# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 01_S3 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —3.— euch brüderliche Gemeinſchaft haben will, kommt ihr ihm zuvor und verleugnet euren Gott, nur um mit dem Juden im Bruderbunde zu bleiben; das nenne ich einmal gefällig ſein. S. Wir unſern Gott verleugnen? Wo ſthun wir das? Ich. O, ich meine, es ſei klar, wie der Tag. Ihr dürft den dreieinigen Gott nicht bekennen um eurer jüdiſchen Brüder willen; ſagtet ihr nicht ſo? S. Nun ja, es iſt auch ſo, ſie würden ſich ſonſt für die Geſellſchaften bedanken. Ich. Und was habt ihr bei eurer Taufe für ein Gelübde gethan, welches iſt der Bund, den ihr mit Gott, dem dreieinigen, gemacht habt. Iſts nicht der, daß ihr abſagtet dem Teufel, all ſeinem Weſen und Werken und euch dem dreieini⸗ gen Gott als beſtändiges Eigenthum zuſchworet, den ihr bekennen wolltet, allen Teufeln zum Trotz und ohne Furcht vor irgend einer Creatur? Seid ihr eurem Bunde gemäß alſo nicht ſchul⸗ dig, den dreieinigen Gott, der den Teufeln ein Schrecken und den Juden und Heiden ein Ge⸗ genſtand der Läſterung iſt, vor aller Welt, mit Worten und Werken, zu allen Zeiten und in je— der Lage zu bekennen, und keinen aidern Gott neben ihm gelten zu laſſen, auch wenn es Leib und Leben koſtete? Habt ihr nicht einen ſolchen Bund mit Gott gemacht? — Und nun, was thut ihr! Ihr verleugnet euren Glauben, und euren Gott, um Menſchen zu gefallen, und.ruft den Indianergötzen an, damit ihr als Brüder der Juden und Chriſtusleugner zugleich mit ih⸗ nen beten könnt. S. Haben die Juden einen andern Gott als wir? Ich. Auf jeden Fall, denn ſie läſtern IEſum Chriſtum, den wir anbeten. S. Iſt denn IEſus Chriſtus Gott? Ich. Wie? dieſe Frage könntet ihr thun, die ihr auf ſeinen Namen getauft ſeid, die ihr ſein Fleiſch gegeſſen und ſein Blut getrunken, die ihr mich zu einem Prediger ſeines Worts und Evan⸗ geliums berufen habt? Ja, tauſendmal Ja und Amen; JéEſus Chriſtus iſ Gott. Trotz allen Teufeln, Trotz dem Tod, Trotz der Hölle! S. Was iſt dann der Vater? Ich. Aha! da liegts. Nun merke ich erſt, wo es hinaus will. Ihr bildet euch ein, der Jude betet auch ein Stück von unfrem Gotte an, nämlich den Vater. Führtet ihr nicht ſchon ſelbſt die Stelle an: Gott iſt ein Geiſt? Iſt er ein Geiſt, ſo kann man nichts ſtücken an ihm. Wer ihn nicht ganz hat, der hat ihn gar nicht. Wer den Sohn nicht kennet, der kennet auch den Vater nicht; und wer den Sohn nicht ehret, der ehret auch den Vater nicht. Und, darf ich fortfabren? wer den Sohn läſtert, der läſtert auch den Vater. Daraus folgt, daß die Juden nicht nur vom wahren Gott nichts wiſſen, ſondern ihn ſogar läſtern. S. Wollen Sie denn behaupten, daß alle Ju— den verdammt ſeien? Ich. Wie kommt ihr dazu, mich Dinge zu fragen, die weder mich noch euch etwas ange⸗ hen? Gott iſt gerecht, das weis ich; Unrecht wird er Keinem chun, das iſt gewiß. S. Iſt nicht auch der Jude unſer Bruder? Ich. Ja, wenn ich ihm helfen kann in irgend einer Noth, auch wenn ich für ihn bete; aber nicht, wenn ich mit ihm beten ſoll. S. Warum ſollte ich nicht mit ihm beten dürfen? ö Ich. Weil entweder der Jude meinen HErrn IEſum mit anbeten muß (das wird er nicht wollen), oder ich mit ihm Chriſtum läſtern muß; anders werden wir nicht eins.— S. Der Jude kann aber ſeinen Gott, ich mei⸗ nen anbeten. Ich. Höre, Freund, wenn jemand deinen Vater ſchmäht und deine Mutter eine Hure heißt, wirſt du dir dieſen zu einem Buſenfreund vor vielen Andern erwählen? Wirſt du nichts lieber thun, als mit dieſem zu lachen, zu ſcher⸗ zen, zu kurzweilen? Oder gehſt du ihm, wie einem böſen, reißenden Thier ſchon von Weitem aus dem Weg? Und dem, der deinen Heiland läſtert, kannſt du nach deiner Meinung nicht genug mit Freundlichkeit zuvorkommen? Der nicht nur deinen Vater oder deine Mutter beſchimpft, ſon— dern deinem Gott und HErrn die Ehre und Ma⸗ jeſtät raubt und Ihn als einen Lügengott dar⸗ ſtellt, mit dem willſt du durchaus beten? Ja, wenn du es nur thun könnteſt, ohne dich ſeiner Läſterung ſchuldig zu machen. Aber ſtelle dir vor, während ihr mit einander betet, käme der HErr, die große Scheidung ginge vor ſich. Von