſelbigen mißbrauchen, iſt der Taufe Schuld nicht: man wollte denn auch das Evangelium ein faul Geſchwätz läſtern, darum, daß viel ſind, die ſein mißbrauchen. 102. Weil denn die Wiedertäufer nichts für ſich haben, das ich noch geſehen und gehöret habe, denn eitel prächtige Läſterworte; ſo ſoll ſich billig ein jedermann vor ihnen ſcheuen und hü— ten, als die Teufels gewiſſe Boten in die Welt geſchickt, GOttes Wort und Ordnung zu läſtern und zu verkehren, auf daß die Leute ja nicht daran glauben und ſelig werden. Denn ſie ſind die Vögel, ſo den Samen auffreſſen, der an den Weg geſäet wird, Matth. 13, 4. 103. Und zur letzt ſage ich das: Wenn gleich jemand nie getauft wäre, wüßte doch nicht an— ders, oder gläubte ſtark, daß er recht und wohl getauft wäre; ſo würde ihm ſolcher Glaube den— noch genug ſeyn: denn wie er gläubt, ſo hat ers vor GOtt, und „iſt dem Gläubigen alle Dingmöglich“, lſpricht Chriſtus Mare. 9, 23]. Und ſolchen könnte man nicht wiederum täufen, ohn Gefahr ſeines Glaubens; wie viel⸗ weniger ſoll man die wiederum täufen, die ge⸗ wiß ſind, daß ſie getäuft ſind? GOtt gebe, ſie haben dazumal gegläubet oder nicht. Denn die Wiedertäufer vermögen nicht gewiß zu ſeyn, daß ihr Wiedertäufen recht ſey, weil ſie auf den Glauben ihr Wiedertäufen gründen, welchen ſie doch nicht wiſſen können, und alſo des ungewiſ— ſen ſpielen mit ihrem Wiedertäufen. ſuchen, wer in göttlichen Sachen ungewiß und zweifelhaftig iſt: und wer ungewiſſen Wahn für gewiſſe Wahrheit leh— ret, der leugnet eben ſowol, als der öffentlich wider die Wahr⸗ heitredet: denn er redet, das er ſelbſt nicht weiß, und wills dennoch für Wahrheit haben. Wenn ſie aber auf GOttes Befehl und Gebot das Täufen gründen wollten, ſo würden ſie bald ſehen, daß die Wiedertaufe kein nütze, noch noth wäre, weil dem göttlichen Gebot ſchon zuvor genug wäre geſchehen mit der erſten Taufe. 105. Dazu ſo läſtern und verleugnen ſie auch GOttes Gebot und Werk. Denn weil die erſte Taufe GOttes Gebot iſt, und demſelben mit der That gnug geſchehen iſt, und ſie doch ſagen, es ſey unrecht und ein Hundsbad; was iſt das anders geſaget, denn GOttes Gebot und Werk ſey unrecht und ein Hundsbad? Und ſagen dazu ſolches aus keinem andern Grund, denn daß ſie den Glauben wollen in der Taufe gewiß haben, und können ihn doch nicht gewiß haben. Das heißt, um ungewiſſen Wahn GOt⸗ tes gewiſſes Gebot und Werk fre⸗ ventlich und ſchändlich verleugnet und geläſtert. 106. Ich ſetze aber gleich, daß die erſte Tanfe ohne Glauben ſey; ſage mir, welches unter den zweien das größeſte und fürnehmſte ſey, GOttes Wort oder der Glaube? Iſts nicht wahr, GOt— tes Wort iſt größer und fürnehmlicher, denn der Glaube: ſintemal nicht GOttes Wort auf den Glauben, ſondern der Glaube auf GOttes Wort ſich bauet und gründet: dazu, der Glaube iſt wankelbar und wandelbar; aber GOttes Wort bleibt ewiglich. 107. Weiter, ſage mir, wenn eins unter die⸗ ſen zweien ſoll anderweit *) werden, welches ſoll billiger anderweit werden, das unwandelbare Wort oder der wandelbare Glaube? Iſts nicht alſo, daß billig der Glaube anderweit werde, und nicht GOttes Wort? Es iſt ja billiger, daß GOttes Wort einen andern Glauben mache, Iſo zuvor kein rechter da geweſen iſtl, denn daß der Glaube anderweit das Wort mache. Weil ſie denn bekennen müſſen, daß in der erſten Taufe nicht an GOttes Wort, ſondern am Glauben mangelt, und nicht ein ander Wort, ſondern ein ander Glaube noth ſey: warum handeln ſie denn nicht vielmehr, daß ein ander Glaube werde, und laſſen das Wort unverän⸗ dert? Soll nun GOttes Wort und Ordnung darum unrecht heißen, daß wir nicht recht daran gläuben: ſo wills langſam und ſelten ein recht Wort werden. 108. Wenn ſie nun gleich ihrem eigenen Dünkel recht thun wollten, ſo ſollten ſie nicht eine Wiedertaufe, ſondern einen Wieder⸗ glauben anrichten: denn die Taufe iſt GOttes Wort und Ordnung, und darf keines Wiederwerdens oder Anderwerdens; der Glaube aber darf wohl eins Anderwerdens (wenn er nicht da geweſen iſtl. Darum ſollten ſie billig Wiedergläubler, und nicht Wieder⸗ [täufler ſeyn, wenn ſie auch gleich recht hät⸗ 104. Nun iſt es Sünde und GOtt ver⸗ ten, als ſie doch nicht haben. 109. Weil denn ſolche Täufler ihrer Sache allerdinge ungewiß ſind, darinn ſie auch als Lügner befunden werden, verleugnen dazu und läſtern GOttes Ordnung, aus ungewiſſem Lü⸗ genwahn, und kehren das hinterſt zu förderſt, gründen GOttes Wort und Ordnung auf Men⸗ ſchenwerk und Glauben, ſuchen auch Taufe, da ſie Glauben ſuchen ſollten, und werden alſo als die irrigen, ungewiſſen und verkehrten Geiſter überzeuget: wird ſich ein jeglicher frommer Chriſt bei ſeiner Seelen Seligkeit wohl vor ih— nen hüten. Das helfe und gebe Chriſtus, un⸗ ſer HHrr, Amen. 110. So viel wollet jetzt in der Kürze und Eile vor gut nehmen; denn ich dieſer Zeit anders zu thun, mich nicht ganz in dieſe Sache geben kann: auch wie geſagt iſt, ich noch uicht ganz ihren Grund weiß. Denn der Teufel iſt zornig, und wirft das hundert ins tauſend, und richt ſo mancherlei Gewirre an, daß ſchier niemand weiß, was er gläubt. 111. Die Wiedertäufer halten es mit den Saeramentsfeinden, daß eitel Brod und Wein im Abendmahl ſey. Wiederum halten die Sa⸗ eramenter anders von der Taufe, denn die Wie⸗ dertäufer. So ſind auch die Sacramenter unter. einander nicht eins. Desfelbigen gleichen die Wiedertäufer auch nicht unter einander eins: ohn allein auf uns und wider uns ſind ſie eins. Gleichwie das Papſtthum in ſo unzählige Rot— *) wiederhelt, nochmals. O. R. — *.