# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 01_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — 6 Dr. Martin Luthers Briefß an zwei Pfarrherren, von der Wieder⸗Taufe. Anno 1528. (Schluß.) 86. Aufs ander, iſt das ein groß Anzeigen. Es iſt noch nie keine Ketzerei endlich beſtanden, ſondern allezeit auch in kurzem, ſagt St. Petrus, an Tag kommen, und zu ſchanden worden; wie St. Paulus Jannes und Jambres ein-— führet, und ihres gleichen, daß ihre „Thor— heit endlich jedermann offenbar iſt worden ꝛc. 2 Timoth. 3, 8.9. Wäre nun die Kinder Taufe nicht recht, fürwahr GOtt hätte es ſo lange nicht laſſen hingehen, auch nicht ſo gemein in aller Chriſtenheit durch und durch laſſen halten, ſie hätte auch endlich müſſen einmal zu ſchanden werden vor jedermann. Denn daß jetzt die Wiedertäufer ſie ſchänden, iſt noch unausgeführt, und heißt noch nicht zu ſchanden worden. 87. Gleich wie nun GOtt erhalten hat, daß die Chriſtenheit in aller Welt die Biblia für Biblia, das Vater Unſer für Vater Unſer, den Kinderglauben für Glauben haiten: alſo hat er die Kin dertaufe erhalten, und nicht laſſen untergehen; und doch daneben alle Ketzereien ſind untergangen, die viel jünger nnd neuer ſind geweſt, denn der Kinder Taufe. Solch Wunderwerk GOttes zeiget an, daß die Kindertaufe muß recht ſeyn. Denn ſol-— ches hat er am Papſtthum nicht geübt, welches dazu auch ein neu Ding iſt; aber noch nie bei allen Chriſten in aller Welt alſo angenommen, wie der Kinder Taufe, Biblia, Glauben, Vater Unſer ꝛc. 88. Sprichſt du: Solches ſchleußt noch nichts, — „ daß der Kin der Taufe gewiß ſey; denn es iſt kein Spruch aus der Schrift. Antwort: Das iſt wahr, es ſchleußt nicht ſtark genug mit Sprüchen, daß du Kindertaufe drauf möch⸗ teſt anfahen bei den erſten Chriſten nach den Apoſteln: aber es ſchleußt gleichwol ſo viel, daß jetzt bei unſer Zeit niemand mit gutem Gewiſſen darf der Kinder Taufe, ſo lange herbracht, verwerfen, oder laſſen fallen; weil ſie GOtt mit der That nicht allein duldet, ſondern auch hand— habet, von Anfang, daß ſie noch nie untergan⸗ gen. Denn wo man GOttes Werk ſiehet, muß man eben ſowol weichen und gläuben, als wo man ſein Wort höret; es ſey denn, daß öffentliche Schrift ſolch Werk uns an⸗ zeige zu meiden. Als, das Papſtthum ließe ich auch wahrlich gehen und ſtehen als ein GOttes Werk; aber weil die Schrift dawider iſt, halt ichs wol für ein Werk GOttes, aber nicht für Werk der Gnaden, ſondern des Zorns, das zu fliehen iſt; als alle andre Plagen auch GOttes Werk ſind, aber in Zorn und Ungnaden. 89. Aufs dritte, iſt desgleichen GOttes Werk, daß GOTT allezeit vielen, ſo lals] Kin⸗ der getauft ſind, gegeben hat große heilige Ga— ben, ſie erleuchtet und geſtärket mit dem Heiligen Geiſt und Verſtand der Schrift, und große Dinge durch ſie gethan in der Chriſtenheit; als Welches er ohn Zweife Johanni Huß und ſeinen Geſellen zu der Zeit, und vor ihm vielen andern Heiligen: wie er jetzt auch thut faſt vielen feinen Leuten, und treibt doch der keinen I zu der Wiedertaufe. thun würde, wo ers dafür hielte, daß ſein Gebot von der Taufe nicht recht gehalten wäre. Denn er thut nichts wider ſich ſelbſt: ſo beſtätiget er auch nicht mit ſeinen Gaben den Ungehorſam ſeines Gebots. 90. Weil er denn ſolche Gaben giebt, die wir— bekennen müſſen, daß es GOttes heilige Gaben ſind, ſo beſtätiget er freilich damit die erſte Taufe, und hält uns für recht getauft. Alſo beweiſen wir mit dieſem Werk, daß die erſte Taufe recht, und die Wiedertaufe unrecht ſey; gleichwie St. Petrus und Paulus Apoſtg. 15, 8. 9. auch aus dem Wunder, da GOtt den Heiden den Heiligen Geiſt gab, beweiſeten dieſen Gottes Willen, daß die Heiden nicht mußten Moſes Geſetz halten. 