# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Januar 1950_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Seite 6 Januar 1950 Nummer 1 Die „Lutherische Stunde“ im Rundfunk Zu den Vorzeichen des „lieben Jüngsten Tages“, wie Luther sagt, gehört auch nach Jesu Wort die weltweite Verkündigung des seligmachenden Evangeliums: „Es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ (Matth. 24, 14). Seit Jahrtausenden erfüllt sich dieses Wort immer mehr durch das gesegnete Werk der Heidenmission, in dem die Boten Jesu Christi und seiner Kirche überall hinausziehen und den Völkern in ihrer Sprache die großen Taten Gottes bezeugen. In den letzten Jahren ist aber außerdem noch eine wunderbare Erfindung auf dem Gebiet der Technik in den Dienst der Verbreitung des Evangeliums getreten: der Rundfunk. Unsere amerikanischen Glaubensgenossen haben in St. Louis, auf dem Grundstück des neu errichteten stattlichen theologischen Seminares eine eigene Sendestation errichtet, von welcher unter anderem wöchentliche Sendungen in alle Welt hinausgehen. Diese Sendungen werden unter der Bezeichnung „The Lutheran Hour“ (die Lutherische Stunde) auf mehr als 1100 Sender in der ganzen Welt übernommen und gegenwärtig in 20 verschiedenen Sprachen nach 50 Ländern übermittelt. So sind z. B. in der letzten Zeit Sendungen in den asiatischen Sprachen Telugu, Indonesisch, Siamesisch hinzugekommen. Am 7. Dezember 1949 beging die „Lutherische Stunde“ ihr 25-jähriges Jubiläum. Es ist ein gewaltiges Unternehmen, das eine große Organisation, sehr viele Hilfskräfte und gewaltige Opfer erfordert. „Die Lutherische Stunde“ wird finanziell insonderheit von der Lutherischen Laienliga (L. L. L.) getragen, welche sich aus lutherischen Männern innerhalb der Missouri-Synode zusammensetzt. Im Jahre 1948 war die Summe von $ 1.400 000 erforderlich, alles freiwillige Gaben des Glaubens und der Liebe, um das teuerwerte Evangelium in der Welt zu verbreiten. Es wird geschätzt, daß diese Sendungen von 20 Millionen Menschen gehört werden. So ist diese „Lutherische Stunde“ eine wunderbare Gelegenheit, dem HErrn Jesus Christus den Weg in der Welt zu bereiten und seine Gnade und Wahrheit kundzutun. Den Hauptinhalt der Sendungen bilden die Predigten von Prof. D. Walter Maier, dem Gott ganz besondere Gaben der eindringlichen evangelistischen Verkündigung gegeben hat, und dessen Ansprachen zahllosen zu neuem Leben in Christo, zur Stärkung ihres Glaubens und zur Wegweisung für ihr Christenleben gedient haben. Die Fülle der Briefe aus allen Enden der Erde, die D. Maier mit Bitten um Rat und Weisung aus Gottes Wort bekommt, zeugen davon, welche Ströme des Segens von dieser Missionsarbeit ausgehen. Daß es auch Schwierigkeiten und Hindernisse, wie bei aller Reichsgottesarbeit gibt, geht aus einer Notiz des „Lutheraner“ hervor, daß die „Lutherische Stunde“ in Argentinien verboten wurde, weil die katholische Kirche dagegen Einspruch erhoben hat, da sie allein die wahre [Bild: D. Walter Maier] Religion habe. Doch Gott bekennt sich sichtlich zu diesem wunderbaren Missionswerk. Er schenkt die nötigen Mittel und Männer, die besonders geeignet sind, das Evangelium in erweckender Weise zu verkündigen. Auch wir wollen dieses Werkes fleißig im Gebet gedenken und es, soviel wir können, unterstützen. Seit einiger Zeit wird die „Lutherische Stunde“ in deutscher Sprache übertragen auf Radio Luxemburg, (1293m) sonnabends 11.30. Alle unsere Leser, die ein besseres Radiogerät haben, können ohne Mühe diese Sendung hören. Angekündigt sind