zweien, die auf einem Bette liegen, wird Einer augenommen, der andere wird verlaſſen. Von zweien, die an einer Mühle mahlen, wird Eine angenommen, die andere wird verlaſſen. Da liegt ein Chriſtusläſterer und neben ihm du, er hat Chriſtum geläſtert, und du wareſt dabei und haſt es geduldet, kein Mißfallen daran gehabt, du haſt ſogar mit ihm läſterlich gebetet. Welcher von euch wird angenommen werden? Wohl kei⸗ ner; ihr werdet wohl beide verlaſſen werden, als Leute von eines Gleichen. Du mußt deinen Gott bekennen, und thuſt du's nicht, ſo biſt du eine elende abgefallene Creatur. So thaten die Apoſtel nicht, ſo nicht die h. Märtyrer; lieber duldeten ſie alle Qualen, und den Tod dazu, ehe ſie von dem Bekenntniß ihres Gottes wichen. S. Sie hätten Recht, Herr Pfarrer, wenn die geheimen Geſellſchaften etwas mit Religion zu thun hätten. Nun iſt das aber ganz und gar nicht der Fall. Ich. Das will ich gerne glauben, daß ſich die Geſellſchaften nicht ſonderlich viel mit Religion befaſſen. Haben ſie denn aber nicht ihre beſon— deren Geiſtlichen, welche den großen Geiſt anzurufen haben, und betet ihr denn nicht mit einander? S. Ja, das hat aber alles nichts mit der Re— ligion zu thun. denn Beten, und namentlich gemeinſchaftliches Beten nicht eine religiöſe Handlung, iſt da nichts von Religion? S. Nein, das iſt nichts von Religion. Ich. Ich weiß nicht, wie mir zu Muthe wird, Ich. Womit denn, ums Himmele willen! Iſt: wie mir iſt; bin ich verrückt, oder ſeid ihr ver⸗ rückt. Ich meinie doch, es wären vier Männer zu mir gekommen, ich glaubte auch Männer zu ſehen, nun höre ich aber kindiſchen Unverſtand reden. Saget mir doch, ich bitte, welchen Men⸗ ſchen nenne ich religiös? doch wohl denjenigen unter anderen, der viel betet? X. Nicht eben den, der viel betet, denn man muß nicht immer blos beten, ſondern auch arbeiten. Ich. Wie nun muß man alſo beten, lebret mich. X. So wie's recht iſt. ö Ich. Nun meinetwegen. Wer alſo betet, wies recht iſt, nenne ich den religiös oder nicht? X. Ja, dieſen nennt man ſo. Ich. Gehört alſo das Gebet zu den Dingen der Religion oder nicht? P. O. X. Ja! — Ja! — freilich auch mit zur Religivn. Ich. Nun Gott Lob, daß dieſe Finſterniß über iſt! Mir wars eben, als ſäße ich in einer finſtern Höhle wo man mit Händen tappen muß, und wo man die Finſterniß greifen kann. Wie möget ihr nun ſagen, die geheimen Geſellſchaf⸗ ten hätten gar nichts mit Religion zu thun, da ſie ihren beſonderen Propheten haben, ihren beſondern Gott, den großen Geiſt der Indianer anrufen und gemeinſchaftlich zu dieſem beten? Oder wie möget ihr behaupten, ich hätte nicht Recht, daß ihr alle dabei euren Gott verleugnet und abtrünnige Creaturen ſeid, woſern die Ge⸗ ſellſchaften etwas mit Religien zu thun haben? —31 Ja! Es gehört ſucht. Die Geſellſchaften haben nicht Religion zu ihrem Zweck, das meint ihr. Aber was ſchaftlichen Handlungen der Religion euren Gott, den einigen wahren Gott, den dreieinigen, ver⸗ leugnet? — Ein rechtes Kriegsheer hat auch nicht den Zweck zu rauben und zu plündern, ſondern allenthalben das Recht zu ſchützen, Land und Leute zu vertheidigen. Wenn nun die Sol— daten dabei doch rauben und plündern, und alle Gottloſigkeit und Grauſamkeit ansüben, wird das Alles damit gut, daß das Heer an ſich nicht dieſen hölliſchen gottloſen Zweck batte, nicht in dieſer Abſicht auszog? S. Meiner Treu, auf den Zweck der Geſell⸗ ſchaften wenn Sie kommen, da ſind wir gepan— zert, und unüberwindlich; der Zweck iſt unläng⸗ bar gut. Ich. Ihr hättet euch und euxe Brüder zwar zuerſt als abgefallene Chriſten zu bekennen, rhe wir weiter gehen; doch wohlan, wlr wollen ein— mal den edlen Zweck dar gebeimen Geſellſchaften näher ins Auge faſſen! S. Gut, Witwen und Waiſen zu anterſtützen, das iſt unſer Zweck, nichts anders. Ich. Sind das fremde Witwen nur Maiſen, oder eure eigenen? S. UNnire eigenen. Ich. Sind auch dieſe ſchon Witwen und Wai⸗ ſen oder müſſen ſie es erſt werden? S. Sie könnten es werden. Ich. Werdet ihr alſo jedenfalls früber vder ſpäter ſterben, als eure Weiber und Kinder? —.— — — — —.— Ich weiß wohl, wie ihr euch herauszuwinden kann euch das helfen, wenn ihr doch bei gemein⸗