91. Aufs vierte, wo die erſte oder Kin⸗ dertaufe nicht recht wäre, ſo würde folgen, daß länger denn in tauſend Jahren keine Taufe und leine Chriſtenheit geweſen wäre; welches iſt unmöglich. Denn damit würde der Artikel des Glaubens falſch ſeyn: ich gläube eine heilige Chriſtliche Kirche. Denn über tauſend Jahr faſt eitel Kindertaufe geweſt iſt. Iſt die Taufe nun unrecht, ſo iſt die Chriſtenheit ſo lange Zeit ohne Taufe geweſt. Iſt ſie ohne Taufe geweſt, ſo iſt ſie nicht Chriſtenheit geweſt: denn die Chriſtenheit iſt CPriſti Braut, ihm unterthan und gehorſam, hat ſeinen Geiſt, ſein Wort, ſeine Taufe, ſein Sacrament, und alles was Chriſtus hat. 92. Und zwar, wenn die Kinder Taufe nicht gemein in aller Welt, ſondern bei etlichen wäre angenommen lwie das Papſtthum!], ſo möchten die Wiedertäufer einen Schein haben, und dieſelbigen Annehmer ſtrafen; gleichwie wir ſtrafen die Geiſtlichen, daß ſie das Sacrament zum Opfer gemacht haben, welches bei den Laien doch ein Sacrament iſt blieben. Aber weil in aller Welt durch die ganze Chriſtenheit die Kin— dertaufe gangen iſt bis auf dieſen Tag, iſt kein Schein nicht da, daß ſie unrecht ſey, ſon— dern eine ſtarke Anzeigung, daß ſie recht ſey. 93. Aufs fünfte, hiezu ſtimmet nun auch dieſe Schrift, da St. Paulus vom Ende⸗ chriſt ſaget, 2 Theſſ. 2, 4. daß er „ſitzen ſolle in GOttes Tempel“, davon wir droben weiter gehört haben. Iſts „GOttes Tempel“, ſo iſts nicht eine Ketzergrube, ſon⸗ dern die rechte Chriſtenheit, welche muß fürwahr die rechte Taufe haben, da muß kein Zweifel an ſeyn. Nun ſehen und hören wir ja keine andere, denn Kindertaufe, beide unter dem Papſt, Türken und in aller Welt. Item, daß „CHriſtus heißt die Kindlein zu ihm kommen“, und bringen, Matth 19, 14. und ſpricht, „das Reich GOttes ſey ihr“; Item, daß die Apoſtel ganze „Häuſer“ getauft haben, Apoſtg. 16, 15. 1 Cor. 1, 16. Item, daß Johannes den „Kindlein“ ſchreibt, 1 Joh. 2, 14. Item, daß Johannes in Mutterleibe gläu⸗ big ward, Lue. 1, 41. wie ſolches droben ge⸗ ſagt iſt. 94. Ob etliche dieſer Sprüche den Schwär— mern nicht genug thun, da liegt mir nicht an; mir iſt genug, daß ſie dennoch jedermann das Maul ſtopſen, daß ſie nicht köunen ſagen, die Kindertaufe ſey nichts. Sie ſey bei ih— nen gleich ungewiß: ſo habe ich genug, daß ſie müſſen dieſelbige hinfort nicht ſo zunicht machen, ſondern im Zweifel unter ſich bleiben laſſen. Uns aber iſt ſie gewiß genug, weil ſie nirgend wider die Schrift, ſondern der Schrift gemäß iſt. 95. Aufs ſechste, weil GOTT ſeinen Bund mit allen Heiden macht durchs Evangelium, und die Taufe zum Zeichen ein— ſetzt, wer kann da die Kindlein ausſchlie⸗ ßen? Hat nun der alte Bund und das Zeichen der Beſchneidung Abra⸗ hams Kinder gläubig gemacht, alſo, daß ſie GOttes Volk waren und hießen, wie er ſpricht: „Ich will deines Saameus GOtt ſeyn,“ 1 Moſ. 17, 7; ſo muß viel⸗ mehr dieſer neue Bund und Zeichen ſo kräftig ſein, und zu GOttes Volk machen, die, ſo es annehmen. Nun gebeut er, alle Welt ſolle es annehmen. Auf ſolch Gebot (weil nie— mand ausgeſchloſſen!, täufen wir ſicher und frei jedermann, auch niemand ausgeſchloſſen, ohn die ſich dawider ſetzen, und ſolchen Bund nicht wol— len annehmen. Wenn wir ſeinem Gebot nach jedermann täufen, ſo laſſen wir ihn ſorgen, wie die Täuflinge gläuben. Wir haben gnug ge⸗ than, wenn wir predigen und täufen. Haben wir nun nicht ſonderliche Sprüche, die von den Kindern zu täufen ſagen; ſo wenig auch ſie haben Sprüche, die von alten Leuten zu täufen gebieten: ſo haben wir doch das gemeine Evangelium und gemeine Taufe im Befehl, jederman zu reichen; darinn die Kinder auch müſſen begriffen ſeyn. „Wir pflanzen und begießen, und laſſen GOTT Gedeien geben“, 1 Cor. 3, 6. 96. Summa, die Wiedertäufer ſind zu frevel und frech. Denn ſie ſehen die Taufe nicht an für eine göttliche Ordnung oder Gebot, ſondern als wäre es ein Menſchentand; wie viel andere Kirchenbräuche ſind unter dem Papſt, als von Salz, Waſſer, Kräuter weihen. Denn wo ſie es für eine göttliche Ordnung und Gebot hielten, würden ſie nicht ſo läſterlich und ſchändlich da— von reden, wenn ſie gleich unrecht gebraucht würde. Nun ſie aber in der tollen Meinung ſind, daß täufen gleich ein Ding ſey, wie Waſſer und Salz weihen, oder Kappen und Platten tragen; ſo fahren ſie heraus, und hei⸗ ßens ein Hundsbad, item, eine Hand voll Waſ⸗ ſers, und der greulichen Worte viel mehr. 97. Gleich als, wer das Evangelium für recht GOttes Wort hält, der läſterts freilich nicht, ob gleich viel ſind, die es nicht gläuben, noch annehmen, oder auch fälſchlich brauchen. Wer es aber nicht für Gottes Wort hielte, der würde leichtlich auch ſo herfahren, läſtern und ſagen, es ſey Fabel, Mährlein oder Narrentheidinge, und dergleichen; und ſollte leicht geſchehen, daß ——