auch deutsche Sendungen über Radio Baden-Baden (362,2 m) mittwochs 20 Uhr, RIAS Berlin (491,8 m) sonntags 11 Uhr, Radio Bremen (569 m) sonntags 14 Uhr und Radio Stuttgart (522,6 m) sonntags 19 Uhr. Wenn es auch an Wochentagen für viele nicht möglich sein wird, diesen Sendungen zu lauschen, so können sie doch für Einsame und Kranke, für zerstreute Gemeindeglieder, die nur selten einem Gottesdienst beiwohnen können, und für Menschen, die Trost und Frieden suchen, von unschätzbarem Wert und entscheidender Bedeutung für die Ewigkeit sein. Wir wollen uns mit herzlichem Dank gegen Gott und gegen unsere eifrigen Glaubensgenossen, die dieses große Missionswerk unternommen haben, auch dieses neuen Mittels der Missionsarbeit bedienen, selbst hören und andere darauf hinweisen. So können wir, wenn Gott Gnade gibt, manchem verlorenen Menschen zum ewigen Leben helfen. Gottes Werk geht voran. „Er sendet seine Rede auf Erden, sein Wort läuft schnell“. (Psalm 147, 15). Hch. St. Unsere Missionsaufgabe (V) Nach einer kurzen Unterbrechung der Artikelreihe: „Unsere Missionsaufgabe“ setzen wir sie mit der heutigen Nummer fort. Wie bisher dargelegt wurde, besteht die Erfüllung unserer Missionsaufgabe darin, daß wir Zeugen Jesu Christi sind und als solche in der Gemeinde und mit der Gemeinde tätig sind am Bau des Reiches Gottes. Aber die Erfüllung dieser Aufgabe erstreckt sich auch weiter auf unser ganzes Leben, daß wir überall dort, wohin wir in unserm täglichen Leben gestellt sind, Zeugnis ablegen müssen von unserm Glauben. Darauf weisen die nun folgenden Ausführungen uns hin, die auf die Frage: „Wo legen wir Zeugnis ab?“ Antwort geben. Mit großem Ernst ruft der HErr Jesus uns zu: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ Darin liegt der Anspruch des HErrn an jeden einzelnen Christen, daß er seinen Mund auftue vor den Menschen, wohin er auch immer in seinem Leben gestellt ist, und daß er seinen Heiland bekenne, wo immer er auch mit anderen Menschen in Berührung kommt. Wo legen wir Zeugnis ab? Schon im Alten Testament wurde es von dem Volk Israel gefordert, daß es allenthalben von Gottes Wort reden und Zeugnis ablegen sollte: „So fasset nun diese Worte zu Herzen und in eure Seele, und lehret sie eure Kinder, daß du davon redest, wenn du in deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest, und wenn du aufstehest.“ (5. Mos. 11, 18, 19,) Dasselbe wird uns auch im Neuen Testament ans Herz gelegt, wenn der Apostel Petrus schreibt: „Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung j e d e r m a n n, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist“ (I. Petr. 3, 15). In der Familie Wohin ist denn ein Christ gestellt in seinem täglichen Leben? Nun, zunächst in s e i n e F a m i l i e, und dort sollte er darum auch immer mit der Erfüllung seiner persönlichen Missionspflicht beginnen. Gottes Wort weist uns immer zuerst auf das Nächstliegende. So gebot Gott der HErr dem Gläubigen des Alten Bundes: „Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie d e i n e n K i n d e r n schärfen.“ Ebenso wies der HErr Jesus den geheilten Besessenen an: „Gehe hin in d e i n H a u s und zu d e n D e i n e n und verkündige ihnen, wie große Wohltat der HErr dir getan hat.“ Man möchte vielleicht meinen, daß Christen an diese Pflicht nicht mehr besonders erinnert werden müßten. Geschieht es nicht schon dank der festen Ordnungen und Sitten in unsern Gemeinden, daß christliche Eltern ihre Kinder zur Taufe bringen und sie dann in schulpflichtigem Alter durch den Pastor der Ge⸗